Dass der Fußball in den vergangenen Jahrzehnten einem drastischen Wandel unterlag, ist kein Geheimnis und zeigt sich in so ziemlich allen Bereichen des Sports.... Die finanzielle Kluft im Fußball

Dass der Fußball in den vergangenen Jahrzehnten einem drastischen Wandel unterlag, ist kein Geheimnis und zeigt sich in so ziemlich allen Bereichen des Sports. So haben langjährige Fans mittlerweile beispielsweise einen ganzen Haufen an verschiedenen Regeländerungen miterlebt, die mitunter auch einmal für Verwirrung sorgen können (siehe die stetigen Anpassungen bezüglich der Handspielregeln). Eine stetige Entwicklung zeigt sich aber auch bei der wirtschaftlichen Seite des Fußballs. So schnellen sowohl Spielergehälter als auch Ablösesummen mehr und mehr in die Höhe.

Besonders in den letzten zehn Jahren wurden hier alle bisherigen Grenzen gesprengt. Der wirtschaftliche Aufschwung des Fußballs geschieht aber nicht immer zum Vorteil der Fans. So sind, sofern man denn alle Spiele sehen möchte, gleich mehrere kostenpflichtige Streaming-Abos vonnöten. Der eine oder andere Anhänger hofft da wahrscheinlich auf einen plötzlichen Gewinn, wenn er sein Glück bei Spielautomaten online kostenlos versucht, um alle Spiele im Stream sehen und die Kosten besser verkraften zu können.

Durch den Aufschwung, der sich vor allem für die ohnehin bereits großen Vereine lohnt, wird die sportliche und wirtschaftliche Schere zwischen gut situierten und kleineren Vereinen immer größer. Ein gutes Beispiel, an welchem sich das zeigt, ist die Erfolgsgeschichte des FC Bayern München, der seit nunmehr zehn Spielzeiten in Folge als Meister hervorgeht. Es würde wohl keiner bestreiten, dass diese sportliche Überlegenheit in erster Linie aus großen finanziellen Möglichkeiten erwächst.

Kleinere Vereine haben das Glück und diese Möglichkeiten in aller Regel nicht. Der zynische Ausspruch vieler Fans, dass Geld den Fußball regiert, scheint sich zu bewahrheiten. Während es für die Vereine an der Spitze also immer weiter nach oben geht, kämpfen andere Mannschaften um ihre Existenz.

Wie elitär der Kreis der Mannschaften im Weltklasse-Format ist, zeigt auch der Gedanke, eine „European Super League“ ins Leben zu rufen, bei der die besten der besten wöchentlich gegeneinander antreten. Das Ergebnis hatte man sich in den oberen Riegen sicherlich anders vorgestellt. Anstatt auf große Zustimmung, stieß man bei den Fans schnell auf harsche Kritik und Gegenwind, sodass die eingeplanten Vereine recht schnell nach und nach kalte Füße bekamen.

Financial Fair Play

Für mehr Gerechtigkeit auf dem Markt sollte das Financial Fair Play sorgen. Diese Regelung trat 2012 von der UEFA in Kraft und dient eigentlich dazu, dass Vereine nicht unbegrenzt auf dem Transfermarkt zuschlagen können. Demnach dürfen Vereine nur so viel Geld ausgeben, wie sie durch Verkäufe auch wieder einnehmen. In der Theorie sollte das also in gewissem Maße für mehr Gleichheit sorgen. Leider sieht die Realität aber bei weitem anders aus. So umgehen die großen Vereine die Regelungen immer wieder – bis zur hohen Verschuldung. Die drei Ligen mit der zusammengerechnet höchsten Verschuldung sind die englische Premier League, die italienische Serie A und die spanische Primera División. Um einmal einen Eindruck zu vermitteln: Nimmt man die Verschuldung aller Premier League Vereine aus dem Jahr 2009 zusammen, ergab sich ein Schuldenberg von satten 3,1 Milliarden Pfund. 2015 wurden die Bestimmungen bezüglich des Financial Fair Play dann auch schon wieder gelockert. Ein wirklich effektives System ist das also nicht.

Das Financial Fair Play war ein interessanter Ansatz, brachte aber nicht wirklich viel. Eine weitere viel diskutierte Möglichkeit ist die Einführung eines Modells, wie es in US-Sportarten der Fall ist. Hier wird jedem Verein ein Limit gesetzt, was die Zahlung von Gehältern angeht. Dadurch könnten also alle mit den gleichen Gehaltsklassen rechnen, was für Gleichheit sorgt. Gleichzeitig würde das aber vermutlich auch eine Verminderung des rasanten wirtschaftlichen Wachstums bedeuten, was wohl nicht im Sinne der Aktionäre wäre.

Die Situation kleinerer Vereine

Vereine, die viel Geld haben, haben es heutzutage verhältnismäßig leicht. Sie können schließlich teure Spieler verpflichten und ihnen hohe Gehälter bezahlen. Somit werden die Vereine auch sportlich attraktiver und locken mehr Zuschauer in ihre Stadien. Wie sieht es aber nun mit kleineren Vereinen aus, die nicht über solche hohen finanziellen Mittel verfügen, wie beispielsweise der FC Bayern München?

Geschichten à la David gegen Goliath gibt es im Fußball immer wieder. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass in der Fußballwelt nur selten Goliath den Kürzeren zieht. Zu groß ist die qualitative Kluft in aller Regel. In Deutschland ist die Frage nach der Meisterschaft in der Regel mit einem Gähnen schnell beantwortet. Anders sieht das allerdings beim Kampf gegen den Abstieg aus. Hier begegnen sich die Clubs mit ähnlichen finanziellen Möglichkeiten auf Augenhöhe, sodass echte Spannung entsteht. Unter anderem auch, weil hier wirklich eine Menge auf dem Spiel steht. Während es bei der Meisterschaft häufig um eine weitere Einnahmequelle und eine Menge Prestige für ohnehin große Vereine geht, kann der Abstiegskampf eine Frage der Existenz darstellen.

Durch den Abgang vieler Spieler kommt es in der Bundesliga immer wieder zu einem rasanten sportlichen Abstieg, sodass sich der Verein komplett neu aufstellen muss. Gelingt dies nicht, stehen für die Fans nervenaufreibende Zeiten bevor. Auch in finanzieller Hinsicht bedeutet das eine Menge Einbußen. Ein weiterer Faktor ist auch die Corona-Pandemie, die kleinere Clubs deutlich härter getroffen hat als wirtschaftlich erfolgreichere.

Arminia Bielefeld als Beispiel für die Kraft der Solidarität

Ein Lichtblick, wie der sportliche Abstieg und die damit verbundenen finanziellen Probleme aufgefangen werden können, ist der Fall Arminia Bielefeld. Aktuell befindet sich der Verein nach einem Abstieg in der vergangenen Saison in der zweiten deutschen Bundesliga. Zugegeben, der Verein rutschte in eine prekäre Schuldenlage durch den Bau einer neuen Haupttribüne, während es sportlich bergab ging. Die Ausgaben konnten somit nicht mehr kompensiert werden. Mit einem Schuldenberg von etwa 22 Millionen Euro drohte dann die Insolvenz. Die Lage schien aussichtslos. Anfang 2018 kam dann ein Zusammenschluss von lokal ansässigen Unternehmen, dem Bündnis OWL, zur Rettung. So konnte der Verein einen Neustart hinlegen. 2020 gelang dann erstmals seit 11 Jahren der Aufstieg in die erste Liga.

Dass Vereine von großen Konzernen aufgekauft werden, ist ja keine Seltenheit und wird häufig kritisiert. Im Falle von Arminia Bielefeld ist das so aber nicht so. Ein richtiges Mitspracherecht bei Vereinsentscheidungen haben die Unterstützer nämlich nicht. Es handelt sich hier nicht um den Ausverkauf eines Vereins, sondern um die Unterstützung lokal angesiedelter Unternehmen. Dieses Modell könnte auch für viele weitere kleine Vereine in finanzieller Not interessant sein. Natürlich kann das aber nur in Regionen funktionieren, die sich stark mit dem jeweiligen Fußballverein identifizieren.

Fazit

Der Fußball lebt von seinen Fans. Und in der Menge unterstützen viele davon auch kleine Vereine. Entsprechend sollten diese nicht vernachlässigt werden. Geht es so weiter wie bisher, könnte es durchaus passieren, dass immer mehr Traditionsvereine in Zukunft vor erheblichen Problemen stehen werden. Dass die großen Verbünde wie die FIFA den Kontakt zu ihren Wurzeln allmählich verlieren, kann darin gesehen werden, dass die nächste WM in Katar stattfinden wird.

Für den Bau der Stadien sind bekanntermaßen tausende Gastarbeiter ums Leben gekommen. Die großen Vereine senden dennoch ihre Spieler zu den Nationalmannschaften für das Turnier. Natürlich lässt sich nicht sagen, ob kleinere Vereine es anders machen würden, fest steht aber, dass diese in der Sympathie auf jeden Fall besser dastehen. Es ist eben nicht nur das Geld, das zählt. Fußball ist ein Sport, der vor allem auch durch Menschlichkeit definiert ist. Diese findet man häufig da, wo das Geld keine Selbstverständlichkeit ist.

Erwin Novotny

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