Vielerorts ist in diesen Tagen zu lesen, wie schlecht die heimische Liga nicht sei. Diverse Experten und Kolumnisten behaupten, die Liga schon ewig nicht... Kommentar | Warum die ausgeglichene tipp3 Bundesliga keine schwache ist…

Vielerorts ist in diesen Tagen zu lesen, wie schlecht die heimische Liga nicht sei. Diverse Experten und Kolumnisten behaupten, die Liga schon ewig nicht mehr so schlecht wie jetzt gesehen zu haben. Auch Frenkie Schinkels sprang auf den Kritikerzug auf, als er in der Halbzeit des vermeintlichen Spitzenspiels Salzburg gegen Austria meinte, dass der schwächste Mann am Platz das einzige Tor gemacht hätte und sich die Liga so schwach wie nie präsentiere. Auch Hans Krankl betont dieser Tage immer wieder, dass es eine Schande für die Großklubs wäre, wenn „Provinzklubs“ wie die SV Ried oder die Admira, mit weit weniger Budget als die Großklubs Salzburg, Austria, Rapid oder Sturm ausgestattet, vorne mitmischen.

Die Kritiker fühlen sich durch die Statistiken bestärkt. Und es ist wahr: viele Zahlenspiele belegen, dass diese Saison bisher in Österreich keine Durchschnittsspielzeit ist. Ja, die Tabelle sieht aus, als spielte die österreichische Liga noch nach der Zweipunkteregel. Ja, in keiner europäischen Liga reichten so wenige Punkte  für den Herbstmeistertitel als in unserem Land.  Ja, die großen Vereine dieses Landes hätten weit mehr Punkte holen müssen, als dies in der ersten Halbzeit der Saison der Fall war.

Es gibt aber auch Zahlen, die gegen die These des Untergangs unseres Fußballs sprechen. So holten die rot-weiß-roten Eurofighter beispielsweise wieder fleißig Punkte für die UEFA-Fünfjahreswertung. Kaum ein Verband in Europa holte mehr Zähler in den europäischen Bewerben. Sturm, Austria und Salzburg fuhren nicht nur die sogenannten Pflichtsiege (die gar nicht so leicht zu holen waren wie viele gedacht hatten) ein, sondern sorgten wieder einmal für die eine oder andere Sternstunde am internationalen Parkett. Seit nunmehr einigen Jahren sorgen österreichische Klubs für sensationelle Ergebnisse im Europacup. Rapid schaltete zwei Mal Aston Villa aus, Salzburg gewann in einer Gruppe mit Lazio, Villarreal und Lewski Sofia alle sechs Partien, die  Austria zeigte große Spiele  gegen Werder Bremen und remisierte zwei Mal gegen den niederländischen Tabellenführer. Sturm erreichte zwei Mal in Folge die Gruppenphase der Europa League.

Alles  Zufall? Wohl kaum. Unsere Klubs holten diese Erfolge nicht, weil Gegner ihre besten Spieler schonten; die heimischen Klubs hatten bei ihren Siegen auch nicht außergewöhnlich viel Glück. Sie waren einfach gut, und in vielen Spielen auch besser als Gegner, die weitaus höher eingestuft wurden. Auch heuer gibt es wieder sehr erfreuliche Ergebnisse. Salzburg steht in der K.O.-Phase der Europa League, die Austria verpasste den Aufstieg haarscharf, setzte mit acht Punkten in der Gruppenphase aber auch eine Duftmarke. Einzig Sturm enttäuschte ein wenig, was angesichts der großen Verletzungssorgen der Grazer aber nicht weiter überraschend war.

Apropos Verletzungssorgen: die werden von den Kritikern auch gerne mal „vergessen“. Dass Salzburg seit Monaten auf einen der besten Spieler der Liga, Alan, verzichten muss, wird unter den Tisch gekehrt. Dass Sturm Graz Leistungsträger wie Kienast, Hölzl oder Gratzei lange Zeit ersetzen musste, ebenfalls. Dazu kommt die hohe Belastung der Spieler, die mit Meisterschaft, Europacup, ÖFB-Cup und Länderspielen auf einen Schnitt von einem Spiel pro vier Tage kommen. Dass dann der eine oder andere Ausrutscher passiert, erscheint logisch.

Ein letztes Argument sei den Nörglern und Schwarzsehern unserer Fußballnation noch entgegengeworfen: die so genannten „Kleinen“ wie Innsbruck, Admira oder Ried sind gar nicht mehr ganz so klein, wie sie oft gerne gemacht werden. Bei der Admira stürmt ein zukünftiger Nationalspieler (Hosiner), ein abgezockter Routinier zieht die Fäden (Jezek). In Ried wird diskutiert, ob Thomas Gebauer die Krise beim ÖFB auf der Tormannposition lösen kann. Die Liga lässt sich eben, bis auf wenige Ausnahmen, nicht mehr in zwei Klassen unterteilen. Und das ist gut so. Eine ausgeglichene Liga (und eine solche ist die tipp3 Bundesliga 2011/12) ist nicht zwingend ein Zeichen niedrigen Niveaus. Ganz im Gegenteil. Wenn kleinere Klubs junge Spieler gut ausbilden und mit ihnen große Vereine ärgern können, werden Klubs wie Rapid oder Salzburg wieder mehr gefordert. Was ja nur gut sein kann. Desweiteren wechseln die besten Akteure der „Kleinen“ früher oder später sowieso zu den „Großen“ oder gar ins Ausland, was wiederum dem Nationalteam hilft. Alles in allem lässt sich sagen: die Ausgeglichenheit ist ein Segen für Österreichs Fußball.

Archimedes, abseits.at

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