Sturm Graz ist Tabellenführer. Zwei Gesichter die die erfolgreiche Mannschaft aktuell prägen gehören mit Thorsten Röcher einem Neuzugang, sowie mit Sandi Lovric einem Eigenbauspieler. Während... Röcher und Lovric im Doppelinterview: „Sturm ist einfach eine Großfamilie“

Sturm Graz ist Tabellenführer. Zwei Gesichter die die erfolgreiche Mannschaft aktuell prägen gehören mit Thorsten Röcher einem Neuzugang, sowie mit Sandi Lovric einem Eigenbauspieler. Während Ersterer Sturm als nächsten Karriere-Schritt mit Wohlfühlfaktor sieht, unterstreicht Lovric die Wichtigkeit für Jungkicker nie Selbstzweifel zu haben. Mit abseits.at sprach das Duo unter anderem über Freundschaft „von unten bis oben“, mentale Stärke und ihren „Clasico“-Konflikt.

Thorsten, du bist im Sommer zu Sturm gekommen, warst einer der ersten Spieler die neu zur Mannschaft gestoßen sind. Was hat dich dazu bewogen den doch größeren Schritt von Mattersburg nach Graz zu wagen?

Röcher: Zum einen war’s natürlich klassisch: die Gespräche mit Trainer Franco Foda und Sportdirektor Günter Kreissl waren ausschlaggebend. Beide sind sehr überzeugende, fokussierte Persönlichkeiten die dir genau sagen, was sie von dir wollen. Und wegen dem ‚großen Schritt‘ muss ich sagen, dass ich es normal finde den nächstgrößeren Karriereschritt zu wagen wenn ich die Chance dazu habe.

Auch die Fans waren ein Mitgrund für dein Ja zu den Grazern hört man.

Röcher: Richtig. Einer meiner ersten Gedanken war: Ich will vor richtig geilen Fans spielen. Was in Liebenau bei den Heimspielen abgeht ist genau das was ich will. Auch auswärts ist die Unterstützung top.

Im Gegensatz zu Mattersburg, wo man ja in den letzten Jahren wenig Furcht vor einem Hexenkessel haben musste?

Röcher: Es ist einfach anders. Die Leut‘ stehen dort auch hinter dir. Sturm ist sowieso in keiner Weise mit dem SVM zu vergleichen. Das fängt bei den Fans an und hört bei den errungenen Erfolgen auf.  Was beide verbindet ist, dass du dich hier schnell integriert fühlst. Sturm ist ein familiärer Verein wie der SVM. Nur ist es hier halt eine Großfamilie!

Sandi, du bist im Kreise dieser Familie zum Profi geworden, nachdem dich Sturms Nachwuchsscout Didi Schilcher in deiner Heimat Lienz entdeckt hast. Du warst schon vor ein paar Jahren am besten Weg zum Profi, machest dann schwierigere Zeiten durch weil du selten gespielt hast. Jetzt bist du Leistungsträger. Wieso hat’s mit dem Durchbruch jetzt doch geklappt?

Lovric: Ich weiß nicht. Eigentlich mach‘ ich ja nichts anders. Ich hab immer Vollgas gegeben. In den Zeiten auf der Bank genauso wie jetzt. Wie willst du sonst von der Bank zum Start-‚Leiberl‘ kommen? Das Gute ist, dass meine Fußball-Leidenschaft einfach so ausgeprägt ist, dass ich mich keine Sekunde hab hängen lassen. Das klingt jetzt vielleicht nach 0815-Aussage, ist aber genau so. Deswegen bin ich jetzt da wo ich stehe.

Und du trägst mehr Verantwortung. Bist du in der neuen Rolle als kreativer „Sechser“, der vorne genauso zu finden ist wie hinten, auch in deiner Persönlichkeit gewachsen?

Lovric: Bestimmt. Als Mensch entwickelst du dich ja bei Rückschlägen auch immer weiter. Man muss es nur positiv sehen: Probleme können dich weiterbringen und schenken dir Erfahrung. Wenn du ein junger Spieler bist wie ich erst recht.

Also hast du nie gezweifelt ob du bei Sturm noch richtig bist? Es gab immer wieder Gerüchte dass Rapid Interesse an dir hätte.

Lovric: Gezweifelt hab ich nie an mir. Weil genau das der größte Fehler ist den du als Junger machen kannst. Solche Gedankengänge kriegst du dann in den weiteren Karrierejahren nie mehr los.

Thorsten, auch bei dir ist die Drucksituation seit dem Wechsel eine andere. Du spielst jetzt im Spitzenfeld der Tabelle mit, was neu für dich ist. Wie gehst du mit den gesteigerten Erwartungen um?

Röcher: Klar hab ich in Mattersburg nie um den Titel gespielt. Aber was viele vergessen ist, dass du im Abstiegskampf ja wohl bitte um nichts weniger Druck hast! Du kannst nicht mal sagen ‚wir schauen von Spiel zu Spiel‘ weil du auch immer, entweder als Letzter oder Vorletzter, die anderen Teams im Nacken spürst. Sicher, das hast du oben auch, aber im Abstiegskampf geht’s nicht um Titel und Ruhm sondern für die Vereine zum Teil dann ums nackte Überleben. Glaub mir, diese Art Druck stählt dich auch. Mich hat es abgehärtet. Der Druck jetzt ist einfach anders, aber ich kann gut damit umgehen und freu mich auf jede einzelne Partie.

Ihr seid also beide mental gefestigte Kicker. Sandi, liegt auch darin zum Teil der erfolgreiche Status Quo Sturms begründet?

Lovric: Sicher. Wir trainieren aber auch sehr hart, muss ich sagen. Was sich auszahlt, wie man sieht. Und das ‚Von Spiel zu Spiel‘-Denken kommt uns auch zugute. Du sagst diesen Satz so oft, aber er stimmt einfach. Wir denken nicht was sein kann und was super wär‘ oder schiefgehen könnt, sondern kicken einfach. Hinzu kommt dass wir einen Trainer haben, der es seit Jahren schafft, Neuen blitzschnell seine spielerischen Vorstellungen und die Taktik zu vermitteln. Das war heuer im Sommer nicht anders. Die neuen Spieler sind sofort Leistungsträger geworden wie letzte Saison mit Matic und Alar.

Einer dieser Neuen warst eben du, Thorsten. Überrascht dass dir das Foda’sche System quasi wie auf den Leib geschneidert ist?

Röcher: Überrascht nicht, ich freu mich einfach, dass es passt. Ich lern ja auch immer viel dazu. Wichtig war vor allem der gute Start. Wir haben von Anfang an gesehen, dass du dir auch gegen vermeintlich kleine Teams keine Sekunde Nachlässigkeit erlauben darfst. Das Cup-Spiel in Hard war im wahrsten Sinne des Wortes hart.

Das Gegenteil von Ärger ist Spaß. Egal mit welchem Sturm-Spieler man spricht, alle betonen die gute Stimmung innerhalb des Teams und dass diese auch ein maßgeblicher Indikator für den sportlichen Erfolg ist. Gehst du da d’accord, Sandi?

Lovric: Absolut! Das sind zwei Seiten die ausschlaggebend sind. Die erste ist dass der Zusammenhalt und das sich-gegenseitig-helfen von ganz oben bis ganz unten im Verein durch alle Abteilungen durchzieht. Das geht weit übers Kicken hinaus.

Die Aktion mit den T-Shirts auf denen ihr einem erkrankten Betreuer gute Besserung übermittelt ist so ein Beispiel, oder?

Lovric: Genau. Und die angesprochene zweite Sache ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft selbst. Wir sind Freude und unternehmen abseits des Spielfelds jede Menge zusammen. Kino. FIFA-Zocken, Abendessen, Frühstücksrunden  – da ist alles dabei und jeder findet etwas was ihm taugt mit den anderen zu unternehmen.

Röcher: So lernst du dich auch als, ich sag‘ jetzt mal, ’normaler‘ Mensch kennen und siehst in den anderen Burschen nicht nur die Fußballer-Kollegen.

Für euch beide ist auch die Familie ein wichtiger Motivator.

Lovric: Ich komm‘ zwar nur mehr selten heim nach Lienz, dafür kommen meine Brüder und andere Verwandte regelmäßig zu den Heimspielen.

Röcher: Und ich fahr an freien Tagen hin und wieder auch mal heim ins Burgenland. Ich brauch‘ mit dem Auto nur eine Stunde und genieß dann die Zeit mit meinen Leuten. Zum Glück ist auch meine Freundin mit nach Graz gezogen, das erleichtert alles zusätzlich.

Wenn man euch so zuhört klingt das alles sehr harmonisch. Wenn man euch aber auf die Clubs anspricht denen ihr vorm TV die Daumen drückt herrscht gewisses Konfliktpotenzial, richtig?

Röcher (lacht): Ha! Mir taugt halt Barcelona. Und Messi ist der beste Kicker der Welt, damit das gleich auch klargestellt ist.

Lovric: Ich bin Real-Fan und nix geht über den Luka Modric!

Real und Barca, das sind Traum-Ziele für tausende Spieler. Denkst du schon an die Zeit nach Sturm, Thorsten?

Röcher: Null. Ich bin jetzt erst so frisch da und fühl mich derart wohl in Graz, dass ich jetzt erst das erste Mal darauf angesprochen worden bin ob ich schon weiß was nach meiner Zeit hier passieren soll. Und wie gesagt: ich wüsst‘ nicht was ich darauf sagen sollte.

Sandi?

Lovric: Ich seh’s auch so. Wenn du jetzt drüber nachdenkst, was du nicht alles erreichen willst und wo du nicht überall spielen willst dann blockiert dich das nur. Du kannst heute sowieso nichts mehr planen. Im Leben geht alles so schnell. Umso wichtiger ist dass wir jetzt das schätzen was wir haben und an dem arbeiten was wir verbessern wollen. Was passiert, passiert.

Das Interview führte Philipp Braunegger.

Philipp Braunegger

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