Im Rückspiel des Europa-League-Playoffs verteidigte die Wiener Austria einen 2:1 Vorsprung aus dem Hinspiel gegen den NK Osijek und wollte im „Heimspiel“ in St.... Analyse: Austria zieht trotz Niederlage in die EL-Gruppenphase ein

Im Rückspiel des Europa-League-Playoffs verteidigte die Wiener Austria einen 2:1 Vorsprung aus dem Hinspiel gegen den NK Osijek und wollte im „Heimspiel“ in St. Pölten nichts anbrennen lassen. Lange Zeit sollte dieses Unterfangen auch durchaus gelingen und man schien einen ruhigen Abend zu verbringen. Ein Treffer aus dem sprichwörtlichen Nichts brachte die Kroaten jedoch nochmal heran und ab da an begann bei den Veilchen das große Zittern. Letztlich ging dieses Nervenspiel positiv für die Wiener aus und man qualifizierte sich zum zweiten Mal in Folge für die Gruppenphase der Europa League.

Weitere Hiobsbotschaft für Trainer Fink vor dem wichtigen Spiel

Im Vorfeld der Partie herrschte wie bereits im Hinspiel erneut einiges an Hektik bei den Veilchen und man musste Leistungsträger Larsen nach Italien ziehen lassen, da dieser das Angebot von Udinese unbedingt wahrnehmen wollte und auch die Rahmenbedingungen für den Verein erfüllt worden waren. Dies bedeutete allerdings für den bereits von zahlreichen Abgängen und von Ausfällen gebeutelten Kader eine weitere Schwächung und zusätzliche Kopfschmerzen für das Trainerteam. So musste De Paula, der im Hinspiel im Verbund mit Larsen die starke linke Seite von Osijek abmontierte, eine Etappe zurückweichen und die Position des Rechtsverteidigers einnehmen. Dadurch wurde allerdings ein Platz davor frei, jedoch schien Tajouri nicht der allerbeste Ersatz, da dieser große Probleme im Bereich der Defensivarbeit hat und dies gegen den starken kroatischen Kapitän Barisic ein großes Manko darstellen könnte. Deshalb wechselte Pires auf die rechte Seite und sollte die Wege des gegnerischen Außenverteidigers eingrenzen.

Ansonsten blieb aufstellungstechnisch alles beim Alten im Vergleich zum Hinspiel. Jedoch veränderte die Austria den Matchplan im Vergleich zum Hinspiel etwas und legte das Spiel aufgrund des komfortablen Vorsprungs etwas vorsichtiger an. Man verzichtete einerseits auf die auf- und einrückenden Außenverteidiger, und andererseits kippte Holzhauser selten in die erste Aufbaulinie ab und besetzte stattdessen gemeinsam mit seinem Partner Serbest konstant den Sechserraum. Damit wollte man wohl zusätzliche Stabilität im Zentrum gewährleisten und allgemein für eine bessere Anbindung in diesen wichtigen Zonen sorgen. Gegen den Ball formierte man sich in einem klaren raumorientierten 4-2-3-1, bei dem man weitestgehend auf Angriffspressing verzichtete und stattdessen eher versuchte eine kompakte Ordnung aufrechtzuerhalten. Hier und da wurden auch bei Aussicht auf Erfolg Gegenpressing-Sequenzen eingebaut, aber dies wurde nur manchmal praktiziert.

Osijek deutlich mutiger als noch im Hinspiel

Der Gegner aus Kroatien stand aufgrund des Hinspiel-Ergebnisses gezwungenermaßen unter Zugzwang und musste wesentlich mehr Risiko eingehen, als man es für gewöhnlich tut, da man für den Aufstieg mindestens zwei Tore benötigte. So formierte man sich zwar erneut in einem 4-2-3-1 System, allerdings zog sich die Mannschaft nicht so weit zurück, wie es noch im Hinspiel der Fall war und zusätzlich wollte man deutlich energischer und höher attackieren, um den Gegner noch mehr unter Druck zu setzen. Darüber hinaus kehrte der wichtige Stammspieler Barac zurück in die Mannschaft, nachdem sich sein Transfer zu Ajax Amsterdam zerschlug und bildete mit Skoric ein starkes Innenverteidiger-Duo. Man wollte die Austria also nun auch wesentlich energischer im Spielaufbau stören und sie so zu Fehlern zwingen. Im Spiel mit dem Ball agierte man wie gewohnt mit einem extremen Flügelfokus und die Probleme im Zentrum wurden durch den Ausfall von Spielmacher Lepa auch nicht gerade kleiner. Für ihn rückte der körperlich robuste Pusic in die Mannschaft, der seine Rolle sehr hochstehend auslegte. Er versuchte zusätzliche Räume für seine Kollegen im Angriff zu öffnen und darüber hinaus mögliche Lücken in der Abwehr anzulaufen.

Die nach vorne geschobene Pressinglinie schien auch gleich Früchte zu tragen, denn die Austria hatte es im Spielaufbau nicht mehr so leicht bzw. alle Zeit der Welt, wie es noch im Hinspiel der Fall war. Dadurch wurden die Veilchen zu vielen hohen Bällen nach vorne gezwungen, die zumeist für die kopfballstarken Innenverteidiger der Kroaten ein gefundenes Fressen waren. Darüber hinaus präsentierte sich die Austria zu Beginn etwas nervös und es schlichen sich einige unnötige Ballverluste ein, was zumindest in einem Fall fast ins Auge gegangen wäre. Dadurch war es für die Gastgeber schwierig Ruhe ins Spiel zu bringen und es entwickelte sich ein hochintensives Duell mit vielen Zweikämpfen. Im Spielaufbau hatten die Violetten zusätzliche Probleme mit der passenden Staffelung und Bewegung ohne Ball, wodurch man es Osijek nicht allzu schwer machte, den hohen Ball nach vorne zu erzwingen.

Erst nach gut fünfzehn-zwanzig Minuten gelang es der Austria das Spiel immer mehr unter Kontrolle zu bringen, für eine stabilere Ballzirkulation in der gegnerischen Hälfte zu sorgen und vermehrt zweite Bälle zu erobern. Da man speziell durch den Sechser Serbest viele Ballgewinne verzeichnete, hatte man immer wieder aussichtsreiche Gelegenheiten den Gegner im Umschalten wehzutun, da dieser nicht immer über eine optimale Absicherung der Angriffe verfügte. Aber diese Bemühungen konnten meist durch die starken Innenverteidiger geklärt oder zumindest abgedrängt werden, die in den direkten Duellen immer wieder die Oberhand behielten. Dennoch hatte ab da an Osijek wenig entgegenzusetzen und die Veilchen ließen kaum etwas zu, da vor allem der starke Kadiri alles abräumte und seinen Gegnern keinen Stich ermöglichte. Im Gegensatz dazu konnte die Offensive der Wiener einige Male zumindest im Ansatz für Gefahr sorgen, auch wenn hochkarätige Chancen zumeist ausblieben. Die mit Abstand beste hatte jedoch Monschein nach einer sehenswerten Kombination, bei der er in Rücklage allerdings an der Querlatte scheiterte und damit Pech hatte. So blieb es bei dem 0:0 Halbzeitstand und die Austria schien bis dahin klar auf Kurs in Richtung Gruppenphase.

Osijek wird etwas konkreter, Austria kontrolliert jedoch das Spiel

Der Trainer der Gäste reagierte auf die Harmlosigkeit seiner Mannschaft in der Offensive und brachte den stämmigen Offensivspieler Boban in die Partie, der mit seiner Präsenz für mehr Betrieb im gegnerischen Strafraum sorgen und den bereits gelb-verwarnten De Paula bearbeiten sollte. Stattdessen rückte Flügelspieler Bockaj auf die Zehn und sollte als Kombinationspartner viel Unterstützung auf den Seiten leisten und mit seinen Ausweichbewegungen ins tiefe Zentrum für eine stabilere Ballzirkulation sorgen. Darüber hinaus wurden die Außenverteidiger deutlich weiter nach vorne geschoben und vor allem Rechtsverteidiger Sorsa sollte durch passende Aufrückbewegung anspielbar sein für Spielverlagerungen. Diese Umstellungen wirkten sich die ersten Minuten nach dem Wiederanpfiff zunächst positiv auf das Spiel der Kroaten aus, da man nun etwas konkreter wurde und in höhere Zonen vordringen konnte. Jedoch wurde es nur einmal durch einen Distanzschuss gefährlich und diese Phase flachte ebenso schnell ab, wie sie auch kam.

Die Austria nahm das Spiel relativ bald wieder in die eigene Hand und spielte kontrolliert nach vorne. Dabei spielte vor allem der junge Prokop eine wichtige Rolle, der mit seinen intelligenten Bewegungen immer wieder anspielbar war und so als Kombinationspartner auch in höheren Zonen viel Ruhe brachte. Aber auch Pires fand nun wesentlich besser in die Partie und eine passendere Balance, da er im ersten Durchgang noch zu oft auf Sicherheit bedacht war und auch etwas zu tief spielte, da er seine Aufgaben in der Defensive zunächst erledigen wollte. Darüber hinaus beteiligten sich vor allem die Offensivspieler bei Osijek nun wesentlich seltener an der Defensivarbeit und versuchten teilweise vorne zu zocken, wodurch die Austria mehr Räume vorfand. Zusätzlich sorgten die Violetten auch immer wieder für hohe Ballgewinne, aus denen man jedoch zu wenig machte und nicht konsequent genug zu Ende spielte.

Osijek schlägt plötzlich zu und sorgt für Spannung

In dieser Phase schien die Austria nun das Spiel vollkommen im Griff zu haben. Defensiv ließen sie sich von den Flanken des Gegners nicht aus der Ruhe bringen und die beiden Innverteidiger Kadiri und Westermann behielten ganz klar die Lufthoheit. Im Offensivspiel übte man nun auch etwas mehr Druck aus und kam zu einigen gefährlichen Situationen, wo der Führungstreffer in der Luft lag. Eine Unachtsamkeit in der Defensive sollte die Partie jedoch auf den Kopf stellen und von nun an für kollektives Zittern auf den Rängen sorgen. Nach einem langen Ball unterlief Rechtsverteidiger De Paula zum wiederholten Male ein Stellungsfehler und ermöglichte dem eingewechselten Boban die Chance zum 1:0, die er sich nicht nehmen ließ. Dadurch waren die Kroaten eine halbe Stunde vor Schluss nur noch einen Treffer von der Gruppenphase entfernt und witterten nun Morgenluft.

Für die Austria war dieser Gegentreffer naturgemäß Gift für das eigene Spiel. Man agierte nun wesentlich tiefer und war nur noch auf Sicherheit bedacht, wodurch die Kroaten viel Raum und Zeit bekamen, ihr Spiel in Ruhe vorzubereiten, um dann im passenden Moment eine Spielverlagerung einzubauen und im Anschluss daran Flanken in den Strafraum zu bringen. Darüber hinaus sorgte Torschütze Boban mit seiner Physis für wesentlich mehr Präsenz, der der schmächtige und vorbelastete De Paula wenig entgegensetzen konnte. Als würden diese Probleme nicht bereits genügen, kam ein weiteres großes hinzu. Der kampfstarke Serbest, der speziell im Spiel gegen den Ball sein bestes Saisonspiel absolvierte, musste nach einem missglückten Tackling aufgrund einer Knieverletzung ausgewechselt werden. Dies sorgte nun für zusätzliche Sorgenfalten bei Cheftrainer Fink, da dieser durch die dünne Personaldecke quasi nur noch unerfahrene Spieler auf der Ersatzbank hatte. Der einzig verbliebene Routinier war der Linksverteidiger Salamon, der dann auch in die Bresche springen und auf der ungewohnten Position im defensiven Mittelfeld ran musste.

Kurz nach dessen Einwechslung hatte Torschütze Boban dann die große Möglichkeit auf das 2:0, die er jedoch per Kopf leichtfertig vergab. Dies schien für die Austria der notwendige Weckruf, denn nun konnte man endlich einige Male für die notwendige Entlastung sorgen und das Spiel damit etwas vom eigenen Tor fernhalten. Vor allem der eingewechselte Salamon brachte viel frischen Wind in das Spiel der Veilchen und setzte einige Male energisch nach, womit er für wichtige Ballgewinne sorgte. Osijek brachte zusätzlich zwei großgewachsene Spieler in die Partie und packte damit die Brechstange aus. Dies konnte die Austria trotz physischer Unterlegenheit zumeist erfolgreich verteidigen und darüber hinaus ergaben sich nun immer mehr Räume zum Kontern in der Offensive. Alleine Pires verabsäumte es für den möglichen Ausgleich zu sorgen und damit die vielen Fans im Stadion und vor dem Fernseher zu erlösen. Das sollte sich allerdings nicht rächen und die Austria brachte letztlich die knappe Niederlage und Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League in trockene Tücher, was letztlich nach dem Schlusspfiff für grenzenlosen Jubel bei Spielern & Fans sorgte.

Fazit

Die Austria bewältigte also den harten Brocken NK Osijek und qualifizierte sich somit erneut für die Gruppenphase der Europa League. Dabei ist der Aufstieg wesentlich höher als jener vom vergangenen Jahr einzuschätzen. Im Vergleich zum letztjährigen EL-Playoff vor zwölf Monaten, waren nur ganze vier(!) Spieler von Anfang an auf dem Feld. Vor allem die kurzfristigen Abgänge von Larsen und Filipovic hätten ins Auge gehen können und bereiteten den Veilchen auch letztlich einige Probleme. Nichtsdestotrotz gelang es dem Trainerteam erneut die Mannschaft gut einzustellen und gegen alle Widrigkeiten und Probleme erfolgreich anzugehen. Selbst den Ausfall von Schlüsselspieler Serbest steckte man in einer heiklen Phase weg und bewies damit erneut die Widerstandsfähigkeit in den eigenen Reihen. Als Belohnung darf man sich nun auf einen intensiven Herbst freuen, in welchem man es in der Gruppe mit Milan, Rijeka und Athen zu tun bekommt. Klar ist, dass es dafür noch weitere Verstärkungen für den dünnen Kader Bedarf, um die bevorstehenden Herausforderungen auch bewältigen zu können.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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