Die Vorzeichen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Die Innsbrucker hatten einen ausgesprochen schwachen Saisonstart hingelegt. Sämtliche Spiele wurden verloren und es konnte nur ein... Erste Punkte für den FC Wacker Innsbruck: Last-Minute-Heimsieg über Mattersburg!

Die Vorzeichen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Die Innsbrucker hatten einen ausgesprochen schwachen Saisonstart hingelegt. Sämtliche Spiele wurden verloren und es konnte nur ein Tor erzielt werden, während man es schaffe, acht Gegentore zu fangen. Die Mattersburger hingegen zeigten sich überraschend stark, mit zwei Siegen hatten sie bereits sechs Punkte auf dem Konto und wollten ihren dritten Dreier in der vierten Partie holen.

Dazu wollten sie den Innsbruckern vor deren eigenen Publikum die Räume überlassen und mit Kontern zum Erfolg kommen: zu Beginn schien es sogar, als ob dies klappen würde. Ein Tor von Seidl in der Schlussphase der ersten Halbzeit sorgte für den Führungstreffer, der bis zur 83. Minute halten sollte. Eine gelb-rote Karte für Höller sorgte für einen Freistoß, den die Innsbrucker zum Ausgleichstreffer verwandelten. In der Nachspielzeit kam dann das erlösende 2:1 für die Heimmannschaft, welche sich den Sieg redlich verdient hatte.

Wacker Innsbrucks Aufstellung

Nominell begann die Heimmannschaft in einem 4-2-3-1. Mit Schreter, Schütz und Saurer sollte hinter dem mitspielenden Julian Perstaller eine spielstarke und dynamische Dreierreihe aufgebaut werden. Schütz beispielsweise kann beide Seiten bespielen und rochierte gelegentlich, um sich im Zentrum anzubieten oder die Seite zu tauschen. Es sollten bei Bedarf offene Räume des Gegners überladen und mit zwei oder drei Mann attackiert werden. Die Doppelsechs bildete Kapitän Abraham und Piesinger, die sich offensiv zurückhielten, aber durchaus als Anspielstation aufrückten – ähnlich wie Hauser und Bergmann auf den Außenbahnen.

Defensiv wurde aber aus diesem 4-2-3-1 ein 4-4-1-1. Die Außenspieler im Mittelfeld ließen sich fallen und es entstanden zwei kompakte Ketten, vor der Schreter auf Ballgewinne wartete.

Mattersburgs Konter

Da gegen diese kompakte Spielweise wenig auszurichten war, verlegte sich Mattersburg auf eine relativ simple Spielweise. Mit weiten Bällen überbrückten sie die Mittelfeldräume und die ballfernen Stürmer zogen nach innen. Routinier Naumoski war jener Spieler, der darauf reagierte und auf wen reagiert werden musste. Zumeist ließ er sich fallen, damit der körperlich starke Bürger die alleinige Spitze bildete. Er ging dann in den Raum zwischen den beiden Innenverteidigern, um zu verhindern, dass einer von ihnen frei blieb und Naumoski verfolgen konnte. Die Außenstürmer Mattersburgs rückten etwas zentraler ein, um Bürger Platz für Ablagen zu geben oder sich selbst in den Schnittstellen anzubieten.

Es entstand somit eine Raute, deren Breite davon abhängig war, wie sich Naumoski bewegte. Wenn dieser nach vorne rückte, dann schoben sich die Außenstürmer wieder auseinander und die Raute wurde flacher. Wichtig war hierbei, dass einer der Sechser, zumeist Seidl, gelegentlich mit aufrückte und entweder die Raute durchlief oder der dritte Mann im Sturm mit Naumoski und Bürger wurde. So geschehen bei dem Führungstreffer, welcher nach einem Konter entstand.

Flexibilität und Kompaktheit als Hauptmerkmal

Die Gäste standen defensiv kompakt und formierten sich mit vielen Akteuren eng aneinander. Dadurch war der Raum sehr eng und sie konnten mit aktiven Bewegungen ihren Gegenspielern folgen, ohne bespielbare Lücken zu öffnen. Die Passwege wurden geblockt und die Innsbrucker wurden gezwungen mit mehr Mann aufzurücken, um überhaupt ansatzweise Gefahr entfachen zu können. Beim 0:1 standen sie zu weit vorne und auseinander, weswegen Naumoski den Ball nach einem abgeblockten Passspiel treiben konnte. Er spielte auf Bürger, der dann in die Lücke auf den mitgegangenen Seidl passte. Dieses schnelle Umschalten aus einer massierten Defensive war effektiv und das schwache Rückwärtspressing der Gastgeber ermöglichte das Tor. Weder nahmen sie zuerst kollektiv die Positionen ein, noch bedrängten sie Naumoski ernsthaft. Dieser hatte zu viel Raum, um sich umzusehen und den Pass zu spielen – dies war der erste und größte Fehler des Tiroler Defensivverbundes.

Wacker dominiert

Vor und nach diesem Gegentreffer waren die Hausherren die klar bessere Mannschaft. Fast 60% Ballbesitz zeugten von der tiefen Ausrichtung des Gegners und der eigenen Überlegenheit im ersten und zweiten Spielfelddrittel. Auch einige Chancen konnten herausgespielt werden, die Chancenverwertung war allerdings mangelhaft. Bei beiden Mannschaften wurden viele Angriffe nur unsauber zu Ende gespielt. Dies lag daran, dass die Mattersburger in numerischer Unterzahl und in hoher Geschwindigkeit über weite Wege angriffen, während die Innsbrucker andauernd unter Bedrängnis waren.

Darum reagierten sie in der Halbzeitpause. Mit Wernitznig und Merino sollte mehr Kreativität und Bewegung ins Spiel vor dem letzten Spielfelddrittel kommen. Die Formation an sich blieb die gleiche, doch die Durchschlagskraft nach vorne sollte erhöht werden. Die Mattersburger reagierten in der siebzigsten Minute darauf mit einem zusätzlichen Mittelfeldspieler statt Naumoski, um sich in der Schlussphase nicht doch noch ein Tor zu fangen.

Spielentscheidende rote Karte?

In der 83. Minute erhielten die Gäste in Person von Höller dann eine gelb-rote Karte. Der daraus resultierende Freistoß führte zum Ausgleichstreffer, hier war allerdings etwas Glück dabei: es war eine gescheiterte Freistoßvariante, die irgendwie an den langen Pfosten kam und als späterer Abpraller von Fernandes verwandelt werden konnte. Letztendlich war es bei all dem Ballbesitz dennoch ein langer Diagonalball, der die Entscheidung für die Heimmannschaft mit sich brachte. Wernitznig konnte sich den Ball stoppen und mit einer guten Aktion hämmerte er den Ball von der Sechzehnerlinie ins Tor.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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