Im gestrigen, ersten Teil unseres Interviews stellte sich die Initiative Rapid 2020, von der drei Vertreter in aktuell tagenden Reformkommission Rapids sitzen, vor. Im... Die „Initiative Rapid 2020“ im Interview (2): „Stärken und Werte zusammenführen, um Rapid richtig zu positionieren“

SK Rapid Wien (Logo, Wappen)Im gestrigen, ersten Teil unseres Interviews stellte sich die Initiative Rapid 2020, von der drei Vertreter in aktuell tagenden Reformkommission Rapids sitzen, vor. Im heutigen zweiten Teil, nehmen die Mitglieder der Faninitiative auf Wirtschaft, Stadion und Sport ein. Stefan Karger traf sich zu einem langen Gespräch mit den neun Mitgliedern der „IR 2020“:

abseits.at: Wie steht eure Initiative zu der wirtschaftlichen Ausrichtung des Vereins?

Mario Huslich: Die wirtschaftliche Hauptverantwortung soll in Zukunft nicht mehr beim General Manager des Vereins liegen, sondern beim Geschäftsführer der Aktiengesellschaft. Es braucht einen Geschäftsführer, der durch eine öffentliche Stellenausschreibung zu ermitteln ist und der Rapids langfristigen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg sichert. Eine Strategieentwicklung diesbezüglich ist kein leichtes Unterfangen, und es ist wichtig sich an einer Vision zu orientieren. Die zentrale Frage ist: „Wo wollen wir in 10-20 Jahren stehen und wie kommen wir dort hin?“ . Die Vision und gleichzeitig die Strategie zu ihrer Verwirklichung basieren sowohl auf dem ursprünglichen Zweck unseres Vereins, der Pflege und Verbreitung des Fußballspiels, als auch auf den Werten, mit denen der SK Rapid historisch gewachsen ist und für die er steht. Werte wie Gemeinsamkeit, Nicht Aufgeben und dem Willen, der Beste zu sein. Die Strategie muss naturgemäß die Stärken des Vereins zusammenführen, um in weiterer Folge Rapid am nationalen und internationalen Markt richtig zu positionieren. Diese Positionierung muss sich vom derzeitigen Trend, in welchem sich Fußballvereine immer mehr angleichen, deutlich abheben.

Um der Frage nach dem „wie?“ vorzugreifen: Die größte Stärke unseres Vereins und ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal zum Rest Österreichs ist die emotionale Nähe vieler Rapidler, vor allem der Fans, der langjährigen Funktionäre und Mitarbeiter, zu Traditionen und Werten des SK Rapid. Es ist eine Art Liebesverhältnis und das ist der Ansatzpunkt. Rapid ist mehr als ein Fußballklub, es ist eine Lebensweise, Rapidler sein heißt Rapid zu lieben. Diese Position ist einzunehmen, im Verein zu leben und glaubhaft zu vermitteln. Es ist durchaus möglich und sogar erwünscht, dass man damit polarisiert. So ergibt sich ein geschärftes Bild des SK Rapid in der Öffentlichkeit.

abseits.at: Wie denkt die IR2020 ein mögliches Hanappi-Neu zu finanzieren?

Mario Huslich: Wir sind der Überzeugung, dass Rapid das neue Stadion zu einem Großteil aus eigener Kraft finanzieren kann. Neben der öffentlichen Förderung und der notwendigen Vergabe des Stadionnamens, gibt es weitere Möglichkeiten zu Stärkung der finanziellen Position. Dazu haben wir auch schon ein Detailkonzept ausgearbeitet: unter anderem mit der Möglichkeit Rapid-Mitglied auf Lebenszeit zu werden, oder Abonnement für mehrere Saisonen im Voraus. Aber auch kleinere Projekte wie ein Abschiedsfest schlagen wir vor. Durch diese Maßnahmen kann man das Stadion aus eigener Kraft stemmen. Der Restbetrag ist problemlos über ein klassisches Darlehen langfristig zu finanzieren und plausibel mit einem konservativen Businessplan abzubilden. Vergleichbare Stadionprojekte in ganz Europa haben den Zuschauerschnitt in die Höhe schnellen lassen, und es gibt keinen Grund warum dies nicht auch in Hütteldorf passieren sollte. Das Fassungsvermögen sollte deswegen relativ hoch angesetzt werden (Anm. bis zu 30.000), um nicht mittelfristig in dieselbe Situation wie heute zu kommen, nämlich ein zu kleines Stadion zu haben. Uns ist allerdings bewusst, dass der Standort die Möglichkeiten einschränkt.

abseits.at: Warum ist ein Stadionneubau eurer Meinung nach so wichtig?

Eric Phillipp: Nachdem sich eine Sanierung verbunden mit einem Ausbau des Hanappi-Stadions als zu unwirtschaftlich erwiesen hat und in keiner Relation zum Aufwand steht, ist ein Stadionneubau unumgänglich, um den SK Rapid infrastrukturell endlich ins 21. Jahrhundert zu führen. Viele Beispiele von Stadionneubauten in Europa haben gezeigt, dass durch die Vermarktung von Logen, Business-Seats, VIP-Bereichen und auch des Stadionnamens erhebliche Mehreinnahmen lukriert werden können. Ganz zu schweigen vom zu erwartenden Anstieg des Zuschauerschnitts, der durch qualitätsvolle Architektur erreicht wird. All diese Mehreinnahmen sind ein wesentlicher Bestandteil, den Verein mittelfristig wieder auf wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen und an die Top 50 in Europa heranzuführen. Aus unserer Sicht führt also kein Weg an einem Stadionneubau vorbei.

abseits.at: Was sind die wichtigsten Eckpunkte bei der Planung des neuen Stadions?

Eric Phillipp: Neben den bereits vorhin angesprochenen wirtschaftlichen Aspekten – die Schaffung von Skyboxen, Business-Seats und Hospitality-Bereichen in ausreichender Anzahl und Größe – besteht die wohl größte Herausforderung darin, die unterschiedlichen Anliegen des breitgestreuten Querschnitts der Rapid-Fans unter einen Hut zu bringen. Die Anforderungen der Kurve müssen genauso berücksichtigt werden wie die des „Normalfans“ auf der Gegengeraden, und das möglichst gleichberechtigt. Ganz wichtig erscheint mir, dass die neue Fankurve weiterhin aus nur einem Rang besteht, was die Koordination der Fangesänge des Block West und die Organisation von Choreografien deutlich erleichtert und damit die fast schon sprichwörtliche „St.Hanappi-Stimmung“ auch in das neue Stadion überträgt. Da spielt natürlich auch die Dachkonstruktion eine wichtige Rolle, weil die wesentlichen Einfluss auf die Akustik hat – das muss einfach passen! Die gesamte Liste der Anforderungen an das neue Stadion hier aufzuzählen, würde wohl den Rahmen des Interviews sprengen. Steilheit der Tribünen, Nähe zum Spielfeld, Stehplatzbereiche in ausreichender Größe bei Meisterschaftsspielen, maximale Zuschauerkapazität unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und bauplatzbedingten Rahmenbedingungen sind nur einige wenige der weiteren Punkte, die auf unserer Stadionagenda stehen.

abseits.at: Das hört sich ja alles ganz nett an, ähnliche Forderungen kennt man von diversen Stadionneubauten in Deutschland. Nur leider sehen viele dieser Stadien komplett gleich aus. Soll Rapid also ein 08/15-Stadion aus dem Baukasten bekommen?

Eric Phillipp: Nein, genau das wollen wir vermeiden! Es muss ja nicht gleich ein Raumschiff wie die AllianzArena sein, aber unser neues Stadion muss mehrere Alleinstellungsmerkmale haben, die es von anderen Neubauten unterscheidet. Schon allein die städtebauliche Lage an der Westeinfahrt Wiens lädt geradezu dazu ein, ein weithin sichtbares Statement abzugeben, das der Geschichte und Relevanz Rapids entspricht. „Das ist das neue Hanappi-Stadion und hier ist der SK Rapid zu Hause“ – jedem, der mit Auto, Bahn oder Bus hier vorbeifährt, muss das sofort klar sein. Da sind die Architekten gefordert, diese Alleinstellungsmerkmale auszuarbeiten und umzusetzen. Auch hier haben wir bereits einige Ideen gesammelt, die wir gerne in den Planungsprozess mit einbringen werden.

abseits.at: Du hast den städtebaulichen Aspekt angesprochen. Gibt es auch Ideen, was rund um das Stadion passieren soll?

Eric Phillipp: Eine zentrale Rolle nimmt der Stadionvorplatz ein. Er sollte ausreichend groß dimensioniert sein und natürlich Gastronomieeinrichtungen beinhalten. Er soll als Treffpunkt vor dem Spiel dienen, und wenn er attraktiv genug gestaltet ist, treffe ich mich sicher gerne mit Freunden dort auch nach dem Spiel noch einmal und bespreche bei ein, zwei Bieren das soeben zu Ende gegangene, hoffentlich erfolgreiche Match. Von diesem Vorplatz aus muss es auch einen direkten Zugang in den Fanshop, Fancorner sowie ins Rapideum geben. Diese Bereiche müssen im neuen Stadion integriert werden und sollen die Fläche bekommen, der ihrer Bedeutung entsprechen – auf jeden Fall deutlich mehr als jetzt! Alle für einen Rapid-Fan relevanten Bereiche mit Rapid-Bezug sollen im Idealfall direkt von diesem Vorplatz aus zugänglich sein.

abseits.at: Wir haben uns in den letzten Jahren einige Stadien in ganz Europa angesehen und waren von der Vielseitigkeit des gesamten Komplexes beeindruckt. Denkt ihr diesen Weg auch für das neue Rapid-Stadion an?

Andreas Fink: Multifunktionell und natürlich als ökologischer und ökonomischer Vorreiter sollte das neue Stadion ein pulsierendes Zentrum für den Westen Wiens werden. Es ist absolut zu wenig, eine solche Investition zu tätigen, um dann alle zwei Wochen ein Heimspiel in der „heiligen Stätte“ zu feiern. Der Komplex muss so gestaltet werden, dass eine vielfältige Nutzung möglich ist – Seminarräume, Geschäfte, Ärztezentrum, vielfältige Gastronomie. Vielleicht ist der Vergleich mit dem Forum Romanum (Das Forum Romanum war das älteste römische Forum – der Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens, Anm.) etwas weit hergeholt, aber er gefällt mir. Manchmal muss man „groß denken“, damit etwas Besonderes entstehen kann.

Es wurde schon viel über mögliche innovative Ideen gesprochen – Photovoltaik, Bürgersolaranlage, Warmwasseraufbereitung, Ladestationen für E-Autos und E-Bikes direkt beim Stadion. Man hat die einmalige Chance ein Zeichen zu setzen, dass man kein verstaubter in der Vergangenheit festsitzender Verein ist, sondern Zeichen für die Zukunft setzen will – und damit natürlich Investoren anlocken, die bis jetzt vielleicht noch kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem SK Rapid hatten. Und warum nicht auch an eine Symbiose mit dem Traditionshandballverein Westwien denken? Die Geschichte beider Vereine kreuzte sich schon in der Vergangenheit. Die Idee einer integrierten Handballhalle wäre etwas Einmaliges in Österreich und würde beiden Vereinen Vorteile bringen. Die österreichische Bundesliga sieht im Lizenzierungshandbuch unter Punkt 7 (infrastrukturelle Kriterien sogar eine Halle als B-Kriterium vor. Diese lautet wie folgt: Die Trainingseinrichtungen umfassen zumindest Infrastruktur im Freien und in der Halle, Umkleidekabinen sowie einen ärztlichen Untersuchungsraum. Westwien sucht schon seit geraumer Zeit eine ordentliche Heimstätte. Diese gemeinsame Chance zu nutzen, darf nicht am klein-klein-Denken und der Angst vor Neuem scheitern.

abseits.at: Kommen wir nun zum „greifbarsten“ Aspekt: Was muss sich sportlich beim SK Rapid ändern?

Daniel Mandl: Es geht nicht primär um durchgängige Spielsysteme oder Formationen. Um Rapid auf dem Spielfeld erfolgreicher zu machen, wird eine Philosophie benötigt, die über allem steht. Rapid muss mit klaren sportlichen Werten assoziiert werden, wie es schon in der Vergangenheit der Fall war. Rapid stand in erfolgreichen Zeiten stets für Dynamik, Offensive, Kampfgeist und Wille, aber auch Zusammenhalt, Freundschaft und Respekt vor jedem Gegner. Es ist nicht das Spielsystem der Kampfmannschaft, auf das bereits die jüngsten Nachwuchskicker vorbereitet werden müssen, sondern ebendiese Werte. Nur wenn jeder Spieler von jung bis alt versteht, was es bedeutet das Rapid-Trikot zu tragen, wird jede Rapid-Mannschaft ein klares Gesicht haben.

abseits.at: Wie kann das konkret bewerkstelligt werden?

Daniel Mandl: Die Antwort auf diese Frage liegt grundsätzlich in der Geschichte Rapids und muss nun in die Moderne und auf aktuelle Anforderungen übersetzt werden. Die besten Nachwuchsspieler aus Wien und Umgebung müssen sehr früh von Rapid entdeckt und an den Verein gebunden werden. Dies geschieht durch einen oder zwei Profi-Scouts, die ihr Handwerk verstehen und einen möglichst lückenlosen Marktüberblick haben. Zuverlässige Profi-Nachwuchstrainer – und keine Teilzeitkräfte – müssen diese Spieler sportlich und charakterlich formen. Gibt es in Wien und Umgebung keine entsprechenden Talente, entfernt man sich im Scouting eben ein Stück weiter von der Bundeshauptstadt. Wenn ein Legionär verpflichtet wird, sollten die ersten Anlaufstellen die Ligen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien oder Serbien sein. Rapid fuhr in seiner Geschichte mit Legionären aus den Ländern, die einen geschichtlichen Bezug zu Österreich haben, zumeist gut, was auch mit der Historie Wiens zusammenhängt. Auch heute noch ist der SK Rapid eine prädestinierte Anlaufstelle für Talente und gestandene Spieler aus diesen Ländern. Die Lebensqualität in Wien und die Nähe zur Heimat des Spielers sind wichtige Faktoren.

abseits.at: Sind all diese Forderungen und Ideen tatsächlich bis 2020, wie es euer Name bereits vermuten lässt, umsetzbar?

Daniel Mandl: Ja, definitiv! Es ist natürlich kein leichter Weg, den wir da beschreiten, aber wenn wir strukturiert und stark lösungsorientiert auf diese Ziele hinarbeiten – und das machen wir bereits – können wir gemeinsam alles erreichen.

Das Gespräch führte Stefan Karger, abseits.at

 

Offenlegung:
Daniel Mandl ist Chefredakteur/Inhaber des Portals abseits.at. Die redaktionelle Verantwortung für alle Berichte über die Initiative Rapid 2020 liegt in diesen Fällen alleinverantwortlich bei Redaktionsmitglied Stefan Karger.

Stefan Karger

  • tf

    26.Juli.2013 #1 Author

    Rapid hat wieder große Ziele und das paßt auch zur großen Vergangenheit. Ich frage mich, ob Rapid nicht versuchen sollte, gezielt einen Fußballmarkt im nahen Ausland anzubohren. Wenn man gezielt in dieser Region scoutet, lokale Fanklubs einrichtet, die mit den Rapid Spielern aus dieser Region eng kommunizieren, Marketingevents wie Freundschaftsspiele und showtrainings veranstaltet, 2 sprachige Homepage, etc. sollte das möglich sein. Rapid könnte so das Einzugsgebiet vergrößern.

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