Eines ist im Sommer so sicher wie der Sonnenbrand: Red Bull baut um. Der Name des Trainers wurde kleiner, der des Sportdirektors noch viel...

Eines ist im Sommer so sicher wie der Sonnenbrand: Red Bull baut um. Der Name des Trainers wurde kleiner, der des Sportdirektors noch viel größer. Roger Schmidt und Ralf Rangnick sollen es nun richten, den x-ten Umbruch starten. Man scheiterte an Düdelingen. Was kann, soll und muss nun geschehen? Und was bedeutet das für die nationale Konkurrenz?

Lehren ziehen

Wieder alles neu, wieder alles anders – wie berichtet, krempelte Dietrich Mateschitz vor Beginn der Saison wieder kräftig um. Nach dem Blamieren bis auf das Knochenmark fehlt es nun schwer, eine Analyse über das zu ziehen, was in Salzburg abgeht. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Leistungsträger wie Jakob Jantscher oder Christoph Leitgeb nun das Weite suchen würden. Es wäre an der Zeit und die Champions League als Argument für einen Verbleib gibt es nicht mehr. Es gäbe darüber hinaus noch andere Spieler, die sich ins Ausland verabschieden könnten. Auch Andi Ulmer, Franz Schiemer oder Martin Hinteregger sollten nicht ewig in Salzburg bleiben, bewiesen sich an anderen Tagen schon. Die Mannschaft könnte auseinanderbrechen.

Nun muss ein Bewusstsein einkehren, welche Lehren zu ziehen sind. Allerdings ist ein so peinliches Scheitern auf lange Sicht – unter dem Vorbehalt, dass es in Fuschl richtig bewertet wird – auch besser, als von vergleichbaren Gegnern vorgeführt zu werden. Salzburg nahm in den letzten Jahren einige große Hürden, wie etwa Lazio Rom oder Paris St. Germain, nun setzte Dudelange zum Stabhochsprung an. Rangnick und Schmidt müssen diese Katharsis, den Super-GAU richtig verarbeiten. Salzburg war nicht das erste Team, das sich zwei Mal blamierte, wird auch nicht das letzte sein.

Bleibt Red Bull dabei, Österreichs Flaggschiff sein zu wollen, dann muss ein Team gebildet werden, das endlich als solches auftritt, das die taktischen Vorgaben Roger Schmidts umsetzen kann und das vor allem eines tut: Kämpfen. Die Mannschaft konnte das nur, wenn es jeder kann, wenn man selber der David war. Gegen Slovan Bratislava war es schon eng – gegen Gegner auf dem gleichen Niveau oder darunter klappt es nicht. Das ist ein Kopfproblem. Aber wie soll auch gearbeitet werden, wenn einem alles nachgetragen wird und die Verträge a priori schon besser dotiert sind, als bei jedem anderen Verein in Österreich? Im Endeffekt muss das Team auf die Couch eines Psychologen, denn Potential ist definitiv vorhanden.

Schmidts Taktik

Diese ist schwer abzuschätzen. Red Bull zeigte sich öfters von der schlechten Seite, die Räume, die es gegen Sturm gab, werden wohl in der Liga nicht mehr vorzufinden sein. Aggressives Pressing und schnelles Umschalten ist der Plan des Deutschen, allerdings wird es noch einen zweiten geben müssen, wenn es – wie es in der Liga nicht anders zu erwarten sein wird – gegen defensive Gegner geht. Der Brecher Maierhofer funktionierte nicht, besser ging es mit einer spielstarken Offensive und dennoch einem Zerstörer vor der Abwehr, der die tief in die Hälfte des Gegners eindringenden Außenverteidiger dahingehend unterstützt. So können die Innenverteidiger bei Ballverlust nach außen ausweichen, damit zumindest drei Mann zum Verteidigen gegen die Konterspieler da sind. Die Grafik gibt genau so einen Einblick, wie mit dem jetzigen Spielermaterial gearbeitet werden könnte. Die offensiven Außenverteidiger können ruhig in die Mitte ziehen, wenn dann einer der drei Offensivleute mit in die Mitte geht. Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Wunschaufstellung berücksichtigt wurde, ist der Einsatz von möglichst vielen Österreichern. Das Publikum wird schwächere Leistungen eher dann honorieren, wenn ein Teigl oder Ilsanker nicht seinen besten Tag hat. Anscheinend hat das Schmidt schon im Hinterkopf.

Schlecht für den Rest

Unter der erwähnten Prämisse, dass die Bundesligasaison 2012/13 zum Aufbau auf den nächsten Angriff auf Europa im kommenden Sommer gesehen wird, schaut es schlecht für die Konkurrenz aus. Für Red Bull ist die Liga eine lästige Pflichtaufgabe gewesen, die selbst mit zeitweise am Können der Akteure gemessen mehr als traurigen Vorstellungen nie schlechter als auf dem zweiten Platz abgeschlossen wurde. Die Spieler, die am 31. August da sind, werden entweder um einen Transfer im Winter spielen, oder um einen überlegenen Meistertitel und die Folgen davon. Ein großer Einbruch in der Liga ist langfristig eher nicht zu erwarten, da für österreichische Verhältnisse auch die zweite Reihe mehr als ausreichend besetzt ist. So oder so werden die Konkurrenten in der Bundesliga wenig Freude mit den ausgeschiedenen Salzburgern haben. Und eventuell ist das Ausscheiden gegen F91 Düdelingen das gewesen, was Mateschitz und Co. gebraucht haben – die Erkenntnis, dass Geld eben nicht alles ist und nicht alles gekauft werden kann.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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