Alexis Sanchez galt als Witzfigur. Nach einer guten Anfangsphase beim FC Barcelona plagte er sich mit Verletzungen, verschoss Großchancen am laufenden Band und wurde... Alexis Sanchez – die Wandlung von der Witzfigur zum Leistungsträger

FC Barcelona Logo 2Alexis Sanchez galt als Witzfigur. Nach einer guten Anfangsphase beim FC Barcelona plagte er sich mit Verletzungen, verschoss Großchancen am laufenden Band und wurde plötzlich als Flop abgestempelt. Die außerordentlich beliebte Fernsehserie „Crackoviá“ im katalanischen Fernsehen nahm immer wieder seine Schwalben und seine angebliche Unfähigkeit Fußball zu spielen aufs Korn. Auch die Fans im Camp Nou waren dem Chilenen überaus skeptisch gestimmt. Dies ist spätestens seit diesem Clásico vorbei: Sanchez erzielte nicht nur einen Treffer, sondern sorgte damit für den Sieg und verband auch noch symbolisch das „neue“ Barcelona unter Tata Martino mit dem Barcelona der Ära Guardiola-Vilanova.  Mit einem wundervollen Lupfer vollendete er einen Konterangriff. Und das ist bereits einer der Gründe, wieso Sanchez diese Saison so aufblüht.

Barcelonas flexiblere strategische Ausrichtung

Die Katalanen konzentrieren sich nicht nur und nicht mehr ausschließlich auf Ballbesitzfußball. Sie spielen zwar nach wie vor einen kurzpassorientierten Fußball mit langen Ballbesitzphasen und Passstafetten, aber sind auch dazu im Stande schnell in die Spitze umzuschalten und Konter zu versuchen. Dadurch kommen Sanchez‘ Schnelligkeit in Laufduellen, seine Fähigkeiten im Dribbling und seine herausragenden Bewegungen im Öffnen von Räumen.

Bei Kontern schießt er mit seiner Dynamik immer wieder zum Ball, um dort beim zweiten Ball pressen zu können oder ihn zu behaupten, oder er bewegt sich weg, falls ein anderer Spieler den Ball erhält. Dabei startet Sanchez oft in die Tiefe, um den Zwischenlinienraum zu öffnen. Ein weiterer klassischer „Sanchez“-Lauf sind die ausweichenden Bewegungen entlang der Horizontale, wodurch er Gegenspieler bindet und diesen die wichtigen Augenblicke im Herausrücken nimmt. Das verhindert Druck auf den Ballführenden, der dann seine Dribblings effektiver anbringen kann.

Im weiteren Angriffsverlauf erhält dann Sanchez den Ball in den Lauf und kann ins Dribbling oder zum Abschluss gehen. Zuvor war er beim „Konter-tabu“-Ballbesitzfußball Barcelonas oftmals an der Außenlinie gestanden, öffnete Räume für Messi und konnte einzig diese Stärke konstant ins Spiel bringen, während seine Dribblings und seine Dynamik mit Zug zum Tor kaum genutzt werden konnten.

Zwar war Sanchez auch in seiner schlechtesten Zeit dank seiner hervorragenden Defensivarbeit und seinen tollen Läufen in der Offensive nie so schlecht, wie er gesehen wurde. Aber aktuell kommen mehrere seiner Stärken besser ins Spiel, da sie auch vermehrt eingesetzt werden. Er ist nicht nur Raumöffner, sondern erhält auch die Bälle wieder zurück, die offensiven Umschaltmomente werden schneller ausgespielt und es werden offenere Räume bespielt, was Sanchez entgegenkommt – und auch am veränderten Sturmpersonal um ihn herum liegt.

Hier kommt nämlich der zweite Punkt für das Wiedererstarken des ehemaligen Serie-A-Stars ins Spiel.

Raumöffnende Läufe, Raumnutzer und die statistische Auswirkung

Ab 2012 war Barcelonas Spielweise in der Offensive zumindest ansatzweise vorhersehbar geworden: Messi erhielt eine Freirolle in und um den offensiven Zwischenlinienraum herum, die Katalanen ließen den Ball zirkulieren, rückten weit in die gegnerischen Hälfte auf und versuchten dann für den extrem abschlussstarken Messi Räume zu öffnen. Sanchez war – ebenso wie Pedro – hierbei ein „Opfer“ dieser Spielweise. Er sollte mit seinen Bewegungen die gegnerischen Schnittstellen erweitern, Messi mögliche Räume zum Dribbling öffnen und ihm Abschlüsse nach Dribblings zu ermöglichen. Sanchez‘ Torausbeute blieb dabei ebenso wie die seiner Sturmpartner exklusive Messi etwas stehen.

Sie standen durch die hohe Spielweise der eigenen Mannschaft und die enorm kompakte wie tiefe Ausrichtung des Gegners immer zwischen einem großen Block von Gegenspielern und dem Tor. Bewegten sie sich in die Mitte, öffneten sie Messi die Räume, waren aber von Gegenspielern umzingelt und hatten wegen ihrer hohen Position ein unpassendes Sichtfeld, um Torabschlüsse machen zu können.

Jetzt werden diese Laufwege einerseits weniger auf Messi konzentriert, dafür wird der kollektive Output erhöht. Messi geht manchmal nicht nur auf den rechten Flügel, um dort eine Überzahl herzustellen und wiederum vom raumöffnenden Flügelstürmer zu profitieren, sondern übernimmt nun vermehrt die Position des Rechtsaußen konstant und alleine, wodurch der Rechtsaußen in die Mitte gehen kann.

Diese Veränderung zeigt sich auch in den Statistiken:

Tore anderer Stürmer

Messi-ToreWie gut zu sehen ist, hatten die Katalanen ihr Spiel in den letzten Jahren immer stärker auf Messi ausgerichtet (44% der Tore in der vergangenen Saison bis zu seiner Verletzung im April) und die eigenen Stürmer litten darunter (30% der Tore in der vergangenen Saison bis zur Messi-Verletzung).

In dieser Saison kommt Messi aber nur auf 21% der Tore der Katalanen – Sanchez auf 18%. Diese Veränderung schlägt sich auch in Messis Chancenverwertung nieder. Erzielte er zuvor ein Tor pro 3,5 Schüsse, so stieg dieser Wert in dieser Saison auf ein Tor pro 6,75 Schüsse an. Neben der womöglich etwas schwächeren Form wegen mangelnder Fitness liegt sicherlich auch ein Großteil dieser Veränderung an der neuen Spielweise Barcelonas.

Nun schließen sie früher und öfter ab, gleichzeitig kommt Messi nicht nur ausschließlich in sehr guten Situationen zum Abschluss, sondern muss vermehrt aus schwächeren Positionen abschließen, da nicht mehr alles auf ihn ausgerichtet wird; wovon aber das Kollektiv zurzeit profitiert.

Ein weiterer Punkt ist natürlich auch der Neuzugang Neymar. Der junge Brasilianer zeigt hervorragende Leistungen und verbindet intelligente Läufe in der Spitze mit einer enormen Kreativität, die bislang kein Flügelstürmer bei Barcelona seit Messis Verschieben von rechts in die Mitte zeigen konnte. Er alleine bereitet im Schnitt zwei Schüsse pro Spiel vor und kommt bereits auf sieben Torvorlagen – mit Cesc Fabregas die meisten in der Mannschaft.

Fazit

Sanchez Rückkehr zur Form seiner Anfangszeit und seiner Zeit bei Udinese scheint endgültig gelungen. Dabei zeigt sich dank der Statistiken und der taktischen Anpassungen auch, dass es keine (reine) Formschwäche im klassischen Sinne war – eher litt Sanchez unter einer mangelhaften Anpassung des Teams an seine vielfältigen Stärken, aktuell ist er besser eingebunden und hat eine bessere Rolle in der Mannschaft. Er kann von rechts immer wieder die Mitte einrücken, die erhöhte Flexibilität der strategischen Angriffsstrukturen wie auch seine beiden Sturmpartner bringen das Beste in ihm zum Vorschein. War er bereits zuvor dank seiner tollen Laufwege und seiner unermüdlichen Defensivarbeit ein sehr guter Spieler gewesen, bringt er nun auch das nötige Spektakel und die Statistiken mit, um auch die kritischen Fans im Camp Nou zu überzeugen. Auch Sanchez scheint das ähnlich zu sehen; hier ein Zitat, mit dem ich den Artikel auch beenden möchte:

„A striker’sperformanceswill inevitably be judged on the number of goals he scores, and in that respect Alexis feels that his personal style of play is best adapted to counter attacking, because “I’m quick and that way I can get through on goal better.” His rolethisyear is more like the one that impressed so much at Udinese, “because the ball gets to me quicker. I can deal with one-on-ones, but not one-on-threes. If a team packs the defence, it’s hard for me. I need the ball to get to me quicker.”

A good example of the kind of game Alexis struggles in was the one against Espanyol. “I was being marked by their forward” he laughs. “But thank God I managed to score and win a very important game.”Sanchez bei fcbarcelona.com

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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