Die Vienna wurde diese Woche in die zweite Wiener Stadtliga zurückgestuft. Der älteste Fußballverein des Landes spielt nächste Saison somit fünfklassig. Da die Wiener... Vienna fünftklassig: Jetzt sprechen die Fans!

_First Vienna FC Fantribüne

Die Vienna wurde diese Woche in die zweite Wiener Stadtliga zurückgestuft. Der älteste Fußballverein des Landes spielt nächste Saison somit fünfklassig. Da die Wiener Stadtliga bereits ausgelost wurde, ist in Spielklasse vier kein Platz für die Döblinger. Die Vienna selbst will gegen diese Entscheidung vorgehen. Und im Austrian Soccer Board, Österreichs größtem Fußballforum, wird unter den Vienna-Anhängern und auch den Fans anderer Vereine bereits fleißig diskutiert.

FloT: „Ich vermisse zusehends die Empathie anderer Vereine. Auf Facebook und hier im ASB melden sich mehrheitlich Fans zu Wort die der Vienna (und damit auch deren Fans!) quasi den Untergang wünschen. Ich ging davon aus, dass die Vienna landesweit einen höheren Sympathiewert genießt, für die Entwicklungen der letzten Monate können weder die Fans etwas noch die aktuelle Vereinsführung. Bei fragwürdigen Konstrukten wie Ritzing hält sich auch mein Mitgefühl in Grenzen, dort gab es keine Fanbasis, keine Sponsoren und trotzdem Geld ohne Ende. Wenn ich an die Finanzprobleme von zum Beispiel GAK, Sturm Graz, Rapid, WSC, Wacker Innsbruck, Austria Salzburg zurückdenke – ich habe mit deren Fans gelitten und wäre nie auf die Idee gekommen Diskussionen auf einem Level zu führen wie es diese Woche teilweise passiert! Die Kritiker sollten probieren sich in die Lage der Vienna-Verantwortlichen und Fans zu versetzen. Würden sie den Abstieg einfach so hinnehmen, dann sind es keine Fans sondern maximal Sympathisanten die nur zum Zeitvertreib und Motschgern ins Stadion gehen, sie sind aber keinesfalls mit dem Herzen dabei. Punkt.“

kreiner: „Ein befreundeter ehemaliger Arbeitskollege ist glühender Vienna-Fan, Blau-Gelb ist für ihn Religion. Mit ihm habe ich im Juli 2013 spasshalber ein paar Bier gewettet dass der GAK in der Saison 17/18 ligenmässig auf gleicher Ebene wie die Vienna spielen wird, dass die Grazer nun vermutlich eine Liga höher spielen werden, hätte ich mir nie träumen lassen. Ein Abstieg tut immens weh, aber die Vienna wird in zwei Jahren eh wieder RL spielen.“

HUJILU: „Faktum ist, dass seit der Verein seit Jahren über seinen Verhältnissen operiert und nun die Rechnung zu zahlen hat. JA, ist Orsch, aber wenn ich mir diese Seiten hier durchlesen stehen die wenigsten dazu und sagen „wir sollten mal auf uns schauen“, nein, die meisten wittern eine Verschwörung. DAS ist unsympathisch (das kann jedem von euch egal sein, ist aber meine Meinung zu der Sache). Wisst ihr wie viele andere „kleine“ Vereine die wirtschaftlich gut gearbeitet haben wegen der Vienna bis zum Ende auf Grund der Abstiegsregel nicht sicher waren wo die Reise in der nächsten Saison hingeht?“

submarine: „Das es in die 2. LL geht ist Realität und damit müssen wir uns abfinden. Dass unsere Situation hausgemacht ist und wir in einem gewissen Größenwahn gelebt haben, sehe ich auch so. Aber angeprangert zu werden weil man legitime Rechtsmittel einsetzt ist etwas anderes. Ich bin trotz der gegenwärtigen Situation gespannt auf den Ausgang des Verfahrens weil ich mir durchaus vorstellen kann, dass das ÖFB-Regulativ gegen das Insolvenzrecht verstößt und dann hilft die Diskussion: Ihr wart ja auch dafür trotzdem nichts, weil eben auch ein solches Regulativ gesetzeskonform sein muss.“

kim: „Ich heiße die spärliche Kommunikation des Vereins nicht gut, aber was uns jetzt ganz klar von der Ära Kristek/CE/Garger unterscheidet ist, dass sich die jetzige Vereinsführung niemals als schlecht behandelt dargestellt hat. Sie haben sich auch nie auf ÖFB/WFV eingeschossen,  sondern es war immer nur ein „Wir suchen das Gespräch“. Und wenn das keinen Erfolg hat, gilt es per Rechtsentscheid zu klären, ob das Insolvenzrecht auch auf Vereinsrecht anzuwenden ist. Nicht mehr und nicht weniger! Der Verein versucht damit außerdem nur alle Möglichkeiten auszuloten, um weiter gesunden zu können, alles andere wäre wirtschaftlich grob fahrlässig!“

viennafan62: „Warum müsste man neu auslosen? Die Vienna nimmt den Platz des SV Donau ein, der ja nur 2. der 2.LL war und ohnehin nicht hätte aufsteigen dürfen und der SV Donau nimmt den Platz der Vienna 1b ein, die es ja dann nicht mehr gibt. Neuerlich auslosen ist daher gar nicht nötig. Eventuell muss man den SV Donau irgendwie entschädigen, denn die haben sicher schon für die Stadtliga geplant, aber das muss der WFV durch seine kurzsichtige und unflexible Planung auf die eigene Kappe nehmen.“

LordSelv: „Wir sollten die entscheidende Frage (gilt das Insolvenzrecht auch für Fußballvereine?) im eigentlichen Hauptverfahren klären lassen und nach getroffenem rechtsgültigen Entscheid daraus unsere Schlüsse ziehen bzw. dann vielleicht entsprechend agieren. Dieses Gerichtsverfahren sollte also jedenfalls ausjudiziert werden, aber ohne ständige große mediale Begleitung. Weitere Einsprüche, Rekurse, Verfügungen etc. zum aktuellen Status Quo würde ich aber jetzt gerne nicht mehr sehen. Lasst uns den eingeschlagenen Weg für ein nachhaltiges und tragfähiges Konzept gemeinsam mit unserem Sponsor Uniqa konsequent weiter gehen. Und versuchen wir dabei aber auch die derzeitige 5. Leistungsklasse bald zu überwinden.“

Roche: „Aus rein sportlichen Gründen sponsert uns die UNIQA nicht. Solange wir nicht in Konkurs gehen, oder fusionieren müssen, sind wir der älteste Fußballverein Österreichs. Es liegt an uns der UNIQA zu zeigen, dass wir ein „anderes“ Fußballerlebnis bieten, das unabhängig von der Ligazugehörigkeit legendär genug ist um uns zu sponsern!“

Mika: „Trotz blau-gelbem Herzen hab ich seit der Klage, die ich persönlich immer als falsch angesehen habe, damit gerechnet, dass es so oder so ähnlich kommt. Ich such auch gar keinen Schuldigen außerhalb unseres Vereins, der einzig Schuldige sind wir, die Vienna. Niemand vom ÖFB oder WFV hat uns gezwungen, die letzten Jahre Geld in Massen auszugeben und auf windige Funktionäre/Sponsoren reinzufallen. Und vor einem Jahr haben wir die Insolvenzregel noch begrüßt, jetzt wo es uns betrifft, bekämpfen wir sie statt einfach die gerechte Strafe – Wiener Liga – anzunehmen, akzeptieren und neu durchzustarten. Die vergleiche mit Ritzing und wie bei uns alles anders ist, kann ich auch nicht mehr hören. Wir gehen insolvent und leisten uns mehr oder weniger denselben teuren Kader wie vorher, wo genau ist da der Unterschied zu Ritzing? Und die Insolvenz war auch dazu nötig, um aus Verträgen rauszukommen, die negativ für uns waren. Wenn das so leicht geht, macht das in ein paar Jahren die halbe Liga, schnell mal ein paar Verträge abschließen und wenn’s einem nicht passt, mal schnell Insolvenz anmelden und danach weiter machen, wie wenn nix gewesen wäre. Nein Leute, das darf nicht sein. Daher, und auch wenn ich hier die absolute Minderheit bin, ist das was uns gerade passiert, die gerechte Strafe.“

Luis Enrique: „Auch ich hatte immer die Einstellung, dass die Regel mit dem Abstieg sinnvoll ist und allzu viel Selbstmitleid bzw. die Schuld bei anderen suchen nicht unbedingt angebracht ist. Da müssen wir uns schon bei den Entscheidungsträgern (leider gab es halt auch keine ernsthaften Alternativen…) der jüngeren Vergangenheit für ihr unverantwortliches Wirtschaften bedanken, aber auch ihr Auftreten, das uns diesen schlechten Ruf bei den Verbänden und anderen Vereinen eingebracht hat. Dass es jetzt sogar die 2. Landesliga wurde ist natürlich extrem bitter, aber dass man sich jetzt nicht mehr unbedingt für die Vienna einsetzt und für uns eine Liga mit 17 Vereinen und die andere mit 15 Vereinen neu auslost, sondern die für alle anderen Beteiligten einfachste Lösung hernimmt, kommt leider nicht allzu überraschend.“

Weitere Diskussionen über die aktuelle Situation der Vienna findet ihr im Austrian Soccer Board.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen