Am Donnerstag bekommt es der SK Rapid in der UEFA Europa League zum Auftakt der Gruppenphase mit dem KRC Genk zu tun. Die Belgier... Talentiert, umschaltstark, aber defensiv sehr wackelig: Das sind Mannschaft und Spielweise von KRC Genk
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Belgien - Flagge_abseits.at

Am Donnerstag bekommt es der SK Rapid in der UEFA Europa League zum Auftakt der Gruppenphase mit dem KRC Genk zu tun. Die Belgier wurden aus Topf zwei gezogen und scheinen damit nominell über den Hütteldorfern zu stehen. Auch im UEFA Team Ranking liegen sie klar vor ihnen. Die Leistungen in der laufenden Saison lassen aber vermuten, dass Rapid nicht chancenlos ist.

Auf dem Weg in die Gruppenphase blieb Genk in sechs Spielen zwar ungeschlagen, allerdings war man bereits in der zweiten Qualifikationsrunde dem Aus nahe. Buducnost Podgorica aus Montenegro wurde erst im Elfmeterschießen bezwungen. Auch in der belgischen Liga startete man mäßig. Nach sechs Runden liegt man auf Platz sieben. Wir nehmen in diesem Artikel die wichtigsten Kaderspieler und die Spielweise der Belgier unter die Lupe.

Robust veranlagtes, aber wackeliges Abwehrzentrum

Trainer des KRC Genk ist Peter Maes. Der 52-jährige Belgier lässt sein Team in aller Regel in einer 4-3-3- oder 4-2-3-1-Grundformation auflaufen. Das Tor hütet dabei der Niederländer Marco Bizot – kein herausragender, spektakulärer oder besonders moderner Keeper, aber im Grund solide. Der 25-Jähirge produzierte im Genk-Trikot jedoch bereits zwei kuriose Gegen- bzw. Eigentore.

Der Chef in der Abwehr war bisher der Belgier Sebastien Dewaest, der individuell ein durchaus kompletter Innenverteidiger ist – robust im Zweikampf, halbwegs wendig und technisch in Ordnung. Allerdings leistet er sich immer wieder schlimme Stellungs- bzw. Koordinationsfehler. Es hat oft den Anschein, als würde er sich verschätzen – gerade bei hohen Bällen. Auch sein Nebenmann, der gambische Nationalspieler Omar Colley, strahlt trotz seiner hohen körperlichen Präsenz nicht immer die nötige Ruhe aus.

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen verpflichtete man am letzten Tag des Transferfensters Jakub Brabec von Sparta Prag für kolportierte 2,5 Millionen Euro. Der 24-Jährige stand für Genk bisher allerdings noch am Rasen, wäre aber wohl für die halbrechte Position – möglicherweise sogar anstelle von Dewaest – relevant.

Achillesferse Außenverteidigung

Die eigentliche Achillesferse – zumindest individuell – ist allerdings die Außenverteidigung, wo personell dennoch klare Fronten herrschen. Links ist der 16-fache finnische Teamspieler Jere Uronen gesetzt. Bei seinem Ex-Verein, Helsingborgs IF, konnte er noch mit seinen variablen Offensivläufen glänzen, in Genk sieht man diese seltener. Er agiert defensiver, wodurch seine individuellen Schwächen im Stellungsspiel zum Vorschein kommen.

Rechts hinten spielt mit dem 21-jährigen Sandy Walsh ein niederländisch-englischer Doppelstaatsbürger, der schon 2012 in den Profikader Genks aufrückte. Auch er hält sich im Spiel nach vorne eher zurück, zeigt andererseits aber in Zweikämpfen immer wieder Unsicherheiten und wirkt ungestüm beim Herausrücken. Gerade in der laufenden Spielzeit konnten die Gegner Genks vor allem mit Durchbrüchen über die Seite für Gefahr sorgen.

Doppelsechs mit viel Potenzial, aber auch Problemen

Dass die Viererkette der Belgier in vielen Situationen derart entblößt wurde, lag allerdings auch an der schlechten Koordination mit dem Mittelfeld. Einerseits ließen sich die Flügelspieler oft zurückdrängen, sodass Genk mit sechs Spielern in der letzten Linie stand. Der Gegner hatte dadurch viel Platz vor der Abwehr um die Kette mit Tempo anzulaufen bzw. sie zu überlaufen. Die personelle Besetzung des defensiven Mittelfelds war hier zudem ein weiteres Handicap.

Mit Bryan Heynen und Onyinye Ndidi besetzen zwei 19-Jährige die strategisch ungemein wichtige Zone vor der Abwehr. Beide haben zweifellos guten Anlagen, ihre Aufstellung sorgt aber auch für Probleme. Ndidi ist für sein Alter physisch sehr stark und trotz seines schlaksigen Körperbaus koordinativ gut balanciert. Zudem kann er auch in der Innenverteidigung spielen. Heynen ist ein sehr umtriebiger und überaus disziplinierter Spieler, der vor allem bei Manndeckungen sehr wirkungsvoll sein kann.

Auf der anderen Seite merkt man den beiden an, dass ihnen in vielen Situationen die strategische Reife fehlt. Sie sind zwar stets in Bewegung um Löcher zu stopfen, können dies bei schnellen Kombinationen naturgemäß nicht bewerkstelligen. Die Folge: der Gegner hat die Möglichkeit schnelle Verlagerungen auf die Außen zu spielen oder direkt durch die Schnittstelle hinter bzw. vor die Innenverteidiger.

Spanische Kombinationsmaschine im Zentrum

Den gruppentaktisch wohl herausragenden Spieler im Kader findet man ebenfalls im Mittelfeldzentrum. Der Spanier Alejandro Pozuelo wird oberflächlich gerne als Genks Spielmacher bezeichnet, dabei ist er eigentlich niemand, der einen besonderen Dominanzanspruch stellt. Man findet ihn zwar ständig in der Nähe des Balls, allerdings dienen seine Aktionen vor allem dazu, seine Mitspieler im gruppentaktischen Sinne ideal zu unterstützen. Er positioniert sich stets so, dass er anspielbar ist und mit der ersten Ballberührung eine gleichermaßen erfolgsstabile wie vorantreibende Folgeaktion zu gewährleisten.

Er hat ein unglaublich gutes Gespür dafür, wo und wie er sich positionieren muss, wann er welchen Pass spielen muss bzw. wie er dribbeln muss, um die bestmögliche Struktur für sein Team herzustellen. In diesem oft unscheinbaren, aber gruppentaktisch unglaublich wichtigen Aspekt zählt Pozuelo wohl auch weltweit zu den besten Spielern, allerdings setzt er individuell eher wenige Impulse. Dies mag auch daran liegen, dass er in diesem Bereich auf internationalem Niveau bestenfalls durchschnittlich gut ist.

Pozuelo ist nicht besonders schnell oder zweikampfstark, bleibt in Eins-gegen-Eins-Situationen auch regelmäßig hängen. Im Vergleich zu seinen Mitspielern ist er hier dennoch einer der herausragenden Akteure, weshalb er in eine recht dominante Rolle gedrängt wird. Dabei erkennt man recht gut, dass ein Spielertyp wie er von den Bewegungen seiner Mitspieler maßgeblich abhängig ist, wenn es um den Endzweck – also Torgefahr – geht. Die dafür passenden Anspielmöglichkeiten gibt es nämlich nicht immer.

Ungleiche Flügelzange

Ein Spieler, der sich instinktiv in der Gefahrenzone für solche Zuspiele sehr gut bewegen kann, ist Thomas Buffel. Der 35-Jährige agiert als Rechtsaußen und ist der Kapitän der Belgier. Er ist ein sehr tororientierter Spieler, der in Kombinationen im zweiten Drittel selten eingebunden wird. Auch im Spiel gegen den Ball fokussiert er sich aufgrund seiner nachlassenden Physis hauptsächlich auf das Verstellen von Räumen anstatt wild zu attackieren. Im Angriffsdrittel ist er allerdings nach wie vor ein essenzieller Bestandteil Genks und jemand, der mit seiner Routine jede kleine Nachlässigkeit bestrafen kann.

Auf der gegenüberliegenden Seite spielt mit dem 19 Jahre jungen Jamaikaner Leon Bailey ein weiterer Rohdiamant. Nicht nur vom Alter her ist er das Gegenstück zum ruhigen Buffel auf rechts. Der Youngster ist ein besonders antrittsschneller und variantenreicher Flügelspieler. Er hält seine Füße und seinen Körper ständig in Bewegung und versucht damit, seine Gegenspieler aus der Balance zu bringen und Durchbrüche zu erzwingen. Hat er erstmal Tempo aufgenommen, ist er nur mehr schwer vom Ball zu trennen.

Antrittsstarker, weiträumiger Solostürmer

Auch der zu erwartende Stürmer ist jemand, der durch seine Beweglichkeit und Beschleunigung besticht. Mbwana Samatta ist mit sechs Pflichtspieltreffern – je drei in der Liga und im Europacup – aktuell auch der torgefährlichste Spieler im Kader des KRC Genk. Der 23-jährige Tansanier weicht häufig auf die Seite bzw. generell in eine ungefährliche Zone aus, um dann mit Tempo und im Rücken seiner Gegenspieler hinter die Abwehr zu kommen. Körperlich ist er zudem recht robust und kann so Bälle auch alleine „festmachen“. Mit ihm, Bailey sowie Pozuelo hat Genk ein potenziell sehr gefährliches Trio für ein erfolgsversprechendes Umschaltspiel.

Überschaubare Alternativen im weiteren Kader

Die weiteren Personalien, auf die Peter Maes zurückgreifen kann, sind überschaubar, haben aber Zukunftspotenzial. Für die Außenverteidigerposition gäbe es mit dem 20-jährigen Timothy Castagne eine durchaus talentierte Alternative, die wohl die taktisch balancierteste wäre. Der belgische Nachwuchsteamspieler stand heuer jedoch erst zweimal im Kader. Auch Dries Wouters, 18-jähriges Innenverteidigertalent, zählt noch nicht zum Stamm.

Bessere Einsatzchancen hat Leandro Trossard, ebenfalls belgischer Nachwuchsteamspieler. Dieser ist ein dribbelaffiner und tororientierter Flügelspieler, der bisher in erster Linie anstelle von Buffel eingesetzt wurde. Letzte Saison kam der 21-Jährige bei Absteiger OH Leuven, wo er leihweise kickte, auf beachtliche 15 Scorerpunkte. Auch Red Bull Salzburg war an ihm im Sommer angeblich dran.

Neben dem Außenstürmer sind wohl vor allem Tino-Sven Susic und Nikolaos Karelis jene Spieler, die für die erste Elf bzw. als Einwechselspieler in Frage kommen werden. Ersterer wurde kurz vor Transferschluss verpflichtet und kam daher erst zu einem Kurzeinsatz. Grundsätzlich wäre der Bosnier ein Spieler, der über die Fähigkeiten verfügt, Pozuelo im Zentrum zu entlasten und als dominanter Ballverteiler aufzutreten. Karelis ist Grieche und Stürmer. Sein Fähigkeitsprofil ist breiter gefächert als jenes von Samatta und es könnte durchaus sein, dass er diesen auf die Bank verdrängt.

Gut im Umschaltspiel, schlecht im Pressing

Punktuell hat der Kader des KRC Genk also durchaus großes Potenzial und ist mit dem einen oder anderen individuell, aber auch taktisch sehr versierten Spieler bestückt. Allerdings fehlt die Balance – genauso wie im Spiel der Belgier. An und für sich ist Genk ein Team, das sehr gefährlich werden kann, wenn es ins offensive Umschaltspiel kommt. Mit Pozuelo und Susic gibt es zwei gute Einfädler, in Bailey, Trossard, Samatta und mit Abstrichen Karelis schnelle Spieler, die auch dann gefährlich werden können, wenn sie auf sich alleine gestellt sind.

Andererseits hat man teilweise sehr große Probleme, wenn man hinten reingedrückt wird. Das passive Verhalten der Flügelspieler sowie der Viererkette ermöglicht es dem Gegner, den Sechserraum bzw. die Halbräume einzunehmen und von dort aus dynamische Angriffe zu starten. Hinzukommt die individuell anfällige Außen- und Innenverteidigung. Gerade in diesem Bereich hat der SK Rapid auf dem Papier gute Chancen, das Spiel zu dominieren und in weiterer Folge zu gewinnen.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem