Im Herbst beginnen die Verhandlungen für einen neuen TV-Vertrag der österreichischen Bundesliga. Abermals wird man bestrebt sein, die Erlöse zu erhöhen und so das... Neuer TV-Vertrag: Was sich die Fans wünschen

Im Herbst beginnen die Verhandlungen für einen neuen TV-Vertrag der österreichischen Bundesliga. Abermals wird man bestrebt sein, die Erlöse zu erhöhen und so das bestmögliche Resultat für Liga, Vereine und Zuschauer zu erreichen. Jedoch stellte man sich bei der Aushandlung des aktuellen Vertrags nicht übermäßig geschickt an und auch die Fans würden sich über die ein oder andere Veränderung freuen. Abseits.at greift die wichtigsten Punkte auf.

Professionelle Ausschreibung

Die deutsche Bundesliga hat jüngst vorgezeigt, wie man eine mediale Ausschreibung höchst professionell abwickelt. Von der DFL wurden zahlreiche unterschiedliche Rechtepakete angeboten, die in einem eigens ausgearbeiteten Bieterverfahren erworben werden konnten. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn auch die Vertreter der heimischen Liga diesen Prozess genau verfolgt hätten, denn auch wenn es sich um andere Maßstäbe handelt, lässt sich auf diesem Gebiet noch sehr viel lernen, denn so hatte die heimische Liga ihre Rechte bei der letzten Vergabe zunächst gar nicht ausgeschrieben, da man sich laut Medienberichten mit Sky bereits auf einen Exklusivvertrag geeinigt hatte.

Zudem wurde der aktuelle Vertrag erst nach dem Start der Saison 2010/11 unterzeichnet, so dass einige Vereine bis wenige Tage vor ihren Spielen gar nicht wussten, wann diese stattfinden werden. Die Bundesliga hat sich den Slogan „Profis für Profis“ auf die geschrieben und sollte auch dementsprechend agieren.

Ehrliche Rechtevergabe

Bei der letzten Rechtevergabe konnte man nicht unbedingt den Eindruck gewinnen, dass die Zuschläge an jene Bieter gingen, die auch das beste Angebot gelegt hatten. So wurde etwas von Rapid ganz deutlich der ORF bevorzugt, obwohl Servus TV laut Auskunft diverser Präsidenten das sowohl finanziell als auch inhaltlich bessere Angebot abgegeben hatte.

Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass nun auch wirklich das beste Angebot zum Zug kommt und man sich nicht wieder auf diverse Mauscheleien einstellen muss. Der österreichische Medienmarkt ist aufgrund der jahrzehntelangen Monopolstellung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sicherlich einer der dürrsten in ganz Europa, dennoch gibt es mittlerweile einige Privatsender, die über viel Kapital, gute Qualität (man denke an die Eishockeyberichterstattung auf Servus TV) und viele Ideen verfügen. Mit einem Vorgehen wie zuletzt werden diese jedoch abgeschreckt, da man ohnehin der Ansicht ist, die Rechte werden abermals an den ORF gehen, egal wie sehr man sich um sie auch bemüht. Dass dies für den Wettbewerb und in weiterer Folge hohe Erlöse schädlich ist, muss nicht weiter ausgeführt werden.

Höhere Qualitätsstandards

Erst im Frühjahr 2011 konnten sich Bundesliga und ORF darauf einigen, dass es auch am Samstagabend eine Zusammenfassung der Spiele vom Tag gibt. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, jedoch lässt die Qualität dieser Sendung zumeist zu wünschen übrig, wie auch Bundesliga-Präsident Hans Rinner jüngst im Interview mit Sturm12 meinte. „Nach oben hin sehe ich ein schönes Stück an Potential“, sagte der Steirer.

Wie man zuletzt auch im Standard lesen konnte, ist man in der Liga mit der Performance des ORF nicht unbedingt zufrieden, was wohl auch die Berichterstattung rund um die Erste Liga betrifft. Denn sowohl die Übertragung des Livespiels, als auch die mitternächtlichen Zusammenfassungen fallen ziemlich spartanisch aus. Aus diesem Grunde wäre es sinnvoll, wenn die Bundesliga künftig auch diverser Qualitätskriterien vorgeben würde, die die Rechtebesitzer – wer auch immer das sein mag – einzuhalten haben. Es könnte sich hier etwa um die Länge von Zusammenfassungen oder den Umfang von Vor- und Nachberichterstattung handeln.

Massiver Ausbau des Onlineangebots

Wir befinden uns aktuell in einem Zeitalter, in dem das Internet dem Fernsehen langsam aber sicher den Rang abzulaufen beginnt. Dementsprechend gilt es auch für die Sportverbände, auf diese Entwicklungen zu reagieren, zumal hier viel Geld brachliegt.

Die deutsche Bundesliga verkaufte jüngst erstmals auch diverse Onlinerechtepakete, so dass man nun etwa die Highlights der Spiele kurz nach deren Ende bereits kostenpflichtig auf den Webseiten des Axel-Springer-Verlags betrachten wird können. Auch in Skandinavien boomt das Geschäft mit den Onlinerechten, während man diesen Sektor in Österreich bisher noch kaum vermarktete, denn so wurden sie zuletzt stets an Sky veräußert, das nur ungenügend Gebrauch von ihnen machte.

Wünschenswert wäre künftig, dass man sich die Bundesligaspiele gegen Bezahlung online ansehen könnte (nach dem Vorbild von Laola1, das vor einigen Jahren bereits die deutsche Bundesliga auf diese Art und Weise angeboten hat). Die Vermarktungsmöglichkeiten scheinen hier enorm, da man auch Saisonpässe und Follow-Your-Team-Tickets offerieren könnte.

Ausbau der HD-Produktion

Jeder neue Fernseher, der mittlerweile verkauft wird, ist HD-tauglich, gleiches gilt auch für die Receiver. Während in Österreich derzeit zwei Spiele pro Runde im hochauflösenden Fernsehen übertragen werden (Samstag auf Sky, Sonntag im ORF), werden künftig in der Schweiz alle Partien in dieser Qualität produziert. Hier gilt es nachzuziehen, wofür jedoch auch die Infrastruktur, wie das Flutlicht, in den Stadien verbessert werden muss. Wünschenswert wäre aus Fansicht freilich der Start von Sky Sport Austria HD, mit dem man einen Gutteil der heimischen Spiele abdecken könnte.

Stärkung der Marke Bundesliga

In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, Marken im Gedächtnis der Menschen zu verankern – dies gilt freilich auch im Sportsektor. Um die Markenschärfe der Bundesliga zu stärken, gibt es mehrere Möglichkeiten, die zumeist über das Fernsehen ablaufen.

Die heimische Liga verfügt bereits über ein so genanntes Wasserzeichen, das sich bei allen Übertragungen rechts unten im Bild befindet sowie über einen einheitlichen Trenner zwischen Livebild und Zeitlupen. Damit liefert man den Zuschauern Erkennungsmerkmale, die zeigen, um welchen Bewerb es sich handelt.

Weitere Stilmittel zur Steigerung des Markenbewusstseins sind offizielle Trailer, die vor jeder Übertragung auf den einzelnen Sender verpflichtet abgespielt werden müssen, wie etwa bei der deutschen Bundesliga oder der Premier League. Aber auch in mit Österreich vergleichbaren Ligen, wie in Ungarn und Polen, gibt es mittlerweile solche Intros.

Zudem wäre es sinnvoll, einheitliche TV-Inserts zu schaffen, die von allen Sendern verwendet werden müssen. Auch dies trägt zur Stärkung der Marke bei.

OoK_PS, abseits.at

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