34 Spieltage umfasst die holländische Eredivisie, deutsch „Ehrendivision“. Derzeit sind zehn Spieltage absolviert und AZ Alkmaar, Austrias Gegner in der Europa League-Gruppe G, führt... Der Stand der Dinge in der 3,25-Tore-pro-Spiel-Liga: Die niederländische Eredivisie

34 Spieltage umfasst die holländische Eredivisie, deutsch „Ehrendivision“. Derzeit sind zehn Spieltage absolviert und AZ Alkmaar, Austrias Gegner in der Europa League-Gruppe G, führt die höchste Spielklasse an.

Der Modus der Ehrendivision war durch ein Play-Off-System ein skurriler. Zwischen den Spielzeiten 2005/06 und 2007/08 spielten die Mannschaften, die Zweiter bis Fünfter wurden nach den 34 Spieltagen in einem Play-Off um den verbleibenden Champions League-Startplatz, die Sechst- bis Neuntplatzierten um einen UEFA-Cup-Platz, die nächsten vier um einen Intertoto-Cup-Platz und die zwei vorletzten Vereine gegen die zweit- bis siebtplatzierten Teams der zweiten Spielklasse. Wem das jetzt etwas kompliziert bis wunderlich und eigentlich sportlich gar nicht fair empfindet, darf sich beruhigen: Seit der Spielzeit 2008/09 spielen nur noch die Teams zwischen fünftem und achtem Platz um die Europa League. Der Meister der Liga ist derzeit direkt für die Champions League spielberechtigt, der Vizemeister muss sich ab der dritten Qualirunde beweisen. Der Dritte ist fix im Europa League-Play-Off, der Vierte und der Sieger des Play-Offs landen ebenso wie der Sieger des Pokals in der Qualifikation zur Europa League. Letzterer ist fix im Play-Off, der Vierte in Qualifikationrunde drei, der Sieger des Liga-internen Play-Offs in Qualifikationsrunde zwei. Die Niederländer sind gerade dabei, sich vom zehnten auf den neunten Platz der UEFA-Fünfjahreswertung zu verbessern.

Ein bisschen Wissen

1956 wurde die Eredivisie vom niederländischen Fußball-Verband Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond, kurz KNVB gegründet. Der Rekordmeister ist wenig verwunderlich Ajax Amsterdam mit 30 Titeln. PSV Eindhoven konnte den Titel 18 Mal holen, Feyenoord Rotterdam neun Mal. Alkmaar durfte zwei Mal jubeln und Twente Enschede, DWS Amsterdam, Sparta Rotterdam und DOS Utrecht je ein Mal. Eine ziemlich unausgeglichene Bilanz also, aber in kleineren Fußballnationen nicht ungewöhnlich. Bevor AZ Alkmaar 2009 den ersten Titel seit 1980/81 erringen konnte, gewann dazwischen immer entweder Ajax, PSV oder Feyenoord. Der letzte Titel vor ’81, der nicht von einem der drei großen Clubs geholt wurde, datiert ins Jahr 1964 zurück. Doch in den letzten Jahren konnte sich neben Alkmaar auch Twente Enschede mehr und mehr in der Spitzengruppe festsetzen, feierte 2010 den ersten Meistertitel der Clubgeschichte, bevor letztes Jahr wieder Ajax Meister wurde.

Abstiegskampf

Dass der holländische Fußball durch seine in Stein gemeißelte Offensivkonzeption äußerst spannend ist, ist ein bekannter Fakt. So ist es nicht erst einmal passiert, dass Teams, die tollen Fußball spielen, aber zu oft nicht den Ball ins Tor trafen, absteigen mussten. Ein heißer Kandidat auf den Abstieg ist dieses Jahr Excelsior Rotterdam, die erst zwei Unentschieden erreichten und mit einer Tordifferenz von 6:24 am Ende der Tabelle liegen. Davor liegt die VVV Venlo, die immerhin einmal gewinnen konnte und drei Mal remisierte, knapp hinter NEC Nijmegen. Auch de Graafschap Doetinchem auf dem 15. Platz hat erst zwei Siege errungen, Lasnik-Club NAC Breda erst drei, genauso wie der FC Utrecht, welcher Zwölfter ist. Zwischen Breda und Utrecht liegt derzeit Roda Kerkrade auf Rang 13 mit gleichvielen Punkten wie der FC und zwei mehr als NAC. Interessant ist, dass Kerkrade mit vier Saisonsiegen ebenso viele Dreier anschreiben konnte wie Titelverteidiger Ajax, die Sechster sind.

Breites Mittelfeld

Wie bereits erwähnt konnten die kleineren Vereine wie Alkmaar oder Twente in den letzten Jahren zu den großen Drei aufschließen. Den 15. de Graafschap und den Vierten, Feyenoord Rotterdam, trennen gerade einmal neun Punkte oder anders gesagt drei Siege. SC Heerenveen, derzeit Achter und damit Play-Off- und somit möglicherweise Europa League-spielberechtigt, hat mit 14 Punkten nur zwölf mehr als der Letzte. Die Spannung ist also prinzipiell gegeben, der Dreipunkteregel sei es gedankt. Ob Vitesse Arnheim, gegenwärtig Fünfter, oder Heracles Almelo, zwei Plätze dahinter, tatsächlich so weit oben bleiben, ist eine ganz eine andere Frage.

Meisterkampf

AZ Alkmaar führt die Tabelle mit 25 Punkten vor Eindhoven und Twente mit je 21 Punkten an. Feyenoord Rotterdam folgt mit 18 Punkten, gleichauf mit Vitesse, dahinter befindet sich mit einem Zähler Rückstand Titelverteidiger Ajax. Janko-Club Twente Enschede, Feyenoord, Ajax und PSV gelten als heiße Titelkandidaten. AZ steht deshalb oben, da die Bilanz gegen die anderen Titelkandidaten 2-1-1 beträgt. In den folgenden sieben Runden stehen Duelle gegen Nachzügler und Mittelfeldclubs an, dann warteten die Amsterdamer. Eindhoven und Twente duellieren sich am bereits am Samstag und entweder beide oder einer wird etwas abreißen lassen müssen. Ajax und Feyenoord müssen nachlegen, will man weiter zu den Verfolgern zählen.

Team Austria in Holland

Drei Österreicher stehen in den Niederlanden in den Kadern erster Mannschaften. Da ist zunächst Mittelfeldspieler Tobias Kainz vom SC Heerenveen. Der 18-Jährige debütierte im Mai in der Ehrendivision, wurde aber im Sommer für die U20-Weltmeisterschaft abgestellt und kann noch keinen Einsatz vorweisen. Im Sommer verlängerte Kainz bei Heerenveen um zwei Jahre und so möchte sich der ehemalige Akademie-Spieler von Sturm und der Austria im Land des Vizeweltmeisters beweisen. Mit neun Toren und elf Vorlagen glänzte hingegen Andi Lasnik für Absteiger Willem II Tilburg in der vergangenen Saison. Der ehemalige Austria-Spielmacher ließ sich viel Zeit und heuerte spät aber doch bei Mittelfeldclub NAC Breda an. Dort kam er bisher auf vier Einsätze, konnte sich mit einer Vorlage am achten Spieltag gegen Roda Kerkrade das erste Mal als Vorlagengeber in der Scorerliste eintragen. Mit ein bisschen mehr Eingewöhnungszeit wird er auf seine Einsätze kommen. Unumstrittener Leader der orangen Fraktion der Legionäre ist Marc Janko. Nach 19 Toren und 6 Vorlagen in seiner Premierensaison 2010/11 startete er mit Twente dieses Jahr voll durch. Unter Coach Co Adriaanse, der ihn schon in Salzburg zu unglaublichen 39 Ligatreffern antrieb, trifft er nach Belieben. In 19 Saisoneinsätzen in Europa, Cup und der Liga hält der Wiener bei 16 Treffern und 5 Vorlagen.

Die holländische Eredivisie bietet vom Titelkampf zum Tabellenkeller packende Duelle und ist mit einer Torgarantie ausgestattet. An den zehn Spieltagen endeten erst zwei Begegnungen torlos – und diese in der ersten Runde.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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