Bis Ende Mai kann sich Rapid entscheiden, ob die Kaufoption auf den rumänischen Linksaußen Andrei Ivan gezogen wird. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass der... Andrei Ivan, das stilistische Rapid-Missverständnis

Bis Ende Mai kann sich Rapid entscheiden, ob die Kaufoption auf den rumänischen Linksaußen Andrei Ivan gezogen wird. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass der Teamspieler eine große Zukunft in Hütteldorf hat.

Ivan kam im Sommer leihweise vom FK Krasnodar nach Wien und zeigte in seinen ersten Partien gewaltig auf. Der 22-Jährige begann seine Saison mit einem Doppelpack in der ersten Cup-Runde gegen Kufstein und feierte knapp eine Woche später in der Südstadt seinen Premierentreffer im ersten Ligaspiel mit einem spektakulären Doppelsalto. In der Öffentlichkeit jubelte man über den vermeintlichen Top-Neuzugang. Es sollte aber bis heute der einzige Salto in Grün-Weiß bleiben.

Mehrere Positionen unter Djuricin

Auf seine Einsätze kam Ivan regelmäßig: In 36 Pflichtspielen spulte er über 2.000 Minuten ab – seine richtig starken Leistungen sind allerdings an einer Hand abzuzählen. Es gibt mehrere Gründe, wieso Ivan in Hütteldorf noch nicht funktionierte, unter anderem die fehlende Spezialisierung unter Djuricin. Der Ex-Coach ließ Ivan als Linksaußen, Rechtsaußen und auch immer wieder als Mittelstürmer auflaufen. Auch wenn Ivan insgesamt ein flexibler und talentierter Spieler ist, dürfte er in einem strengeren Korsett besser funktionieren.

Schwerer Stand für Flügelläufer im Allgemeinen

Der Rumäne ist ein Flügelläufer, der auch invers attackieren und zur Mitte ziehen kann. Viel Platz bekommt man an den Rapid-Flügeln aber traditionell nicht. Damit hat heuer auch Philipp Schobesberger zu kämpfen und der technisch stärkere, vor allem in engen Situationen sehr sattelfeste Murg hat einen klaren Vorteil gegenüber den beiden Flitzern. Dass es bei Ivan nicht an der Explosivität auf den ersten Metern mangelt, sah man speziell in Vorbereitungsspielen, wo er immer wieder seine Klasse aufblitzen ließ. In den härteren Bewerbsspielen scheitert er dann aber häufig an engen Räumen und seiner Körperlosigkeit.

Schwächen im Pressing und Umschaltspiel

Zu leicht lässt sich der Linksaußen von seinen Gegenspielern abdrängen, zu lasch setzt er nach. Dabei handelt es sich nicht nur um ein offensives Problem, sondern auch um einen Mangel im defensiven Umschalten. Ivan kommt zu langsam hinter den Ball und seine Fähigkeiten im Gegenpressing sind mehr als nur ausbaufähig. Man hat den Eindruck, dass Ivans Spiel kein großes Ganzes ist, sondern auf einzelne Aktionen hinuntergebrochen werden kann. Wenn ihm etwas nicht gelingt, versucht er die Aktion nicht flüssig geradezurücken, sondern wartet auf seine nächste Möglichkeit mit dem Ball. Für die Defensive und strukturiertes Pressing (das allerdings auch mangelhaft vorgegeben bzw. mannschaftlich allgemein mittelprächtig umgesetzt wird) interessiert sich Ivan nicht sonderlich.

Trotz Erfolgs: Neuer Tiefpunkt in Hartberg

Das Auswärtsspiel in Hartberg war trotz eines 4:2-Erfolgs ein neuer Tiefpunkt für Ivan. Beim Stand von 3:1 für seine Mannschaft wurde er nach einer äußerst durchwachsenen Leistung ausgewechselt, ohne je wirklich gefährlich geworden zu sein. In der ersten Halbzeit war Ivan praktisch unsichtbar und er war bereits merklich im Clinch mit Trainer Kühbauer, auf dessen Kritik er mit wenig beeindruckter Körpersprache reagierte. Bezeichnend war eine Szene in der ersten Hälfte, als der Hartberger Manuel Blauensteiner am rechten Flügel davonzog und von Ivan verfolgt wurde. Da dieser das aber nicht mit 100% Einsatzbereitschaft tat, konnte Blauensteiner einen Stanglpass zur Mitte spielen und damit eine Chance für Hartberg einleiten. Am Ende rutschte Ivan noch in die Passlinie, allerdings nur, damit es so aussieht, als wollte er den Ball mit deutlichem Nachdruck haben. Chance hatte er wegen seines nicht vollständig ernsthaften Laufs keine mehr…

Rapid und Ivan passen nicht zusammen…

Es sind mehrere derartige Szenen, die das Spiel des Leihspielers begleiten. Dauernd hat man den Eindruck, dass er mehr könnte, aber nicht ausreichend beißt. Seine regelmäßigen Nominierungen für die rumänische Nationalelf sprechen auch eine deutliche Sprache pro Ivan. Ivan scheint aber einfach nicht zu Rapid zu passen – beim „Arbeiterverein“, dessen Fans höchsten Wert auf Einsatzbereitschaft legen, ist das leichtfüßige Spiel des jungen Mannes aus Moreni fehl am Platz. Ebenso wie einige fragwürdige Mode-Fauxpas und Poserfotos mit schnellen Autos in Dubai auf Instagram, die von Teilen der Rapid-Community äußerst negativ aufgenommen werden. Diesbezüglich ist er nicht der Einzige im aktuellen Rapid-Kader, aber gerade in schlechten Zeiten fordern Fans eine gewisse Bodenständigkeit abseits des Platzes ein. Selbst wenn es sich um einen Leistungsträger handeln würde, also unabhängig vom Sportlichen.

…seinen Weg wird er dennoch gehen!

So ist Andrei Ivan am Ende ein Wackelkandidat in Grün-Weiß, bei dem das Ziehen der Kaufoption nur dann im Rahmen des Sinnvollen ist, wenn Rapid den Cup gewinnt und mit einer Europa-League-Gruppenphase, mehr Geld und einem breiten Kader planen kann. Stilistisch und inhaltlich ist Ivan aber schlichtweg kein typischer Rapid-Spieler und sollte er nach Krasnodar zurückkehren oder nächste Saison bei einem ganz anderen Verein spielen, könnten wir Zeugen eines bei Rapid nicht unüblichen Paradoxons werden: Ivan wird sich im Laufe seiner Karriere noch bei größeren Klubs durchsetzen, als bei Rapid. Weil das Gesamtpaket woanders für ihn einfach besser passen wird…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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