Eine unterhaltsame und mit einigen Überraschungen versehene Gruppenphase geht zu Ende. Zeit kurz Bilanz zu ziehen und zu schauen, wer und was in den... Die FLOPS der EURO 2012 Gruppenphase

Eine unterhaltsame und mit einigen Überraschungen versehene Gruppenphase geht zu Ende. Zeit kurz Bilanz zu ziehen und zu schauen, wer und was in den letzten zehn Tagen besonders negativ aufgefallen ist.

Polnische und Russische Fans

Aufgrund des Nationalfeiertages am 12.06. bestanden die russischen Anhänger darauf, einen  Marsch durch Warschau, hin zum Stadion durchzuführen. Ein polnischer Passant kommentierte dies folgendermaßen: „Ihr Deutschen marschiert doch auch nicht an eurem Feiertag ‚Heil Hitler‘ brüllend durch Paris!“. Zugegeben ein etwas drastischer und populistischer Vergleich. Jedoch trifft dieser wohl am besten die polnische Empörung ob des provokanten Plans der Russen. So kam es wie es kommen musste. Einige Polen gingen auf alles los, was nur im Entferntesten nach Russe aussah. Es ist ein eisernes Gesetz, das auf jede Aktion die entsprechende Reaktion erfolgt. So kam es zu Ausschreitungen und Straßenkämpfen in Warschau. Die Schuldfrage soll gar nicht diskutiert werden. Jedoch bleibt noch zu sagen, dass ein derart martialisches und nationalistisches Plakat, wie es die russischen Anhänger im Stadion entrollten, bei Fußballspielen nichts verloren hat.

Niederlande

Das Ausscheiden der Niederlande ist sicherlich als peinlich zu bezeichnen. Wirklich überraschend kam es jedoch nicht, wenn man sich einige Dinge vor Augen führt: Wenn der beste Verteidiger einer Mannschaft Joris Mathijsen heißt, kann man sich eigentlich nicht zu den EM-Favoriten zählen. Auch, dass der alternde Mark van Bommel immer noch eine zentrale Rolle spielt, ist kein gutes Zeichen. Wenn sich dann auch noch die Offensivstars in egomanischen Hahnenkämpfen aufreiben, steht es wirklich schlecht um eine Mannschaft. Dem niederländischen Team fehlte eine vernünftige Balance zwischen Offensive und Defensive. Zu groß war wohl die Leistungskluft zwischen den Mannschaftsteilen. Trainer Bert van Marwijk fand einfach nicht die richtige Mischung, da es nicht reicht, einfach auf ein Team zu setzen, dass vor zwei Jahren erfolgreich war. Die Zeit bleibt nun mal auch in Holland nicht stehen.

Falsche TV-Bilder

Nonchalant wie der deutsche Bundestrainer ist, pirscht er sich gerade zu an sein ahnungsloses Opfer heran. Ein flinke, gazellenartige Bewegung und schon war der bedauernswerte Balljunge um das ihm zum Schutze anvertraute Spielgerät erleichtert. Nach dieser perfiden Aktion lächelte Löw den armen Buben spitzbübisch an. Das perfekte Verbrechen! Diese Szene sorgte während des Spiels Deutschland gegen Niederlande für einiges Schmunzeln bei den Zuschauern. Blöd nur, dass diese nicht live passierte, sondern vor dem Spiel aufgezeichnet wurde. Die Frage ist nun, was kann man den gesendeten TV-Bildern noch glauben? Auch das integere ZDF stellte sich diese Gewissensfrage und will nun klagen.

Antonio Cassano

Dass der Italiener nicht gerade die hellste Lampe am Kronleuchter ist, war zwar schon vorher klar. Doch seine etwas zu saloppen Äußerungen zu Homosexualität im Fußball sind selbst mit einem beschränkten Horizont nicht zu entschuldigen. Cassano fiel zu diesem heiklen Thema spontan ein, er hoffe, dass keiner seiner Mitspieler schwul sei. Eine Aussage, die mal wieder die bedauerliche Tatsache vor Augen führt, wie weit verbreitet homophobe Ansichten im Fußball immer noch sind.

Mesut Özil

Glaubte man den zahlreichen Expertenmeinungen vor der EM, würde dieses Turnier das des Mesut Özil werden. Nach einer guten Saison bei Real Madrid und einer starken Qualifikation im deutschen Nationalmannschaftstrikot reifte die allgemeine Überzeugung, der Edeltechniker erklimmt bei dieser Europameisterschaft die nächste Stufe auf dem Weg zum Weltstar. Bisher gelang es dem gebürtigen Schalker aber in keinem Spiel, die in ihn gesteckten Erwartungen zu erfüllen. Vielleicht sitzt der Rucksack dieser Erwartungen auch zu schwer auf den schmächtigen Schultern des Spielmachers. Zumindest im letzten Spiel gegen die Dänen zeigte Özil mit einigen Zuckerpässen im Ansatz, zu welchen Leistungen er fähig ist. Bundestrainer Joachim Löw lässt sich von den bisher gezeigten Leistungen aber nicht irritieren und verspricht, dass der Mittelfeld-Star in der K.O.-Runde explodieren wird.

Die Torrichter

Die Einführung des Torrichters wird wohl als eine der unnützesten Maßnahmen der UEFA in die Geschichte eingehen. Beim Spiel England gegen Ukraine war der Ball von Marko Devic sogar für den aufmerksamen Fernsehzuschauer offensichtlich hinter der Linie. Allein der Torrichter vermochte dies nicht zu sehen. Die Diskussion um die geforderte Einführung von technischen Hilfsmitteln wird dadurch noch mehr befeuert werden, denn verbessert hat sich die Lage durch die Torrichter absolut nicht. Es ist ein Treppenwitz und fast schon zynisch, die Wiederholung dieser umstrittenen Szene über die Stadionbildschirme laufen zu lassen, obwohl diese keinen Einfluss auf die Entscheidung des Unparteiischen haben wird. Mit den zusätzlichen Schiedsrichtern hat man einfach nur neue Sündenböcke geschaffen – mehr auch nicht.

Frankreich

Vor dem Turnier als Geheimfavorit gehandelt, spielte die „Equipe tricolore“ eine enttäuschende Vorrunde. Nur gegen überforderte Ukrainer blitzte die Klasse der Franzosen phasenweise auf. Gegen England im Auftaktspiel schon schwach, blamierte man sich im letzten Gruppenmatch gegen die bereits ausgeschiedenen Schweden nach einer blutleeren Leistung mit 0:2. Nach dieser Leistung haben sich die „Bleus“ Spanien im Viertelfinale redlich verdient.

Ral, abseits.at

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