Der SK Rapid gewann gestern sein letztes Testspiel in Bad Wimsbach gegen Apollon Limassol mit 2:1. Joelinton und Alex Sobczyk erzielten die Treffer für... Erkenntnisse aus Rapid 2:1-Testspiel gegen Apollon Limassol
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Louis Schaub - SK Rapid

Der SK Rapid gewann gestern sein letztes Testspiel in Bad Wimsbach gegen Apollon Limassol mit 2:1. Joelinton und Alex Sobczyk erzielten die Treffer für die Grün-Weißen, die in der ersten Halbzeit eine richtig starke Leistung ablieferten.

Speziell der Beginn der ersten Halbzeit war hochinteressant. Die ausreichend mit Legionären gespickte Truppe von Apollon Limassol wurde letztes Jahr Dritter, war lange im Titelkampf mit dabei, gewann den zyprischen Cup und wies am Ende der Saison die zweitbesten Angriffsstatistiken der Liga auf. Dementsprechend suchte Rapids Testspielgegner sein Heil in der Offensive und griff von Beginn weg an.

Offener Schlagabtausch in der ersten Viertelstunde

Es war eine Situation, der Rapid nicht häufig ausgesetzt ist: Eine etwa gleichwertige bzw. qualitativ etwas schlechtere Mannschaft griff an, presste und stand hoch, versuchte Druck aufzubauen, anstatt abwartend zu agieren. Zuerst wirkte es so, als würde die Djuricin-Elf damit nicht zurecht zu kommen, aber die Hütteldorfer brauchten nicht lange um zurückzuschlagen, erspielten sich in der ersten Viertelstunde zahlreiche Chancen und Stanglpass-Situationen.

Spiel machen vs. mitspielen

In der vergangenen Saison war es häufig der Fall, dass Rapid in 90 Minuten (allerdings in Pflichtspielen) weniger Tormöglichkeiten oder Ansätze dazu kreierte, als in der ersten Viertelstunde dieses internationalen Testspiels. Das ist klar der Tatsache geschuldet, dass die heimischen Klubs über Rapids Probleme, durch tief gestaffelte Abwehrreihen durchzubrechen, Bescheid wissen und ihr Spiel dahingehend adaptieren. Spielt der Gegner aber mit, zeigt Rapid auch im Gegenzug sein spielerisch starkes Gesicht.

In der ersten Halbzeit eher eine Bundesligamannschaft

Die Mannschaft, die Goran Djuricin in der ersten Halbzeit aufs Feld schickte, ähnelte eher einer Stammformation, als die in der zweiten Hälfte. Sechs Spieler aus der Startelf sind wohl auch in der Liga als Starter eingeplant. In der zweiten Halbzeit waren es derer nur vier. Der erste Anzug wirkte stark im Umschaltspiel und auch die Spielverlagerungen funktionierten bereits überraschend gut. Vor allem aber merkte man den Zug aufs Tor.

Gute Flügelspieler

Dies war einerseits dem erneut sehr umtriebigen Joelinton, aber auch den Flügelspielern zu verdanken. Louis Schaub war auf der rechten Seite durchaus aktiv, auch wenn der letzte Kniff in seinem Spiel fehlte. Weiterhin überraschend stark präsentierte sich Amateurspieler Eren Keles auf links, der im Eins-gegen-Eins starke Ansätze hat und vor allem kaum nachdenkt, sondern instinktiv handelt. Er sucht im Vergleich zu anderen Rapid-Flügeln seltener die Sicherheitsvariante und versucht mit Einzelaktionen die Ordnung des Gegners auseinanderzureißen. Allerdings ist schwer abschätzbar, wie erfolgsversprechend dies in Bewerbsspielen ist, wenn auch der Gegner intensiver zu Werke geht.

Warum Rapid einen schnellen Stürmer braucht

Auch offensichtlich wurde aber die Notwendigkeit nach einem zweiten schnellen Stürmer oder einem Zehner, der zahlreiche vertikale Läufe in den Strafraum wagt. Rapid bekommt wieder einmal zu wenige Spieler in die direkte Gefahrenzone. In der ersten Halbzeit noch ein wenig mehr, als in der zweiten, in der das Spiel weitgehend nur noch dahinplätscherte. Ein neuer Stürmer hätte womöglich nicht die primäre Aufgabe in der Bundesliga 20+ Tore über die Linie zu drücken, sondern mehr noch Joelinton und den Flügeln Druck abzunehmen und Ordnungen im gegnerischen Abwehrbund zu zerstören, sodass etwa Joelinton oder Kvilitaia zu potentiellen 20+-Stürmern werden.

Richtige Testgegner?

Rapid ließ in der ersten Halbzeit einige Chancen zu, erarbeitete aber noch mehr. Einzig die Effizienz muss offensiv einmal mehr bekrittelt werden, es fehlen Nachdruck und Selbstverständlichkeit. Über die technischen Möglichkeiten der Truppe lieferte die Partie dennoch positive Rückschlüsse. Einzig geht die Auswahl der Testspielgegner ein wenig an der Notwendigkeit vorbei, die gegnerbezogenen Probleme zu behandeln.

Gegen „dreckige“ Gegner testen

Rapid würde nicht schlecht daran tun, gegen Gegner zu testen, deren Stil dem Gros der heimischen Liga nahekommt. Also gegen robuste Mannschaften, die tief stehen, tief aufbauen und defensiv gut gestaffelt sind. Genau gegen diese Teams hatte Rapid in den letzten Jahren große Probleme Lösungen zu finden. Wenn man Apollon Limassol mit spielerischen Mitteln dominiert, ist das sicher gut fürs Selbstvertrauen und zeigt, dass etwas in der Mannschaft steckt, wenn man sie lässt. Wichtiger wäre aber das Proben für den Ernstfall gegen Teams, die Rapid mit einer stabilen Defensive zermürben wollen.

Tests zu diesem Zweck so oder so fragwürdig

So oder so ist das Proben eines solchen Ernstfalls in der Saisonvorbereitung aber immer schwierig. Testgegner spielen – auch wenn sie in Pflichtspielen sehr defensiv auftreten – in Vorbereitungsspielen oftmals freier und offener, sorgen sich weniger um akribische Ordnung, da es eben um nichts geht. Auch das Freundschaftsspiel gegen Monaco am Sonntag wird eher Spektakel und Schlagabtausch, als situationsgerechte Vorbereitung auf die österreichische Bundesliga.

Dibon musste verletzt runter

Zudem scheint das Verletzungspech den Grün-Weißen erhalten zu bleiben: Christopher Dibon, erst zur Pause eingewechselt, blieb schon nach einer Viertelstunde im Rasen hängen und musste mit Knieschmerzen ausgewechselt werden. Eine Diagnose steht noch aus und wird für heute erwartet.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen