In den 1940er-Jahren war die Mannschaft des FC Turin, auch bekannt unter ihrem Spitznamen „Il Grande Torino“ die dominierende Kraft im italienischen Fußball. Diese... Vergessene Legenden (3) – Ezio Loik

Italien - Flagge_abseits.atIn den 1940er-Jahren war die Mannschaft des FC Turin, auch bekannt unter ihrem Spitznamen „Il Grande Torino“ die dominierende Kraft im italienischen Fußball. Diese Dominanz sollte jedoch am 4. Mai 1949 abrupt enden, als ein Großteil der Mannschaft und ihr Trainer Leslie Lievesley bei einem Flugzugabsturz (der sogenannten „Tragödie von Superga“) ums Leben kamen. Neben dem Kapitän und Superstar der Mannschaft, Valentino Mazzola, starben auch der gefürchtete Torjäger Guglielmo Gabetto, Torwart Valerio Bacigalupo und vierzehn weitere ihrer Mannschaftskameraden. Unter den Toten befand sich auch Ezio Loik, der im Mittelpunkt des dritten Teils der Serie “Vergessene Legenden” stehen soll.

Der 24. April 1949 hat in der Vereinsgeschichte des FC Turin sowohl eine freudige, als auch eine traurige Bedeutung: als sich der Club an diesem Tag mit einem 0:0 Remis gegen Bari seine fünfte Meisterschaft in Folge sicherte, konnte niemand ahnen, dass es das letzte Pflichtspiel der “Grande Torino” sein sollte. Zu den wichtigsten Spielern der Meistermannschaft zählte auch Ezio Loik, der mit neun Toren in 28 Spielen entscheidend zum Titel beigetragen hatte.

Position und Spielstil

Im System des FC Turin, der als eine der wenige italienischen Mannschaften im WM-System spielte, agierte Loik zumeist als rechter Halbstürmer. Gemeinsam mit Valentino Mazzola, der an Loiks Seite als linker Halbstürmer spielte, lenkte Loik mit genauen Pässen das Spiel der „Grande Torino“. Anders als die meisten Halbstürmer der damaligen Zeit konnte Loik jedoch ebenfalls als rechter Außenläufer eingesetzt werden (Stammkraft auf dieser Position war normalerweise Giuseppe Grezar), da er neben einer enormen Ausdauer auch über gute Defensivqualitäten verfügte. Als Schwäche Loiks galt allerdings, dass er weder besonders schnell, noch besonders beweglich war. Anderseits war er extrem zweikampfstark, weshalb man ihm passenderweise aufgrund seiner Stärken und Schwächen den Spitznamen „der Elefant“ verpasste. Als weitere Qualitäten Loiks galten sein nie ermüdender Einsatz und seine Schussstärke, mit der er viele Tore aus der Distanz erzielen konnte.

Vom Provinzspieler zum Serienmeister

Die Geschichte von Ezio Loik begann jedoch weit entfernt von Turin. Loik, der am 26. Januar 1919 im heutigen Rijeka (die Stadt gehörte damals unter dem Namen Fiume zu Italien) zur Welt kam, spielte zuerst beim größten örtlichen Verein, dem US Fiurmana (zu diesem Zeitpunkt Teil der Serie C), ehe er 1937 nach nur einer Saison zum AC Mailand wechselte. Milan spielte jedoch, anders als in den kommenden Jahrzehnten, nur eine unbedeutende Rolle im italienischen Fußball und auch Loik gelang es in drei Jahren nicht, die Situation der Mailänder zu verbessern. 1940 schloss er sich daher dem AC Venedig an und traf dort auf den gleichaltrigen Valentino Mazzola, mit dem er eines der besten Mittelfeldduos der italienischen Fußballgeschichte bilden sollte. Angeführt von Mazzola und Loik konnte der AC Venedig 1941 sogar den größten Triumph seiner Vereinsgeschichte feiern: nachdem das erste Finalspiel gegen den AS Rom noch 3:3 ausgegangen war, gewann man durch ein Tor von Loik im Wiederholungsspiel zum ersten und bis heute einzigen Mal die Coppa Italia.
Die Leistungen von Loik und Mazzola blieben jedoch bei der Konkurrenz nicht unbeachtet und so wechselten die beiden im Sommer 1942 zum FC Turin.

In den kommenden Jahren wurde die Mannschaft, in der außer Mazzola und Loik noch mehrere andere Ausnahmespieler des italienischen Fußballs aktiv waren (z.B. Guglielmo Gabetto, Valerio Bacigalupo und Mario Rigamonti) zum unangefochten Spitzenverein Italiens. Nachdem man in der Saison 1942-43 zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren Meister geworden war, sollte der Krieg den Spielbetrieb in Italien zunächst unterbrechen, ehe dieser zur Saison 1945-46 wieder aufgenommen wurde. Wer jedoch erwartet hatte, dass die zwei Jahre Pause die Qualität der Mannschaft des FC Turin oder seiner Spieler geschmälert hätten, wurde eines besseren belehrt: überlegen gewann man von 1946 bis 1949 vier Mal in Folge die italienische Meisterschaft.
Am Ende der Saison 1948-49 blickten daher sowohl Ezio Loik, als auch Valentino Mazzola und der Rest der Mannschaft in eine erfolgreiche Zukunft.

Loik im Nationalteam

Wie viele seiner Zeitgenossen absolvierte Ezio Loik nur wenige Länderspiele. Gründe hierfür waren sowohl die geringe Anzahl der jährlichen internationalen Begegnungen und selbstverständlich der zweite Weltkrieg, der den internationalen Fußball fast vollständig zum Erliegen brachte. Sein Debüt feierte der in Rijeka aufgewachsene Loik am 5. Mai 1942 ausgerechnet gegen Kroatien. In den folgenden Jahren kamen noch acht weitere Länderspiele dazu, in denen er viermal traf. Sein letztes Länderspiel absolvierte er beim 4:1 Sieg Italiens über Portugal am 27.02.1949.
Für die Fußball-Weltmeisterschaft im folgenden Jahr galten Loik und seine Vereinskameraden, die zu dieser Zeit das Rückgrat der italienischen Nationalmannschaft bildeten (unter anderem stellte der FC Turin 1947 in einem Länderspiel gegen Ungarn zehn von elf aufgebotenen Spielern), als große Hoffnungsträger ihres Landes.

Früher und tragischer Tod

Tragischerweise sollte Loik jedoch weder an der Weltmeisterschaft 1950 teilnehmen, noch dass er weitere Titel mit dem FC Turin gewinnen sollte. Nachdem die Mannschaft zur Feier des Meistertitels nach Lissabon gereist war und dort ein Freundschaftsspiel gegen Benfica absolviert hatte, stürzte ihr Flugzeug am 4. Mai 1949 im Anflug auf Turin gegen den dortigen Berg Superga. Alle 31 Passagiere an Bord, darunter 17 Spieler und fünf Funktionäre des FC Turin, überlebten den Absturz nicht.

Ezio Loik, der zu diesem Zeitpunkt 289 Mal in der Serie A gespielt und dabei 93 Tore erzielt hatte, wurde nur 29 Jahre alt: wer weiß, welche Erfolge dieser talentierte Mittelfeldspieler noch hätte erreichen können…

Marcel Grün, abseits.at

Marcel Grün

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