In dieser Serie soll pro Bundesliga-Verein ein Spieler portraitiert werden, der im Vergleich zu den anderen Mannschaften, den Unterschied ausmachen kann. Hierbei sollen nicht... Der feine Unterschied (6) – Roman Neustädter

In dieser Serie soll pro Bundesliga-Verein ein Spieler portraitiert werden, der im Vergleich zu den anderen Mannschaften, den Unterschied ausmachen kann. Hierbei sollen nicht nur die vermeintlich besten Fußballer, sondern auch die Führungspersönlichkeiten oder interessante Talente, von denen dieses Jahr der große Sprung erwartet wird, begutachtet werden.

Roman Neustädter (Schalke 04)

Als Lucien Favre in der Saison-Vorbereitung der Euphorie in Mönchengladbach mal wieder mit der Erinnerung an den personellen Aderlass der Mannschaft mahnend gegenübertritt, macht er dies mit folgendem Vergleich, dass man sich ein Barcelona ohne Puyol, Xavi und Messi vorstellen müsste. Dass er mit Puyol und Messi den Abgang von Dante und Marco Reus beschrieb, war für jeden Fußballfan offensichtlich. Doch wer war sein Xavi? Diese Frage war für viele scheinbar nicht sofort zu beantworten, dabei verlor Borussia Mönchengladbach mit Roman Neustädter doch sein Hirn an den FC Schalke 04. Der 24-Jährige war mit seiner Zweikampfstärke, Ballsicherheit und Spielintelligenz einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass das „System Favre“ so vorbildlich funktionierte. Für das Gladbacher Spiel und dessen Hauptschwerpunkt auf schnelles Umschalten, war der defensive Mittelfeldspieler schier unverzichtbar, was auch der holprige Saisonstart der „Fohlen“ deutlich machte.

So wenig wie der Wechsel von Roman Neustädter in Gladbach beachtet wurde, schien dieser auch auf Schalke keine sonderlich hohen Wellen zu schlagen. Vielmehr sah man den Transfer wohl nur eher als eine Verbesserung der Breite des Kaders. Doch weit gefehlt! Auch auf Schalke wird Neustädter in den ersten Saisonspielen nicht nur zum Stammspieler und Leistungsträger – nein, er macht sich mit seinem hochintelligenten Spiel für das Schalker Mittelfeld ebenfalls unverzichtbar. Mit seinem Partner Jermaine Jones bildet er neben dem Frankfurter Duo Pirmin Schwegler und Sebastian Rode, das wohl beste Sechser-Gespann der noch jungen Bundesliga-Saison. Während Jones eher für das Grobe und die Dynamik zuständig ist, kommt Neustädter der Löwenanteil des so wichtigen Aufbauspiels aus der Defensive heraus zu.

Der Neu-Schalker schöpft sein enormes Talent derzeit voll aus – doch das war nicht immer so. Seine Karriere startet in der Jugend von Mainz 05, wo er mit zwanzig Jahren auch sein Profidebüt in der zweiten Bundesliga unter Jürgen Klopp gibt, der ihn aus der zweiten Mannschaft hoch holt. In den Vordergrund spielen konnte sich Neustädter aber nicht. Trotzdem möchte Borussia Mönchengladbach den jungen Mann unbedingt verpflichten. Zur Saison 09/10 wechselt er an den Niederrhein, wo er zwischen erster und zweiter Mannschaft pendelt. Neustädter sagt über diese Zeit, dass er nicht professionell genug gearbeitet hätte und nicht fokussiert genug gewesen wäre, um zu erkennen, was es auf dem höchsten Niveau braucht.

Als jedoch Lucien Favre nach Gladbach kommt, erkennt er das große Potenzial Neustädters und macht ihn im Zuge seiner Veränderungsmaßnahmen an der akut abstiegsgefährdeten Mannschaft zum Stammspieler im defensiven Mittelfeld. Der gebürtige Kasache avanciert zu einer der Garanten des Klassenerhalts und der darauffolgenden Fabel-Saison. Seinen bis 2012 laufenden Vertrag jedoch möchte er nicht verlängern, dies macht er relativ frühzeitig klar.

Neustädter sucht die Herausforderung. Er will es bei einem Spitzenverein zu schaffen. Dieses Unterfangen kann bisher nur als erfolgreich bezeichnet werden. In dieser Verfassung dürfte er auch zwangsläufig zu einem Kandidaten für die deutsche Nationalmannschaft werden, obwohl auf seiner Position die Konkurrenz natürlich extrem groß ist. Roman Neustädter hat jedoch in Laufe der Jahre den nötigen Biss gefunden, um auch dieses Ziel zu erreichen.

Ral, abseits.at