Nach langer Zeit gibt es endlich wieder einmal Grund zum Jubeln für die Glasgow Rangers. Der schottische Rekordmeister triumphierte im legendären Stadtderby über den... Endlich wieder etwas Positives – Rangers gewinnen das Old Firm!

Nach langer Zeit gibt es endlich wieder einmal Grund zum Jubeln für die Glasgow Rangers. Der schottische Rekordmeister triumphierte im legendären Stadtderby über den Stadtrivalen Celtic mit 3:2 (1:0).

 

Blaue Spielverderber

Die Rangers vermasselten damit dem verhassten Erzrivalen im heimischen Ibrox Park die vorzeitige Meisterfeier. Nach 31 der 33 Spielen des Grunddurchgangs liegt Celtic zwar immer noch klar und deutlich mit 75 Punkten an der Spitze der Tabelle, die Rangers liegen aussichtslos mit 18 Punkten Rückstand auf Rang 2. Anstatt nach vorne muss sich der Klub nach hinten orientieren. Der Vorsprung auf den drittplatzierten FC Motherwell beträgt nur drei Zähler. Nach den 33 Partien wird die Liga in zwei Hälften geteilt, die ersten sechs Teams spielen um den Meistertitel, die zweiten sechs gegen den Abstieg. Die Punkte aus dem Grunddurchgang werden in das Playoff allerdings mitgenommen. Das bedeutet, dass Celtic bereits sechs Runden vor Schluss, in der 32. Runde, den Meistertitel fixieren könnte. Mit einem Sieg im Derby wäre sogar ein noch früherer Titelgewinn möglich gewesen – doch die Rangers hatten etwas dagegen. Auch wenn man klar die Nummer 2 in der Stadt ist, der Sieg im Derby war Balsam auf die Seele der Fans des 54-fachen Meisters. „Es tut gut, den Fans etwas zurückzugeben“, war Rangers-Coach Lee McCulloch nach dem Sieg erleichtert. Durch den Sieg im 398. Duell verbesserten die „Gers“ die ewige Derby-Statistik zu ihren Gunsten. 159 Siegen stehen 143 Niederlagen gegenüber, 96 Spiele endeten unentschieden.

Kartenflut im Hassduell

Am vergangenen Sonntag erlebten die 51.000 Zuschauer im Ibrox Park in Glasgow eines der heißblütigsten und emotionalsten Duelle der beiden Kultklubs der letzten Jahrzehnte. Nachdem die Rangers früh durch Sone Aluko (11.) in Führung gingen, antwortete Celtic nicht mit spielerischen Mitteln, sondern mit übertriebener Härte. Nach Rot für den früheren Bundesligaprofi Du-Ri-Cha (29.) und Victor Wanyama (57.) kämpften nur noch neun Grün-Weiße um den Ausgleich. Die Gastgeber nutzten die numerische Überlegenheit geschickt und bauten die Führung weiter aus. Andrew Little (72.) und Lee Wallace (77.) sorgten für einen komfortablen 3:0-Vorsprung. Doch auch bei den „Gers“ musste ein Akteur vorzeitig unter die Dusche. Carlos Bocanegra wurde nach einem Foul im Strafraum ausgeschlossen (88.). Den fälligen Elfmeter verwandelte Scott Brown, anschließend traf Thomas Rogne sogar noch zum 2:3. In der hitzigen Schlussphase setzte Celtic noch einmal alles auf eine Karte, der Ausgleich gelang trotz wütenden Angriffen im Sekundentakt aber nicht mehr. Mit insgesamt drei Ausschlüssen stellten beide Teams unter Beweis, dass trotz dem großen Punktevorsprung von Celtic immer noch mit allen (erlaubten und unerlaubten) Mitteln im „Battle of Glasgow“ um Tore und Punkte gekämpft wird. Geht man von der rein sportlichen Situation aus, trennt die beiden Vereine auch nicht so viel, wie es die Tabelle aktuell suggeriert. Den Rangers wurden nach der Insolvenzanmeldung vor knapp sechs Wochen zehn Punkte abgezogen.

Mehr als nur ein sportliches Derby

Die Rivalität zwischen den beiden Klubs aus Glasgow geht schon seit mehr als einem Jahrhundert über die sportliche Komponente hinaus. Rangers gegen Celtic bedeutet nicht nur, dass die zwei größten Klubs im schottischen Fußball um die Vorherrschaft kämpfen. Die Rangers und deren Fans verkörpern die schottischen Unionisten sowie die protestantische Glaubensgemeinschaft, während Celtic das Aushängeschild für Katholiken und irische Einwanderer ist. Celtic zeigt seine Gesinnung auch durch Logo und Spielkleidung. Sowohl im Vereinswappen, als auch auf den Trikots ist die Farbe grün vorherrschend. Es prallen also nicht nur zwei Mannschaften, sondern zwei Gesinnungen aufeinander. Auf der einen Seite die Protestanten, die loyal zur englischen Krone stehende Oberschicht, auf der anderen die katholischen irischen Einwanderer aus den Armenvierteln von Glasgow, die separatistisch eingestellt sind. Der Religions-, Klassen- und Nationalkampf wird im symbolischen Old Firm immer wieder neu ausgetragen. Aus diesem Grund ist es alles andere als verwunderlich, dass ein Spiel, in dem es aufgrund der eindeutigen Tabellensituation um fast nichts mehr geht, plötzlich zum hitzigen Spektakel wird.

Übernahme steht bevor

Anfang Februar mussten die Rangers nach monatelangen Gerüchten zu wirtschaftlichen Problemen und Schulden in Millionenhöhe offiziell Insolvenz anmelden. Fans der beiden Vereine müssen sich allerdings keine Sorgen darüber machen, dass das geschichtsträchtige Derby zwischen den Rangers und Celtic Glasgow einem Ende entgegensehen könnte. Die über 120-jährige Historie des Old Firm wird auch in Zukunft weiter geschrieben – derzeit werden auf Seiten der Rangers Übernahmeangebote von finanzkräftigen Investoren geprüft. Pläne, nach denen die Rangers und Celtic aufgrund der extremen Dominanz in Schottland in der englischen Premier League spielen sollten, sind damit zumindest für die blaue Hälfte der Stadt vorerst gestrichen. Zuerst müssen die in den letzten Jahren angehäuften Altlasten abgebaut werden. Derartige Gesuche der beiden Klubs an die FIFA wurden bisher vom Weltverband aber ohnehin immer abgewiesen.

Österreichisches Interesse an den Rangers

Die Wellen des wirtschaftlichen Untergangs der Rangers schlugen sich zuletzt bis nach Österreich durch. Nach übereinstimmenden Medienberichten aus Schottland und Österreich einigte sich der SK Rapid mit den Glasgow Rangers beim Transfer von Stürmer Nikica Jelavic (26) im Sommer 2010 auf eine Ratenzahlung. Die letzte der drei Raten für den kroatischen Nationalspieler, der mittlerweile die Rangers schon wieder in Richtung FC Everton verließ, steht noch aus. Dabei soll es um rund 500.000 Euro gehen. Durch eine Neuübernahme eines finanzkräftigen Mäzens würden wohl auch die Chancen auf den Erhalt der letzten Rate steigen.

Archimedes, abseits.at

Archimedes

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