Befasst man sich dieser Tage mit schottischem Fußball, gibt es kein Vorbeikommen an der misslichen finanziellen Lage der Rangers aus Glasgow. Vor wenigen Tagen... Insolvenz! Die Glasgow Rangers stehen vor ihrem größten Kampf

Befasst man sich dieser Tage mit schottischem Fußball, gibt es kein Vorbeikommen an der misslichen finanziellen Lage der Rangers aus Glasgow. Vor wenigen Tagen meldete der 54-fache Meister bei einem Edinburgher Gericht Insolvenz an, was ihm zehn Punkte Abzug und Erzfeind Celtic den sicheren Titel beschert. Doch es geht um wesentlich mehr, als nur um eine weitere schottische Meisterschaft, die Rangers kämpfen aktuell ums nackte Überleben. Sollten sie diesen Kampf verlieren, hätte dies gravierende Auswirkungen auf den ohnehin bereits am Boden liegenden schottischen Fußball.

Zumeist betreffen Meldungen über Pleiten vor allem kleinere Fußballvereine, die „Großen“ konnten sich bisher in der Regel gut über Wasser halten. Mit den Rangers ist nun jedoch einer der prominentesten Namen des europäischen Vereinsfußballs in mehr als nur unruhiges Fahrwasser geraten, was vor allem der verschwenderischen Finanzpolitik der 1990er geschuldet ist.

Knapp 100 Millionen in drei Jahren

In dieser Zeit trachtete man danach, in der Champions League nach den Sternen zu greifen (kam jedoch außer 2006 nie über die Gruppenphase hinaus) und zudem den Lokalrivalen Celtic ein für alle Mal in die Schranken zu weisen.

Um dies zu bewerkstelligen, wurden zahlreiche prominente Spieler wie Gennaro Gattuso, Brian Laudrup und Paul Gascoigne verpflichtet. Alleine der Niederländer Dick Advocaat, der von 1998 bis 2001 als Manager fungierte, gab in seiner Amtszeit knapp 100 Millionen Euro für Gehälter und Ablösen aus, denn die Spieler ließen sich durchaus gut dafür bezahlen, künftig nicht mehr in Topligen sondern Woche für Woche gegen Mannschaften wie Dunfermline oder St. Johnstone anzutreten.

Steuernachzahlung und Insolvenz

Die Steuer- und Zollbehörde (Her Majesty’s Revenue and Customs) fordert zudem nun eine Nach- bzw. Strafzahlung von rund 90 Millionen Euro, da die Rangers beschuldigt werden, in den letzten zehn Jahren zu geringe Steuern bei der Entlohnung ihrer Angestellten entrichtet bzw. Spieler über ein dubioses Fondsmodell bezahlt zu haben.

Als Konsequenz der finanziellen Misere wurden den Rangers, die nun nicht mehr alleine von Clubeigner Craig Whyte, sondern von zwei Insolvenzverwaltern von Duff & Phelps geführt werden, vom schottischen Fußballverband zehn Punkte abgezogen. Der Verein rangiert in der Tabelle nun nur mehr knapp vor Motherwell und droht auch den zweiten Platz, der in Schottland letztmalig für die Teilnahme an der Champions League Qualifikation berechtigt, zu verlieren. Es bleibt jedoch ohnehin abzuwarten, ob die UEFA die Rangers an der kommenden Europacupsaison überhaupt teilnehmen lässt, in Zeiten des Financial Fairplays würde dies zumindest keinen schlanken Fuß machen.

Jelavic verlässt Glasgow

Um frisches Geld in die Kassen zu spülen, wurde im Winter unter anderem der ehemalige Rapidler Nikica Jelavic an Everton verkauft, was immerhin 6,5 Millionen Euro einbrachte. Zudem gab der Verein bekannt, dass der Australier Matt McKay, der erst im Sommer nach Glasgow gewechselt war, sich dort jedoch nicht durchsetzen konnte, an den südkoreanischen Verein Busan abgegeben wird.

Auch der britische Premierminister David Cameron meldete sich auf der Website des Clubs zu Wort und gab zu Protokoll, dass niemand die Rangers verschwinden sehen möchte, auch er nicht. Eine Auflösung des Vereins erscheint auch laut den Insolvenzverwaltern derzeit als eher unwahrscheinlich, man befindet sich in Gesprächen mit der Steuerbehörde.

Folgt die Übernahme?

Craig Whyte gab in der vergangenen Woche bekannt, dass man die jährlichen Kosten bereits auf 45 Millionen Pfund gesenkt hätte – die Einnahmen machen jedoch nur 35 Millionen aus. Wie die BBC berichtet, soll daher auch ein Verkauf des Ibrox Parks sowie des Trainingsgeländes nicht ausgeschlossen sein. Darüber hinaus wurden bereits die Einnahmen aus Dauerkarten für die nächsten vier Saisonen verpfändet, was stattliche 24 Millionen Pfund einbrachte.

Für Spekulationen sorgte zuletzt, dass Rangers-Manager Ally McCoist mit Dave King am Ibrox Park gesichtet worden war. King, ein in Südafrika lebender Multimillionär, stand vor der Übernahme durch Craig Whyte im Frühling des vergangenen Jahres an der Vereinsspitze und könnte nun ein Angebot zur Übernahme des Clubs vorbereiten. Auch Paul Murray, ein weiterer frührer Funktionär, gab bekannt, dass er mit der Formierung eines „Blue Knight“-Konsortiums beschäftigt sei, das an der Übernahme interessiert ist.

Zudem starteten drei der größten Fangruppierungen nun die Website www. SaveRangers.com, auf der die Anhänger des Vereins Spenden einbringen können. Weiters fordern die Gruppierungen künftig mehr Transparenz, was die Finanzen anbelangt und lehnen das Modell eines einzigen Besitzers ab.

Fatale Folgen für den schottischen Fußball

Sollten die Rangers tatsächlich aufgelöst werden, hätte dies verheerende Folgen für den gesamten schottischen Fußball, der ohnehin schon bedeutend rosigere Zeiten erlebt hat, was sich unter anderem dadurch manifestiert, dass Schottland in der Fünfjahreswertung der UEFA Kurs auf die Region rund um den 30. Platz nimmt.

Celtic würde der einzige ernstzunehmende nationale Konkurrent abhanden kommen, was vermutlich zu einer Situation wie jahrelang in Norwegen führen würde, wo Rosenborg Trondheim die Liga nach Belieben dominierte. Da man sich mit den Rangers aber nun keinen Wettstreit mehr leisten müsste, würde das Niveau wohl noch weiter abfallen, auch wenn Verantwortliche von Celtic bekannt gaben, dass man einen Wirtschaftsplan habe, der unabhängig von der Existenz anderer Vereine ist.

Führt man sich allerdings vor Augen, dass der TV-Vertrag der schottischen Premier League dezidiert vorsieht, dass Celtic und die Rangers an der Meisterschaft teilnehmen, der Vertrag über die Namensrechte von Liga (Clydesdale Bank) und League Cup (CIS Insurance) auslaufen und die Rangers immer eine große Anzahl an Auswärtsfans in die gegnerischen Stadien bringen, lässt sich ausmalen, was für Konsequenzen eine Auflösung für nahezu alle schottischen Vereine hätte.

OoK_PS, abseits.at

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