Im Achtelfinale des Uniqa ÖFB-Cups kam es zu einem „kleinen“ Wiener Derby im Horr-Stadion, denn der FAC aus dem 21. Wiener Gemeindebezirk gastierte in... Analyse: Glanzlose Austria schlägt FAC

Im Achtelfinale des Uniqa ÖFB-Cups kam es zu einem „kleinen“ Wiener Derby im Horr-Stadion, denn der FAC aus dem 21. Wiener Gemeindebezirk gastierte in Favoriten bei der Wiener Austria. Die Austria ging dabei mit einer schwächelnden Offensive in das Spiel, die mit Ladehemmungen zu kämpfen hatte und sich gegen den Zweitligisten hinsichtlich eigener erzielter Tore einen Befreiungsschlag erhoffte. Doch ein Erfolg im Vorbeigehen war in diesem Fall unwahrscheinlich, zeigte sich der FAC doch in den letzen Wochen stark verbessert und holte in den vergangenen sechs Spielen vier Siege, darunter u.a. gegen favorisierte Teams wie Liefering oder Ried.

Neues Spiel, neues System

Nach der durchwachsenen Nullnummer in Innsbruck und einer auch weiterhin schwachen Offensivleistung, kündigte Austria-Trainer Thomas Letsch im Vorfeld des Cup-Spiels eine offensivere Ausrichtung, mit einem zusätzlichen Offensivspieler in der Mannschaft, an. Daraus wurde letztlich nichts, denn man entschied sich quasi der nahezu gleichen Startelf das Vertrauen zu schenken und rotierte nur Linksverteidiger Salamon und Stürmer Monschein in die Mannschaft. Allerdings gab es dafür systemtechnisch eine Anpassung, denn man rückte vom 4-1-4-1 ab und wechselte zu einem 4-4-2, dass hin und wieder auch zum 4-3-3 wurde. Ebner rückte auf den rechten Flügel, Monschein und Ewandro gaben die Doppelspitze, während Prokop nominell auf dem linken Flügel aufgestellt wurde, aber oft in die Spitze neben Ewandro und Monschein rückte und die Staffelung so im Ballbesitz zu einem engen 4-3-3 veränderte. Nach Ballverlust musste Prokop allerdings gegen den Ball wieder auf seine Position zurückkehren und seine Seite zumachen

Die strategische Ausrichtung wurde durch diese Anweisungen relativ klar. Es sollte das Spiel durch das Zentrum forciert und diese Region mit eigenen Spielern überladen werden. Daher rückte neben Prokop auch der nominelle Rechtsaußen Ebner oft in den Halbraum und tendierte in die Mitte, während die Außenverteidiger für die Breite im Spiel verantwortlich waren. Das Positionsspiel der Austria kann man beim ersten Bild gut erahnen:

Austria im Ballbesitz, der strategische Fokus liegt auf das Besetzen des Zentrums, weshalb Prokop und Ebner in die Mitte einrücken, während die beiden Außenverteidiger die Breite im Spiel geben sollen.

Diese Entscheidung war insofern interessant, da der FAC in einem 5-4-1 verteidigte und sich speziell auf das Verdichten der zentralen Räume konzentrierte. Der Austria gelang es jedoch dennoch, speziell in der Anfangsphase, immer wieder diese Räume im Zentrum zu bespielen, wobei vor allem die Innenverteidiger mit ihren Pässen versuchten diese ins Visier zu nehmen und da die Mitspieler anzuspielen. Der Plan der Austria ging auch gleich nach dem Anpfiff der Partie auf, als der eingerückte Prokop auf den breitegebenden Salamon hinaus spielte und dessen Flanke Stürmer Monschein sehenswert im Tor unterbrachte. Dass die Austria den Zwischenlinienraum in der Anfangsphase immer wieder gut bespielen konnte, hing jedoch zum großen Teil auch mit der gegnerischen Defensivstrategie zusammen.

Die Floridsdorfer verteidigten wie erwähnt in einem 5-4-1, welches man die meiste Zeit etwas tiefer auslegte. Man versuchte jedoch auch immer wieder die Gegenspieler im Spielaufbau direkt anzulaufen und aktiv aus den Positionen zu stechen. Daher wurde aus dem 5-4-1 auch oft ein 5-2-3 und manchmal sogar ein 5-1-4, was besonders interessant anzusehen war. Stürmer Sobczyk kümmerte sich zunächst nur um Sechser Jeggo und sollte ihn abdecken – ergo die beiden Innenverteidiger der Austria waren nicht sein Brot. Ganz offen lassen wollte der FAC die beiden Innenverteidiger allerdings auch nicht und ihnen damit alle Zeit der Welt im Aufbau gewähren, weshalb die beiden zentralen Mittelfeldspieler der Gäste immer wieder auf den jeweiligen Innenverteidiger der Austria herausrückten und versuchten sie zu stellen. Die beiden Flügelspieler konnten dies nicht vollziehen, da sie sich auf die Außenverteidiger der Austria konzentrierten und sich zunächst an ihnen orientieren sollten. Diese Praxis des FAC kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

Die Austria im Spielaufbau, der FAC wählt eine klare Zuteilung, Stürmer Sobczyk kümmert sich um Sechser Jeggo, die beiden Flügel orientieren sich an den gegnerischen Außenverteidigern und einer der beiden Sechser (in dem Fall Schöpf) rückt aus seiner Position nach vorne, um den Innenverteidiger zu stellen und den Raum zuzulaufen, weshalb oft kurzzeitig ein 5-1-4 entstand.

Diese Vorgehensweise des FAC war jedoch ein zweischneidiges Schwert und durchaus risikobehaftet. Im Optimalfall konnte man bei korrekter Ausführung des Anlaufens sowohl die zentralen Räume, als auch die Breite des Feldes abdecken, allerdings entstehen wiederum klarerweise Räume hinter den vier Spielern in diesem 5-1-4 und die Gefahr, dass diese der Gegner ausnutzen kann. Und der Austria gelang genau das und sie nutze diese Freiräume in der Anfangsphase kontinuierlich aus. Problematisch war bei dieser Strategie des FAC nämlich, dass wenn der ballnahe Sechser auf den IV herausrückt und der Ball nachfolgend auf den anderen Innenverteidiger gespielt wird, es dadurch Möglichkeiten gibt mittels diagonalen Pässen in jene Lücken zu spielen, die der herausgerückte Sechser hinterlassen hat. Die Austria tat genau das, wie das nächste Bild dies erahnen lässt:

Austria im Spielaufbau, FAC Sechser Schöpf (schwarzer Kreis) rückt aus seiner Position auf Igor heraus, der dann den Ball auf Schoissengeyr spielt. Schöpf kann jedoch danach nicht schnell genug auf seine Position zurückehren, weshalb sich für Schoissengeyr der diagonale Passweg ins Zentrum öffnet (gelber Kreis) und der Innenverteidiger den Pass auch in diese Zone anbringt und damit hinter die Mittelfeld/Angriffsreihe in den Zwischenlinienraum kommt.

FAC stellt um und bekommt besseren Zugriff

Der Austria gelang es also zunächst, die Schwachstellen im Defensivkonzept der Floridsdorfer gezielt auszunutzen und zu bespielen. Dadurch kam man relativ flüssig von hinten heraus nach vorne und in den Zwischenlinienraum, weshalb man sich in der gegnerischen Hälfte festsetzen konnte und durchaus gefällig spielte. Doch nach etwa 20-25 Minuten erkannte der FAC-Trainer diese Problematik und passte die Defensivtaktik etwas an. Man verzichtete nun zunehmend auf das Herausrücken der beiden  zentralen Mittelfeldspieler und wählte stattdessen eine etwas andere Staffelung, um den Spielaufbau der Austria besser in den Griff zu bekommen. Der FAC veränderte die Formation zu einem  5-2-3, wobei diese oft eher zu einem 5-3-2 mutierte. Dies hing damit zusammen, dass nun Stürmer Sobczyk und der rechte Flügelspieler Todorovski etwas höher standen und sich an den beiden gegnerischen Innenverteidigern orientierten, während der linke Flügelspieler Markoutz bei Rechtsverteidiger Klein blieb und den gut aufgelegten Kapitän der Austria enger decken sollte. Diese Änderung kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

Die Austria im Spielaufbau, der FAC läuft nun etwas anders an und die beiden Offensivspieler Sobczyk und Todorovski laufen die Innenverteidiger an, während sich Markoutz an Klein orientiert und dadurch eine 5-3-2/5-2-3 Mischformation entsteht.

Durch diese Umstellung gelang es dem FAC dann tatsächlich, die Räume in der eigenen Hälfte besser zu kontrollieren und die Austria konnte sich dadurch nicht mehr so leicht in die gegnerische Hälfte spielen. Darüber hinaus rückte der FAC nun situativ immer mal wieder in die gegnerische Hälfte und versuchte da die Austria zuzustellen und damit die Veilchen etwas aus dem Rhythmus zu bringen (wie beim letzen Bild zu sehen). Die violetten Gastgeber taten sich durch diese Umstellungen beim Gegner auch sichtlich schwerer, in der Offensive Akzente zu setzen. Der FAC bekam nun oft konstant die eigene Hälfte dicht und die Austria konnte die Floridsdorfer nicht mehr so einfach aufreißen, sondern musste sich mühsam nach vorne kombinieren. Dies gelang aber kaum, da sich die eigene strategische Ausrichtung als Nachteil erwies. Der FAC machte die Mitte mit dem 5-4-1 in tieferen Zonen dicht und da die beiden nominellen Flügelspieler der Austria oft in die Mitte zogen, taten dies auch die Flügelverteidiger der Gäste und machten die Formation in der Mitte dadurch noch kompakter. Die Austria probierte es allerdings dennoch quasi mit dem Kopf durch die Wand und rannte sich immer wieder fest, da man bis auf Ewandro und mit Abstrichen Prokop niemanden hatte, der mit dieser Enge so richtig zurechtkam. Diese extreme Ausrichtung der Austria auf das Zentrum und die fehlende Breite im Spiel führte auch dazu, dass man sich kaum durchsetzen konnte, geschweige denn zu Torchancen kam und sogar der Gegner etwas gefährlichere Situationen vorfand. Dennoch ging man nach einem Treffer von Ewandro mit 2:0 in Führung, die jedoch nur kurz anhielt. Man kassierte quasi postwendend den Anschlusstreffer, nachdem sich Todorovski durch das Mittelfeld dribbelte und sein abgefälschter Schuss vor die Beine von Markoutz fiel, der das 2:1 erzielte. Kurz danach hätte es für die violetten Gastgeber sogar knüppeldick kommen können, als Igor nach einem schrecklichen Fehlpass Todorovski freispielte, der Torhüter Pentz zu einer Glanzparade zwang.

Die Austria machte dann in der zweiten Hälfte grundsätzlich da weiter, wo man im ersten Durchgang aufhörte und nahm nur kleine Anpassungen vor. So kippte Jeggo nun konstanter nach hinten zurück in die Abwehr, während die Außenverteidiger weiter aufrückten, um mehr Breite ins Spiel zu bringen. Dadurch streckte man die Formation des Floridsdorfer zumindest soweit, dass man mehr Räume im Zentrum bekam und die Ballzirkulation dadurch besser aufrechterhalten konnte. Dennoch wurde man auch danach nur selten gefährlich und wenn dann über Durchbrüche über die Flügel mit anschließenden Flanken in den Strafraum. Über die Mitte gelang es kaum, sich durch die Abwehrreihe der Floridsdorfer zu kombinieren und man lief sich stattdessen oft fest, da man oft eine zu flache Staffelung im letzen Drittel hatte und die Raumaufteilung nicht optimal war. Zumindest agierte man im Spiel gegen den Ball stabil und konnte die Angriffsbemühungen des Gegners oft abwürgen, wodurch man optisch die Partie kontrollierte, allerdings ohne richtig zwingend zu werden. Mit der Einwechslung von dem wiedergenesenen Sax kam zumindest etwas Schwung und Dynamik in das Offensivspiel der Veilchen und der Rückkehrer lieferte auch prompt eine Vorlage auf Monschein ab, der das 3:1 erzielte. Da die Kräfte des FAC auch sichtlich zu schwinden begangen, war dies letztlich auch die Vorentscheidung und es blieb letztlich beim 3:1 Endstand und das Ergebnis war nicht mehr in Gefahr.

Fazit

Die  Austria bricht also zumindest im Cup die Torflaute und sammelt etwas Selbstvertrauen im Hinblick auf die nächsten Aufgaben. Doch anders als die Torausbeute vermuten lässt, war auch im Duell gegen den Zweitligisten die Offensive alles andere als überzeugend und hatte mit einigen Problemen zu kämpfen, weshalb man in Wirklichkeit auch nur zu einer handvoll von Torchancen kam, die man relativ effizient ausnutze. Für die Austria bleibt zu hoffen, dass man sich durch den Sieg und die drei Tore zumindest Selbstvertrauen holen konnte und dadurch die Offensive etwas flüssiger wird. Am meisten Hoffnung bereitet wohl die Rückkehr von Offensivspieler Sax, der sofort nach seiner Einwechslung das Spiel seiner Mannschaft belebte und das Niveau anhob.  Auf der anderen Seite präsentierte sich der FAC sehr ordentlich und die jungen Floridsdorfer bekamen nach einer wackligen Anfangsphase besseren Zugriff auf die Partie,  konnten der großen Austria dadurch zumindest mehr Paroli bieten und mit etwas mehr Glück hätte man sogar den Ausgleich erzielen können. In der zweiten Halbzeit gingen dann sichtlich die Kräfte zunehmend flöten, dennoch kann man mit dem Auftreten zufrieden sein und viel Positives aus dieser Begegnung für die Zukunft mitnehmen.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic