Es ist genau hundert Anekdoten „her“ – Zufall, ich schwöre! – dass, Gustl Stareks Hosen-Runter-Inzident anlässlich eines Ligaspieles Thema dieser Serie war. Schon damals... Anekdote zum Sonntag (118) –  Gustl Starek richtet sich die Hose und geht alleine duschen

Es ist genau hundert Anekdoten „her“ – Zufall, ich schwöre! – dass, Gustl Stareks Hosen-Runter-Inzident anlässlich eines Ligaspieles Thema dieser Serie war. Schon damals wurde angekündigt, dass der Kicker diesbezüglich ein Wiederholungstäter gewesen ist. Der „schwarze Gustl“ ist mittlerweile über sein damaliges Benehmen höchst beschämt. „Ich würde es total anders machen.“, beurteilt der gebürtige Simmeringer im Rückblick seine gesamte Karriere.

Wahrscheinlich meint er damit aber nur Aussetzer wie diese inklusive seines Benehmens am Platz: Starek war ein Häferl, das mit Schiedsrichtern, Gegnern, Mitspielern und Trainern regelmäßig im Clinch lag. Sein sportlicher Ehrgeiz war aber geradezu vorbildlich: Starek rackerte wie ein Stier. Man musste ihn mehr bremsen als anstacheln. Leider erlitt er am Höhepunkt seiner Karriere bei Bayern München eine schwere Knieverletzung. Gustl war körperlich nie wieder der Alte, wollte aber nicht aufstecken und kämpfte sich ab diesem Zeitpunkt durch die Matches. Ende der 70er war der Wiener beim Sportclub engagiert, es sollte seine vorletzte Vereinsstation werden.

1977/78 schafften die Dornbacher noch knapp den Klassenerhalt. In der nächsten Saison erreichten sie überraschend den Vizemeistertitel. Neben Starek kickten damals Norbert Hof, Alberto Martinez, Charly Brauneder und Fredi Drabits für die Hernalser. Trainer war Erich Hof. Der zweite Platz in der Tabelle ist bis heute der letzte Erfolg des schwarz-weißen Kultklubs geblieben. Heute spielt der Verein nur mehr in der Regionalliga Ost. Beim Stadthallenturnier im Winter ‘78 erreichte die gute Mischung aus „Alt“ – Hof, Samer, Martinez, Ritter – und „Jung“ – Drabits, Brauneder, Müllner, Witzani – hinter der Austria den zweiten Platz. Erich Hof verstand es im Herbst eine schlagkräftige Mannschaft für die Rückrunde zu formen. Überraschenderweise besiegten die Dornbacher immer wieder Teams, die qualitativ über sie zu stellen waren. Mitunter setzte es aber auch herbe Niederlagen. Wacker und Sturm wurden mit 2:1 besiegt, dann musste man gegen die Veilchen eine 4:2-Schmach hinnehmen. Ritter und Brauneder sorgten im nächsten Match für einen 4:1-Sieg über Austria Salzburg, ehe am 1. April die Vienna nach Hernals kam.

Dieser 1. April 1979 markiert den zweiten Tag an dem Gustl Starek seinen vier Buchstaben etwas Frischluft gönnte. Es war eine heißumkämpfte Partie, in der die Dornbacher zunächst in Führung gingen. Knapp vor den Pausenpfiff egalisierte die Vienna den Rückstand, doch kurz nach Wiederbeginn führten die Hausherren erneut durch ein Tor von Karl Ritter. Turbulent wurde es um die 64. Minute: Hans Pirkner machte das 2:2 und Starek vollführte daraufhin seinen Demi-Striptease. Pirkner, der einst von der Admira zu Schalke wechselte und zwei Jahre im Ruhrpott spielte, erlangte unrühmliche Bekanntheit als er in den Bundesliga-Bestechungsskandal verwickelt war. Arminia Bielefeld schmierte damals die Spieler der Knappen damit diese im direkten Duell Federn ließen. Pirkner wurde nach der Aufdeckung der Affäre (wie auch die anderen Betroffenen) gesperrt, nach einem Jahr jedoch begnadigt. Er spielte anschließend für Donawitz und die Austria ehe er zur Vienna kam. Pirkner und Starek kannten sich, waren derselbe Jahrgang und gebürtige Wiener. Sie mochten sich auch, doch sobald man in Trikot und Stutzen den Platz betritt, wird bei jeder noch so dicken Freundschaft die Pause-Taste gedrückt – so auch bei dieser. Starek weiß heute, dass es kein Zufall war, dass er am Platz gehäklt wurde: „Sie haben gesagt, provoziert den schwindligen Starek, der braucht nur einen Rempler und wird wild. Ich bin viel zu oft in diese Falle getappt. Zum Genieren.“ Auch Hansi stichelte an diesem Frühlingstag immer fort. Als er schließlich den Ausgleich erzielte und jubelte, ließ sich Gustl darum zum Hosen-Runter-Ziehen hinreißen. Die kurze Fleischbeschau entging allerdings auch Linienrichter Knabel nicht. Dieser hegte so oder so Groll gegen den Offensivspieler: Schon vor drei Jahren hatte er gegen den „schwarzen Gustl“ ausgesagt. Damals hatte Starek Schiedsrichter Niesner mit einer „Gnackwatschen“ bedacht und stand vor dem Strafsenat der Bundesliga. Seit dieser Zeit wachte Knabel mit Argusaugen über das Simmeringer Häferl, wenn sie sich im Match gegenüberstanden. Jetzt lief er zu Referee Mathias um diesem zu berichten, dass der Sportclubkicker dem johlenden Vienna-Fanblock den Popsch ins Gesicht gehalten hatte. Mathias reagierte prompt und zeigte Starek die rote Karte. Dieser probierte es mit den fadenscheinigsten Ausreden: Er hätte sich doch nur die Hose gerichtet. Oder das „Maurer-Dekolletee“ kaschiert. Doch natürlich war Mathias nicht zu erweichen. Gustl musste das dritte Mal in dieser Saison vorzeitig duschen gehen. Jahre später versuchte er diese Begebenheit als missglückten April-Scherz darzustellen. Das Match endete übrigens mit einem knappen 3:2-Sieg der Hausherren. Josef Larionows erzielt in der vorletzten Minute den entscheidenden Treffer.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag