Das Freundschaftsspiel gegen die AS Roma offenbarte einige interessante Rückschlüsse auf die „neue“ Mannschaft des SK Rapid, die sich im Vergleich zur Vorsaison an... Aufstand der jungen Wilden? Rückschlüsse nach dem Testspiel Rapids gegen die AS Roma

Das Freundschaftsspiel gegen die AS Roma offenbarte einige interessante Rückschlüsse auf die „neue“ Mannschaft des SK Rapid, die sich im Vergleich zur Vorsaison an drei Positionen ändern dürfte. Rapid verlor das Spiel zwar mit 1:2, doch den fast 17.000 Zuschauern im Gerhard-Hanappi-Stadion wurde ein Fußballfest geboten, das sie vor allem wegen einer Szene nicht mehr so schnell vergessen werden.

Die AS Roma steht mitten in der Vorbereitung, die unter dem tschechischen Trainer Zdenek Zeman naturgemäß sehr hart ist. Man merkte den Spielern des italienischen Traditionsklubs an, dass sie mit einem gerade noch gesunden Maß an Müdigkeit zu kämpfen hatten, die größere individuelle Klasse im Vergleich mit dem SK Rapid war jedoch ebenfalls nicht zu übersehen. Am Ende hieß es 2:1 für die Roma, aber die Fans gingen dennoch rundum zufrieden nach Hause.

Fallrückzieher an die Latte von Terrence Boyd…

Einer der Gründe für das Wohlbefinden der Fans war Rapids Neuverpflichtung Terrence Boyd. Der US-Amerikaner erzielte den Treffer für Grün-Weiß und sorgte mit der Art und Weise dafür, dass viele Rapid-Fans das Heimdebüt des Ex-Dortmund-Akteurs nicht so schnell vergessen werden. Eine scharfe Flanke von Christopher Trimmel setzte der 21-Jährige an die Querlatte. Die Körperbeherrschung des Stürmers entpuppte sich in dieser Szene als perfekt, zumal die Flanke nicht nur sehr scharf, sondern auch sehr hoch angetragen war. Noch beeindruckender waren jedoch die kommenden Sekunden.

…doch Boyd blieb wach und traf Sekunden später

Boyd vergab gerade die Chance auf das vermeintlich schönste Tor seines Lebens und die Roma konnte den Ball sichern. Doch anders als andere Stürmer vergrub Boyd sein Gesicht nicht ungläubig und demoralisiert in seinen Händen, sondern blieb hellwach. Denn schon fünf Sekunden später eröffnete sich die nächste Chance, die er schließlich mit einem perfekt angetragenen Seitfallzieher im Tor versenkte. In nur zehn Sekunden zeigte Boyd seine Knipserqualitäten, seine Power und seine offenbar typisch amerikanische Einstellung – alles auf einmal.

Rapid braucht Spieler, die auch nach außen Meister werden wollen

Der Einstand war für den jungen Angreifer sehr schön und dennoch darf man diese spektakuläre Szene nicht überbewerten. Im Laufe einer langen Saison wird es eher darauf ankommen, ob Boyd die „Leichten“ rein macht. Schönheitspreise bringen wenig, wenn unterm Strich zu wenige Tore stehen. Dem Team kann der US-Boy aber nur gut tun, wie er später beim Flash-Interview auf ORF Sport+ bewies. Anders als viele seiner Teamkollegen (oder auch sein Trainer) betonte er auf die Frage, was er in Wien noch alles vor hätte, dass er hier ist um Meister zu werden. Eine Aussage, die man in dieser Deutlichkeit bisher nur von Lukas Königshofer, eigentlich auch noch einem relativ Neuen, hörte. Boyd ist frisch in Wien und legt sofort die Karten auf den Tisch – das euphorisiert die Fans und wird auch einen positiven Effekt auf seine Mitspieler haben. Keine halben Sachen – das soll 2012/13 das Motto sein.

Gerson muss allgemeine Fehler abstellen

Die zweite Neuverpflichtung, der Brasilianer Gerson, zeigte gegen die AS Roma, wie auch schon in seiner Zeit beim Kapfenberger SV, dass er das athletische Rüstzeug hat, zu einem sehr guten Innenverteidiger heranzureifen. Einzig an der Präzision hapert es noch und so kamen nur wenige der Pässe, die Gerson aus der Abwehr heraus spielte, an den Mann. Die meisten waren um ein bis zwei Meter zu ungenau und auch in manchen Schnittzweikämpfen war der Defensivmann vom Zuckerhut um einen Tick zu unentschlossen oder spät dran. In Ansätzen sieht man sein Potential, doch nun muss es an die Feinabstimmung gehen. Auch weil Gersons Zeit beim SK Rapid begrenzt ist, mindestens eines, aber maximal nur zwei Jahre dauert. Er ist trotz seines jungen Alters ein Spieler, der Rapid sofort helfen muss und daher müssen die grundsätzlichen und regelmäßigen Fehler so schnell wie möglich abgestellt werden.

Einige brave defensive Mittelfeldspieler, aber kein dominanter

Eine tragende Rolle in der neuen Rapid-Elf könnte der 21-jährige Muhammed Ildiz einnehmen. Rapid verfügt aktuell über fünf defensive Mittelfeldspieler, die um zwei Plätze im etatmäßigen 4-2-3-1 rittern. Heikkinen dürfte vorerst als routiniertester Akteur gesetzt sein, Kulovits ist die Alternative zum Finnen. Auf der etwas offensiveren Position des „8ers“ können Ildiz, Prager und Wydra spielen. Für alle fünf Spieler gilt bei ihrem derzeitigen Leistungsvermögen: Ähnliches Potential. Rapid verfügt auf diesen Positionen über einige brave Kicker, ein paar interessante Zukunftshoffnungen, aber eindeutig keinen Kracher. Auf den beiden Positionen im defensiven Mittelfeld gibt es keine Alternative, die so dominant auftreten kann, wie einst Carboni bei Red Bull Salzburg, Blanchard bei Austria Wien – oder einst Heikkinen beim SK Rapid.

Ildiz variabel und torgefährlich

Ildiz könnte auf dieser wichtigen Position zum Zünglein an der Waage werden. Von seinen spielerischen Möglichkeiten hat er die besten Chancen das Spiel seines Teams grundlegend zu verändern. Er ist von allen Spielern für die „6er“- und „8er“-Position der variabelste und zudem torgefährlichste. Sein direkter Konkurrent wird Thomas Prager sein, von dem man sich im Vergleich zur Vorsaison eine Leistungssteigerung – vor allem in der Offensive und da im Bezug auf technische Eigeninitiative – erwarten muss. Ildiz muss speziell in den nächsten ein bis zwei Monaten Gas geben, um sich zur Zeit der Europacup-Qualifikation auf der „8er“-Position festzusetzen. Wenn er dies schafft, wird man ihn – so er verletzungsfrei bleibt – in der restlichen Saison nur schwer aus Rapids defensivem Mittelfeld verdrängen können. Routine hin oder her: Ildiz ist von den fünf Kandidaten derjenige, der am ehesten den Part und den Positionsradius einnehmen kann, den einst Branko Boskovic bravourös abspulte.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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