Gerson Guimarães Ferreira Junior ist der Name des Neuzugangs des Kapfenberger Sportvereins. Wer hier einen typischen Panikkauf gegen Ende des Wintertransferfensters erwartet, hat nur... Gerson: Ein gut ausgebildetes Phantom

Gerson Guimarães Ferreira Junior ist der Name des Neuzugangs des Kapfenberger Sportvereins. Wer hier einen typischen Panikkauf gegen Ende des Wintertransferfensters erwartet, hat nur zur Hälfte recht. Zumindest die Visitenkarte des erst 20-jährigen Innenverteidigers liest sich beeindruckend.

 

 

Name: Gerson Guimarães Ferreira Junior
Nationalität: Brasilien/Spanien
Geburtsdatum: 07.Jänner 1992
Alter: 20
Hauptposition: Innenverteidiger
Nebenposition: defensives Mittelfeld
Größe: 186cm
Momentaner Verein: Kapfenberger SV 1919
Bisherige Vereine: Botafogo de Futbol e Regatas B, Botafogo de Futbol e Regatas, Jong PSV, Atlético Madrid B

Fundierte Ausbildung in jungen Jahren

Vor fast genau 20 Jahren wurde Gerson Guimarães Ferreira Junior in Sao Paolo geboren. Der Innenverteidiger, kurz „Gerson“ genannt, spielte in seiner Jugend bei Botafogo. Beim fünffachen brasilianischen Meister werden an sich große Stücke auf den Verteidiger gehalten, wurde er doch mit einem Vertrag bis 2015 ausgestattet. Am 9. Februar 2011 griff der Philips Sportverein Eindhoven zu und verpflichtete den damals 19-Jährigen auf Leihbasis. In den Niederlanden konnte sich der junge Brasilianer, der auch über die spanische Staatsbürgerschaft verfügt, nicht wirklich durchsetzen.

Nichtsdestoweniger griff am 20. Juli 2011 Atlético Madrid zu und lieh den Innenverteidiger aus. Im B-Team in der Segunda B Grupo 1, also der dritthöchsten Spielklasse, klappte es ein bisschen besser. Am 2. Oktober 2011 feierte Gerson sein Debüt gegen RSD Alcala, als er in der 77. Minute aufs Spielfeld kam. Er bestritt nur noch ein weiteres Spiel für die Hauptstädter, am 30. Oktober durfte er in der 23. Minute ran. Insgesamt stehen also lediglich 80 Einsatzminuten zu Buche. Weitere achtmal stand er zumindest im Kader.

Beraterverflechtungen

Marcio Bittencourt und Steve Panopoulos sind die Berater der Firma „Stellar Brazil“. Die Spielerberater sind auf Kicker vom Zuckerhut spezialisiert. Allerdings haben sie nicht die großen Fische an der Angel. Außerhalb von Brasilien ist Mauricio von Terek Grosny der „Prominenteste“. Wenig überraschend mutet da an, dass drei Tage vor dem Wechsel von Gerson ein Vertrag mit Nathan Junior unterschrieben wurde – ebenfalls von Stellar Brazil.

Gerson in Kapfenberg

Thomas von Heesen scheint auf den Spieler angesprungen zu sein. Er beschreibt ihn als einen „jungen Brasilianer, der hohe Qualität hat, schnell, kopfballstark und technisch super ist.“ Allerdings weiß von Heesen auch, warum es mit Gerson woanders nicht unbedingt gut geklappt hat. „Er muss noch lernen, taktisch zu arbeiten!“ Das ist der Hauptgrund, warum es mit ihm noch nicht so richtig geklappt hat. Denn sowohl in Spanien als auch in den Niederlanden ist das taktische Training im Vordergrund und diesem wird er auch bei Thomas von Heesen nicht auskommen. Was natürlich für den Spieler spricht ist, dass PSV und Atlético ihn haben wollten. Dazu kommt noch eine festgeschriebene kolportierte Ablösesumme in der Höhe von 1,8 Millionen Euro.

Die Konkurrenz

Nachdem von Heesen Gerson taktische Defizite attestierte, wird er eher weniger auf der im modernen Fußball so wichtigen Position im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen. Stefan Erkinger (30) und Raplh Spirk (25) kennen die Liga einfach besser. Boris Hüttenbrenner (26) ist ebenfalls für die Zentrale gut, ebenso wie Ex-Italienlegionär Robert Gucher (20). In der Innenverteidigung ist die Konkurrenz natürlich überschaubarer. Mit Dominique Taboga (29) und Thomas Schönberger (25) gibt es nur zwei ernsthafte Konkurrenten in der Innenverteidigung. Matej Mavric (32) ist in Ungnade gefallen. Manfred Gollner (21) und der nach einem Kreuzbandriss rekonvaleszente Tomasz Welnicki (21) sind in etwa gleich alt und können eben nicht je ein halbes Jahr Ausbildung im Nachwuchs führender europäischer Vereine aufweisen.

Erster Eindruck

Beim dritten Testspiel in Side gegen den russischen Erstdivisionär (2. Spielklasse) FK Shinnik Yaroslavl fiel Gerson durch eine starke Leistung auf. Nach dem ersten Test mit dem Brasilianer stellte von Heesen allerdings klar: „Ich habe hohe Erwartungen an die Spieler, was die Laufarbeit und das taktische Verhalten angeht!“ Das ist wohl indirekt ein Auftrag an den Spieler, sich weiter zu verbessern.

Fazit

Auch wenn alles danach riecht, dass sich das Kapfenberger Management hier jemanden aufschwatzen hat lassen, trügt der Schein. Von einem Panikkauf Marke „Österreich, 90er-Jahre“ sind die Falken weit entfernt. Der 20-Jährige hat schon einiges erlebt und muss in seinem Alter noch nicht perfekt sein. Inwieweit er so allerdings im Abstiegskampf helfen kann, bleibt dahingestellt. Warum die Kapfenberger statt ihm nicht einem jungen Österreicher das Vertrauen schenken, wissen sie wohl selbst am besten.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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