Frei nach dem Motto „neues Jahr, neues Glück“ sollten bereits am ersten Wochenende des Jahres 2024 die ersten Spiele besucht werden. Die Auswahl an... Jahresauftakt in Süditalien – Starkregen am Fuße des Vesuvs (2)

Frei nach dem Motto „neues Jahr, neues Glück“ sollten bereits am ersten Wochenende des Jahres 2024 die ersten Spiele besucht werden. Die Auswahl an guten Partien ist nahezu in ganz Europa gegeben. Schließlich kommen Flüge nach Rom und London in die Ziehung, wobei die Wahl zu Gunsten der italienischen Hauptstadt ausfiel. Dort angekommen, hielt man sich aber nicht lange auf und so ging es per Mietauto südwärts. Hier findet ihr Teil 1 unseres Reiseberichts.

 SSD Portici 1906 – Real Casalnuovo 0:0

Da der Starkregen bei unserer Fahrt durch den Moloch, der sich offiziell Metropolregion Neapel nennt, nicht schwächer wird, haben wir bereits einen Plan B in der Tasche, denn Sorrento sollte heute gegen Giugliana Calcio in Giugliana di Campania spielen. Dass wir nicht zu diesem Drittligaspiel und Platzderby fuhren, lag vor allem daran, dass es im Heimstadion von Portici 1906 mittlerweile einen Kunstrasen gibt und so dem Derby gegen Real Casalnuovo nichts im Wege stand. Es wäre auch schade gewesen, wenn wir das Stadio San Ciro nicht gemacht hätten. Während das Herz der meisten Fußballfans beim San Siro Stadion höher schlägt, ist das bei uns anders. Ohne dem San Siro nahetraten zu wollen, aber Porticis „San Ciro“ ist puncto Einzigartigkeit schon noch einmal eine Stufe höher einzuschätzen.

Da wären einmal die vier unüberdachten Stehtribünen, die jeweils auf der Längsseite und der Kurve gegengleich sind, und dieser Anlage alleine schon einen eigenen liebenswerten Charme verleihen. Dieser wird aber von den doch etwas ranzig anmutenden Häusern im Hintergrund nochmals aufgewertet. Zu guter Letzt kann man von hier auch noch einen Blick auf den nahen Vesuv erhaschen, falls dieser, so wie heute, nicht zumeist in Regenwolken eingehüllt ist.

Sportlich befinden wir uns hier in der viertklassigen Serie D und zwar in der Girone I. Diese Gruppe ist eigentlich die südlichste in dieser Leistungsstufe und besteht, bis auf Portici und Casalnuovo, ausschließlich aus kalabrischen und sizilianischen Vereinen. Dies ist auch der Grund, warum diese Begegnung auch heute nicht als erstes in der Ziehung war, weil wir eben vorab gar nicht in diese Gruppe geschaut haben. Casalnouvo ist in der Tabelle im oberen Mittelfeld klassiert und hat elf Punkte mehr auf dem Konto als der heutige Gastgeber.

Real Casalnouvo wird auch von einer Ultragruppe unterstützt, wodurch die triste Kulisse von etwa 100 Zuschauern doch etwas aufgewertet wird. Leider sind die Ultras aus Portici heute nicht am Start, aber wie schon oben erwähnt, springt der Auswärtsmob heute in Bresche und so bekommen wir doch lautstraken Support, Fahnen, Pyro und Rauch zu Gesicht. Spielerisch ist das Ganze anfangs eher mau. Der einzige Höhepunkt in den ersten 45 Minuten ist es, dass sich der Vesuv kurze Zeit nicht wolkenverhangen zeigt.

Nach dem Seitenwechsel wird das Niveau der Partie eindeutig besser und Portici erarbeitet sich im wiedereinsetzenden Starkregen einige gute Möglichkeiten. Doch damit ist Mitte der zweiten Spielhälfte wieder Schluss, denn Porticis Zanoni wird nach einer rüden Grätsche im Mittelfeld von Schiedsrichter Bissolo sofort mit der roten Karte vom Platz geschickt.

Nun hat Casalnouvo die Oberhand und belagert den Strafraum Porticis. Die Gastgeber verteidigen aber mit Bravour und lassen wenige Chancen zu. Schließlich endet diese Begegnung torlos. Auch wenn Casalnuovo wohl zwei Punkte verschenkt hat, wird die Mannschaft noch von den Fans gebührend verabschiedet. Wir verabschieden uns aus Portici und ziehen etwas südwärts weiter. Ob in Castelammare di Stabia unsere 0:0-Serie prolongiert wird, ist aber eher unwahrscheinlich.

S.S. Juve Stabia – Monterosi Tuscia FC 2:2 (1:0)

Die Wetterprognosen vermeinten ein Abnehmen des Regens am späten Nachmittag. Doch als wir in Castellammare die Stabia ankommen vermeint Martin beim Blick auf das Regenradar, dass es eigentlich hier aus Kübeln schütten sollte. Und das tat es dann auch, als wir bei Stadio Romeo Menti ankamen. Der angekündigte Starkregen ist nun hier. Das einzig Dumme daran ist es nur, dass es direkt am Stadion keine Karte zu kaufen gibt und wir uns bei diesen Bedingungen mit Händen und Füßen zur einzigen Verlaufsstelle in einem Café durchringen müssen.

Rund 2.000 Besucher trotzen den widrigen Bedingungen und folgen diesem Spiel der Serie C, Girone C, in der der S.S. Juve Stabia überlegen die Tabelle anführt. Der heutige Gegner ist der Monterosi Tuscia FC, der seines Zeichens auch Tabellenletzter in dieser Liga ist. Die Gäste sind ein Emporkömmling aus der Region Lazio, die zuletzt, in Ermangelung einer tauglichen Heimstätte in Monterosi, in Viterbo ihre Heimspiele ausgetragen haben. Mittlerweile ist, das Stadion Teramo der Austragungsort der Heimspiele Monterosis. Das führt auch dazu, dass man es zu diesem Auswärtsspiel eine nicht wirklich weitere Anreise, als zu einem Heimspiel, hatte.

Natürlich blieb der Gästesektor heute leer, dafür war die Heimkurve umso besser. Selbst wenn diese nicht vollbesetzt war und auch nur die Hälfte der Anwesenden supporteten, war das von den aktiven Fans Gebotene wirklich gut. Die Choreos und die Gesänge zählen mitunter zum qualitativ Besten, was Italien zu bieten hat

Auch auf dem Rasen machten die Gastgeber kein Hehl daraus, dass sie zum Besten, was diese Spielklasse zu bieten hat, zählen. Ein Elfmetertreffer durch Candellone in der 24.Minute bringt Juve Stabia verdient in Führung. Monterosi spiel zwar besser mit, als erwartet, kommt aber nur selten in die gegnerische Hälfte.

Nach dem Seitenwechsel kommen die Gäste ein bisschen besser in Fahrt, aber der senegalesische Keeper Thiam ist immer zur Stelle, wenn Monterosi den Ball gefährlich in Richtung Tor bringt. Auf der Gegenseite ist die Defensivleistung Monterosis auch sehr solide, doch als Piscopo in der 73. Minute bei einem Gegenstoß zwei Verteidiger sehenswert aussteigen lässt, ist der Keeper der Gäste machtlos, zumal der Stürmer durch den gewonnenen Platz mühelos aus kurzer Distanz einschieben kann.

Da Juve Stabia in dieser Saison zu Hause noch keinen Gegentreffer erhalten hat, ist man sich hier ziemlich sicher, dass hier in der Schlussphase nichts mehr anbrennen wird. Als Thiam in der Schlussminute einen Seitfallzieher bravourös entschärft, scheinen die drei Punkte für Juve Stabia endgültig im Trockenen. Daran ändert auch Mbendè Treffer in der dritten Minute der Nachspielzeit nichts. Monterosis Stürmer wird im Gewühl nach einem Eckball angeschossen und von ihm prallt der Ball ins Netz.

In den verbleibenden zwei Minuten hat Juve Stabia noch eine große Möglichkeit aus einem Konter das 3:1 zu erzielen, doch diese Chance wird leichtfertig vergeben. Es folgt der Gegenzug und Monterosi bringt den Ball von der linken Seite hoch in den Strafraum, wo Vano den Ball per Kopf auf das Tor bringt. Thiam rutscht dieser Kopfball unter seinem Körper durch und der so kann der Keeper den Ball erst hinter der Linie fischen. Die Spieler Monterosis sind vor Freude außer sich und Schiedsrichter Canci pfeift diese Partie nicht mehr.

Im Stadion herrscht danach Totenstille. Mit diesem Ausgang der Begegnung hatte hier wohl niemand gerechnet. Während Monterosi jubelnd in Kabine zurückgeht. Sammelt sich die Mannschaft Juve Stabias vor der Heimkurve und versucht mit den Fans diese unfassbare Nachspielzeit zu verarbeiten, denn warum diese zwei Punkte noch verloren gingen, kann aktuell hier niemand fassen.

Für uns geht es danach noch einmal durch den Moloch zu unserem Quartier, wo wir den heutigen Tag Revue passieren lassen. Abgesehen vom Vesuv, ist der Moloch ja nicht wirklich schön, aber fußballerisch ist es doch eine der besten, wenn nicht sogar die beste Region Italiens. Da uns eine Hassliebe zu dieser Metropolregion verbindet und die Liebe immer stärker sein sollte, werden wir sich wieder hierher zurückkehren.

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.