Am Montag, dem 2. April, geht das letzte Saisonviertel der zweiten Leistungsklasse los. Nach wie vor ist es oben wie unten spannend, darum ist... Die Heute für Morgen Erste Liga geht in die entscheidende Phase

Am Montag, dem 2. April, geht das letzte Saisonviertel der zweiten Leistungsklasse los. Nach wie vor ist es oben wie unten spannend, darum ist es an der Zeit, nochmals einen Blick auf Abstiegskampf, die Entwicklung im Mittelfeld sowie den Titelkampf zu werfen.

Abstiegskampf pur um Platz acht

Der lange Atem des GAK ist spürbar für Platz neun. Die Rotjacken haben von den Frühjahrsspielen erst eine Partie verloren, haben zehn Punkte Vorsprung auf den Villacher SV. Grund genug, dass der Platz, den es zu erreichen gilt, der achte ist. Der Regionalliga-Mitte-Meister wird auf jeden Fall mit breiter Brust antreten, spielt sein letztes Spiel am 1. Juni, also nur drei Tage vor den Relegationsspielen. Die Erste Liga endet am 18. Mai, eine schwierige Situation, die Spannung im Kader anderthalb Monate hochzuhalten. Die schlechtesten Karten hat auf jeden Fall der TSV Hartberg. In den sechs Frühjahrspartien holten die Steirer lediglich einen Punkt gegen den LASK in Runde 24, verloren zuletzt deutlich gegen den direkten Konkurrenten FC Lustenau.

Der First Vienna FC ist drauf und dran, zu entwischen. Bereits fünf Punkte beträgt der Vorsprung auf Hartberg, die Formkurve zeigt nach oben. Nach den zwei Niederlagen gegen den LASK und den SV Grödig konnte zunächst St. Pölten ein 0:0 abgetrotzt werden, dann der Titelkandidat WAC/St. Andrä an den Rande einer Niederlage gebracht werden. Gegen Blau-Weiß Linz gab es den ersten Dreier. Sechs Punkte aus den letzten sechs Runden sind solide und sollten den Direktabstieg vermeiden. Am 13. und 17. April geht es dann gegen den FC Lustenau und Hartberg, jeweils auswärts.

Die besten Karten haben dennoch die Lustenauer. Der FC holte satte sieben Punkte im Frühjahr, einen gegen Altach und drei gegen Hartberg. Das 3-3-3-1, welches Damir Canadi mit Ausnahme der Niederlage gegen Grödig spielen ließ, gab den Blauen Sicherheit und Stabilität. Auch hier gilt: Ab dem 17. April wird wohl schon klar sein, ob für Erste- oder Regionalliga geplant werden muss.

Konsolidierung im Mittelfeld

Nach dem starken Herbst und dem vierten Platz kam die gewohnte Ernüchterung im dritten Viertel der Spielzeit. Mit 35 Punkten und allmählich konstanteren Leistungen werden aber die 40 Punkte, die für den Klassenerhalt auf jeden Fall reichen werden, bald erreicht sein. Durch Spielpech und ein paar Verletzungen taumelte Blau-Weiß Linz, aber Trainer Thomas Weissenböck ist so wie die Mannschaft zuversichtlich, im sicheren Mittelfeld zu bleiben und will sich schon jetzt auf die nächste Saison vorbereiten.

Die Grödiger haben ein besonderes Problem: Im Sommer ist der Trainer weg, die individuelle Qualität ehemaliger Bundesligaspieler wie Goalie Andreas Schranz, Flügelflitzer Thomas Krammer oder Goalgetter Diego Viana reicht allemal für das gesicherte Mittelfeld. Ob es im Salzburger Vorort auf Dauer so spaßig ist, viel Geld als Auffangbecken ehemaliger Stars und Sternchen zu dienen, bleibt dahingestellt. Mit dem ausgebauten Engagement von Red Bull bei Anif oder Pasching wird es auch nicht leichter, junge Talente zu finden.

Der SKN St. Pölten ist „best of the rest“. Mit dem Spanier Jano, einem ausgezeichneten box-to-box-Mittelfeldspieler wurde der Abgang von Lukas Thürauer zur Admira gut wett gemacht. Martin Scherbs gute Trainerleistungen mit wenig Geld und das neue Stadion hängen aber wie ein Damoklesschwert über den Niederösterreichern. Für die meiste Unruhe sorgen die immer wieder auftauchenden Gerüchte, dass die Lizenz mit Wiener Neustadt getauscht wird. Die Landespolitik würde es gerne sehen, wenn in der Hauptstadt Bundesligafußball gezeigt werden würde, bei einem Aufstieg würden wohl populäre Unternehmen einige Euros locker machen. Um ganz oben mitzuspielen, fehlen eben Spieler, die auch etwas Geld kosten. Ob es sinnvoll ist, den Aufstieg zu erschwindeln, darf nun jeder selbst entscheiden…

Der Titelkampf als Vierkampf

Der SC Austria Lustenau hat sich mit starken Leistungen wieder ins Titelrennen gebracht. Coach Helgi Kolvidsson stoppelte eine starke Elf zusammen, verlor nie und fuhr drei Siege und drei Remis ein. Vier Punkte trennen die Austria noch von den Tabellenführern. Im Cup steht man auch noch gut da und hat die Chance, der Wiener Namensschwester noch einmal ein Bein zu stellen. Was mit einer Portion Selbstvertrauen möglich ist, weiß jeder, der den Fußball verfolgt. Nachdem die Lustenauer taktisch klug agieren, würden sie der Bundesliga gut stehen, allerdings sind die Leistungsträger wie Christoph Stückler (31), Harald Dürr (33) oder Neuzugang Pierre Boya (28) alles andere als junge Hüpfer.

Der LASK taumelt unter Walter Schachner mit teilweise schwachen Leistungen Richtung Titelkampf. Als Beispiel gilt hier der letzte Sieg gegen den WAC. Beide Tore entstanden durch Spieler der Kärntner. Wie bei der Austria gilt auch hier: Die Leistungsträger sind entweder schon alt (Rene Aufhauser, 35, Hannes Aigner, 31) oder nicht aus Österreich (Rafinha, Silvio Jr., Luiz Henrique). Dazu kommt noch die stetige Unruhe im Verein und das statische taktische Korsett, welches Schachner spielen lässt.

Der WAC, noch drei Punkte vor dem LASK und vier vor der Austria, hat eine ausgeglichene Bilanz von zwei Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Trainer Nenad Bjelica ist gefühlterweise jedes Spiel auf der Tribüne, die Fans zeichnen sich zum Teil durch Untergriffigkeiten aus. Inwieweit sich die Kärntner Landespolitik aus dem Verein raus hält, sollte aufgestiegen werden, wenn am Wörthersee ein leeres Stadion steht, steht in den Sternen. Hierbei handelt es sich zwar zugegebenermaßen um eine Mutmaßung, aber in Kärnten hat der Fußballfan schon viel erlebt. Sollte sich die Politik aus dem Fußball raushalten, dann wird der WAC ein willkommener Gast in der Bundesliga sein. Das taktische und spielerische Rüstzeug hat er.

Altach will aufsteigen, scheitert aber an den Vorgaben des in Fankreisen nicht mehr ganz unumstrittenen Adi Hütter. Der ehemalige Europacup-Held will schönen Kick sieht, konnte diesen aber nach der Winterpause noch nicht zeigen. Ebenso wie der härteste Konkurrent aus Kärnten ist die Bilanz ausgeglichen, legt einer der beiden Klubs eine Serie hin und kann etwas Holz zwischen sich und die Konkurrenz bringen, kann schon recht bald Richtung Bundesliga geplant werden. Nachdem der WAC die Mittelständler St. Pölten und Grödig am Spielplan hat, muss Altach gegen die Vienna und Hartberg ran. Vorteil Vorarlberg.

Fix is’ nix

Wie schon vor der Winterpause angemerkt, waren die ersten paar Spiele entscheidend. Während Hartberg unten abreißen ließ, konnte St. Pölten mit Jano nochmals zulegen. Oben konnte sich die Austria ranbeißen, Blau-Weiß ließ abreißen. Nachdem noch jeder gegen jeden ran darf, kann sich noch ein bisschen etwas an der Tabelle ändern, viel wird es aber nicht mehr sein. Hartberg wird sich wohl ziemlich sicher fix verabschieden, WAC oder Altach nach oben verabschieden. Allerdings kann sich gerade im Abstiegskampf noch Einiges tun. Hartberg und die Vienna ließen schon aufhorchen, dass möglicherweise Budgetzahlen nicht stimmen oder Gehälter nicht gezahlt wurden, vom FC Lustenau gab es schon einmal doppelte Verträge. Im Sinne des Fußballs ist aber zu hoffen, dass die Entscheidung auf sportlicher Ebene abläuft…

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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