Nach Ende der Saison 2016/17 haben viele Teams einen besonderen Grund zu feiern – von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer setzten sich... Titel-Comebacks und Premieren-Sieger: Die Überraschungsmeister 2016/17

_AS Monaco - Wappen, Logo

 

Nach Ende der Saison 2016/17 haben viele Teams einen besonderen Grund zu feiern – von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer setzten sich ambitionierte Vereine gegen die favorisierten Konkurrenten durch und dürfen bereits von weiteren Erfolgen in der kommenden Europacup-Saison träumen.

Frankreich: AS Monaco – 8. Meistertitel (erster seit 2000)

Seit dieser Saison ist der AS Monaco wieder eine fixe Größe im europäischen Fußball. Dem Klub aus dem Fürstentum gelang es die nationale Vorherrschaft von Paris Saint-Germain, welche davor vier Mal in Folge in der Ligue 1 triumphierten, zu stoppen. Zusätzlich zog der Verein noch bis ins Halbfinale der Champions League ein.

Nach dem Abstieg des langjährigen Erstdivisionärs vor sechs Jahren schien die Glanzzeit des Vereins für längere Zeit vorbei zu sein. Doch gerade als der Klub als Tabellenletzter der zweiten französischen Liga schon vor dem sportlichen Abgrund stand, stieg der russische Milliardär Dmitry Rybolovlev als Mehrheitseigentümer ein und stellte innerhalb weniger Jahre dank großzügiger finanzieller Mittel eine schlagkräftige Truppe auf die Beine. So richtig gut lief es allerdings erst als Rybolovlev keine Rekordtransfers mehr tätigte und der Klub vermehrt auf junge Spieler setzte. Ins Auge stechen dabei neben dem wiedererstarkten Routinier Falcao eine Reihe von jungen Talenten, die sich in der vergangenen Saison ins Rampenlicht des Weltfußballs spielen konnte. Neben Offensiv-Wunderkind Kylian Mbappé war Bernardo Silva, der in der kommenden Spielzeit für Manchester City auflaufen wird, einer der prägenden Akteure. Namhaften Ersatz konnte das Team von Trainer Leonardo Jardim, der die Monegassen jedoch in Richtung China verlassen wird, bereits in Form von Anderlechts Youri Tielemans verpflichten. In der nächsten Saison gilt es an die herausragende Spielzeit anzuknüpfen, nicht zuletzt durch internationale Erfolge soll die Wachablöse an der Spitze des französischen Fußballs weiter voranschreiten.

Russland: Spartak Moskau – 10. Meistertitel (erster seit 2001)

Eine langjährige Durststrecke hat nun auch Spartak Moskau überwunden. Mit einer konstant starken Spielzeit holte der Arbeiterverein aus der russischen Hauptstadt die Meisterschaft vor dem Stadtrivalen ZSKA Moskau. In den letzten Jahren musste man meist in der zweiten Reihe hinter den renommierten Konkurrenten Zenit St. Petersburg und ZSKA Platz nehmen, nun gelang unter Massimo Carrera, einem langjährigen Teil des Trainerteams von Chelsea-Meistermacher Antonio Conte, der Sprung an Russlands Spitze.

Den Stamm der Mannschaft bilden nach wie vor routinierte russische Teamspieler, begnadete Einzelkönner wie Hollands Teamstürmer Quincy Promes, der bereits seit Längerem mit einem Wechsel zum FC Liverpool in Verbindung gebracht wird. Rekordtransfer Fernando rundet die Mannschaft zu einem eindrucksvollen Kollektiv ab. Als Meister der Premier Liga ist Spartak sogar im ersten Topf der Champions-League-Gruppenphase gesetzt, internationale Herausforderungen sollen das neue Vereinsmodell endgültig erfolgreich abrunden und eine neue Erfolgsära bei den Rot-Weißen einläuten.

Niederlande: Feyenoord Rotterdam – 15. Meistertitel (erster seit 1999)

Großer Jubel in der niederländischen Hafenstadt, als das Team um den danach zurückgetretenen Dirk Kuyt nach 18 Jahren wieder über den Ligatriumph jubeln durfte. Seit 1999 holten die Rotterdamer zwar einmal den UEFA Cup sowie zweimal den KNVB-Pokal nach Hause, der Titel musste aber meist den Erzrivalen aus Amsterdam und Eindhoven überlassen werden. Zwischendurch folgten historische Tiefschläge wie eine 0:10-Niederlage gegen PSV Eindhoven inklusive zehntem Tabellenrang im Jahr 2011.

Unter Trainer Giovanni van Bronckhorst musste man zwar bereits in der diesjährigen Europa-League-Gruppenphase die Segel streichen, national nutze man jedoch Aussetzer der zuvor jahrelang übermächtige Konkurrenten aus und sicherte sich am letzten Spieltag mit einem Punkt Vorsprung denkbar knapp die Meisterschale inklusive eines Fixplatzes in der Champions League, die Feyenoord damit zum ersten Mal seit 2003 wieder willkommen heißen darf. Interessant für die kommende Spielzeit wird die Kadersituation sein: Zukunftsaktien wie Tony Vilhena und Rick Karsdorp sind bereits auf dem Radar mehrerer europäischer Großklubs. Sollte jedoch die Mannschaft zusammenbleiben, dann könnten durchaus weitere Achtungserfolge zu bejubeln sein.

Rumänien: Viitorul Constanta – 1. Meistertitel

Nächster Premierenmeister in Rumänien: Nach dem erstmaligen Triumph von Astra Giurgiu im Vorjahr durfte mit Viitorul Constanta ein außerhalb Rumäniens nahezu unbekannter Verein seinen ersten Titel bejubelt. Das Team vom Schwarzen Meer setzt fast ausschließlich auf heimische Kräfte, gegründet wurde der Verein erst 2009, während bereits im letzten Jahr ein erstmaliges Antreten in der Europa-League-Qualifikation verbucht werden konnte.

Während der Kader aus weitläufig unbekannten Spielern besteht, ist der Trainer des Teams umso bekannter: Rumäniens Ex-Internationaler Gheorghe Hagi, zu aktiver Zeit bei Real Madrid und dem FC Barcelona tätig, fungiert zugleich als Trainer sowie als Besitzer von Viitorul. Auf Basis seiner Fußballakademie wurde letztendlich auch der Verein ins Leben gerufen, was auch die Vielzahl an rumänischen Junioren-Nationalspieler bestätigt. In dieser Spielzeit dürfen sich Hagis Schützlinge in der Champions-League-Qualifikation versuchen, trotz des Status als ungesetztes Team träumt man vom Einzug in eine der Gruppenphasen.

Kroatien: HNK Rijeka – 1. Meistertitel

Eine nahezu historische Wachablöse fand durch den ersten Titelgewinn des HNK Rijeka in Kroatien statt: Erstmals seit zwölf Jahren heißt der kroatische Meister nicht Dinamo Zagreb, stattdessen jubelt Ex-Veilchen Alexander Gorgon über den Premierentriumph. Besonders vor eigenem Publikum war man eine Macht, 17 der 18 Heimspiele wurden gewonnen, zudem holte man gegen den großen Konkurrenten zusätzlich noch den Cupsieg im direkten Duell.

Nach zwei Teilnahmen an der Europa League hofft das Team von der Kvarner Bucht nun auf den nächsten großen Coup in Form der Champions League, zumindest in der zweiten Qualifikationsrunde ist man sicherlich gesetzt. Sollte die buntgemischte Truppe, insgesamt neun Nationen sind im Kader verstreten, weiterhin im Kollektiv beeindrucken und keine großen Abgänge verzeichnen, dann ist das Team des slowenischen Meistertrainers Matjas Kek sicherlich ein unangenehmer Gegner in der diesjährigen Qualifikationsphase.

Martin Wallentich, abseits.at

Martin Wallentich