Red Bull Salzburg bekommt es heute Abend mit der SSC Napoli zu tun. Die Azzurri sind zweifelsohne einer der interessantesten Fußballklubs Italiens und das... Aushängeschild des Südens: Das ist die SSC Napoli!

Red Bull Salzburg bekommt es heute Abend mit der SSC Napoli zu tun. Die Azzurri sind zweifelsohne einer der interessantesten Fußballklubs Italiens und das Aushängeschuld des Südens – nur der Trophäenschrank der Neapolitaner ist noch ein wenig leer.

Von Hafenarbeitern gegründet war klar, dass der Verein aus der Hauptstadt der Region Kampanien hellblau als Farbe bekommen würde. Die Erstgründung des Vereins erfolgte bereits im Jahre 1904, die SSC Napoli in ihrer (aufgrund späterer Probleme „mehr oder weniger“) heutigen Form gibt es aber erst seit 1926.

Zuschauermagnet

Der Verein wurde schnell zu einem Aushängeschild des italienischen Südens und schon früh war klar, dass der Klub für die Menschen in der Region etwas ganz Besonderes werden würde. Ab den 70er-Jahren galt Napoli als größter Zuschauermagnet der Welt. Über Jahrzehnte hatte Napoli den höchsten Zuschauerschnitt weltweit – und das obwohl der Verein praktisch keine Erfolge vorzuweisen hatte. Der Gewinn der Coppa Italia 1962 war ein Ausreißer, der 1976 wiederholt wurde.

Heiligenverehrung

1984 leitete die Verpflichtung eines Mannes die Wende ein. Um geschätzte 13 Millionen Euro wechselte der damals 23-jährige Diego Maradona vom FC Barcelona nach Neapel, wo er fast sieben Jahre lang spielte. In 258 Spielen für Napoli erzielte der exzentrische Argentinier 115 Tore und war damit maßgeblich an den großen Erfolgen in den späten 80er-Jahren beteiligt. 1987 holte Napoli mit ihm das Double, 1990 – unmittelbar vor Italiens Heim-WM – gelang der zweite und bis dato letzte Meistertitel. Heute gibt es in Neapel sogar Altare für den besten Spieler der Vereinsgeschichte.

Europacupsieger

Auch der einzige große Erfolg auf europäischer Bühne datiert in den 80ern. 1989 gewannen die Neapolitaner den UEFA-Cup mit einem 2:1 und 3:3 im Finale gegen den VfB Stuttgart. Neben Maradona spielten auch bekannte italienische Kicker wie Ciro Ferrara und Fernando de Napoli, sowie die starken Brasilianer Careca und Alemao, damals jeweils Stammspieler in der Selecao, für den Europacupsieger.

Existenzängste

Nachdem Diego Maradona 1991 wegen Dopings für 15 Monate gesperrt wurde, begann der Niedergang des Vereins. Schwere finanzielle Probleme und der Verkauf zahlreicher wichtiger Spieler drängten Napoli an den Rand des Abgrundes. Es folgte zunächst ein sportlicher Abstieg, dann ein Wiederaufstieg und schließlich doch noch ein Lizenzentzug, der Napoli 2004 in die dritte Liga, die Serie C zwang.

Rettung

Um dem Schuldenberg Herr zu werden, wurde der Verein 2004 neu gegründet und mit Aurelio de Laurentiis bekam man einen neuen Hauptanteilseigner und Präsidenten, der den Verein Stück für Stück wieder in sichere Gewässer steuerte und auch ausreichend Geld investierte. Der Durchmarsch in die Serie A wurde im Sommer 2007 abgeschlossen und seitdem ging es mit dem für die Region wichtigen Community-Klub stetig aufwärts. 2011 wurde man Dritter, 2013 Vizemeister, was auch 2016 und 2018 gelang.

Rekordjagd

Heute steht Napoli nur noch im Schatten der Alten Dame aus Turin. An Serienmeister Juventus gibt es derzeit einfach kein Vorbeikommen – auch nicht mit 91 Punkten wie in der vergangenen Saison, oder mit 94 erzielten Toren, wie in der Saison davor. Napoli sprengte in den letzten Jahren also seine eigenen Punkt- und Torrekorde, nur ein Scudetto ist den Hellblauen einfach nicht vergönnt. Die Coppa Italia entschied man 2012 und 2014 noch zweimal für sich, aber die Fans lechzen nach einem Meistertitel oder einem Triumph im Europacup.

Königsklasse

Seit dem Wiederaufstieg spielte Napoli fünfmal in der Gruppenphase der Champions League, was auch für die finanzielle Konsolidierung des Klubs enorm wichtig war. Über das Achtelfinale kam das Team jedoch nie hinaus: 2012 scheiterte die Mannschaft an Chelsea, 2017 an Real Madrid. Die diesjährige Europacupsaison beendete Napoli in der Hammergruppe mit Paris St.Germain, Liverpool und Roter Stern Belgrad als Dritter und stieg damit in die Europa League um. Gegen PSG gab es zwei Remis, gegen Liverpool einen 1:0-Heimsieg.

Ukraine-Horror

In der Europa League spielte Napoli in diesem Jahrzehnt siebenmal, entweder von Beginn weg oder aus der Champions League kommend. In der vergangenen Saison schied das Team in der „Round of 32“ aufgrund der Auswärtstorregel gegen RB Leipzig aus. Sehr nahe an einem internationalen Erfolgserlebnis war der Verein in der Saison 2014/15: Damals ließ man in der Gruppe Sparta Prag, Slovan Bratislava und die Young Boys Bern hinter sich, schaltete dann auch noch Trabzonspor, Dinamo Moskau und Wolfsburg aus. Gegen ein mauerndes Dnipro Dnepropetrovsk setzte es dann aber ein mehr als überraschendes Halbfinal-Aus. Der ukrainische Überraschungsfinalist verlor das Finale mit 2:3 denkbar knapp gegen Sevilla – und stieg zwei Jahre später sogar in die zweite ukrainische Liga ab…

Premiere

Mit österreichischen Klubs hat die SSC Napoli noch keine große Geschichte. Weder in der Champions League, noch in der Europa League traf ein heimischer Klub auf die Italiener. Die einzige österreichische Klubmannschaft, die jemals im Hexenkessel San Paolo einlief, war der Wiener Sport-Club. 1966 gewann Napoli im Rahmen des inoffiziellen Intercity Fairs-Cup Hin- und Rückspiel gegen die Dornbacher. Streng genommen traf Napoli also noch nie in einem offiziellen UEFA-Bewerb auf Österreicher. Klar ist damit auch, dass Salzburg die Chance hat, als erster österreichischer Klub gegen Napoli zu punkten.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen