Im Jahr 1998 wechselte Denilson um inflationsbereinigte 34 Millionen Euro von São Paulo zu Real Betis, wodurch  er damals zum teuerste Transfer aller Zeiten... Denilsons verpatzte Karriere  – vom teuersten Spieler der Welt, zum teuersten Spieler Vietnams

Im Jahr 1998 wechselte Denilson um inflationsbereinigte 34 Millionen Euro von São Paulo zu Real Betis, wodurch  er damals zum teuerste Transfer aller Zeiten wurde. Der Brasilianer konnte in Europa allerdings nie den hohen Erwartungen gerecht werden und legte ein unrühmliches Karriereende hin. Abseits.at wirft einen Blick auf jenen Mann, der den Fußball zwar im Herzen hatte, aber an den hohen Erwartungen, seiner Arroganz und Gier scheiterte.

Als Denilson vor etwa 13 Jahren nach Europa wechselte sahen das die brasilianischen Fußballfans mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits verloren sie ihr größtes Talent, andererseits wussten sie, dass ihr spektakulärster Spieler den Europäern das vorführen wird, wozu nur Brasilianer im Stande sind. Ein São-Paulo-Fan lobte den Flügelspieler und sagte, dass man an ihm gut erkennen kann, dass es beim Fußball nicht nur um Geld geht, sondern dass man Fußball auch im Herzen haben muss. Letztendlich scheiterte Denilson trotz seiner großen Spielfreude gerade am Geld, denn einerseits konnte er die hohen Erwartungen nach dem Rekord-Transfer nicht erfüllen, andererseits traf er auf der Suche nach dem höchstdotierten Vertrag immer wieder fragwürdige Entscheidungen und spielte sich selbst ins Abseits.

Ein teurer Fehlkauf

Wie man sich denken kann war Real Betis nicht der einzige Verein, der den Brasilianer verpflichten wollte und es war eine große Überraschung, als sich der Klub aus Sevilla gegen die starke Konkurrenz durchsetzte. Die Spanier gingen an ihre absolute Schmerzgrenze und gaben dem Jungstar einen Zehnjahresvertrag. Denílson de Oliveira Araújo überzeugte zuvor nicht nur bei seinem Verein São Paul, sondern zeigte auch beim Copa America überragende Leistungen, wo er zwei Tore erzielte und mit Brasilien den Titel gewann.

Die Art und Weise wie Denilson am Platz auftrat, ließ vermuten, dass er es schaffen könnte, sich unter den ganz Großen seiner Zunft einzureihen. In seinem Heimatland wurde er zu Beginn seiner Karriere oft mit Garrincha verglichen, dem legendären Dribbler, der schlussendlich den Kampf gegen den Alkohol verlor und mit nur 49 Jahren an einer Leberzirrhose starb. Denilson fühlte sich am linken Flügel am wohlsten und spielte die Verteidiger der Reihe nach schwindlig. Seine großartige Technik ließ seine Gegenspieler verzweifeln und es lag immer etwas Überhebliches in der Luft, wenn Denilson seine Gegner vorführte. Nicht selten fing er mitten auf dem Platz zu gabeln an und spielte den Ball erst im letzten Moment ab.  Er hatte jedoch nicht nur eine hervorragende Technik, sondern war auch sehr schnell und konnte seinen Körper gut einsetzen, um die Gegner in Laufduellen abzuschütteln.

Real Betis wollte mit der spektakulären Verpflichtung ein Zeichen setzen, aber es lief von Anfang an schlecht mit dem Neueinkauf. Nach einer enttäuschenden ersten Saison lief es im darauffolgenden Jahr noch schlechter und der Klub stieg zusammen mit dem teuersten Spieler der Welt in die Segunda División ab. Dem Verein gelang zwar der Wiederaufstieg, aber Denilson war auch in den Jahren danach nicht mehr als ein Mitläufer. Er begeisterte zwar immer wieder durch spektakuläre Solos und kuriose Einlagen, aber den Zuschauern wären im Laufe der Zeit Tore und Assists wichtiger gewesen. Denilson war trotz seiner fehlenden Konstanz am Platz oftmals überheblich und wollte nicht einsehen, dass er in der spanischen Liga eben weniger Zeit für seine Kunststücke hatte, als in seinem Heimatland. Der negative Höhepunkt seiner Karriere in Spanien war in der Saison 2004/05, als er nur drei Mal in der Startaufstellung stand. Real Betis löste den Zehnjahresvertrag nach der Hälfte der Zeit auf und Denilson wechselte zu Girondins de Bordeaux.  Der Flügelstürmer schoss in 186 Meisterschaftsspielen nur 13 Tore für Real Betis.

Sechs Jahre, sieben Vereine

Das Jahr bei Girondins de Bordeaux lief aus sportlicher Sicht zufriedenstellend, denn Denilson kam immerhin auf 31 Einsätze. Er schoss zwar nur drei Tore, zeigte allerdings teilweise starke Leistungen, wobei er auch in Frankreich nicht eine ganze Saison auf demselben hohen Niveau spielen konnte. Trotzdem wollte Denilson einen besseren Vertrag und obwohl Girondins de Bordeaux den Flügelstürmer gerne behalten hätte, konnten sie ihm seine finanziellen Wünsche nicht erfüllen. Bei Al Nassr FC aus Saudi Arabien saß das Geld allerdings lockerer und der Brasilianer verabschiedete sich ins fußballerische Niemandsland. Nach 15 Spielen und drei Treffern zog es ihn in die USA zum FC Dallas, wo er als „designated player“ ebenfalls ein nettes Auskommen fand. Sein Trainer Steve Morrow war jedoch schon bald unzufrieden mit der Einstellung seines neuen Schützlings und sortierte ihn aus. Im Jahr 2008 war er der Edeljoker bei Palmeiras, wo er nur sechs Mal in der Startaufstellung stand und 24 Mal eingewechselt wurde. Über Itumbiara Esporte Clube wechselte er zum vietnamesischen Verein Vicem Hải Phòng, wo er jedoch auch nur zwei Spiele bestritt. Immerhin kann Denilson heute von sich behaupten, dass er der Spieler mit dem höchsten Gehalt war, der jemals in Vietnam spielte. Nach seinem kurzen Abenteuer in Vietnam nahm in Kavala FC aus Griechenland unter Vertrag. Für seinen letzten Verein sollte er aber keine einzige Partie spielen. Sein Fitnesszustand war mangelhaft und  Denilson trainierte nicht hart genug um den Rückstand aufzuholen. Der Vertrag wurde drei Monate nach Abschluss wieder aufgelöst. Momentan arbeitet Denilson für einen brasilianischen Radiosender, wo seine mangelnde Fitness nicht so stark ins Gewicht fällt.

Talent ist nicht alles

Walerij Lobanowskyj sagte einmal, dass das Talent eines Spielers nur einen Prozent seines Erfolges ausmachen würde – der Rest sei harte Arbeit. Es lässt sich darüber streiten, ob es wirklich nur ein Prozent ist, aber am Beispiel von Denilson sieht man gut, dass Talent alleine viel zu wenig ist. Der Spieler ist den hohen Erwartungen nicht gerecht geworden und der Rekord-Transfer führte nur dazu, dass er noch selbstsicherer und überzeugter von sich wurde, was in seinem Fall jedoch nichts Gutes war, sondern in Überheblichkeit, Selbstzufriedenheit und Faulheit mündete. Durch seine mangelhafte Einstellung konnte er sich kein Denkmal für die Nachwelt setzen und wird nie in einem Atemzug mit Maradona, Pelé und Garrincha erwähnt werden. Wenn, dann dient er nur als abschreckendes Beispiel für junge Talente. Denilson beendete aufgrund seiner Fitness bereits seine Karriere, während etwa der ein Monat ältere Raúl noch immer auf internationalem Spitzenniveau spielt.

Das Traurige an Denilsons Lebenslauf ist, dass er Fußball wirklich über alles liebte und in seinem Herzen trug. Man konnte ihm seine Spielfreude ansehen und wer weiß, was er alles erreicht hätte, wenn seine Einstellung besser gewesen wäre. Mit ein paar Ausnahmen in der brasilianischen Nationalmannschaft, erlebte er nur selten die schönen Momente und Erfolge, für die Profifußballer leben – aber da ist nur er alleine schuld daran.

 

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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