Für die Gäste aus Wien ging es im Spiel gegen den Noch-Meister aus Graz um die Qualifikation für den Europapokal. Gleichzeitig war dieses Spiel... Kein Europacupplatz für die Austria: Darum behielt Sturm Graz am Ende die Oberhand!

Für die Gäste aus Wien ging es im Spiel gegen den Noch-Meister aus Graz um die Qualifikation für den Europapokal. Gleichzeitig war dieses Spiel und die daraus resultierende Platzierung zukunftsentscheidend für Trainer Ivica Vastic. Sollte die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb verpasst werden, so ist mit einer Entlassung des ehemaligen Nationalstürmers zu rechnen. Dennoch stellte er seine Mannschaft mit der Maxime „Sicherheit zuerst“ auf. In einem defensiven 4-3-2-1-System wollten sie erst einmal die Grazer von Torchancen abhalten und sich selbst auf kontrollierte Offensive beschränken. In der ersten Halbzeit klappte das wunderbar, die Austrianer ließen den Ball und Gegner laufen, hatten mehr Ballbesitz und führten mit 1:0. Roland Linz traf nach Vorarbeit Gorgons zur Führung und sorgte für das I-Tüpfelchen der guten ersten Halbzeit.

Doch bereits in der Endphase der ersten Hälfte ließen die Austrianer etwas nach, ihre kompakte Formation ging nach der Führung tiefer und öffnete Sturm mehr Räume. Sturmtrainer Kristl  zog in der Halbzeitpause und der Phase danach die richtigen Schlüsse, um dies für sich zu nutzen. Zuerst wechselte er Popkhadze für Klem ein, was keine Änderung in der Formation, allerdings in der Spielweise zufolge hatte. In der 54. Minute stellte er das System von einem 4-1-4-1 auf ein 4-4-2 um, was hervorragend wirkte. Die Außen wurden überladen und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Der eingewechselte Bodul wurde zum Matchwinner. Mit einem sehenswerten Fallrückzieher glich er aus, gegen Ende der Partie verwertete er einen langen Ball mit etwas Glück und bescherte den Grazern die Führung. Der Meister kämpfte bis zum Ende und steckte gegen die Austria nicht auf. Obwohl es bei den Wienern noch um etwas ging, wirkten sie nicht wirklich entschlossener und mit größerem Siegeswillen. Der Kampf der Grazer wurde letztlich mit dem 3:1 belohnt.

Die Aufstellung des SK Sturm Graz

Zu Beginn spielten die Schwarz-Weißen mit einem 4-1-4-1, wobei dieses etwas asymmetrisch war. Im Zentrum spielte Bukva halblinks auf der Doppelacht etwas höher, als es sein Partner Weber tat. Dieser bildete mit Koch eine Doppelsechs zur Absicherung, falls Bukva aufrückte oder die Außenverteidiger mit nach vorne gingen. Dadurch waren die Grazer vor Kontern zumindest teilweise gefeit, was beim 4-3-2-1 des Gegners außerordentlich wichtig war. Das 1:0 fiel nämlich genau durch eine solche Aktion. Stankovic hatte zu viel Raum im Umschaltmoment und konnte aus seiner zentralen Position einen wundervollen Pass auf außen spielen. Von dort kam der Ball in die Mitte und Linz traf. Deswegen war es für die Grazer gegen dieses System mit nur einem nominellen Spieler zwischen den Linien (dem Sechser Koch) ungemein wichtig, dass Weber sich zurückfallen ließ. Außerdem doppelte Weber mit dem Außenspieler im Mittelfeld den Ballführenden des Gegners.

Dadurch konnte die Viererkette kompakt spielen. Es war eines der Ziele der Austrianer, dass der Außenverteidiger aufrückt und Liendl oder Stankovic attackiert. Dadurch würden sich zentral Räume für die Halbstürmer Gorgon und Jun öffnen, was die Grazer aber solide unterbanden. Zu Beginn spielten die Außenverteidiger Sturms aus eben diesen Gründen konservativ und hielten sich in der Offensive öfters zurück. Gegen Ende des Spiels wurden ihre Vorstöße etwas häufiger. Auch, weil die Austria ein wenig aufmachen musste und nicht mehr die Ordnung durchgehend halten konnte.

Der violette Tannenbaum

Die Vastic-Elf begann etwas überraschend in einem 4-3-2-1. Im Nachhinein kann diese Formation als Fehler betrachtet werden, aber eigentlich machte sie durchaus Sinn. Mit den drei Sechsern konnte das Spiel kontrolliert werden und die Veilchen standen hinten sicher. Die 4-3-Formation in der Defensive schloss alle Schnittlücken und sollte die Bindungen zwischen den gegnerischen Mannschaftsteilen zerstören. Im Gegenzug gab es einige offensive Vorteile. Stankovic konnte sich frei bewegen und aufrücken, für ihn würden Liendl und Mader absichern. Ein weiterer positiver Aspekt war die Passstärke Liendls und insbesondere Maders, die dadurch in den Fokus geriet. Das Ziel war es, mit schnellen Pässen aus dem Umschaltmoment zum Erfolg zu kommen und gegen die aufgerückten Grazer viele qualitativ hochwertige Chancen erspielen zu können. Vier Torchancen sollten es sein, dazu ein paar gefährliche Aktionen, die nicht wirklich zum Abschluss kamen. Bis zum Gegentreffer hatte man den Grazern ebenfalls nur zwei wirkliche Torchancen gewährt, es sah also nach einem vollen Erfolg für Vastic aus. Das Problem war – neben der tieferen Stellung und leicht abgeänderten Spielweise nach der Führung – jedoch mental und hinzu kamen die Veränderungen der Grazer. Die Austria konnte sich nicht anpassen oder mit kämpferischen Mitteln dagegenhalten, was letztlich in der Niederlage mündete.

Alles in allem ist dieser Tannenbaum bei gleichem oder ähnlichem Spielermaterial für die nächste Saison dennoch eine gute Option, insbesondere in wichtigen Partien und gegen stärkere Mannschaften. Die Veilchen können in der Defensive sehr kompakt agieren, verschließen sämtliche Räume für Lochpässe und dank Spielern wie Gorgon oder Stankovic sind sie bei Kontern gefährlich. Die Frage wird sein, ob sich ein konstant starker Spielgestalter für die Zentrale bilden wird. Mader ist inkonstant, Liendl und Holland versprechen ebenso nicht die nötige Qualität, um mit diesem System auch schwere Abwehrreihen zu knacken.

Die spielentscheidenden Umstellungen der beiden Teams nach dem Seitenwechsel

Die beiden Achter neben Stankovic spielten in dieser Partie keine hervorragende Rolle, doch ihr taktischer Wert zeigte sich nach den Auswechslungen bei den Austrianern. Leovac kam ins Spiel, ein gelernter Außenverteidiger, der die Defensive stärken und mehr Dynamik bringen sollte. Nur zwei Minuten später fiel der Ausgleichstreffer und acht Minuten später sah Leovac gelb. Kurz vor Spielende sollte er sogar seine zweite gelbe Karte sehen und vom Platz fliegen. Um das Unentschieden zu verteidigen, wurde ein zusätzlicher Innenverteidiger statt Mader eingewechselt. Dem System wurde somit weitere Ordnung und Abstimmung genommen, es ergaben sich aufgrund der positionellen Veränderungen viele kommunikative Fehler und wenige Minuten später traf Sturm Graz zwei weitere Male.

Den Sieg im Trainerduell hat dank seiner Auswechslungen somit Thomas Kristl davongetragen. Er stellte später auf ein 4-4-2 um, hierbei agierte man fast mit einer klassischen Doppelsechs. Dadurch war die Defensive stabiler geworden, da es ohne die notwendigen positionellen Veränderungen während des Spielablaufs weniger komplex zu spielen war. Weber musste nicht mehr durchgehend auf die offensiven Bewegungen seiner Mitspieler Acht geben, sondern konnte sich verstärkt auf seine eigene Rolle konzentrieren. Mit Bodul wurde Okotie vorne ein Partner zur Seite gestellt, was die numerische Überzahl der Austria in der Defensive dezimierte. Prompt traf Bodul zweimal und legte das dritte Tor auf. Dieses besorgte ebenfalls ein Joker, nämlich Ehrenreich, welcher auf dem offensiven Flügel eingewechselt wurde. Er brachte frischen Wind ins Spiel, erhöhte die defensive Stärke und besorgte bei einem der Vorstöße den 3:1-Endstand.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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