Es ist vieles geschehen an jenem 18.Februar in Valencia. Rapid wurde unsanft aus den Europacup-Träumen gerissen, die Fans der Grün-Weißen durften das spektakuläre Mestalla... Kommentar | Erkenntnisse und Bekanntes aus Rapids Debakel in Valencia
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Rapid Auswärtsblock awayEs ist vieles geschehen an jenem 18.Februar in Valencia. Rapid wurde unsanft aus den Europacup-Träumen gerissen, die Fans der Grün-Weißen durften das spektakuläre Mestalla nicht wie geplant von innen genießen und von den „drei Belastungen“ fielen innerhalb von neun Tagen gleich zwei weg.

Andreas Müller nannte das Auftreten Rapids naiv, während Zoran Barisic sich schützend vor die Mannschaft stellte. Der Spielverlauf wäre unglücklich gewesen – das kann natürlich unterschrieben werden. Die Art und Weise, wie Rapid versuchte mit den Spaniern mitzuspielen, erinnerte tatsächlich ein wenig an kindliche Käfigkickerlmentalität. Dass die etablierte zoki’sche Hösche am eigenen Sechzehner ohne Raumgewinn gegen ein Spitzenteam – auch wenn es in der sprichwörtlichen „Kist’n“ ist – nicht funktionieren kann, ist kaum verwunderlich.

Einige Leichtfüßige, die hoch hinaus wollen

Neben dem Klassenunterschied und dem ungünstigen Spielverlauf gab’s dennoch Dinge, die den geneigten Fan am Auftritt Rapids aufregen dürfen. Etwa, dass wieder einmal gerade die Spieler völlig ausließen, die sich schon lieber heute als morgen in größeren Ligen sehen würden und dies – so zum Beispiel im Falle Stefan Stangls – auch schon öffentlich kundtaten. Das vom „Kurier“ in die Medienlandschaft geworfene Interesse des FC Watford am Linksverteidiger, möge ihm schmeicheln, allerdings wird er dort mit einer Bruder-Leichtfuß-Leistung wie in Valencia nicht viel Land sehen – begehrter linker Fuß hin oder her. Wobei Stangl nicht der Einzige ist, auf den diese Kritik zutrifft.

„Charaktertest“ gegen drei Gänge zurückschaltenden Gegner

Auch war augenscheinlich, dass einige Spieler noch nicht weit genug für Aufgaben sind, die derartige Konzentration, taktische Disziplin und Antizipationsvermögen sind. Andere wiederum werden wohl nie auf diese Stufe kommen. Wieder andere dürften mit dem Kopf ohnehin bereits woanders sein. Positiv fiel eigentlich niemand auf und auch der so genannte „bestandene Charaktertest“, wie Barisic die zweite Halbzeit nannte, in der der gnädige La-Liga-Klub drei Gänge zurückschaltete und Rapid somit halbwegs am Leben ließ, trifft den ohnehin von überdiplomatischen Parolen und der letztens erst konstatierten fehlenden Drecksaumentalität gebeutelten Rapid-Fan tief in den Ästen.

Das Mentalitätsproblem, die Folgen, die Stagnation

Der glatte Sieg im Derby gegen eine inferiore Austria hat wieder einiges übertüncht und eine noch inferiorere Leistung Rapids gegen einen klar überlegenen Gegner erst möglich gemacht. Das Mentalitätsproblem bei Rapid ist noch immer augenscheinlich. In Valencia äußerte es sich aber ein bisschen anders, nämlich primär im indiskutablen Zweikampfverhalten und der „Anmaßung“, auch nach dem 0:3 noch mitspielen zu wollen, weil man die eigene Situation falsch einschätzte. Allerdings lebte der eher paralysiert auf der Bank verweilende Barisic die Rapid-Mentalität, die so viele Fans weiterhin vermissen, auch nicht gerade proaktiv vor. Wenn man sich gleichzeitig den aktiven Gary Neville in seiner Coaching Zone ansah…

Keine Ausreden mehr möglich

Was wird nun also geschehen? Rapid darf sich über eine schwächelnde Austria freuen, die zwar auch noch oben dabei ist, aber auch im besten Zustand, um das Titelrennen schon bald zu verlassen. Wie man es von Rapid unter Barisic gewöhnt ist, wird es gegen Sturm Graz eine deutliche Reaktion geben. Rapid wird das Duell mit den Grazern auch ohne Steffen Hofmann und Florian Kainz weitgehend dominieren und die bessere, reifere Mannschaft sein. Rapid verlor zwei von drei „Belastungsfaktoren“ und wird davon profitieren. Inklusive dem Rückspiel gegen Valencia stehen damit noch 15 Pflichtspiele in der Saison 2015/16 an und die Köpfe der Spieler und Verantwortlichen haben nun ein für alle Mal zu verinnerlichen, dass die Leerläufe im Zwei-Wochen-Takt nicht mehr drin sind und auch, dass es keine Ausreden mehr dafür gibt. Angesichts dessen, dass auch Red Bull Salzburg (wieder) nicht hundertprozentig souverän spielt, ist der Titel trotz all der Probleme in Grün-Weiß greifbar. Und ja, die (sportlichen) Probleme gibt es, auch wenn sie in der Öffentlichkeit gerne kleingeredet werden, da man natürlich das Positive in den Vordergrund stellen will.

Mental wichtiges Rückspiel gegen Valencia

Kommende Woche steht für Rapid noch das relativ unbedeutende, aber doch mental wichtige Spiel gegen Valencia an. Dennoch geht’s um Geld, Prestige und wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung und den Klubkoeffizienten. Anders als aus den Niederlagen auf den unliebsamen Dorfplätzen der heimischen Bundesliga, konnte Rapid aus dem 0:6 in Valencia wohl tatsächlich vieles mitnehmen, einiges lernen. Dass man sich nur eine Woche nach der Hinspielklatsche wieder mit dem starken Gegner messen darf, wird gut für die Mannschaft sein. Einerseits weil die alten Fehler konsequent bearbeitet und abgestellt werden könnten, andererseits weil man keinen Druck hat und drittens, weil man sich nichts desto trotz auf eine richtig gute Stimmung freuen darf.

Kuriose Situation im Auswärtsblock des Mestalla

Letzteres war in Valencia anders, denn Rapid-untypisch gab es keine Fangruppierungen im Block. Dies war eine freiwillige Entscheidung der Fanklubs, weil das große Ultras-Banner, für aktive Fanklubs das größte Heiligtum der eigenen Fankultur, nicht im Auswärtssektor zugelassen wurde. Besonders hervorzuheben ist aber nicht das Fernbleiben der Fanklubs, sondern vielmehr die völlig übertriebene und arrogante Vorgehensweise der spanischen Verantwortlichen, des übernervösen Ordnerdienstes und der nur marginal entspannteren Polizei.

Es gibt mehrere Sichtweisen

Kritik gab es auch von den „normalen Fans“, also denjenigen, die keinem Fanklub angehören. Die Vorgehensweise der aktiven Szene wäre lächerlich, schließlich wäre man für Rapid da und nicht, um sein Banner zu präsentieren. Dies ist natürlich auch eine Meinung, die man durchgehen lassen kann und muss. Allerdings ist dieses Thema allgemein heikel und viele verschiedene Fans haben viele verschiedene Zugänge zu dieser Problematik. Die Zuneigung zum Verein ist bei vielen unterschiedlichen Fans nun mal unterschiedlich ausgeprägt und somit muss auch das Credo der Fanszene akzeptiert werden. So oder so war die Stimmung im Mestalla zäh und auch wegen des Spielverlaufs gedämpft. Auch wenn das Ernst-Happel-Stadion am kommenden Donnerstag nicht voll sein wird, haben die Rapid-Fans einiges nachzuholen und man darf sich auf das Abfeiern einer alles in allem bemerkenswerten Europacupsaison und einige Botschaften in spanischer Sprache gefasst machen.

(DM)

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen