Im zweiten Teil unserer „Löwen-Untergang-Story“ beschäftigen wir uns mit den Anfängen unter Hasan Ismaik, bis hin zum Abstieg aus der zweiten Bundesliga. 30.05.2011: Ziemlich... Der 1860-Untergang (2): Die Luftschlösser des Hasan Ismaik

_1860 München Wappen

Im zweiten Teil unserer „Löwen-Untergang-Story“ beschäftigen wir uns mit den Anfängen unter Hasan Ismaik, bis hin zum Abstieg aus der zweiten Bundesliga.

30.05.2011: Ziemlich genau sieben Jahre nach dem Abstieg aus der Bundesliga begeht „Sechzig“, bzw. die handelnden Personen, einen der größten Fehler in der Vereinsgeschichte. Aufgrund der nackten Existenzangst gehen sie einen faustischen Pakt ein. In der Rolle des Mephisto: Der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik. Er steigt als Investor bei den Löwen ein, rettet den Verein vor der Insolvenz, spricht von Champions League und einem neuen Stadion mit Löwengehege. Viele Fans und Personen rund um den Verein sind jedoch von Anfang skeptisch ob der Absichten Ismaiks, da dieser den Verein sicher nicht aus reiner Mildtätigkeit gerettet habe. Die neue schillernde Figur in Giesing hält den Skeptikern jedoch entgegen, sich aus dem Tagesgeschäft raushalten zu wollen. Es wird, soviel sei verraten, ein Lippenbekenntnis bleiben. Ismaik selbst stellt sich als Pionier dar, und prophezeit, dass nach seinem Einsteigen bei einem deutschen Fußballverein weitere ausländische Investoren folgen werden. Die erste Saison verläuft gleich relativ vielversprechend: Ohne Trainerentlassung werden die Löwen am Ende Sechster.

Erste Streitigkeiten

Die Münchner Löwen waren schon immer sehr gut darin, Probleme und peinliche Situationen aus dem sprichwörtlichen Nichts zu erschaffen. So auch in der Saison 2012/13, als Geschäftsführer Schäfer plötzlich beschließt, das vereinseigene Lokal „Löwenstüberl“ soll ab sofort nicht mehr von der langjährigen Wirtin und Vereinslegende Christl Estermann geführt werden. Unter Tränen akzeptiert die ihre Ausbootung, doch Präsident Schneider schaltet sich plötzlich ein und verhindert den Abgang Estermanns. Schneider lieferte sich zu diesem Zeitpunkt immer wieder heftige Streits mit Ismaik, da dieser unbedingt Sven-Göran Eriksson als Sportchef installieren will – gegen den Willen von Schneider. Letztendlich setzt sich Ismaik mit Hilfe des Aufsichtsrats durch. Eriksson hat nach dem ganzen Hin und Her aber keine Lust mehr. Ismaik zürnt und aus Angst, er könnte den Geldhahn zudrehen, fliegt eine Delegation des Vereins nach Abu Dhabi; mit einem Porzellan-Löwen als Geschenk im Gepäck. Die Reise findet ohne Schneider statt, der daraufhin zurücktritt. Nachfolger wird Gerhard Mayrhofer, der zugleich den Schulterschluss mit Ismaik sucht. Die dadurch erhofften großen Investitionen bleiben aus. Stattdessen feuert Mayrhofer, trotz einer guten Bilanz, mit Friedhelm Funkel den nächsten Trainer.

Der Absturz beginnt

Der neue Sportchef Gerhard Poschner verpflichtet vor der Saison 2014/15 mit Ricardo Moniz einen Trainer, der als Saisonziel gleichmal Platz eins ausgibt. Zudem holt Poschner gleich zehn neue Spieler, einige davon gegen den Willen des Trainers. Beide überwerfen sich ob der Kaderzusammenstellung; nach einem schwachen Saisonstart, muss Moniz schon wieder die Koffer packen. Unter Markus von Ahlen, vormaliger Assistent von Moniz, tritt jedoch keine Besserung ein, sodass mit U23-Coach Torsten Fröhling der dritte Trainer übernimmt. Erst in der Relegation gelingt gegen Holstein Kiel die endgültige Rettung. Präsident Mayrhofer tritt aufgrund eines Disputs mit Ismaik über die Entlassung von Sportchef Poschner zurück.

Die neue Saison wird kaum besser. Nach Mayrhofers Rücktritt wird ein Übergangspräsidium gebildet, mit Noor Basha, Ismaiks Münchner Statthalter, an der Spitze. Trainer Fröhling fordert Verstärkungen, bekommt aber keine. Von Beginn an hängt der TSV im Tabellenkeller fest, im Oktober wird Fröhling entlassen. Als Nachfolger kommt der als Feuerwehrmann bekannte Benno Möhlmann; doch der scheint eher Öl statt Wasser in seinem Schlauch zu haben. Und so taumeln die Münchner erneut der dritten Liga entgegen. Erst unter dem ehemaligen U21-Trainer Daniel Bierofka rauft sich die Mannschaft zusammen, holt aus den drei letzten Spielen drei Siege und hält somit erneut die Klasse.

Mit Power in den Abgrund

Doch die letzten zwei Jahre waren nichts im Vergleich mit dem was nun folgen sollte. Zu Beginn der Saison ist die Euphorie noch groß in München-Giesing. Noch nie hat Ismaik soviel in den Kader investiert, mit Stefan Aigner und Ivica Olic kommen echte Stars. Der neue Trainer Kosta Runjaic gilt als talentiert und der ebenfalls neue Geschäftsführer Thomas Eichin, der auf Oliver Kreuzer folgt, hatte bereits bei Werder Bremen gute Arbeit geleistet. Zudem verpflichtet Ismaik mit Victor Andrade und Ribamar zwei vermeintliche Topspieler. Die beiden Akteure dürfte ihm mal wieder der iranische Fußballgeschäftsmann Kia Joorabchian eingeflüstert haben, auf dessen Urteil sich Ismaik immer wieder verlässt – und immer wieder daneben liegt. Denn die neue Saison verläuft alles andere als gut; wieder wird schnell klar, dass es wohl auch in dieser Spielzeit nur um den Klassenerhalt gehen wird. Trainer Runjaic ist schon bald Ex-Trainer Runjaic und auch Geschäftsführer Eichin liegt immer wieder mit Ismaik im Clinch. Konsequenz: Auch er muss seine Zelte in München abbrechen. Für ihn übernimmt interimsweise ein Ismaiks Vertrauter mit wohlklingendem Namen: Anthony Power.

In einer nur zehnwöchigen Amtszeit richtet Power aber ein derartiges Chaos an, dass beim TSV wohl alle heilfroh sind, als mit Ian Ayre vom FC Liverpool – wobei sich jeder in Giesing fragte, was ein Mann von den Reds in der zweiten Liga will – ein Nachfolger gefunden wurde. Unter Power reichten etliche Mitarbeiter der Geschäftsstelle ihre Kündigung ein, Kapitän Stefan Aigner legte sein Amt nieder und kritischen Journalisten wurden die Akkreditierungen entzogen. Auf der Tribüne der Allianz-Arena wurden gegnerische Funktionäre höflich aber bestimmt angehalten, nicht zu laut für ihren Verein zu jubeln.

Auch auf der Position des Trainers herrscht erneut eine hohe Fluktuation. Nach der Entlassung von Runjaic übernahm zunächst wieder Daniel Bierofka, dessen Engagement noch vor Weihnachten wieder beendet war. Mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet, sollte der Portugiese Vitor Pereira die Saison noch zum Guten wenden. Doch der überforderte eine sowieso schon verunsicherte Mannschaft mit seinen überambitionierten taktischen Ideen, sodass am Ende der Eindruck entstand, die Spieler würden planlos über den Platz rennen.

Am letzten Spieltag der zweiten Liga stand fest: Die Löwen müssen erneut in die Relegation. Dieses Mal gegen den Bayern-Rivalen Jahn Regensburg. Im Hinspiel in Regensburg holte der TSV noch ein 1:1, die gute Ausgangposition machte man aber mit einem Offenbarungseid in München wieder wett, als die Sechziger nach einem blutleeren und lethargischen Auftritt mit 0:2 verloren. Ein Teil der Fans rastete danach vollkommen aus, riss Sitze aus den Verankerungen und schleuderte sie auf Spielfeld. Und das noch während der laufenden Spielzeit. Der Chaos-Verein verabschiedete sich mit chaotischen Bildern aus der zweiten Liga in Richtung Drittklassigkeit. Doch es sollte noch schlimmer kommen…

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