Seit 2004 leitet Sascha Kever Fußballspiele in der Schweizer Profiliga, auch in der Europa League, der Champions-League-Qualifikation und bei Länderspielen pfiff er bereits. Der... Fanwahnsinn in Zürich – Ein Spiel mit ohne Sieger!

Seit 2004 leitet Sascha Kever Fußballspiele in der Schweizer Profiliga, auch in der Europa League, der Champions-League-Qualifikation und bei Länderspielen pfiff er bereits. Der 36-jährige ist kein Neuling und stand am 2. Oktober vor einer schwierigen Situation, deren Beurteilung aber eine leichte Entscheidung zuließ.

Nichts wies auf Brisanz hin, als Kever um 16:00 das 226. Zürcher Derby anpfiff. Die Grashoppers Zürich waren in der vergangen Saison im Mittelfeld gelandet, der FC Zürich auf Platz zwei, beide starteten holprig in die Spielzeit. Es war nach zehn Spieltagen das Spiel Drittletzter gegen Vorletzten, der FCZ konnte bis dato noch drei Punkte mehr einfahren. Klarerweise rechneten zumindest die Fans des FC nicht mit so einem schlechten Start, aber das Fußballjahr ist jung und auch der große Konkurrent FC Basel war schlecht in die Saison gestartet und die mit einem Großinvestor ausgestatteten Neuenburger von Xamax Neuchatel ebenfalls. Brisanz, wie etwa vor den großen Ausschreitungen 2006 beim Meisterschaftsfinale zwischen den FCs aus Basel und Zürich, war wenig drinnen und auch die Spieler verhielten sich am Rasen nicht anders, als bei jedem anderen Spiel.

FAKTENLAGE

Der harte Kern der Fans des Grashoppers Club hatte laut noch unbestätigten Berichten das Utensilienreservoir des Stadtrivalen aufgebrochen und präsentierte stolz die gestohlenen Fahnen und Doppelhalter. Die Reaktion der FC-Fans fiel wie folgt aus: Laut Augenzeugen begaben sich eine Handvoll Personen aus der Südkurve zum Sektor der gegnerischen Fans, zündeten dort Bengalen an und gingen wieder zu ihrem Anhang zurück. Die Neue Zürcher Zeitung schildert die Reaktion so, dass „sich wie auf Kommando oder laut einem einstudierten Plan der Widerstand von schwarz gekleideten Leuten regte“. Durch die neutralen Sektoren lieferten sich die „Fans“ einige Scharmützel auf der Laufbahn und auf der Tribüne. Schiedsrichter Kever beorderte die Mannschaften an die Seitenlinie, die Trainer Fischer (FC) und Sforza (GC) drängten auf einen Spielabbruch, der Spielleiter kam ihrem Wunsch nach. In Minute 77 und beim Stand von 2:1 für die Grashoppers wurde das Spiel letztendlich abgebrochen.

KLARE WORTE VONSEITEN DER VEREINSFÜHRUNG, FRAGEN ZUR SICHERHEIT

In einem Statement sagte der CEO des GC, Marcel Meier, sein Verein entschuldige sich „bei allen Fußballfans, Kindern, Gönnern, Sponsoren, Mitarbeitern, Spielern und Partnern für den misslungenen Fußball-Nachmittag.“ In den vergangenen zwei Jahren gab es kein Gewaltproblem und „Wir lassen uns unseren Sport von einigen wenigen Chaoten nicht kaputtmachen, dafür setzen wir uns ein.“ FC-Präsident Ancillo Canepa stieß in dasselbe Horn: „Wir werden alles daran setzen, mitzuhelfen, dass die Täter für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden. “Die Spieler wiederum kritisierten die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen. Die „Fans“ liefen vermummt über das Spielfeld, dies verdutzte die Spieler, etwa GC-Goalie Bürki: „Da liefen plötzlich ein paar Vermummte an mir vorbei.“ Sein Teamkollege Vallori machte den Schiedsrichter aufmerksam, rief Kever zu: „Schau mal, sie kommen!“ Sicherheitsleute oder Polizisten waren nicht da, um dies zu unterbinden. Während Kever die Spieler in die Kabinen beorderte, um deren Sicherheit zu gewährleisten, versuchten Offizielle beider Vereine vergeblich, wieder Ruhe in den Letzigrund zu bringen.

KEIN ENDE NACH ABBRUCH

Um 17:44 wurde die Partie endgültig abgebrochen. Zürich kam derweil aber nicht zur Ruhe. Die FC Zürich-Anhänger wollten sich an den Fans des Gegners rächen. Laut Angaben der Stadtpolizei machten etwa 100 FCZ-Hooligans in der Stadt Jagd auf die gegnerischen Anhänger. Erst drei Stunden nach dem Spiel hatte die Exekutive die Lage beruhigt, gegen 20:45 kehrte Ruhe in Zürich ein. Christian Schöttli, Sicherheitschef der Swiss Football League, wollte am Montag keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es sei „Aufgabe der Disziplinarkommission der Swiss Football League. Sie wird den Fall beurteilen müssen – und entscheiden!“ Wem wie viele Punkte zugesprochen werden, ob das Spiel wiederholt werden würde – all das werde erst nach einer intensiven Überprüfung der Ereignisse verkündet werden. Der Tagesanzeiger fordert dennoch in der Headline: „Null Punkte für GC und den FCZ!“ Dieser Forderung entspräche Artikel 21 der Satzungen der AXPO Super League: „Ein aus Verschulden der beiden am Spiel beteiligten Parteien nicht ausgetragenes oder nicht beendigtes Spiel wird nicht wiederholt, sondern mit null Punkten und null Toren registriert.“

Vonseiten der Fanclubs fehlen die üblichen Statements, Beteuerungen und Selbstbeweihräucherungen noch, gebraucht werden sie allerdings nicht. Denn die Fans des GC haben ihrer Mannschaft auf jeden Fall geschadet, die Reaktion der Fans des FCZ war ebenso verzichtbar. Die vielen normalen Fußballfans, die wie in Wien aufgrund einiger Chaoten um einen schönen Fußball-Nachmittag betrogen wurden, haben gelitten, das Ansehen der Schweizer Fußballs und letzten Endes auch die Mannschaften: Denn wer nach zehn Spieltagen nur sieben bzw. zehn Zähler auf dem Konto hat, braucht jeden Punkt. Zu kurz gedacht von den Hardcore-Fans, die ja ansonsten von sich behaupten, alles für die Mannschaft zu geben.

Georg Sander, abseits.at

Stefan Karger

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