Mitgespielt, gut gekämpft und doch als Verlierer zurück nach Wien gefahren. Was fehlt Rapid an einem guten Tag auf Salzburg an einem unter- bis... Gekämpft, gespielt, verloren – was fehlt Rapid auf ein Team wie Salzburg?

Mitgespielt, gut gekämpft und doch als Verlierer zurück nach Wien gefahren. Was fehlt Rapid an einem guten Tag auf Salzburg an einem unter- bis durchschnittlichen Tag?

Der Faktor Glück – und damit verbunden auch das entgegengesetzte Pech – war bei Rapid in den vergangenen Wochen immer wieder ein Thema. Goran Djuricin war regelmäßig mit den Leistungen zufrieden und hoffte, dass auch das Glück des Tüchtigen im Abschluss zurückkommen würde. Glück hat aber nicht gerade viel damit zu tun, auch wenn Rapid in Salzburg mit einer etwas größeren Portion einen Elfmeter nach Foul an Petsos und einen Lauf von Kvilitaia alleine aufs Tor – zu Unrecht wegen Abseits abgewürgt – dabei gehabt hätte.

Und doch machte Rapid zu viele Fehler, weshalb eine Klassemannschaft wie Salzburg am Ende doch wieder als Sieger vom Platz geht.

Individuelle Fehler

Rapid war bemüht, das Spiel sauber aufzubauen, hat aber in den entscheidenden Überbrückungsmomenten eine zu niedrige Passqualität. Einzig die linke Seite der Hütteldorfer spielte auf „Red Bull Level“. Bolingoli, Galvao und der immer wieder abkippende Joelinton befreiten sich regelmäßig mit präzisem Passspiel aus schwierigen Situationen. Der Rest der Mannschaft fiel hierbei ab. Eine große Ausnahme bildete die Ausnahmeleistung von Richard Strebinger, der jedoch mit den Aufbauproblemen nur wenig zu tun hat.

Fehlende Zentrumsstabilität mit Ansage

Dass der sehr bedächtig spielende Thanos Petsos auf der Zentralachse Probleme mit dem aggressiven Salzburger Mittelfeldpressing bekommen würde, wusste man fast schon mit Ansage. Petsos verlor 14 seiner 18 Mann-gegen-Mann-Duelle, sicherte Bälle hauptsächlich in ungefährlichen Zonen und spielte zu häufig quer. Das verlangsamte das Spiel Rapids und half Salzburg beim nötigen Umschalten auf Defensive. Noch schwächer präsentierte sich Dejan Ljubicic, der im Frühjahr noch überhaupt nicht in Fahrt kommt. Rapids Jungstar vermisst den verletzten Stefan Schwab am allermeisten – an dessen physischer Spielweise wuchs der 20-Jährige im Herbst.

Den Stürmer auswechseln und danach flanken

Giorgi Kvilitaia war zuletzt eindeutig der gefährlichste Rapid-Spieler, traf in den letzten zwei Partien dreimal. Auch gegen Salzburg spielte der Georgier gut, beschäftigte die Abwehr, konnte viele Bälle sichern. Nach nur 58 Minuten musste er aber raus und wurde durch den quirligen Schobesberger ersetzt. Und erst danach begann Rapid die Flügel zu überladen, Salzburg hinten reinzudrücken und zu flanken. Das Resultat: Keine einzige der 19 Rapid-Flanken fand einen Abnehmer. 16 der 19 Flanken wurden geschlagen, nachdem Kvilitaia ausgewechselt wurde – fünf von seinem Ersatzmann als Stürmer, Philipp Schobesberger.

Viel brotlose Kunst

Den meisten Spielern kann man kämpferisch keine großen Vorwürfe machen. Die rechte Seite mit den starken Murg und Auer rackerte unermüdlich, scheute keine Zweikämpfe. Nur wenige Spieler, etwa Petsos und Schobesberger präsentierten sich gegen den Ball oft zu lasch. Veton Berisha gewinnt die meisten seiner Zweikämpfe und ist ein richtiger „Wadlbeisser“, hat aber so gut wie nie den Ball und scheitert wenn er ihn hat an seinen eigenen technischen Unzulänglichkeiten. Daraus folgt, dass Rapid in „kämpfender Schönheit“ stirbt, weil schlichtweg zu wenig Konkretes in der Ballverarbeitung passiert. Ganz anders als Salzburg, das nach Balleroberungen sehr zielstrebig agiert und als gesamte Mannschaft ein großes Gefühl für Räume und Gruppentaktik hat. Das fehlt Rapid selbst wenn man als kompakter Block angreift, wie es in der letzten halben Stunde immer wieder der Fall war.

Und dennoch Pech…

Dennoch muss nach dem 0:1 in Salzburg auch ein wenig von Pech gesprochen werden. So war Murgs Stangenschuss bereits der 17. Aluminiumtreffer in der laufenden Saison. Bei Elfmeter- und Abseitsentscheidungen hatte Rapid diesmal ebenfalls nicht das Glück des Tüchtigen auf der Seite. Das Schiedsrichtergespann erwischte keinen glänzenden Tag – ebenso wie Sky-Kommentator Erich Auer, bei dem man sich fragen muss, wieso er überhaupt noch Rapid-Livespiele kommentieren darf. Ein Verzweiflungsversuch Objektivität an den Tag zu legen kann jedenfalls nicht der Grund sein.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen