In einem spannenden Spiel musste sich Bologna in Unterzahl gegen den AC Milan geschlagen geben. Wir analysieren den 1:0-Auswärtssieg von Christian Brochhis Mannschaft. Prinzipielle... Schwierige Partie trotz Überzahl: Milans Auswärtssieg gegen den FC Bologna

AC Milan - Wappen mit Farben_abseits.atIn einem spannenden Spiel musste sich Bologna in Unterzahl gegen den AC Milan geschlagen geben. Wir analysieren den 1:0-Auswärtssieg von Christian Brochhis Mannschaft.

Prinzipielle Ausrichtungen

Die Rossoneri formierten sich in der Offensive in einem 4-1-3-2, diese Formation belegte man auch im Pressing. Im Aufbau fächerten die Innenverteidiger breit auf und versuchten über die Mitte zu spielen. Durch das Zustellen Montolivos fiel das zwar nicht leicht, jedoch suchte man als Alternative einfach Vertikalpässe in die Halbräume, oder einer der Innenverteidiger dribbelte auch in diese hinein. Diese waren durch kurze Mannorientierungen Bolognas jedoch ebenfalls schwierig zu bespielen, weshalb Milan in der Anfangsphase im Aufbau öfters Ballverluste hatte. Als Lösung versuchte man zunehmend über die höheren Außenverteidiger aufzubauen, was besser, jedoch trotzdem ziemlich unsauber, gelang. Die Bewegungen der Achter und des Sechsers waren schlichtweg zu schwach, um sich von den engen Mannorientierungen konstant befreien zu können.

In der Defensive formierte man sich im 4-3-1-2 im Mittelfeldpressing, versuchte durch Mannorientierungen die Hoheit im zentralen Mittelfeld zu nutzen, was zwar recht erfolgreich war, jedoch verschob man bei Verlagerungen teilweise zu langsam und ließ so Durchbrüche über die Flügel zu. Nach dem Ausschluss Diawaras hatte man in Überzahl deutliche Dominanz, was sich auch im Gegenpressing zeigte. Dies war vor allem nach schwach ausgeführten Angriffen recht erfolgreich, einfach weil man sehr viele Spieler rund um den Strafraum positioniert hatte.

Bologna formierte sich in der Defensive in einem 4-4-2 und praktizierte ein Mittelfeldpressing, wobei der Fokus der beiden Stürmer auf das Abdecken von Montolivo gelegt wurde. In den Halbräumen orientierte man sich ballnah oft eng am Mann und konnte dadurch immer wieder Ballgewinne erzielen. In Minute 13 erhielt Sechser Diawara jedoch die Gelb- Rote Karte, was natürlich eine Schwächung für die Gastgeber bedeutete, welche sich nun im 4-4-1 und im tiefen Abwehrpressing formierten, Stürmer Floccari orientierte sich weiterhin an Montolivo und stellte ihn konstant zu.

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In der Offensive waren die Gastgeber sichtlich auf das Umschaltmoment fokussiert, man suchte eine direkte Spielweise und Flanken als primäres Mittel der Chancenvorbereitung. Dies verstärkte sich natürlich durch den Ausschluss Diawaras, nach dem man in der Offensive kaum Nadelstiche setzen konnte. Das Gegenpressing Milans war zwar prinzipiell nichts besonders, durch die numerische Überlegenheit jedoch oft greifend.

Milan mit Durchbruchsproblemen

Nach dem Ausschluss von Diawara öffneten sich natürlich viele Räume für den Aufbau, der nun ungestört vonstattengehen konnte. Der Ball konnte nun leichter in der gegnerischen Hälfte zirkuliert werden, somit konnten die Folgeaktionen ebenfalls sauberer ausgespielt werden. Die hohe Positionen der Außenverteidiger wurden auf den Flügeln mannorientiert verfolgt, weshalb Milan logischerweise mehr Räume in der Mitte vorfand, diese jedoch längere Zeit nicht nutzen konnte, was auch teilweise an der Entscheidungsfindung am Ball lag, die nicht immer passend war. Bologna schaffte es zudem, dass der Zwischenlinienraum stets adäquat abgedeckt war, Milan wurde also trotz Überzahl im Zentrum und prinzipiellen Vorteil der Mannorientierungen immer wieder auf die Seiten gedrängt. Ein bessere Überladung der Flügel und schnelle Verlagerungen wären zielführender gewesen. Jedoch konnte man außer Flanken und situativen Schüssen vor der Strafraumgrenze kaum Chancen herausarbeiten. Nach einem hohen Ball hinter die nach einem Konter zu weit aufgerückte Bologna-Abwehr zwang man Torwart Angelo da Costa zum Handeln, als dieser Luiz Adriano im Strafraum legte. Den folgenden Elfmeter verwandelte Bacca kurz vor der Halbzeit sicher.

Milan zäh, Bologna klug

Die Rossoneri waren natürlich bedacht den Ball nun zu halten, Bologna laufen zu lassen. Man war geduldig und wollte die vertikalen Pässe im richtigen Moment suchen, keine unnötigen Ballverluste generieren. Es dauerte jedoch einige Zeit, bis man wirkliche Durchbrüche erzielen konnte. Die klarste Chance, die jedoch wegen Abseits zurückgepfiffen wurde, hatte Luiz Adriano, nach eben einer dieser vorhin vorgeschlagenen Verlagerungen, nachdem Bologna zu weit auf die Seite schob. Flanken waren dennoch weiterhin der beliebteste Weg zur Torschussauflage, Bacca und Adriano lösten sich auch recht klug, dennoch war man meist in Unterzahl gegen eine kopfballstarke Bologna- Abwehr.

Interessant war Bolognas Herangehensweise im Aufbau: Die Abstöße spielte man meist kurz ab, die Innenverteidiger fächerten auf und Sechser Barghi postierte sich vor ihnen, bekam den Ball und dribbelte meist gegen seinen manndeckenden Gegenspieler Honda. Dies verschaffte einige Male Platz für die Gastgeber und man konnte den Ball zumindest für kurze Zeit nach vorne bringen.

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Brighi zeigt viel Mut und dribbelt in den freien Raum, der sich aufgrund des schwachen Milan- Pressings ergibt. Es folgt ein Pass auf Mitspieler Brienza.

Bologna fand mit Fortlauf der Spieldauer auch immer wieder Mittel, den Ball sauber gegen Milan zirkulieren zu lassen, Konter waren aufgrund des alleinigen Stürmers ohne passendes Nachrücken kaum zu nutzen, zu oft verlor man den Ball nach einem Versuch eines schnellen Gegenstoßes. Einzig und allein die Ideen zum Torschuss fehlten, gegen eine auffällig tief stehende Milan- Hintermannschaft. Dribblings wurden hier von Bologna situativ gut genutzt, um die Unterzahl der Heimischen aufzuwiegen. Jegliche Bemühungen waren letztendlich jedoch vergebens, der Ausgleich gelang nicht mehr.

Fazit

Trotz guter Mittel in der Offensive und sauberem Verteidigen in Unterzahl konnte Bologna das Spiel nicht mehr ausgleichen. Milan hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, konnte jedoch selten wirklich gefährlich werden und darf sich für den Elfer bei Gott und da Costa bedanken.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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