Heute starten die Premier League und Ligue 1 als erste der fünf großen europäischen Ligen in die neue Saison. Viele Leute denken, dass die... Spielplananalyse der Top-5-Ligen 2018/19

Heute starten die Premier League und Ligue 1 als erste der fünf großen europäischen Ligen in die neue Saison. Viele Leute denken, dass die Spielpläne heutzutage zufällig durch einen Computer bestimmt werden. Dies ist auch zum Teil zutreffend, aber nicht völlig. Um einen Einblick auf die Einflussfaktoren Vermarktung und Fernsehsender zu gewinnen, anhand der die Spielpläne erstellt werden, wird mit diesem Artikel analysiert, wann es warum zu den Topspielen in den jeweiligen Ligen kommt und wer wann in der Saison starke Gegner hat. Abschließend folgt ein Blick auf die Daten der Pokalfinals.

Die Ligue 1 veröffentlichte ihren Spielplan bereits am 8. Juni. Außerdem im Juni gaben die Premier League (14. Juni) und die Bundesliga (29. Juni) ihre Termine bekannt. Relativ spät machten La Liga (24. Juli) und Serie A (26. Juli) die Ansetzungen publik. Die späten Daten der beiden letztgenannten erklären sich u.a. dadurch, dass noch bis zum 16. Juni die Aufstiegsplayoffs stattfanden. Doch welche Faktoren spielen überhaupt eine Rolle bei der Spielplanerstellung?

Einflussfaktoren

Fernsehsender haben Einfluss, aber auch die Ligen selbst wollen natürlich die Topspiele möglichst verteilt über die Saison haben, damit die Aufmerksamkeit während möglichst jedes Wochenendes ziemlich hoch ist. Dazu kommen Feiertage, Wünsche der Klubs sowie der Polizei und die Berücksichtigung von Anreisewegen verfeindeter Fangruppierungen. Auch unterklassige Ligen müssen beachtet werden, gibt es doch Klubs mit großen Fananhang, die in der Nähe eines Erstligisten beheimatet sind. Dazu sollte es möglichst vermieden werden, Topspiele in englischen Wochen anzusetzen, da dort die internationale Beachtung geringer ist, denn erstens ist die Anstoßzeit mit Blick auf den asiatischen Kontinent bescheiden und zweitens gibt es in englischen Wochen in allen Ligen eine Anstoßzeit zwischen 18:30 und 22 Uhr, sodass es hier zu Überschneidungen kommt und sich die Ligen/Pokalwettbewerbe die Zuschauer gegenseitig wegnehmen. An Wochenenden gibt es dagegen verschiedene Ansetzungsmöglichkeiten. Durch den engen internationalen Terminkalender der FIFA bzw. UEFA und diverser nationaler Pokalwettbewerbe lassen sich die bei den Ligen unbeliebten englischen Wochen jedoch nicht immer vermeiden. So sind in Deutschland, Italien und Frankreich zwei sowie in England und Spanien sogar drei englische Wochen in der kommenden Saison vorzufinden (rote Markierungen in den Abbildungen).

Start und Ende

Ligue 1 und Premier League (jeweils am 10. August) starten traditionell früh. Dies verwundert insofern nicht, gibt es doch in beiden Ländern neben dem normalen Pokale auch noch einen Ligapokal, die beide einen Platz im Terminkalender finden müssen. Diese beiden Ligen sind auch die Vorreiter bezüglich asymmetrischer Spielpläne, d.h. die Spieltage finden in der Rückrunde in einer anderen Reihenfolge statt als in der Hinrunde. Die Premier League praktiziert das Verfahren schon länger, die Ligue 1 demgegenüber machte das erstmals vor drei Jahren. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es, bevor es zu einem „Rückspiel“ kommt, mindestens sechs Wochen zwischen dem Spieltag in der Hin- und Rückrunde liegen müssen. Durch dieses Verfahren war es der Ligue 1 übrigens möglich, 80 Prozent der Klubwünsche bezüglich der Ansetzungen zu erfüllen, was ein Vielfaches im Vergleich zu vorher darstellt. Bei dieser Ansetzungstechnik kommt es nun zu vier Serien mit entweder zwei aufeinanderfolgenden Heim- oder Auswärtsspielen für jeden Klub. Mit dem alten Verfahren waren es nur zwei. Zunächst gab es deswegen Kritik, möchte doch niemand viele Auswärtsspiele am Stück haben. Eine Untersuchung von der Saison 2008/09 bis 2014/15 erbrachte aber das Ergebnis, dass diese Kritik unberechtigt war. Im Durschnitt holten Klubs in zwei aufeinanderfolgenden Heimspielen 3,34 Punkte im Vergleich zu 3,26 Punkten bei allen restlichen Heimspielen. Bei Auswärtsspielen waren es 2,07 Punkte bei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen im Vergleich zu 2,17 bei nichtaufeinanderfolgenden Auswärtsspielen. Somit gab es zwar leichte Unterschiede, jedoch kann man nicht von einem signifikanten Effekt sprechen. Zudem ist zum ersten Mal der Spielplan von La Liga in der neuen Saison asymmetrisch, sodass nur noch die Serie A und die Bundesliga auf einen „klassischen“ symmetrischen Spielplan setzen.
Die Enddaten der Saison sind ebenfalls nicht einheitlich. Die Premier League schließt die Tore bereits am Wochenende des 11.5., die Bundesliga und La Liga am 18.5. sowie Serie A und Ligue 1 am 25.5., was für letztgenannte erstaunlich ist, da sie wie oben angeführt mit als erstes startet. Um die Anzahl der englischen Woche möglichst niedrig zu halten, erscheint jedoch das maximale Ausreizen des Kalenders vor der Abstellungsperiode für Nationalspieler jedoch sinnvoll.


Premier League


Für die Analyse wird die mittlerweile etablierte Top 6 herangezogen, sodass insgesamt 30 Duelle untereinander anstehen. Es gibt keinen einzigen Spieltag, an dem es mehr als ein direktes Aufeinandertreffen der Top 6 gibt, was demnach sehr gut gelöst ist. Bemerkenswert ist, dass am ersten Spieltag, an dem die Aufmerksamkeit wegen des Saisonstarts sowieso sehr hoch ist, gleich für Arsenal – Man City „verschwendet“, sollten doch Topspiele am ersten und letzten Spieltag eigentlich vermieden werden, da sie unabhängig vom Zeitpunkt viele Aufmerksamkeit generieren. Ein weiterer Negativpunkt ist die Ansetzung von Topspielen (Man United – Arsenal und Chelsea – Tottenham) in zwei von drei englischen Wochen, obwohl es noch vier frei Wochenendspieltage gegeben hätte (letzter Spieltag, Boxing Day am 26.12. und FA-Cup-Halbfinalwochenende am 6.4. nicht miteinbezogen, da entweder die Aufmerksamkeit sowieso hoch ist oder im Fall des FA Cups die Aufmerksamkeit nicht auf der Liga liegen soll). Aufgrund der Tatsache, dass es in einer englischen Woche nur zwei Anstoßzeiten gibt und somit die Aufmerksamkeit geringer ist, erscheint hier nicht die optimale Lösung gefunden worden zu sein, allerdings muss einschränkend angeführt werden, dass die Premier League schon nahe an der Perfektion ist, denn in der Rückrunde wird nur der 37. als einziger regulärer Spieltag ohne Topspiel ausgestattet, da der 24. in einer englischen Woche, der 33. am FA-Cup-Halbfinalwochenende stattfindet und der 38. Spieltag der letzte ist. Infolgedessen wird das Fernsehen bestens bedient, was angesichts der bekanntlich höchsten TV-Gelder sowohl aus dem In- als auch Ausland nicht erstaunlich ist.

Man City, Man United, Arsenal Chelsea und Liverpool müssen mindestens einmal nach einem Topspiel bereits das nächste bestreiten, bei Arsenal und Liverpool kommt dies sogar zweimal vor. Es ist nicht gänzlich dafür gesorgt, dass eine gleichmäßige Verteilung für die Heim– und Auswärtsspiele im Rahmen der Topspiele vorherrscht. Man City hat in der Hinrunde vier Auswärtsspiele und ein Heimspiel, bei Chelsea ist es genau umgekehrt, was sich dann in der Rückrunde für letztgenannten Klub als Nachteil erweisen könnte, jedoch ist Chelsea der einzige Klub der Top 6, der keine Topspiele an zwei aufeinanderfolgenden Spieltagen hat, sodass ausgleichende Gerechtigkeit wiederhergestellt wird. Bei den restlichen vier gibt es maximal drei Heim- und zwei Auswärtsspiele oder umgekehrt gegen die anderen Topklubs je Halbserie.


Serie A


Für die Analyse des Spielplans in der Serie A wurden die klassischen sechs großen Klubs ausgewählt, was ebenso zu 30 Spielen führt.

Im Gegensatz zur Premier League sind drei bzw. sechs Spieltage (mit Rückspielen) mit zwei Topduellen vorzufinden, was als negativ angesehen werden kann. Weiterhin erscheint die Ansetzung eines Topspiels (Lazio – Napoli) am ersten Spieltag ebenso problematisch wie Roma – Juventus am 36. Spieltag, an dem die Meisterschaft schon zugunsten von Juventus vorentschieden sein könnte. Besser gelöst als in der Premier League dagegen ist der Umgang mit den englischen Wochen, hat man doch dort keine Topspiele angesetzt. Den letzten Spieltag hat man klugerweise ausgelassen, was in der Vergangenheit schon anders war, da z.B. in der letzten Saison Lazio – Inter zu dem Zeitpunkt stattfand.

Die Verteilung Heim- bzw. Auswärtsspiele je Halbserie ist mit der Ausnahme von Juventus bei maximal drei zu zwei. Juventus hat in der Hinserie vier Heim- und ein Auswärtsspiel im Rahmen der direkten Aufeinandertreffen, was dafür sprechen könnte, es ihnen in der Rückrunde mit den vier Spielen bei den direkten Konkurrenten möglichst schwer zu machen.

Lazio, Napoli und Milan sind am Anfang der beiden Halbserien an aufeinanderfolgenden Spieltagen in direkten Duellen gefordert, Inter in der Mitte. Juve und die Roma genießen das Privileg, überhaupt nicht unmittelbar nach einem Topspiel bereits das nächste zu haben.


La Liga


Die ausgewählten fünf Klubs ergeben eine zu betrachtende Spielanzahl von 20.

Positiv hervorzuheben ist, dass man Spieltage mit mehr als einem Topspiel vermieden hat, negativ ist andererseits die Terminierung von Topspielen in allen drei englischen Wochen, des Spiele Valencia – Atlético am ersten und Atlético – Sevilla am vorletzten Spieltag.

Barcelona, Real Madrid und Valencia sind die einzigen Klubs mit aufeinanderfolgenden Topspielen. Bei Real Madrid trat dies nur einmal auf, bei Valencia und Barcelona zweimal, wobei letztgenannter Klub als absolutes Novum unter allen fünf untersuchten Ligen hat, dass einmal an drei aufeinanderfolgen Spieltagen Topspiele anstehen, nämlich gegen Valencia, Sevilla und Real Madrid. Einschränkend muss gesagt werden, dass nach dem ersten Spiel eine Länderspielpause ansteht. Besonders die aufeinanderfolgenden Auswärtsspiele in Sevilla und Madrid in der Rückrunde könnten sich schwer erweisen.

Das Verhältnis zwischen Heim- und Auswärtsspiele liegt mit Ausnahme von Atlético und Valencia, welches in der Hinrunde drei Auswärts- und ein Heimspiel bzw. umgekehrt haben, bei 2:2. Hier spricht der Spielplan also für Atlético mit den drei Heimspielen in der Rückrunde, bei Valencia sind die vielen Auswärtsspiele in der Rückrunde eventuell ein Nachteil.


Bundesliga


Die Bundesliga hat mit Bayern, Dortmund und Schalke drei Großklubs mit internationaler Strahlkraft, sodass sechs direkte Duell stattfinden.

Die beiden englischen Wochen sowie der erste und letzte Spieltag wurden vermieden. Auch liegen die Begegnungen alle nicht nahe beieinander. Vielleicht kann sich Schalke darüber freuen, dass Dortmund bereits zwei Spieltage nach dem Spiel gegen Bayern gegen sie antreten muss. Dies ist gleichzeitig der kürzeste Zeitraum zwischen zwei Topspielen. Konträr dazu hat Schalke allerdings in der Hinrunde beide Duelle gegen die Konkurrenten zuhause, bei Bayern ist dies dagegen in der Rückrunde der Fall, was sich als Nach- bzw. Vorteil erweisen könnte.


Ligue 1


Hier sehen viele vier Klubs im internationalen Fokus, sodass zwölf direkte Duelle anstehen.

Alle dargestellten Spiele sind übrigens schon fix für den Sonntagabend auf 21:00 Uhr terminiert, da Canal+ als TV-Rechteinhaber des Topspieltermins am Sonntagabend großen Einfluss hatte, wann die Spiele stattfinden sollen.

Englische Wochen mit Topspielen wurden ebenso vermieden wie der letzte Spieltag vor der Winterpause, an dem alle Spiele gleichzeitig stattfinden (22.12.). Des Weiteren bedachte man den ersten und letzten Spieltag nicht mit Topspielen. Ferner ist die Verteilung über die gesamte Saison sehr ausgeglichen, gibt es doch keine aufeinanderfolgenden Spieltage mit Topspielen. Gleichwohl muss erwähnt werden, dass PSG in der Hinrunde an fünf aufeinanderfolgenden Spieltage drei Topspiele hat, jedoch immer einen „leichteren“ Gegner dazwischen. Das Verhältnis von Heim- zu Auswärtsspielen (oder umgekehrt) gegen ein anderes Topteam liegt in einer Halbserie bei maximal 2:1, was sehr gerecht ist.


Pokalfinals


In Italien und Frankreich erscheinen die Ligen wichtiger, denn vor dem Finale der Champions League (1.6.) und der Abstellungsperiode für Nationalspieler (3.6.) werden alle freien Wochenenden mit Ligaspielen ausgereizt, wohingegen in Deutschland und Spanien die Ligen das letzte freie Wochenende vor dem Finale der Champions League freimachen und somit das Pokalfinale nicht im Ligabetrieb „untergeht“. In Italien ist es allerdings weniger schlimm, da der 25.4. in Italien ein Feiertag ist (Tag der Befreiung Italiens), sich viele den darauffolgenden Freitag als Brückentag freinehmen und keine Ligaspiele verschoben werden müssen. In Frankreich dagegen findet der Spieltag bis auf die Spiele der am Finale beteiligten Klubs ganz normal am Wochenende des 27.4. statt. Einen interessanten Weg geht England, endet doch dort bereits die Liga drei Wochen vor dem Finale der Champions League und das Finale des FA Cups wird zwei Wochen vor dem Finale der Champions und anderthalb vor dem Finale der Europa League ausgetragen, was sich im Fall einer Beteiligung englischer Klubs an den europäischen Finalspielen als Vorteil erweisen könnte.

Christoph Trompeter