Ein verlängertes Wochenende in Süditalien verspricht Ende Februar wohl eher frühlingshaftes Wetter. Gekommen ist aber alles ganz anderes, denn Kälte und Schnee waren ein... Groundhopper´s Diary: Süditalien 2018 (2)

Ein verlängertes Wochenende in Süditalien verspricht Ende Februar wohl eher frühlingshaftes Wetter. Gekommen ist aber alles ganz anderes, denn Kälte und Schnee waren ein ständiger Begleiter, sodass am Ende mehr Spielabsagen als gesehene Spiele zu Buche standen.

FC Crotone – SPAL Ferrara 2013 2:3 (0:1)

Das Stadio Ezio Scida, das übrigens nach dem Kapitän der Mannschaft Crotones aus dem Jahr 1946 benannt ist, der auf einem Weg zu einem Auswärtsspiel unter tragischen Umständen aus dem Leben gerissen wurde, war lange Zeit ein Kleinstadion, das für italienischen Dritt- und Viertligafußball ausgelegt war. Doch mit dem rasanten Aufstieg des Vereins in den letzten Jahren, der bis in die höchste Spielklasse des Landes, der Serie A, führen sollte, wurde es viel zu klein.

Um in kürzester Zeit kostengünstig die Kapazität erhöhen zu können, mussten Stahlrohrtribünen errichtet werden. So wurden eine Hintertortribüne und die Haupttribüne aus diesen Behelfstribünen neu errichtet. Den Beinamen „Stahlrohrungetüm“ trägt dieses Stadion daher völlig zu recht.

8.658 Besucher waren zum Anpfiff gegen SPAL Ferrara 2013 zugegen. Auch wenn beide Städte geographisch weit voneinander entfernt liegen, so trennt sie in der Tabelle gerade einmal ein Platz. Der FC Crotone liegt vier Punkte vor SPAL, das sich seinerseits auf dem ersten Abstiegsplatz wiederfindet. Auch wenn beide Fanlager von Anfang an auf Hochtouren sind, dauert es bei den Akteuren auf dem Rasen etwas länger bis sich die Anspannung in diesem wichtigen Abstiegskrimi legt. So sah es in den ersten 45 Minuten lange danach aus, als würde diese Begegnung torlos enden. Doch SPAL hat mit Mirko Antenucci einen Stürmer in seinen Reihen, der aus allen Lagen trifft. So auch diesmal. In der 37. Minute lässt er eine Hereingabe abtropfen und trifft mit einem strammen Schuss aus der Drehung zum 1:0 für die Gäste.

Zu diesem Zeitpunkt regnet es in Crotone in Strömen. Als sich dann das Wetter in der zweiten Spielhälfte wieder etwas bessert, fällt zugleich der Ausgleich. Der junge Tormann der Gäste, Alex Meret, kann einen Schuss noch an den Pfosten lenken, jedoch prallt der Ball zum Kroaten Ante Budimir, der den Ball akrobatisch über die Linie bugsieren kann. Die Curva Sud ist nun vollkommen aus dem Häuschen und die Stimmung im Stadion ist atemberaubend. Wir schreiben übrigens die 49.Minute. Nur zwei Minuten später sollte sich das Blatt wieder zu Gunsten der Gäste wenden. Nach einem Freistoß von rechts steigt der Kroate Lorenco Šimić am höchsten und platziert per Kopf den Ball, zur erneuten Führung der Gäste, perfekt in die rechte Ecke.

Nur neun Minuten später fällt der dritte Treffer für SPAL. Dieser ist mehr als kurios, denn Crotones Baberis lässt einen Ball so unglücklich abprallen, dass dieser direkt zum freistehenden Paloschi springt, der keine Mühe mehr hat, zum dritten Treffer der Gäste einzuschieben. Nach acht sieglosen Spielen in Folge, ist SPAL aber nun einem Sieg wieder sehr, sehr nahe gekommen. Crotone ist zu diesem Zeitpunkt völlig von der Rolle, sodass Antenucci wenige Augenblicke später sogar den vierten Treffer auf dem Fuß hat, er aber für seine Verhältnisse doch kläglich vergibt.

Diese vergebene Chance sollte sich aber nicht mehr rächen, denn Crotone kommt nur mehr zum Anschlusstreffer. Dieser fällt vier Minuten vor dem Ende und es abermals Budimir, der trifft. Dieses Mal verwertet Sampdorias Leihspieler eine Flanke von rechts mit einem wuchtigen Kopfball zum Endstand vom 2:3. Die Punkte gegen an diesem Nachmittag nach Ferrara, wodurch endlich wieder Spannung in den Abstiegskampf der Serie A gekommen ist.

Für uns ging es danach direkt weiter nach Santa Severina, wo ein Spiel der siebentklassigen Prima Categoria auf dem Programm stand. Doch der Dauerregen ließ diese Partie auf dem Ascheplatz mit Blick auf das historische Stadtzentrum ausfallen. So ging es über den Sila Nationalpark zurück nach Cosenza. Dort wurde der Regen zu Schnee, was zahlreiche Autos hängen blieben ließ. Wir erreichten, wenn auch mit stundenlanger Verspätung, ohne Defekt unser Ziel.

 

US Salernitana 1919 – Parma Calcio 1913 0:1 (0:1)

Nach einer Runde durch Cosenza sollte es am Vormittag von Kalabrien wieder zurück nach Kampanien gehen. Natürlich nicht ohne Schneefahrbahn, denn auf der A2 gab es diese auf rund 100 Kilometern. Diese Strecke musste dann auch mit niedriger Geschwindigkeit hinter einem Schneepflug absolviert werden. Mit einer mehr als einer zweistündigen Verspätung konnte der Raum Salerno erreicht werden. Die Besichtigung des Weltkulturerbes in Paestum fiel somit aus. Zu unserem Leidwesen blieb dies nicht der einzige Ausfall an diesem Tag, denn es wurden noch drei Plätze angefahren, an denen U19-Spiele hätten stattfinden sollen, die allesamt den Witterungsbedingungen zum Opfer fielen.

Durch die gewonnene Zeit konnten noch das Stadio Arechi und die Altstadt von Salerno bei Tageslicht besucht werden, ehe um 20.30 Uhr das Montagspiel der Serie B zwischen US Salernitana 1919 und Parma Calcio 1913 angepfiffen wurde.

An den Vereinsnamen lassen sich die Gemeinsamkeiten der Konkurse und Zwangsabstiege der letzten Jahrzehnte ganz schön ablesen. Salernitana kann zwar nur auf eine kurze Zeit in der Serie A zurückblicken, dafür verliefen der Zwangsabstieg und der Neubeginn in der Drittklassigkeit quasi reibungslos, während Parma ein fixer Bestandteil der Serie A und auf der internationalen Bühne war, ehe man sich nach zwei Neugründungen in der Viertklassigkeit konsolidieren musste. Immerhin gelang danach der Durchmarsch in die Zweitklassigkeit, sodass sich beide Teams heute gegenüberstehen konnten.

Während sich Parma noch im Rennen um einen Play-Off-Platz befindet, muss Salernitana aufpassen, um nicht noch in die Abstiegszone abzurutschen. Die 5.826 Zuschauer sind eine annehmbare Anzahl für ein italienisches Zweitligaspiel, jedoch wirkt diese Kulisse im 37.500 Besuchern Platz bietenden Stadio Arechi mehr als schütter.

Trotz niedriger Temperaturen sind die beiden Fangruppen in Fahrt. Insbesondere der Salerno-Block, der 90 Minuten lang durchgehend Stimmung macht. Auf dem Rasen machen die Spieler nur wenig, was die Zuschauer auf den Rängen hätte erwärmen können. Die Gastgeber kontrollieren zwar das Spielgeschehen, jedoch hat Parma die besseren Möglichkeiten und ist aus Kontern immer sehr gefährlich. So sind es auch die Norditaliener, die mit einem schnellen Gegenangriff in der 33. Minute in Führung gehen. Jacopo Dezi hat hierbei keine Mühe eine flache Hereingabe von Emanuele Calaiò über die Linie zu bringen.

Mit diesem Spielstand werden auch die Seiten gewechselt. Am Verlauf des Spiels ändert sich nichts. Salernitana hat zwar mehr vom Spiel, ist aber insbesondere vor dem Tor sehr ideenlos und spielt sich kaum gefährliche Chancen heraus. Auf der gegenüberliegenden Seite macht es Parma allerdings auch nicht besser. Bietet sich eine Möglichkeit auf einen Treffer, dann wird diese auch stümperhaft vergeben. Allerdings schmerzt dies den Gästen weniger, denn auch ein 1:0 bringt bekanntlich drei Punkte.

Es kam so, wie es kommen musste und der Schiedsrichter pfeift beim Stande von 1:0 für Parma ab. Während die Gäste mit ihren Fans feiern, wird die Mannschaft aus Salerno, die auch keinen Blickkontakt mit dem Fanblock hat, mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine geschickt.

An dieser Stelle sollte es dann eigentlich mit dem Bericht vom Spiel Bari gegen Spezia weitergehen. Am Dienstag verfolgten wir sogar die Schneesituation entlang der Autobahn und das Wetterradar, aber als wir am frühen Nachmittag am Stadio San Nicola ankamen, war gerade eine Schneewolke über Apulien gezogen. Die weiße Pracht bedeckte doch alle Grünflächen und da der Schnee auch gleich zu schmelzen begann, war an einer Durchführung des Spiels am Abend leider nicht zu denken. So muss ein Heimspiel des FC Bari eben ein anderes Mal besucht werden.

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Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.