Der Erfolg der spanischen Fußballnationalmannschaft hat seine Wurzeln bei den Topvereinen der Primera Division. Die internationalen Titel in den letzten Jahren des FC Barcelona... Fußballmacht Spanien (2/2) – Viele Teams, ein Weg

Der Erfolg der spanischen Fußballnationalmannschaft hat seine Wurzeln bei den Topvereinen der Primera Division. Die internationalen Titel in den letzten Jahren des FC Barcelona (6 Titel seit 2008/09) aber auch von Atletico Madrid (Europa League 2010, 2012) beweisen, dass der eingeschlagene Weg der spanischen Teams in der Vergangenheit der richtige war.

Das Fundament FC Barcelona

Der Großteil des spanischen Nationalteams besteht aus Spielern des FC Barcelona. Akteure wie Puyol, Pique, Busquets, Iniesta oder Xavi bilden schon seit einigen Jahren eine Stütze in beiden Teams. Auch die erst kürzlich zugekauften Spieler wie Villa und Fabregas sind nur schwer aus der Nationalmannschaft wegzudenken.

Durch eine gut strukturierte Jugendarbeit, in welcher schon die jüngsten Talente das schnelle und technisch anspruchsvolle Kurzpassspiel, auch als „Tiqui-Taca“ bekannt, antrainiert wird, ist ein langfristiger Erfolg der Mannschaft nahezu garantiert. In der Jugendakademie La Masia werden bis zum Alter von 16 Jahren nur technische Fähigkeiten mit dem Ball trainiert und vollständig auf Krafttraining verzichtet. Die stärksten und besten Talente werden daraufhin zum FC Barcelona B verlegt, wo diese die Möglichkeit bekommen, im Profifußball erste Erfahrungen zu sammeln. Der Aufstieg der 2. Mannschaft in die Segunda Division im Jahr 2010 war dahingehend ebenfalls sehr von Vorteil. In der Saison 2010/11 belegte man sofort sensationell Platz 3, dieses Jahr wurde es immerhin Rang 8. Junge Spieler wie Tello, Muniesa und Montoya konnten schon einige Einsatzminuten in der Kampfmannschaft absolvieren, und einige weitere Talente werden mit Sicherheit folgen. Viele Eigenbauspieler wie Valdes, Pique, Puyol, Busquets, Xavi, Iniesta oder Pedro ermöglichen den Katalanen ein perfekt aufeinander abgestimmtes Kombinationsspiel, welches letztendlich auch im Nationalteam seine Auswirkungen zeigt.

Erfahrene Stars des Real Madrid

Die „Königlichen“ aus Madrid stellten mit 5 Spielern ebenfalls einen beachtlichen Teil des heurigen EM-Kaders der Spanier. Auffallend dabei ist die Tatsache, dass Real mit Kapitän Casillas hauptsächlich die Verteidigung stellt (Ramos, Arbeloa) und nur 1 defensiver Mittelfeldspieler mit Xabi Alonso für das eigentliche Spielgeschehen verantwortlich ist. Durch langjährige Länderspielerfahrung sind diese Spieler fast unentbehrlich geworden und nur schwer von anderen Akteuren zu verdrängen. Rekordnationalspieler Iker Casillas schaffte die erstaunliche Leistung, in 137 Länderspielen seit dem Jahr 2000 hundert Mal zu gewinnen. Xabi Alonso (102) und Sergio Ramos (92) können ebenfalls auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken und haben einen nicht geringen Anteil am Erfolg Spaniens.

Die zweite Reihe

Die Primera Division ist in den letzten Jahren von einem Zweikampf um den Titel der beiden Großklubs geprägt. Dahinter klafft ein großes Loch, da kein Team auch nur annähernd über eine Saison den Anschluss an die Spitze halten kann. Doch trotzdem bieten Klubs wie Atletico Madrid, FC Valencia und Athletic Bilbao in der Europa League ansehnliche Leistungen. Ein Indiz dafür war das heurige Halbfinale, bei welchem ebendiese drei Teams noch im Bewerb vertreten waren. Ähnlich wie der FC Barcelona und Real Madrid praktizieren diese Mannschaften schnellen offensiven Fußball. Dazu sind ebenfalls technisch versierte Spieler von großer Bedeutung. Für taktische Raffinesse sorgen zudem die argentinischen „Trainerfüchse“ Marcelo Bielsa und Diego Simeone.

Athletic Bilbao – das baskische Phänomen

Der baskische Verein gehört zu den drei Mannschaften, die seit dem Jahr 1928 ununterbrochen erstklassig sind. Die im „San Mames“ beheimateten Löwen spielten sich in den letzten Jahren erstmals seit längerer Zeit wieder in die Schlagzeilen. Mit dem Erreichen des Europa-League-Finales 2011/12 erreichte man den vorläufigen Höhepunkt. Die einzigartige Vereins- und Transferpolitik besagt, dass nur Spieler mit baskischer Herkunft im Team spielen dürfen. Eine gute Jugendarbeit sowie schneller Offensivfußball sorgte dafür, dass mit Fernando Llorente und Javi Martinez zwei Akteure im EM-Kader der Spanier standen.

Trotz dieser beträchtlichen Einschränkung in der Spielerpolitik schaffte man es, eine junge dynamische Truppe zusammenstellen, die einen technisch starken und schnellen Fußball spielt. Junge Spieler, allen voran Iker Muniain, wurden in den letzten Jahren sehr stark gefördert. Ein spielerischer Absturz in den nächsten Saisonen ist nicht abzusehen, da mit einem eingespielten Team und Trainerexperte Bielsa viele Möglichkeiten offenstehen.

Fazit

Abschließend kann man ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass sich der spanische Offensivfußball in den letzten Jahren in Europa durchgesetzt hat und eine einzigartige Dominanz ausübt. Die Primera Division hat vom spielerischen Niveau mindestens zur englischen Premier League aufgeschlossen, und gemessen an internationalen Spielen in den letzten Jahren sogar überholt. Dieser attraktive Spielstil, welcher schon in der frühesten Jugend den Spielern angeeignet wird, hat den Defensivfußball bzw. das früher sehr beliebte „Catenaccio“ bei weitem überholt. Die totale Kontrolle im Spiel zu besitzen ist dabei ein sehr wichtiger Bestandteil. Ballbesitzorientierter und schneller Kombinationsfußball sowie der ständige Drang ein Tor zu erzielen haben im spanischen Fußball Überhand genommen. Durchaus positive Aspekte, welche jedem Fußballfan das Zusehen von diesen Mannschaften und dem Nationalteam zu einem Genusserlebnis werden lassen.

David Ryborz, www.abseits.at

David Ryborz

  • tramina

    6.Juli.2012 #1 Author

    allerdings muss man auch dazusagen dass die spanischen Vereine ihren Erfolg auf Pump finanziert haben. Sollte die UEFA ihr Financial Fairplay wirklich ernst nehmen dürften Vereine wie Athletico Madrid eigentlich bald nicht mehr international Spielen.
    Auch ist zu beobachten dass die Europa League von Vereinen aus England und Italien nicht ernst genommen wird, da sie finanziell einfach nicht attraktiv genug ist. Ansonsten hätten die Clubs aus Manchester letzte Saison in der EL sicher eine gewichtigere Rolle gespielt.

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