Während bei Rapid trotz der Vorbereitung auf eine schwierige Frühjahrssaison die Vorfreude für das Europa-League-Sechszehntelfinale kaum Grenzen kennt, hängt bei Inter Mailand der Haussegen... Rapid-Gegner Inter Mailand auf der Suche nach sich selbst

Während bei Rapid trotz der Vorbereitung auf eine schwierige Frühjahrssaison die Vorfreude für das Europa-League-Sechszehntelfinale kaum Grenzen kennt, hängt bei Inter Mailand der Haussegen schief. Auch ein Vertragspoker, ein missglückter Transfer und Wechselwünsche schlagen sich auf die Leistungen aus.

Zweieinhalb Wochen vor dem Heimspiel gegen Inter Mailand am 14. Februar verkündete Rapid, dass das Hinspiel des Europa-League-Sechszehntelfinales gegen den italienischen Spitzenklub praktisch ausverkauft sei. Lediglich wenige Karten im Hospitality-Bereich seien noch erhältlich. Darüber hinaus sei es laut Klubservice-Leiter Andy Marek ein Novum, dass vor dem Start des freien Vorverkaufs keine Karten mehr verfügbar seien.

Bei Inter Mailand begann am 17. Jänner die dritte Vorverkaufs-Phase für Nicht-Abonnenten. Die Chancen, dass auch das Rückspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion vor vollen Rängen über die Bühne geht, sind äußerst gering. Trotz der Tatsache, dass Rapid für seine Anhänger 5.000 Karten erhielt. Es sind gleichzeitig die einzigen Tickets, die österreichische Fans für die Begegnung Inter Mailand – Rapid erwerben dürfen.

Inter Mailands Ergebnis- und Leistungskrise in der Serie A

Während sich Rapid im türkischen Belek auf seine Frühjahrssaison, die mit der Heimbegegnung gegen Inter Mailand beginnt, vorbereitet, stehen die Nerazzurri seit Mitte Jänner wieder im Pflichtspiel-Betrieb. In den ersten Partien in der Serie-A-Rückrunde fuhr die von Luciano Spalletti trainierte Mannschaft ein torloses Heimremis gegen Rapids Europa-League-Gegner im Herbst 2016, Sassuolo, sowie eine 0:1-Auswärtsniederlage gegen Turin FC ein.

Sassuolo ist Inter Mailands Angstgegner schlechthin ist und die Nerazzurri absolvierten diese Heimpartie nach den Rassismus-Vorfällen im Schlager gegen Neapel lediglich vor jeweils 200 Zuschauern pro Verein, Journalisten und Kindern im ersten Rang. Das kann ein Grund für das Auftreten des Meisterschaftsdritten in dieser Begegnung, in der Mauro Icardi nur insgesamt 16 Ballberührungen verbuchte, gewesen sein. Die Leistung war aber auch abseits dieser Tatsachen kein Zufall.

Einer starken Defensive steht eine Offensivschwäche gegenüber

Während die Spalletti-Elf vor allem vor eigenem Publikum mit einer stabilen Defensive aufzeigt, hat Inter Mailand große Probleme in der Offensive. Seit Ende November und mit Stand 28.01.2019 netzte Rapids kommender Gegner in zwei von elf Pflichtspielen nie mehr als einmal ein. Das war Anfang Dezember bei einem umstrittenen 2:2-Auswärtsremis in der Serie A gegen AS Rom, sowie Mitte Januar bei einem 6:2-Heimerfolg gegen Benevento im Achtelfinale der Coppa Italia der Fall. Im Cup zog ein früher 0:2-Rückstand dem Vorjahres-Absteiger in die Serie B sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg.

Diese Offensivprobleme kosteten Inter Mailand nach einer aussichtsreichen Ausgangslage mit sieben Punkten aus den ersten vier Spielen den Aufstieg ins Champions-League-Achtelfinale. Nach einer 0:1-Auswärtsniederlage gegen Tottenham Hotspur mussten sich die Nerazzurri gegen PSV Eindhoven, das in sechs Gruppenspielen insgesamt zwei Punkte holte, vor eigenem Publikum mit einem 1:1 begnügen.

Icardi ist ohne neun Millionen pro Saison demotiviert

Wer meint, dass die Offensivschwäche bei Inter Mailand ausschließlich an der oft kritisierten Spielweise unter Spalletti liegt, irrt. Denn: Sportchef Giuseppe Marotta, der nach einer äußerst erfolgreichen Arbeit bei Juventus Turin vor die Tür gesetzt wurde und sich mit Sicherheit bewusst für einen Wechsel zum Erzrivalen der Alten Dame entschied, hat einige Baustellen. Die fehlende Motivation bei Icardi hängt mit der Tatsache zusammen, dass sich dessen Frau und Managerin Wanda Nara noch nicht über eine Vertragsverlängerung zu neun Millionen pro Saison einigte. Die Sendung Domenica Sportiva des italienischen Staatssenders Raidue berichtete, dass ein Treffen in den vergangenen Tagen erfolglos blieb und dass eine Entscheidung möglicherweise erst im April fällt.

Perisic möchte auf die Insel, Nainggolan entpuppt sich als Fehleinkauf

Der Linksaußen Ivan Perisic sieht sich überhaupt nicht mehr bei Inter Mailand, ein Wechsel des kroatischen Vizeweltmeisters in die englische Premier League zu Arsenal oder Manchester United in der Winterpause ist wahrscheinlich. Und Radja Nainggolan, der beim AS Rom aufgrund seiner mangelnden Profi-Einstellung nicht mehr erwünscht war und seinem ehemaligen Mentor Spalletti zu Inter Mailand folgte, sorgte mehr abseits als auf dem Spielfeld für Schlagzeilen. Nicolò Zaniolo, der im Tausch mit dem früheren belgischen Teamspieler in die Hauptstadt wechselte, avanciert in Gelb-Rot immer mehr zum Schlüsselspieler. Für diesen aus Sicht von Inter Mailand missglückten Deal im Sommer war der im Herbst unter Vertrag genommene Marotta noch nicht zuständig.

Alice Kopp, abseits.at

Alice Kopp