Zoran Barisic holt mit dem SK Rapid bei seinem Comeback auf der Trainerbank der Kampfmannschaft auswärts bei der Wiener Austria ein 2:2-Remis. Ein wichtiger... Rapid 90 Minuten praktisch ohne Zugriff – und dennoch moralischer Sieger beim 2:2 bei der Austria!

StephansdomZoran Barisic holt mit dem SK Rapid bei seinem Comeback auf der Trainerbank der Kampfmannschaft auswärts bei der Wiener Austria ein 2:2-Remis. Ein wichtiger Punkt fürs Selbstvertrauen, aber freilich auch kein Grund in große Euphorie zu verfallen. Die Austria ließ ihre sonst übliche Effizienz vermissen und gerade die sonst so ineffiziente Rapid-Elf machte aus drei Chancen zwei Tore…

Die Wiener Austria spielte erneut in ihrem geradlinigen 4-2-3-1-System, das aufgrund der offensiven Ausrichtung von Jun und Gorgon eher einem 4-2-1-3 gleichkam. Nach einer kurzen Phase des Abtastens zeigte die Austria, wer der Herr im Haus ist. Der Führungstreffer durch Tomás Jun in der 28.Minute kam für den Spielverlauf verhältnismäßig spät, zumal Rapid offensiv nicht stattfand.

Kämpferische Steigerung Rapids

Dass es nicht früher mit violetten Toren klappte, lag dennoch auch am Gegner. Die markanteste und sofort sichtbare Änderung auf grün-weißer Seite: Die Spieler wollten sich nicht kampflos geschlagen geben. Die erste Halbzeit war von zahlreichen Fouls geprägt, insgesamt sahen fünf Rapid-Spieler die gelbe Karte. Rapid nahm die Zweikämpfe an, die zahlreichen Fouls waren zumindest phasenweise, speziell in der ersten Hälfte, ein Zeichen fehlender Entschlossenheit. Zu oft kam die Barisic-Elf zu spät und verabsäumte somit die Chance Gegenkonter einzuleiten. Dennoch war die kämpferische Steigerung auf Seiten Rapids deutlich sichtbar.

Tor um Tor in der zweiten Halbzeit

Rapid tauchte „nur“ mit einem 0:1-Rückstand durch die erste Halbzeit und erzielte schließlich aus der ersten direkt vorgetragenen Offensivaktion den Ausgleich. Juns zweiter Treffer zum 2:1 für die Austria resultierte erneut aus einem Eins-gegen-Eins-Duell, in dem Schimpelsberger, der nicht nur aufgrund seiner schweren Verletzung einen rabenschwarzen Tag erwischte, aus Qualitätsgründen den Kürzeren zog. Die Antwort der Austria war laut – doch Rapid glich zehn Minuten später erneut aus, wobei der weite Pass von Christopher Trimmel auf den späteren Assistgeber Deni Alar die großen Ordnungsprobleme in der Viererkette der Austria offenbarte.

Rapids Umschaltspiel schwach, inferiore Passquote

Diese Probleme in der violetten Defensivordnung und die zu großen Abstände zwischen Innen- und Außenverteidigern ermöglichten Rapid zwei Treffer. Allerdings wäre für eine schwache Rapid-Elf am gestrigen Nachmittag noch mehr drin gewesen, wenn sie das Hauptproblem im eigenen Spiel in den Griff bekommen hätte: Das Umschalten von Defensive auf Offensive. Wenn Rapid am eigenen Sechzehnmeterraum oder im Mittelfeld den Ball eroberte, rückten deutlich zu wenige Spieler vor den Ball, wodurch die Austria in ihrem Defensivspiel schon im Mittelfeld immer eine Überzahl schaffen konnte. Zu diesem Problem gesellte sich außerdem die Tatsache, dass sich bei Rapid kaum ein Spieler traute, das Spiel mit technischen Mitteln aufzubauen. Schlechte lange Bälle, eine unterirdische Passquote von ca. 70% und verlorene Zweikämpfe aufgrund zu niedriger Entschlossenheit bei Ballbesitz waren das Resultat.

Rapids Flügel als Effizienz-Phänomen

Ein Phänomen dieses Derbies waren die Flügelspieler Rapids. Speziell Burgstaller und Trimmel befinden sich derzeit in der sprichwörtlichen „Kist’n“ und spielten in den letzten Wochen äußerst schwach. Dennoch schafften sie es, speziell aufgrund ihrer Dynamik und dem Trachten nach zweiten Bällen, bei den Entstehungen der beiden Rapid-Tore beteiligt gewesen zu sein. Mit wenigen offensiven Aktionen holten die beiden das Beste aus einer insgesamt schwachen Rapid-Partie heraus. Dass mit Alar und Sabitzer die etatmäßigen Stürmer, aber ebenfalls potentielle Flügel für die Tore sorgten, passt in dieses Effizienz-Phänomen. Wesentlich kritischer ist hingegen das zentrale Mittelfeld Rapids zu betrachten.

Tiefer Spielmacher Wydra zu leichtfüßig, Rapid praktisch zugriffslos

Dort präsentierte sich der junge Dominik Wydra zwar nicht lustlos, aber für die höchste österreichische Spielklasse viel zu leichtfüßig. Der 19-Jährige bringt zu wenig Power hinter seine Aktionen, hat stets eine aufrechte Körperhaltung und sein nächster Schritt ist für den Gegner zu einfach vorherzusehen. Auch wenn Wydra gewillt ist, direkt zu spielen und das Spiel ein wenig zu lenken, verliert er ob seiner Leichtfüßigkeit zu viele Bälle oder gerät in Situationen, in denen ihm mit einfachen Mitteln der Ball abgenommen werden kann. Wenn der „Achter“ in einem 4-2-3-1 berechenbar ist und zugleich Umschaltspiel und Bewegung ohne Ball nicht funktionieren, bekommt man auf das gesamte Spiel keinen Zugriff. Rapid traf im Endeffekt aus einem Einwurf und nach einem weiten Pass aus der eigenen Abwehr, der das Mittelfeld situativ genau richtig überbrückte. Aus dem Spiel heraus hatte Rapid dem Erzrivalen aus Wien-Favoriten aber de facto 90 Minuten lang nichts entgegenzusetzen.

Austria setzte Außenverteidiger nicht in Szene

Verwunderlich erscheint es demnach, dass die Austria nicht noch wesentlich gefährlicher wurde. Dies hatte vor allem mit dem defensiv gut organisierten Spiel Rapids auf den Außenpositionen zu tun. Burgstaller und Trimmel wurden zum Teil in sehr tiefen Feldpositionen in Zweikämpfe verwickelt – und ihre Außenverteidiger Katzer und Schimpelsberger standen zu diesem Zeitpunkt meist noch tiefer. Dadurch konnte die Austria eine der großen Stärken der laufenden Saison nicht ausspielen: Die Außenverteidiger Suttner und Koch kamen nie entscheidend bis zur Grundlinie oder konnten in gemeinsamer Vorwärtsbewegung Dreiecke mit ihren offensiveren Mitspielern bilden. Die Austria erzielte beide Tore durch Diagonalpässe aus der Zentrale bzw. einer halbrechten Position auf den linken Flügel, was Rapids Staffellung auseinander riss. Versuchte man es jedoch geradlinig über den Flügel, stand Rapid zu kompakt und setzte dem Tabellenführer zudem Härte entgegen.

Spannung? Eher nicht!

Die Austria liegt nun sechs Punkte vor Red Bull Salzburg. Blendet man den Vorsprung von vor einigen Runden aus und sieht unbefangen auf die Tabelle, würde man auch ob des Restprogramms feststellen, dass der Titel sechs Runden vor Saisonende nur noch Formsache ist. Die im Vergleich zum Herbst leicht abfallende Formkurve und die Tatsache, dass das letzte Saisonspiel die Veilchen nach Salzburg führt, macht die Angelegenheit aber noch ein bisschen spannend. Rapid könnte im violetten Titelkampf das Zünglein an der Waage sein: Kommenden Samstag empfängt Rapid den Tabellenzweiten aus Salzburg. Einerseits könnte Salzburg mit einem Sieg in Hütteldorf vorlegen, andererseits könnte Rapid mit einem Sieg praktisch die violette Meisterfeier fixieren…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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