Mitte Juni ist die Unterhausrelegation in Oberösterreich und der Steiermark schon längst ein Fixpunkt in unserem Kalender geworden. Mittlerweile ist man schon so erfahren,... Groundhopper´s Diary: Der ganz normale Wahnsinn auf der Mühlviertler Alm

Mitte Juni ist die Unterhausrelegation in Oberösterreich und der Steiermark schon längst ein Fixpunkt in unserem Kalender geworden. Mittlerweile ist man schon so erfahren, dass man das Gespür hat, sich für die zuschauerträchstigsten Begegnungen zu entscheiden. Diesmal sollte ein Relegationsduell zwischen der siebenten und achten Leistungsstufe alle Erwartungen erfüllen.

TSU Schönau i.M. – Union Unterweißenbach 1:1 (1:1)

Im Mühlviertel zieht die Relegation schon seit Jahren besonders gut und somit musste man nicht lange nachdenken, als im Duell zwischen der TSU Schönau im Mühlkreis aus der 1.Klasse Nordost gegen der Union Unterweißenbach aus der 2.Klasse Nord-Mitte in den Ansetzungen war. Beide Orte befinden sich lediglich acht Kilometer von einander entfernt und gehören beide zur Region Mühlviertler Alm. Diese Region ist zwar nicht mir einer klassischen Alm zu vergleichen, dennoch gibt es einige Weidehänge samt den dazugehörigen Kühen.

Von dieser Idylle ist im Sportpark Schönau nur mehr wenig zu merken. 853 Besucher sorgen für ein nahezu volles Haus und somit  auch für die höchste Zuschauerzahl aller Relegationspartien an diesem Tag. Zu spät auf den Sportplatz durfte man an diesem Donnerstag allerdings nicht kommen, denn die Gäste aus Unterweißenbach gehen bereits durch einen Treffer durch Stellnberger in der zweiten Minute in Führung. Doch die Freude über dieses eventuell wichtige Auswärtstor währt nur kurz, denn nahezu im Gegenzug gleicht in der sechsten Minute Hable für die Hausherrn aus.

Danach starten wir unsere Fotorunde, auf der wir allerdings nur Zeugen einer abflachenden Partie werden. Als wir kurz vor der Pause den Bierstand erreichen, bei dem das Almbräu, das Hausbier eines nahegelegenen Hotels ausgeschenkt wird, gönnt sich Martin ein Krügerl dieser Spezialität. Ich verzichte darauf, zumal mein Heimweg doch um einiges weiter ist als seiner. Die Dame von der Schank erfährt aber nur, dass ich von Schönau weg anfangs nur Beifahrer bin und meint: „Na daunn kaunnst do jo eh an umhenga!“ Ich verweise auf das Rückspiel am Sonntag, wobei sie trocken antwortet: „Waunnst do ned am Montog frei host, donn is des no gefährlicha, weul do host meha Zeit zum Trinka!“ Weise und wahre Worte, ehe die nächsten Kunden an den Bierstand kommen. Die beiden kennen und begrüßen sich. Einer von ihnen meint: „Serwas, bist Du a grod auf da Barrunde!“ Diese Mühlviertler, sie wissen einfach, wie man Feste feiert.

Nur auf dem Platz wird das Spiel nicht besser. Ein Zuschauer findet trotz des Genusses einiger Biere klare Worte: „Des is echt Not gegen Elend!“ Ein Zuschauer aus dem doch etwas weit entfernten Saxen bekommt davon nicht mehr allzu viel mit, denn er hat aufgrund des übermäßigen Biergenusses alle Mühe noch halbwegs gerade zu stehen. Apropos Bier. Eine Abordnung aus Bad Zell schickt einen Auserwählten zum Bierstand. Der Auserwählte ist aber etwas überfordert und fragt nach, ob er sechs oder acht Biere holen soll. Da er als Antwort „Hauptsoch gnua“ bekommt, entscheidet er sich intuitiv richtig, indem er acht Biere besorgt.

Auf dem Rasen neigt sich Spielzeit auch dem Ende entgegen. Chancen sind Mangelware und so pfeift der Schiedsrichter beim Stande von 1:1 dieses Hinspiel des Relegationsduells ab. Die Entscheidung wird daher erst am Sonntag in Unterweißenbach fallen, was aufgrund des Ergebnisses in Schönau natürlich für uns ebenfalls ein Pflichttermin ist.

Union Unterweißenbach – TSU Schönau i.M. 3:3 (0:1)

 Am Sonntag standen die Rückspiele der Unterhausrelegation in Oberösterreich auf dem Programm. Wie schon am Donnerstag war auch heute wieder die Mühlviertler Alm unser Ziel. In Unterweißenbach musste heute die Entscheidung fallen, ob die TSU Schönau im Mühlkreis oder die Union Unterweißenbach in der kommenden Saison in der 1.Klasse Nordost antreten wird. Nach dem 1:1 im Hinspiel waren für beide Mannschaften die Chancen intakt, um sich in diesem Relegationsduell durchsetzen zu können.

Nachdem am Donnerstag schon 853 Besucher in den Sportpark nach Schönau kamen, fanden sich zur Entscheidung in Unterweißenbach noch einmal 200 Besucher mehr ein. Bei über 1000 Zuschauern kam das Oskar-Böhm-Stadion eindeutig an seine Kapazitätsgrenze. Das Fassungsvermögen des an nur zwei Seiten zugänglichen Sportplatzes wurde durch provisorische Holzstufen auf der Längsseite noch einmal etwas erhöht, sodass zu Spielbeginn alle Besucher freie Sicht auf das Spielgeschehen hatten. Auch wir sind von der tollen Kulisse beeindruckt. Es bewahrheitet sich wieder einmal, dass Relegationspartien in Oberösterreich sind vom Publikumsinteresse her mittlerweile der ganz normale Wahnsinn.

Auf dem Rasen kann die Partie anfangs allerdings nicht mit der tollen Kulisse mithalten. Beide Teams warten ab, wobei Unterweißenbach den Vorteil des Auswärtstores auf seiner Seite hat. In der 34.Minute haben die Gastgeber einen Eckball, der vom Fanclub mit einem „Ecke-Tor-Ecke-Tor“-Gesang begleitet wird. Doch der Eckball bringt nichts ein und als die Fans danach lautstark „Ecuador, Ecuador!“ weitersingen, läuft Hable auf das Unterweißenbacher Tor zu und vollendet diesen Konter zur Schönauer Führung.

Unterweißenbach muss in der 2.Spielhälfte etwas tun, um den Rückstand zu egalisieren. Ein Tor ist nun Pflicht um zumindest in die Verlängerung zu kommen. Daher verlagert sich das Spielgeschehen auch vermehrt in die Schönauer Spielhälfte. In der 70.Minute ist  es der Unterweißenbach Haslinger, der mit seinem Ausgleichstreffer seine Mannschaft in die Verlängerung bringen würde.

Jedoch hat eine mögliche Verlängerung nur eine Minute Bestand, denn im Gegenzug treffen die Schönauer aus einem Freistoß und sind jetzt dem Klassenerhalt sehr nahe. In der 89.Minute sind dann alle Hoffnungen der Unterweißenbacher begraben, denn Kriechbauer fixiert mit dem dritten Schönauer Treffer in diesem Spiel endgültig den Klassenerhalt.

In einer langen Nachspielzeit kommen die Unterweißenbacher noch zweimal in den Strafraum der Gäste, die schon etwas unkonzentriert erscheinen und beide Male unnötige Fouls begehen. Der Schiedsrichter hat keine andere Wahl, außer zweimal auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Hackl verwandelt auch beide Male sicher, doch Unterweißenbach bekommt keine Möglichkeit mehr, um einen Treffer zu erzielen, denn kurz nach dem 3:3 folgenden Anstoß war dieses Relegationsduell zu Ende.

Während die Schönauer aufgrund der Schlussphase anfangs noch etwas verhalten den Klassenerhalt feierten, waren die Fans der Unterweißenbacher Stolz auf ihren Vizemeister und feierten ihre Mannschaft mit Rauch, Pyrotechnik und Gesängen. Ein tolles Relegationsduell geht zu Ende und macht gleich wieder Lust auf die Relegation im Jahr 2020.

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.