Neben der heimischen tipico Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich...

union_berlinNeben der heimischen tipico Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln sich dort in zahlreichen Klubs (potentielle) Nationalteamakteure, denen es genau auf die Beine zu schauen gilt. Auch in der 41. Saison reißt der Boom rund um die Liga nicht ab, die extrem ausgeprägte Ausgeglichenheit verleiht der 2. deutschen Bundesliga ihren Reiz.

Abstiegsk(r)ampf statt Aufstiegskampf

Sein erstes Engagement als Profitrainer hatte sich Norbert Düwel sicherlich anders vorgestellt. Mit großen Ambitionen und hohen Zielen waren die „Eisernen“ in die Saison gestartet. Doch Union Berlin ist am harten Boden der Tatsachen gelandet: Nach zehn Spieltagen stehen magere zehn Punkte auf der Habenseite. Union steckt in den unteren Tabellenregionen fest und lässt den erhofften Powerfußball nur äußerst selten aufblitzen. Demzufolge stand Düwel auswärts in Aalen unter Druck, endlich auch auf des Gegners Platz einmal einen Sieg zu erringen.

Köhler und Zejnullahu mit katastrophalen Zweikampfwerten – Passgenauigkeit weiß hingegen zu überzeugen

Die Unioner begannen äußerst engagiert und setzten vom Anpfiff weg alles daran, die Spielkontrolle an sich zu reißen. Dies gelang ungeachtet der miserablen Zweikampfwerte des zentralen Mittelfeldduos Benjamin Köhler und Eroll Zejnullahu. Die beiden liegen in punkto Zweikampfbilanz vereinsintern nur auf den Positionen zwölf und dreizehn (von 15 gelisteten Spielern) und können im Durchschnitt 45,40 beziehungsweise 44,94 % ihrer Duelle siegreich bestreiten. Selbst von diesen ausbaufähigen Werten waren die Aufbauspieler im Kräftemessen mit dem VfR Aalen meilenweit entfernt. Der 20-jährige Jungspund behauptete sich in acht seiner 28 Zweikämpfe, was schwache 28,6 % gewonnene Zweikämpfe ergibt. Noch wesentlich schlechter erging es in dieser Hinsicht seinem routinierten Nebenmann Köhler. Der 34-jährige Ex-Frankfurter war in 15 seiner 18 Duelle nur zweiter Sieger, das entspricht einer Erfolgsquote von gerade einmal 16,7 %.

Die desolate Zweikampfführung fiel deshalb nicht so schwer ins Gewicht, weil die Berliner die Kugel gut in den eigenen Reihen zirkulieren ließen und mit 57 Prozent Ballbesitz das Geschehen klar diktierten. Union hielt Aalen in Bewegung und brachte durch gepflegtes Kurzpassspiel die Stärken der Spielgestalter zur Geltung. Sowohl Zejnullahu als auch Köhler zeichnet eine hohe Präzision und Sicherheit im Passspiel aus. Letzterer brachte 80,4 % seiner Zuspiele an den Mann, ihm unterliefen zehn Fehlpässe, seinem Nebenmann unterliefen bei 40 Passes derer 14. Die zentralen Mittelfeldakteure der Hausherren präsentierten sich zwar wesentlich zweikampfstärker, konnten aber mit der Passfrequenz und der Präzision der Unioner nicht Schritt halten. Aufgrund des höheren Ballbesitzanteils und der wesentlich sichereren Zirkulation des Spielgeräts spielten die „Eisernen“ 458 Pässe, 72,27 % (331) davon waren von Erfolg gekrönt. Die Ruthenbeck-Elf brachte es auf 294 Zuspiele, 190 davon fanden den gewünschten Empfänger.

Spiel auf ein Tor in Halbzeit eins – Hainault trifft völlig entgegen dem Spielverlauf zur Führung

Der VfR fand in Spielabschnitt eins nie Zugriff auf die Partie, sodass Union-Angriff um Union-Angriff auf Jasmin Fejzic zurollte. Die Elf von Norbert Düwel war bemüht, dass Mittelfeld möglichst schnell zu überbrücken und die beiden Sturmspitzen Polter und Brandy mit Pässen in die Tiefe in Szene zu setzen. Das eine oder andere Mal glückte es,Lücken in die Defensive der Schwarz-Weißen zu reißen, doch Fejzic erwies sich als gewohnt sicherer Rückhalt. Beide Sturmspitzen banden sich einmal mehr extrem in die Spieleröffnung ein und rieben sich in Zweikämpfen auf. Brandy bestritt 21 Duelle, der von Mainz ausgeliehene Polter sogar 39. Polter brachte es auf 26 getätigte Zuspiele, Brandy versuchte 33 Mal einen Mitspieler zu finden und brachte 72,7 % seiner Passe zu einem Akteur in rot. Der 23-jährige Brandy richtete seinen Fokus im Vergleich zu jenem von Brandy ein wenig mehr auf den Sechzehner und dessen nähere Umgebung. Die zurückgelegten Distanzen von jeweils knapp über zehn Kilometern untermauern das für Stürmer eher atypische, sehr laufintensive Spiel der beiden.

Anstatt der überfälligen und verdienten Gästeführung gingen, wie so oft, die Heimischen wie aus dem Nichts in Front. Parensen verlor nach einem Corner Gegenspieler Hainault aus den Augen, der wuchtig zur äußerst schmelhaften 1:0-Pausenführung einköpfte. Amsif war ohne jede Abwehrchance. Die „Eisernen“ bleiben somit trotz drückender Überlegenheit als einziges Team der Liga ohne jegliches Erfolgserlebnis in Halbzeit eins.

VfR stark verbessert, doch der beste Mann am Platz läutet die Wende ein

Mit der Führung im Rücken präsentierten sich die Mannen von der Ostalb deutlich verbessert, aggressiver in den Zweikämpfen und einem direkteren Zug zum Tor. Ex-„Löwe“ Alexander Ludwig ließ nach einer knappen Stunde, freistehend vor Amsif, die Riesenchance auf die Vorentscheidung aus. So schlug die große Stunde des besten Manns auf dem Platz, Toni Leistner. Der Innenverteidiger, der im Sommer von Absteiger Dresden an die „Alte Försterei“ wechselte lieferte eine überragende Leistung ab. Er entschied nicht nur 18 seiner 20 Zweikämpfe für sich, sondern brachte darüber hinaus auch noch 80,5 % seiner Zuspiele zum gewünschten Passadressaten. Des weiteren betätigte er sich immer wieder als spielmachender Innenverteidiger und brachte so Angriffe auf den Weg.

Die Heatmap seines Aktionsradiuses zeigt ebenfalls, dass er seine Rolle überaus offensiv interpretierte und sich situativ immer wieder mit nach vorne wagte. Erst recht natürlich bei eigenen Standardsituationen. In der 62. Minute setzte Leistner sein Gardemaß von 190cm erstmals gewinnbringend in der Offensive ein: Der 24-Jährige erzielte nach Köhler-Ecke per Kopf sein erstes Zweitligator und brachte sein Team somit wieder auf Kurs in Richtung drei Punkte. Sein unbändiger Wille in dieser Situation war augenscheinlich. Nicht umsonst kürte ihn sportal.de mit der Note 1,5 verdientermaßen. zum besten Akteur des Matches.

Aalen und der Beweis der Widerleglichkeit von Statistik

Sören Brandy krönte seine Leistung schließlich noch mit dem siegbringenden und für Union so wichtigen 2:1. Nach schöner Vorarbeit von Thiel setzte er das Leder in Minute 70, gekonnt und traumhaft zugleich, in die Maschen.

Aalen gewann insgesamt 53,31 % seiner Zweikampfduelle, letztlich ist diese Statistik allerdings mit Vorsicht zu genießen. Immerhin ist es bedeutungslos, ob man die Mehrzahl an Duellen für sich entscheidet, wenn man bei den wichtigen und entscheidenden letztlich den Kürzeren zieht. In all den Drangphasen der Berliner ließen die Hausherren die nötige Konsequenz vermissen, sodass sie sich letztlich das 1:2 selbst zuzuschreiben haben.

Eine Verkettung von Fehlern und verlorenen Zweikampfduellen bringt Thiel, der Ofosu-Ayeh alt aussehen lässt, erst in die Position die Hereingabe anbringen zu können – der Anfang vom Ende aus Sicht der Schwarz-Weißen.

Möhlmann-Elf überrascht heimstarke Fürther

Wieder einmal zeigte sich eindrucksvoll, dass Fußball einfach nicht berechenbar ist. Das bisherige Schlusslicht aus Frankfurt, welches bislang mit Toren geizte und nur elf Mal netzte, schenkte den bis dahin vor heimischem Publikum noch ungeschlagenen Fürthern gleich fünf Treffer ein. Insbesondere der italienische Stürmer Grifo erwischte einen wahren Traumtag und drehte drei Mal zum Torjubel ab. Beim zwischenzeitlichen 1:1 profitierte er von einem Patzer von Hesl-Vertreter Mickel, der die Mauer miserabel positionierte und den Freistoßtreffer so nicht mehr verhindern konnte. Die 3:2-Pausenführung markierte er mit einem wunderbaren Versuch aus der Distanz, ehe er mit dem verwandelten Elfmeter zum 5:2-Endstand sein Torkonto auf fünf hochschraubte.

Die sonst so heimstarken Fürther präsentierten sich träge und waren oftmals auch gedanklich einen Schritt zu spät. Die „Kleeblätter“ gewährten den Gästen viel zu viel Raum, kamen nicht wirklich in die Zweikämpfe und der FSV wusste das Angebot an Zeit und Raum zu seinem Vorteil zu nutzen. Der ehemalige Dresdner Zlatko Dedic, der für Edmond Kapllani in die Startelf gerutscht war, sorgte Mitte der zweiten Hälfte für die Vorentscheidung. Der eingewechselte ÖFB-Legionär Robert Zulj ließ eine hundertprozentige Chance die Heimischen nochmals auf 3:4 heranzubringen ungenützt, belebte das Spiel der Franken aber merklich. Die überraschende aber nicht unverdiente Niederlage vermochte er allerdings nicht mehr abzuwenden. Die Spielvereinigung scheint den Kontakt zur Spitze nach nur fünf Punkten aus den letzten fünf Spielen vorerst ein wenig zu verlieren.

David Kühhas, abseits.at

David Kühhas

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