Der FC Red Bull Salzburg hält den Kampf um die österreichische Meisterschaft weiter offen. Nach der Cup-Blamage gegen den FC Pasching setzte der Noch-Doublesieger... Mannorientiertes schlägt ballorientiertes Pressing – Salzburg deklassiert Wr. Neustadt 6:0

Red Bull Salzburg (Logo, Wappen)Der FC Red Bull Salzburg hält den Kampf um die österreichische Meisterschaft weiter offen. Nach der Cup-Blamage gegen den FC Pasching setzte der Noch-Doublesieger im Sonntagspiel der tipp3 Bundesliga ein deutliches Zeichen und gewann gegen den SC Wiener Neustadt klar mit 6:0. Dabei waren die Niederösterreicher vor allem in der ersten Halbzeit – auch wenn es ORF-Experte Roman Mählich anders sah – bemüht dagegenzuhalten und suchten die Zweikämpfe.

Der ehemalige ÖFB-Teamspieler kritisierte in der Halbzeitpause, die Wiener Neustädter gingen zu unentschlossen in die Zweikämpfe und hätten bereits mit Anpfiff kapituliert. Zwar mag dies in einzelnen Szenen – wie etwa dem 1:0 – durchaus seine Berechtigung haben, allerdings haperte es aufseiten der Gastgeber in erster Linie an gruppentaktischen Aspekten, wegen derer man nicht in die Zweikämpfe kam. Diese Mängel spielten den Salzburger Individualisten in die Karten, weswegen sie zu vielen klaren Torchancen kamen und letztlich relativ locker gewannen.

Vermeintlich kompaktes 4-1-4-1

Mit acht Spielen ohne Heimniederlage gingen die Wiener Neustädter in diese Partie, für die Trainer Heimo Pfeifenberger seine Mannschaft an einigen Positionen umstellte und sie auch in einer anderen Grundordnung als letzte Woche gegen Wacker Innsbruck formierte. Im Tor durfte wieder Jörg Siebenhandl ran, in der Abwehr rutschte Manuel Wallner für Michael Berger ins Team. Deshalb ging Dennis Mimm wieder auf die rechte Seite der Viererkette. Davor agierte mit Thomas Piermayr ein klassischer Sechser, der vor allem den Raum vor der Abwehr abdecken sollte. Gemeinsam mit den beiden Achtern davor erwartete man sich daher ein enges Zentrum.

Neben der Tatsache, dass der Gegner ohnehin schon über erstklassiges Offensivmaterial verfügte, wurde Piermayr diese Aufgabe jedoch zusätzlich noch von seinen Mitspielern erschwert. Die Viererreihe davor schob im Spiel gegen den Ball nämlich oft stark nach vorne. Dadurch wollte man schon früh zu Ballgewinnen kommen um mit den flinken Offensivleuten wie etwa Stefan Rakowitz oder Daniel Offenbacher der schwerfälligen Innenverteidigung der Salzburger das Leben schwer machen.

Offensives und variables 4-2-3-1

Das Abwehrzentrum der Mozartstädter wurde, in Abwesenheit des verletzten Isaac Vorsah, von Ibrahim Sekagya und Rodnei gebildet. Um die beiden herum formierte Roger Schmidt ein sehr offensives Personal. Links begann Dusan Svento, der mit seinem Vordermann die gewohnten Abläufe zeigte. Sadio Mane geht gerne ins Zentrum, der Slowake gibt dann die Breite auf der linken Seite. In diesem Spiel kam in dieser Rochade noch eine weitere Komponente dazu, denn mit Jonathan Soriano startete ein gelernter Stürmer als nomineller Zehner.

Der Spanier stieß auch gerne ins Angriffszentrum zu Alan vor und verschaffte Mane so zusätzlichen Raum, da er Piermayr band. Auf der anderen Seite sah beim Duo Christian Schwegler und Kevin Kampl ein weitestgehend ähnliches Bild, wenngleich die beiden näher beieinander agierten. Im defensiven Mittelfeld begannen mit Stefan Hierländer und Valon Berisha zwei äußerst vertikale Spieler, die vor allem mit dem Ball am Fuß nach vorne stoßen.

Wiener Neustadts ballorientiertes Pressing

In diesem Spiel mussten sie sich davon jedoch etwas lösen, da sie im Aufbauspiel von den Wiener Neustädter schnell attackiert wurden und die Laufwege nach vorne blockiert waren. Wie oben erwähnt fehlten dem Pressing der Hausherren aber die nötige Kompaktheit – wie man es zum Beispiel im nebenstehenden Bild sieht. Zwar attackierten sämtliche ballnahe Akteure schnell, allerdings fehlte die nötige Rückendeckung um diesen Ansatz als erfolgreich abstempeln zu können. Immer wieder liefen ein, zwei, drei Spieler kopflos aus der Formation und ermöglichten es den Salzburgern, über eine Zwischenstation in die offenen Räume zu kommen. Für die individuell und technisch starken Bullen keine allzu schwere Aufgabe.

Mit Soriano, Mane und Kampl verfügten sie zudem auch über Spieler, die selbst bei kompakteren Gegnern den Zwischenlinienraum sehr gut bespielen können. Ein Paradebeispiel ist das zweite Tor, als man sich zwischen den Gegner über zwei Dreiecke schnell nach vorne kombinierte. Bei den Wiener Neustädtern sah man derartige Aktionen nicht mal ansatzweise, sie verlegten sich – wie für einen Abstiegskandidaten üblich – auf lange Bälle. Zielgebiet waren vor allem die Flügelspieler, die die Räume hinter den hohen Außenverteidigern attackieren sollten.

Salzburgs mannorientiertes Pressing

Doch nicht nur in Ballbesitz waren die Salzburger ihrem Gegner überlegen, auch ihr Defensivspiel wirkte besser und taktisch reifer. Anders als die Niederösterreicher attackierten sie den Ballführenden nicht blind, sondern stellten Anspielstationen zu und kappten Passwege. Dadurch konnten sie das Aufbauspiel des Gegners auch ohne Ball lenken, wie die nachfolgende Szene demonstrieren soll.

Die beiden Flügelspieler stehen zentraler als ihre Gegenspieler, sodass sie zum einen bei einem Pass in die Mitte unmittelbar Druck auf den Ballführenden ausüben können, aber zum anderen auch ein Pass auf einen Außenverteidiger ein großes Risiko für Wiener Neustadt bedeutet. Neben einem Sechser geht auch Soriano (gelb) auf den SCWN-Zentrumsspieler, weswegen das Spiel vom rechten Innenverteidiger, der hier von Alan (schwarz) angelaufen wird, auf den linken umgeleitet wird.

Soriano geht nun wieder nach vorne und attackiert, mit dem Gedanken, dass seine Kollegen die jeweiligen Gegenspieler decken und sein eigener in seinem Deckungsschatten verschwindet, den Wiener Neustädter. Diesem bleibt nur mehr ein Rückpass zum Torhüter, der den Ball abschlägt.

Bullen individuell und taktisch überlegen

Red Bull Salzburg war dem SC Wiener Neustadt in diesem Spiel auf allen Ebenen überlegen. Dennoch sei an dieser Stelle nochmal erwähnt, dass es in erster Linie nicht unbedingt am Einsatz der Niederösterreicher gelegen ist, wegen dem sie nicht in die Zweikämpfe kamen. Vielmehr war dieses Spiel ein Zeichen dafür, wie stark das Gefälle der österreichischen Liga ist – sowohl im individuellen als auch im taktischen Bereich.

Während ein Abstiegskandidat bereits mit einfachen Anlaufbewegungen enorm unter Druck gesetzt werden kann, nehmen die technisch überlegenen Kicker der Austria oder von Red Bull derartige Geschenke gerne an und spielen sich mit einfachen Mitteln in die offenen Räume. Agieren diese Teams auch noch taktisch geschlossen, kommen unterm Strich solche Tennis-Ergebnisse raus.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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