Schnell wurde in Linz nach den ersten vier Runden Kritik am neuen Trainer, der neuen Spielphilosophie sowie der Kaderplanung laut. Goalgetter Robert Zulj konnte... Warum Platz 3 täuschen könnte: Die Baustellen des LASK

Schnell wurde in Linz nach den ersten vier Runden Kritik am neuen Trainer, der neuen Spielphilosophie sowie der Kaderplanung laut. Goalgetter Robert Zulj konnte den mittelmäßigen und vor allem spielerisch durchwachsenen Saisonstart der Linzer zuletzt durch seine Tore kaschieren und den Stahlstädtern zu Platz 3 verhelfen. Weniger wurden die Baustellen des LASK dadurch aber nicht. Ein Überblick.

Ein überraschender Trainerwechsel

Neues Stadion, Qualifikation für die Europa-League-Qualifikation, ein zufriedenes Linzer Publikum. Kurzum: Eine Saison 22/23 mit der man in der Stahlstadt zufrieden sein konnte. Etwas mit dem dann aber wohl kaum einer gerechnet hätte: Der LASK trennte sich in der Sommerpause mit sofortiger Wirkung von Chefcoach Dietmar Kühbauer und sorgte damit nicht nur bei Experten für Unverständnis.

Offiziell begründet wurde die Trennung von Kühbauer damit, dass es zum einen unterschiedliche Auffassungen in der Kaderplanung für die kommende Saison gegeben haben soll, zum anderen war Radovan Vujanovic, Geschäftsführer Sport, mit der Spielphilosophie des Teams unzufrieden. Zu wenig Gegenpressing und fehlendes Spiel in die Tiefe lautete das Fazit von Vujanovic damals. Mit anderen Worten: Der LASK war zu altmodisch.

Den modernen Fußball sollte ein gebürtiger Oberösterreicher bringen: Thomas Sageder. Für den neuen Coach ist es die erste große Station als Cheftrainer im Profifußball nach seinem etwas mehr als einjährigen Engagement beim Rivalen Blau Weiß Linz. Neo-Coach Thomas Sageder, lange Jahre Co-Trainer von Oliver Glasner in Ried und Wolfsburg, sollte dem LASK spielerische Tiefe und dem Offensivspiel wieder Flügel verleihen. Weg vom Arbeiterverein hin zu einem Team, das für Gegenpressing à la Red Bull Salzburg steht. F

Auf den erfahrenen Trainer Kühbauer folgte damit mit Sageder ein eher unbeschriebenes Blatt, der nicht nur eine Mannschaft geerbt hat, die auf die Bedürfnisse von Dietmar Kühbauer abgestimmt war, sondern auch elf Neuzugänge in den Kader integrieren muss.

Mit der Entlassung von Kühbauer hat sich der LASK, basierend rein auf der Außenwahrnehmung der Entscheidung per se, – und dies soll keineswegs als Kritik an Thomas Sageder zu verstehen sein, der ein akribischer Arbeiter und ein Trainer mit modernem Fußballverständnis ist und einfach Zeit braucht, um seine Philosophie umzusetzen – also Probleme gemacht, die nicht nötig waren und für Unruhe gesorgt haben. Denn Kühbauer hat beim LASK vor allem eines: geliefert. Und erfolgreiche Trainer zu entlassen, sorgt in der Regel für eines: Unverständnis und ein Quäntchen Unruhe.

Taktische, technische und körperliche Defizite

Auf den ersten Blick kann man durchaus behaupten, dass man in Linz mit Platz 3 in der Tabelle zufrieden sein kann, man gegen Rapid remisieren und gegen Sturm verlieren kann. Mit der Austria habe man auch einen direkten Konkurrenten geschlagen.

Der Schein der Tabelle trügt aber. Körperlich konnte die Mannschaft insbesondere mit Rapid und Sturm nicht mithalten, und im Spielaufbau offenbart sich eine hohe Fehlpassrate. Das neue System fordert andere Laufwege und verlangt den Spielern körperlich mehr ab.

Kurzum: Technisch, taktisch und physisch besteht noch Aufholbedarf. Doch der Kenner weiß: Auch bei Oliver Glasner hat es einige Zeit gedauert, bis die Mannschaft den von ihm geforderten Fußball umgesetzt hat.

Was beim LASK aber auffällt, ist, dass die Transformation ins neue System erhebliche Probleme bereitet. Das geforderte Pressing ist laufintensiv und forderte eine gute Ordnung im Spiel.

Letzteres bereitet besondere Probleme. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind zu groß und so gelingt es dem Gegner oft das Pressing auszuhebeln. Die LASK-Spieler laufen daher viele Meter de facto umsonst. Dass Mittelfeld und Verteidigung weit auseinandergezogen sind, macht die Stahlstädter zudem anfällig für Konter.

Auch Thomas Sageder hat dies erkannt und seine taktische Grundformation verändert. Durch die Systemumstellung von einem 4-2-3-1 auf ein 3-4-3 hat sich der LASK in der Defensive zunehmend stabilisiert-

Die Kaderplanung

Masse statt Klasse hieß es für den LASK in der Sommerpause. Zwar wurden nur 900.000 Euro für insgesamt 11 Neuzugänge ausgegeben und durch Verkäufe mehr als 13,25 Millionen Euro eingenommen, qualitativ verbessert haben sich die Stahlstädter bis jetzt scheinbar aber nicht.

Keiner der Neuzugänge konnte dem Spiel bisher seinen Stempel aufdrücken. Viel schlimmer noch: Von den elf Neuzugängen schaffte es nur der aus Bielefeld geholte Defensivmann Andrés Andrade überhaupt in die Startelf. Mit 31 Spielern hat der LASK nun zwar gemeinsam mit Red Bull Salzburg den größten Kader der Bundesliga, was die Qualität betrifft, ist aber noch viel Luft nach oben.

Apropos Kaderplanung: Die ist dem LASK in den Saisonen 21/22 und 22/23 sehr gut gelungen. Mit Ljubicic, Zulj, Ziereis, Stojkovic, Nakamura, Usor, Mustapha, Jovicic, Horvath und Luckeneder konnte man in zwei Jahren gleich zehn Spieler verpflichten, die der Startelf angehören oder zum erweiterten Stamm zählen.

Die Formkurve

Mit Robert Zulj, Tobias Lawal, Philipp Ziereis und Felix Luckeneder konnten lediglich vier Spieler durchgehend ihre Leistungen abrufen. Die restliche Mannschaft hat mit Formschwankungen zu kämpfen.

Insbesondere Robert Zulj hatte einen großen Anteil daran, dass der LASK mit den Siegen zu Hause gegen Zrinjski, Austria Wien und Austria Lustenau wieder in die Erfolgsspur zurückfand. Der Kapitän ist sicherlich einer der Profiteure von der Systemumstellung Sageders auf ein 3-4-3 – ein System mit Zulj im Sturmzentrum, der sämtliche Freiheiten genießt. Das Ergebnis: Vier Tore und ein Assist in den letzten vier Spielen. Zulj ist der Dreh- und Angelpunkt im Sturm der Linzer Athletiker.

Glaubte man in Linz nach dem Abgang von Alexander Schlager zu Red Bull Salzburg ein Torhüterproblem zu haben, so sieht man sich getäuscht. Tobias Lawal liefert Glanzparaden am Fließband und zählt derzeit mit eben jenem Alexander Schlager und Niklas Hedl zu den besten Keepern der Liga.

Eine steigende Formkurve weisen zudem auch Elias Havel, der ein großes Versprechen für die Zukunft im Sturm ist, und Sascha Horvath auf.

Die Auswärtsschwäche

Von den acht Bewerbsspielen in dieser Saison konnte der LASK vier gewinnen. 2:0 gegen Blau Weiß Linz, 2:1 gegen Zrinjski, 2:0 gegen Austria Wien und 2:0 gegen Austria Lustenau – allesamt Heimspiele. Dazu kommt ein 1:1 im Eröffnungsspiel zu Hause gegen Rapid.

Auswärts setzte es ein 0:2 gegen Sturm Graz und reichte es gegen WSG Tirol und Zrinjski nur zu einem jeweils mageren 1:1. Und selbst damit war man gut bedient.

Fazit

Trotz Platz 3 muss eines festgehalten werden: Mit Blau Weiß Linz, WSG Tirol, einer nach dem Tabakovic-Abgang schwer geschwächten Austria aus Wien und Austria Lustenau hatten die Stahlstädter machbare Gegner vor der Brust.

Gegen Rapid und Sturm offenbarten sich die Schwächen der Mannschaft – gegen die Blackies war man chancenlos und gegen Rapid mit dem Unentschieden in der Nachspielzeit gut bedient, denn die Wiener waren über weite Strecken die klar bessere Mannschaft, die den LASK insbesondere in Hälfte eins gegen die Wand gespielt hat.

Will der LASK nächstes Jahr wieder international spielen, braucht es eine Leistungssteigerung. Die Länderspielpause gibt Coach Sageder Zeit mit seinen Spielern am neuen System zu arbeiten und die Schwächen zu beseitigen. Denn anders als die meisten österreichischen Top-Teams stellt der LASK derzeit keinen ÖFB-Nationalspieler.

Übrigens: Viel Zeit bleibt dem LASK aber trotz Länderspielpause nicht: Mit Austria Klagenfurt wartet am 16.9. im Wörthersee Stadion ein schwerer Auswärtsgegner. Die Kärntner belegen nach sechs Spielen Platz 4 in der Tabelle, sind noch ungeschlagen und konnten Sturm Graz ein Unentschieden abtrotzen. Und mit Peter Pacult steht in Klagenfurt bekanntlich ein ganz Erfahrender an der Seitenlinie.

Patrick Stummer, abseits.at

Patrick Stummer