Auswärts in Salzburg ist es selten eine angenehme Aufgabe. Für den SC Wiener Neustadt war es aber wohl noch unangenehmer, als üblich. Ein Grippevirus...

AlanAuswärts in Salzburg ist es selten eine angenehme Aufgabe. Für den SC Wiener Neustadt war es aber wohl noch unangenehmer, als üblich. Ein Grippevirus schwächte die Mannschaft, Trainer Heimo Pfeifenberger musste mit nur 14 Spielern zu dieser Partie anreisen. Red Bull hingegen hatte wie üblich eine starke Elf und hervorragende Bank. Dazu kommt der Rückstand auf Tabellenführer Austria Wien, den sie unbedingt verkürzen mussten. Es schien, als wäre alles für eine Klatsche der Wiener Neustädter vorbereitet – doch es sollte anders kommen.

Wiener Neustadt in der Defensive

Wiener Neustadt - Aufstellung-2Die Gäste spielten wie erwartet eher passiv und tief. Sie ordneten sich in einer 4-1-4-1-Formation an. Dabei stand der Mittelstürmer manchmal so tief, dass fast schon ein 4-1-5-0 entstand. Ziel war es die Außenverteidiger Salzburger frühzeitig zu stellen und in der Mitte viel Druck zu erzeugen. Die offenen Halbräume dienten dabei fast als Pressingfalle; Mané und Soriano bewegen sich sehr viel im Zwischenlinienraum, auch Georg Teigl kommt öfters in den rechten Halbraum und sucht Kurzpasskombinationen.

Wiener Neustadt komprimierte nach Pässen in den Zwischenlinienraum ihre Formation und erzeugte Druck. RB Salzburg konnte zwar wegen ihrer individuellen Qualität den Ball auch dann behaupten, wurden aber im Angriffsspiel empfindlich gestört. Immer wieder mussten sie den Ball zurückspielen oder in Dribblings gehen, die sie aber in weniger gefährliche Räume brachten. Dennoch war Red Bull die überlegene und dominante Mannschaft, obwohl es ein paar Mal Gefahr gab.

Wiener Neustadt im Konterspiel

Die Gäste wollten die gegnerische Fluidität der Außenstürmer und das Aufrücken der Außenverteidiger für Konter über die Flügel nutzen. Darum tauschten auch Terzic und Rakowitz die Positionen; Terzic als Linksfuß ging auf rechts, Rakowitz spielte links.

Mit diesem Positionswechsel sollten die beiden bei Kontern nach innen ziehen und abschließen können. Bezeichnend: Terzic erzielte das überraschende 1:0, Rakowitz traf Latte und Pfosten. Wenn die Situation und der Konter es erlaubten, dann wurden sie von den Außenverteidigern hinterlaufen.

Das erste Tor fiel übrigens nach einer Flanke bei einem Konter, wo zuvor ein diagonaler Laufweg des gegnerischen Außenverteidigers provoziert wurde. Er wurde wie schon erwähnt gestellt, zog auf der Suche nach einer Passoption in die Mitte und wurde dann gedoppelt. Einige Minuten nach dem Rückstand stellte Red Bull aber um.

Red Bull und ihre Offensivspielweise

RB Salzburg - Aufstellung-4Red Bull spielte wie üblich sehr viel in Engen und versuchte in die Halbräume hinter den beiden Achtern der Wiener Neustädter zu kommen. Hier sollten Valon Berisha und Stefan Hierländer helfen. Die beiden wurden von Schiemer abgesichert und sollten darum die Offensivspieler unterstützen. Außerdem gingen sie selbst öfters auf die Seiten, übernahmen die Position dort, gaben dem Spiel zumindest etwas an Breite und konnten die Außenverteidiger entlasten.

Mané spielte dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Er agierte enorm frei und war einer der auffälligsten Akteure. Seine Spielstärke in engen Räumen, Wendigkeit und Dribbelstärke sollten in den Vordergrund gestellt werden, während Berisha in die freien Räume auf der linken Seite ging. Nach dem Rückstand war dies aber passé.

 

Die Alan-Einwechslung

Nach dem 0:1 erhöhte Roger Schmidt den Druck seiner Mannschaft. Er brachte Alan schon in der 34. Minute für Dibon und ließ somit in einer 4-2-3-1-Taktik spielen; wobei es von der Rollenverteilung eigentlich ein 4-2-4 mit defensiv herausrückenden Innenverteidigern und einer offensiven Doppelsechs war. Das Spiel in der Enge sollte beibehalten werden, aber gleichzeitig suchte Schmidt nach erhöhter Breite im Angriffsspiel.

Als nach den wenigen Minuten von der 44. bis zur 55. Minute Salzburg drei Tore erzielte, wurde diese Spielweise aber wieder umgestellt. Martin Hinteregger kam für Hierländer und es entstand wieder ein 4-1-2-3, wenn auch etwas offensiver als noch in der ersten Halbzeit.

Einen besonderen Fokus in der Analyse legen wir noch kurz auf die beiden Tore. Der erste Treffer war ein Schuss unter Bedrängnis, aber ohne Druck – bezeichnend für die Wiener Neustädter. Soriano wurde schlicht nicht aktiv attackiert bzw. zu spät angegangen, wodurch er dank seiner Handlungsschnelligkeit abschließen und das Tor erzielen konnte. Dabei sah Torwart Siebenhandl ebenso unsicher aus, wie beim dritten Treffer durch Alan.

Der zweite Treffer war allerdings die spielerisch schönste Einzelaktion in dieser Partie.

2-1 

Mané, dessen Wichtigkeit und Stärken ich schön erwähnte, spielte hier einen tollen Pass in die Lücke. Er kann trotz der Enge die Übersicht behalten und spielt einen herausragenden Pass in den Lauf Sorianos, der letztlich nur vollenden muss. Letztlich ist das auch eine Stärke Red Bulls – wenn man konstant Druck mit Überzahl auf ihre fluiden Spieler in der bewusst bespielten Enge entfacht, wird man irgendwann desorganisiert und fehlerhaft formiert sein.

Früher oder später bespielt Red Bull diese Löcher und muss primär darauf achten, dass sie bei ihren fluiden Angriffen hinten stabil stehen; der defensive Umschaltmoment scheint ihre einzige wirkliche Schwäche zu sein, weswegen sie in Formationen mit klaren Absicherungen stärker sind. Dann werden aber ihre Offensivspieler etwas geopfert, was auch nicht Ziel der Sache sein sollte – man sehe sich dafür nur die Effektivität in der Phase mit vier nominellen Stürmern an.

Fazit

Red Bull wurde auf dem falschen Fuß ertappt und mit einem Konter überrascht – und schlug dann eiskalt zurück. Roger Schmidt wechselte intelligent und sorgte gegen geschwächte Neustädter schließlich für den dringend benötigten und durchaus verdienten Sieg.

Die Gäste formierten sich defensiv und hätten mit ihrer Spielanlage fast Erfolg gehabt, konnten aber letztlich der individuellen Qualität und einer kurzen, intensiveren Phase der Bullen wenig entgegensetzen.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

  • eisprinz

    3.März.2013 #1 Author

    „Roger Schmidt wechselte intelligent.“ Ach wie gerne würde ich einmal lesen, daß Rapid durch kluges Coaching von Schöttel ein Spiel gewonnen hat. Leider ist es meistens umgekehrt.

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