Nicht wenige Fans waren nach den ersten beiden Bundesligarunden der neuen Saison durchaus überrascht, mit welcher Spritzigkeit und Aggressivität der SK Rapid nach der... Überraschend starker Saisonstart: Drei Aspekte, die Rapid stärker machen

Nicht wenige Fans waren nach den ersten beiden Bundesligarunden der neuen Saison durchaus überrascht, mit welcher Spritzigkeit und Aggressivität der SK Rapid nach der schwierigen Saison 2022/23 auftritt. Dabei hat sich bei den Hütteldorfern personell gar nicht viel geändert. Die wenigen Änderungen, die vollzogen wurden, sitzen allerdings bisher. Wir nehmen drei Aspekte genauer unter die Lupe.

Vorweggeschickt: Man muss mit längerfristigen Prognosen vorsichtig sein, denn bisher traf Rapid auf eine LASK-Mannschaft, die sich noch nicht gefunden hat und einen völlig überforderten und schlecht verteidigenden SC Rheindorf Altach. Dennoch konnte man beobachten, dass die Gegner auch deshalb über weite Strecken so hilflos waren, weil Rapid sie nicht stärker spielen ließ und überrumpelte. Auch schlechte Spiele werden noch kommen, aber Rapid konnte sich zum Saisonstart eine wichtige Portion Selbstvertrauen aufbauen, die man sich auch selbst erarbeitete.

Dabei hat sich an der Spielanlage der Hütteldorfer nicht viel geändert. Zoran Barisic setzt weiterhin auf sein 4-2-3-1-System, in dem die Rollen weitgehend konservativ verteilt sind. Es wird zwar etwas mehr rochiert, aber mit dem Ball spielt Rapid grundsätzlich ähnlich, wie vergangene Saison – allerdings besser. Zwei wichtige Aspekte, nämlich das bis dato bessere Pressing und das bessere Durchschieben der Abwehrkette, sind Einzelpersonalien geschuldet. Und einer weiteren wichtigen Facette, die vergangene Saison häufig ein Hemmschuh für Rapid war…

Die Grün-Weißen sind fitter

Nicolas Kühn will’s nun endlich wissen. Nachdem seine vielversprechende Karriere viele Jahre dahindümpelte und er nie den längst erwarteten Durchbruch schaffte, verzichtete der Deutsche nun auf seinen Sommerurlaub und trainierte stattdessen. Dass diese Entscheidung eine richtige für seine Karriere war, sah man schon in den ersten Spielen der Saison. Kühn wirkt deutlich fitter und spritziger, stark auf den ersten Metern – und Spielwitz konnte man ihm ohnehin nie absprechen.

Zwei Tore und zwei Assists aus den ersten drei Pflichtspielen sind das vorläufige Ergebnis. Auch auf der Flügelposition, die laut eigener Aussage gar nicht seine Lieblingszone darstellt, fühlt er sich wohl. Das Spiel gegen Altach zeigte, dass er in Ballbesitz nicht nur mit feiner Technik und der Suche nach dem Eins-gegen-Eins glänzen kann, sondern auch im Laufspiel und mit kurzen, schnellen Sprints – wie etwa vor dem 1:0.

Auf der linken Seite wirkt zudem Marco Grüll wieder gefestigter. Der 25-Jährige hatte zwar noch seine Probleme und auch Pech im Abschluss, aber er ist für seine Gegner wieder deutlich schwerer zu bändigen als in der Vorsaison, in der er in der sprichwörtlichen „Kiste“ war. Diese Einser-Flügelbesetzung in gutem körperlichem Zustand ist für Rapids Offensivspiel natürlich Gold wert – und auch Torschützenkönig Guido Burgstaller wird davon profitieren.

Anderes „Zehnerfeeling“ mit Neuzugang Seidl

Zwischen Grüll und Kühn spielt mit Matthias Seidl ein Neuzugang, der offenbar keinerlei Anlaufzeit braucht. Der beste Spieler der abgelaufenen Zweitligasaison bringt all das mit, was in der letzten Saison im Offensivzentrum des Mittelfelds fehlte. Im Passspiel agiert Seidl zumeist einfach, aber präzise, spielt sehr zielgerichtet, hat ein gutes Auge für seine Mitspieler. Der 22-Jährige ist nicht nur torgefährlich, sondern auch ein guter Einfädler und im Gegensatz zu seinen Vorgängern auf dieser Position wohl auch für 10+ Saisontreffer gut.

Bei Seidl ist aber auch die Umtriebigkeit ohne Ball ein wichtiges Asset für Rapid. Auf der Zehn versuchte es Rapid in der vergangenen Saison mit vielen unterschiedlichen Varianten, etwa mit Greil, Druijf, Knasmüllner und in zwei Spielen auch mit Strunz. Der Erfolg war überschaubar – und das hauptsächlich deswegen, weil sich die „Zehner“ im Spiel gegen den Ball nicht gut genug ins Gefüge integrierten.

Burgstaller sagt bei Rapid das Offensivpressing an, aber in der Vergangenheit war es häufig so, dass Teile des Offensivverbunds viel zu passiv daran teilnahmen oder aufgrund körperlicher und wohl auch mentaler Mängel häufig einen Schritt zu spät kamen. Wenn Burgstaller fehlte, wie etwa beim 1:3 im Auswärtsspiel gegen den LASK, konnte man gut beobachten, dass Rapid im letzten Drittel gegen den Ball völlig den Halt verlor.

Das könnte sich durch Seidl und die zuvor beschriebene, bessere Fitness der Flügelspieler ändern. Rapid kommt derzeit besser ins Gegenpressing und ist auch im aktiven Pressing stärker – auch weil Seidl auf der Zehn ein unangenehmer Zeitgenosse für seine Gegenspieler ist und deutlich aktiver zu Werke geht, als seine Vorgänger. In England würde man den gebürtigen Salzburger wohl einen „Terrier“ nennen, der sich in seine Gegenspieler verbeißen kann.

Was mögliche Probleme zuletzt ein wenig übertünchte war die (grundsätzlich positive) Tatsache, dass Rapids Offensivverbund die Pressingaufgaben bereits so gut erfüllte, dass die zweite Pressingreihe im Offensivpressing wenig zu tun hatte. Das Loch hinter der Zehn könnte mit einer Besetzung der eher defensiv orientierten Sattlberger und Kerschbaum zu einem Problem in der Zwischenlinie werden. Dies könnte Rapid allerdings mit Neuzugang Grgic abfedern, der auf der Kerschbaum-Position bei Hajduk Split eine höhere Durchschnittsposition hatte und speziell im Achterraum stark gegen den Ball war. Wie sich diese Synergien entwickeln, bleibt aber noch abzuwarten.

Deutlich solidere Innenverteidigung

Die zweite Personalie, die in die Mannschaft rutschte und Rapid eindeutig stärker machen wird, ist der serbische Abwehrchef Nenad Cvetkovic, der in Hütteldorf das Zeug zum Publikumsliebling hat. Der 27-Jährige ist ein wahres Zweikampfmonster, wenngleich ihm sein Abwehrkollege Leopold Querfeld in dieser Hinsicht um nichts nachsteht. Das Gespann ist kein Vergleich zu den verschiedenen Innenverteidiger-Konstellationen, die man in der Vorsaison beobachten konnte (oder teilweise „musste“).

Cvetkovic’ zusätzlicher Vorteil ist aber, dass er gegen den Ball häufig „durchschiebt“, bereits sehr hoch und aktiv attackiert und seine Physis auch mal nutzt, um zum Sprint mit dem Ball anzusetzen, wie man es ebenfalls bereits im Spiel gegen Altach beobachten konnte. Wenn er in vollem Lauf ist, ist der 195cm-Hüne für seine Gegenspieler nur schwer zu stoppen und kann damit die Ordnung der gegnerischen Linien zerreißen. Zudem ist der ehemalige Israel-Legionär sowohl bei defensiven, als auch bei offensiven Standardsituationen ein wichtiger Baustein für die Hütteldorfer. Cvetkovic und Querfeld verloren in der laufenden Saison fast keine Kopfballduelle und auch nur sehr wenige Zweikämpfe.

Die Rolle Cvetkovic’ ist für Rapids Zentralachse sehr wichtig, weil sie zusätzliche Mentalität hinzufügt. Die Achse mit Cvetkovic/Querfeld, davor demnächst Grgic, dazu Seidl und Kapitän Burgstaller ist eine deutliche Verbesserung – schon alleine aufgrund des spielerischen Naturells dieser Akteure. In den taktischen Grundzügen ist Rapid kaum verändert, aber die Herangehensweise von Spielern wie Cvetkovic oder Seidl verändert dann speziell in einzelnen Aktionen doch einiges.

Nachdem unter den Rapid-Fans bereits Loblieder auf den neuen Abwehrchef gesungen werden, muss man auch hier vor zu großer Euphorie warnen. Auch Cvetkovic wird seine Fehler machen und schon gegen Altach hatte er in einem Zweikampf mit Jan Jurcec Glück, keinen Elfmeter verursacht zu haben. Das Gesamtpaket, das er mitbringt, ist jedoch deutlich spannender als alles, was man in der Vorsaison etwa von Sollbauer, Wimmer oder Moormann sah.

Der zweite Anzug als Problem

Ein Problem, das man sowohl gegen den LASK, als auch gegen Altach beobachten konnte, ist der markante Leistungsabfall, wenn gewechselt wird. Während der erste Anzug bereits gut sitzen dürfte und nur noch punktuelle Veränderungen benötigt, ist die Rapid-Bank entweder qualitativ schwächer oder noch nicht so weit, konstante Leistungen abzurufen, wie es etwa bei Stürmertalent Fally Mayulu der Fall ist.

Rapids Schlüsselspieler sollten also idealerweise verletzungsfrei bleiben. Die größte Sorge betrifft hier sicher Guido Burgstaller, auch wenn die Last nun insgesamt auf mehrere Schultern verteilt sein sollte. Die Wiener werden aber voraussichtlich auch in der Kaderbreite noch ein wenig nachbessern, sollen weiterhin Interesse an der Verpflichtung eines Rechtsverteidigers und eines weiteren zentralen Mittelfeldspielers haben.

Allgemein muss man aber auch konstatieren, dass man sich nach der schwachen Saison 2022/23 in einer Übergangsphase befindet, in der noch dazu wenig Geld zur Verfügung steht. Insofern muss es für Rapid derzeit zu verkraften sein, dass nicht jede Kaderposition perfekt doppelt besetzt ist. Es braucht jetzt eben auch das Quäntchen Glück, dass die scheinbar gefundene „Einserpanier“ möglichst häufig in dieser Zusammensetzung spielen kann…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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