In der ersten Sommertransferperiode unter Pacult und Hörtnagl wurde der Kader etwas ausgemistet, Hlinka, Bejbl, Vorisek, Valachovic, Kincl, Plassnegger und Burgstaller verließen den Verein,... Pacult, eine grün-weiße Ära: Von Dreierketten, sieben Auswärtstoren und dem Meistertitel – Teil 2

In der ersten Sommertransferperiode unter Pacult und Hörtnagl wurde der Kader etwas ausgemistet, Hlinka, Bejbl, Vorisek, Valachovic, Kincl, Plassnegger und Burgstaller verließen den Verein, diese ersetzen sollten unter anderem Patocka, Tokic und Heikkinen. Diese Spieler sollten dann auch eine wichtige Rolle im Laufe der weiteren Saison spielen, eine Rolle die man vor allem Patocka am Anfang nicht zutrauen konnte.

Der große Innenverteidiger kam ablösefrei von Mattersburg, wo er zwar solide aber eher unauffällig agiere, Pacult wollte ihn aber unbedingt. Das machte sich bezahlt, denn Patocka lief in der Bundesliga 35mal für Rapid auf und war ein wichtiger Bestandteil der Meistermannschaft, was auch zur Folge hatte dass sich Martin Hiden größtenteils mit einem Platz auf der Ersatzbank zufrieden geben musste.

Die offensive Spielweise behielt Pacult auch in der neuen Saison bei – mit Branko Boskovic hatte Pacult den perfekten Spieler für sein System gefunden, der neben dem einzigen defensiven Mittelfeldspieler Markus Heikkinen seine Rolle im zentralen Mittelfeld zu großer, allgemeiner Zufriedenheit ausübte. Allerdings hatte Rapid zu Beginn der Saison defensiv doch einige Probleme, was aber keine große Überraschung darstellte, zumal sich die neuformierte Verteidigung erst finden musste.

DREIERKETTE IN MATTERSBURG

Dass Pacult durchaus bereit für Experimente war, zeigte er schon am zweiten Spieltag in Mattersburg. Er schickte seine Elf mit einer Dreierabwehrkette auf den Platz, die aus Hiden, Tokic und Patocka bestand – also nicht gerade jene Spieler, die ihre Qualitäten in ihrer Schnelligkeit hatten, welche aber bei diesem System von Vorteil gewesen wäre. Mattersburg verfügte zudem über schnelle und technisch versierte Außenspieler, die Rapids Abwehr vor große Problemen stellten und einen nicht geringen Anteil am 3:2-Heimsieg der Burgenländer hatten. Gerade gegen Mattersburg war dieses Experiment schon im Vorhinein zum Scheitern verurteilt und Rapid lief nie wieder unter Pacult mit einer Dreierkette auf.

Dieses Spiel war natürlich gefundenes Fressen für die Kritiker des Trainers, der durch diese Variante nicht gerade taktisches Verständnis oder Kombinationsvermögen bewies und sich auch mit seinem Interview nach der Partie nicht beliebt machte („Mit welcher Kette wir spielen, ob Dreierkette, Achterkette oder Fahrradkette, war nicht entscheidend“). Immerhin legte Pacult seine Sturheit in diesem Fall beiseite und auch er sah dieses Experiment als gescheitert an, auch wenn er es nie zugab. Schon beim nächsten Spiel in Altach probierte Pacult etwas aus, was wieder auf Verwunderung stieß: Der neue Innenverteidiger Jürgen Patocka, dessen Stärke die Lufthoheit ist, musste als Linksverteidiger dran, vor ihm agierte Markus Katzer. Rapid konnte einen 1:0-Auswärtssieg landen und der Erfolg gab Pacult – vorerst – Recht.

PACULT UND DIE MEDIEN

Das angesprochene Interview nach der Mattersburg Partie war bei weitem nicht die einzige Gelegenheit, wo „PP“ auf die Frage eines Journalisten nicht sachlich und gelassen, sondern emotional und verärgert reagierte. Pacults Umgang mit den Medien war schon in seiner Zeit in Deutschland ein Thema (die Münchner Medienszene ist nicht gerade als zimperlich bekannt) und sollte ihn auch während seiner Zeit beim Rekordmeister verfolgen. Wenn der Erfolg da war, dann waren Pacults Eigenheiten – die oft Kopien eines verärgerten Ernst Happel glich – nur ein Randthema. Blieb der Erfolg aber einmal aus, fiel ihm der Umgang mit den Medien immer wieder auf den Kopf.

ZUFRIEDENSTELLENDE INTERNATIONALE PERFORMANCE

Zurück zum Sportlichen: Im weiteren Verlauf der Herbstsaison agierten die Hütteldorfer sehr inkonstant – Siegen über Red Bull und Ried folgten zwei Niederlagen gegen Sturm (u.a. 1:5 im Gerhard-Hanappi-Stadion) und ein Remis gegen Wacker. Rapid konnte sich bei der schwächelnden Konkurrenz bedanken, dass der Rückstand auf die Tabellenspitze zur Winterpause nur einen Punkt betrug – und das nach sieben Niederlagen aus 23 Spielen.

International lief es für Rapid ganz gut, nach Siegen über Slovan Bratislava und Rubin Kazan konnte man den UI-Cup gewinnen und kam in der Qualifikation für den UEFA-Cup zum Zug, wo man nach einem souveränen Aufstieg gegen Dinamo Tiflis (8:0 gesamt) nur knapp am belgischen Vertreter RSC Anderlecht scheiterte und somit die Gruppenphase verpasste. Dennoch konnte Rapid vor allem in den ersten internationalen Heimspielen unter Pacult durchaus überzeugen.

KEINE SYSTEMÄNDERUNG

Bis auf wenige Ausnahmen ließ Pacult immer dasselbe System spielen, nämlich ein 4-4-2 mit (meistens) Heikkinen und Boskovic in der Zentrale. Dies hatte seine guten, aber auch seine schlechten Seiten: Die Spieler waren für dieses System sehr gut geeignet und haben es auch schon verinnerlicht, es funktionierte weitestgehend. Allerdings hatte man große Probleme wenn man einen „Plan B“ benötigte. Bis auf das allererste Saisonspiel gegen Wacker Innsbruck konnte kein Rückstand mehr wettgemacht werden, lediglich zweimal erreichte Rapid nach einem Rückstand noch ein Unentschieden. Zudem war die Ausbeute aus den Spielen, in denen Rapid in einem anderen System auflief, sehr mager – nur drei Punkte aus fünf Spielen. Diese Zahlen zeigen deutlich, was Kritiker Pacults schon damals oft vermuteten: Wenn eine Alternative zu seinem System gefordert war, war er oft hilflos und im Endeffekt nicht erfolgreich. Variationen in diesem Zusammenhang hat man vergeblich gesucht.

NEUZUGANG STEFAN MAIERHOFER

In der Wintertransferperiode kam mit Stefan Maierhofer ein Spieler, der bislang im Angriff gefehlt hat. Ein großer Brecher, den man hoch anspielen kann und der auch bei Standardsituationen extrem wertvoll ist. Zwar wurde Mate Bilic in der Winterpause verkauft, Maierhofer war aber eher als Ersatz für den im Sommer abgewanderten Marek Kincl, dessen Kopfballstärke und Präsenz im Sturmzentrum schmerzlich vermisst wurde, zu sehen.

Pacult rief mit diesem Transfer mal wieder fiel Unverständnis hervor, im Endeffekt sollte er aber – mal wieder – Recht behalten. Am Anfang noch auf der Bank, konnte er schon bei seinen Einwechslungen überzeugen und harmonierte sehr gut mit seinem kleinen aber blitzschnellen Sturmpartner Erwin „Jimmy“ Hoffer – Maierhoffer wurde geboren.

ERNEUTER FRÜHJAHRSLAUF

Wie schon im Jahr davor zeigte sich Rapid im Frühjahr deutlich verbessert im Gegensatz zum Herbst. Unglaubliche elf Siege in 13 Spielen waren die Folge und der 32.Meistertitel die logische Konsequenz. Das Schlüsselspiel war eines für die Ewigkeit, Titelkonkurrent Red Bull Salzburg wurde auswärts mit 7:0 abgefertigt. Kurioserweise mit einem System, für das „PP“ in seinen letzten beiden Saisonen als Rapid-Coach heftig kritisiert wurde. Mit zwei defensiven Mittelfeldspielern (Heikkinen und Kulovits) sowie mit zwei Stürmern (Maierhofer und Hoffer). Dazu eine Verteidigung, die einigen Rapid-Fans heutzutage wohl die Schweißperlen ins Gesicht treiben würde (Dober – Eder – Patocka – Thonhofer).

Wieso war Rapid in diesem Spiel, wie im ganzen Frühjahr, so erfolgreich? Pacults Gegner waren der Ansicht, dass man mit diesem Kader und dieser herausragenden Form einiger Spieler sowieso Meister geworden wäre, egal wer auf der Bank Platz genommen hätte. Dem muss man entgegenhalten, dass Pacult nun endlich den Kader nach seinen Vorstellungen zusammenstellen konnte und sein System funktionierte, auch ohne „Plan B“. Konditionell war die Mannschaft in einem sensationellen Zustand – dies beweisen auch die 10 Tore, die Rapid im Frühjahr in der Schlussviertelstunde erzielen konnte. Auch das muss man Pacult zugutehalten, immerhin war ihm körperliche Fitness extrem wichtig und mit Canestrini nahm er auch den richtigen Mann mit nach Hütteldorf, der einen einwandfreien körperlichen Zustand bei jedem Spieler bewerkstelligen konnte.

KRITIK TROTZ MEISTERSCHAFT

Rapid hat es also geschafft den Meistertitel wieder nach Hütteldorf zu holen, und das in einer Saison, in der nicht wenige Fans Pacult schon weghaben wollten. Die Hauptkritikpunkte neben dem schon weiter oben behandelten Umgang mit den Medien waren:

  • Der Umgang mit den Spielern: Gerüchten zufolge redete Pacult kaum mit seinen Spielern, erklärte seinen Ersatzleute nie, warum sie diesmal nicht zum Zug kamen. Die Aufstellung wurde kommentarlos in der Kabine aufgehängt. Oft wussten die Spieler nicht, wo sie gerade standen und speziell für junge Spieler war die Situation, zwischen Stammelf und Tribüne zu pendeln schwierig zu verkraften. Manchmal ließ sich „PP“ auch zur öffentlichen Kritik hinreißen, immer wieder war etwa Andreas Dober „Opfer“ seiner Verbalattacken in der Öffentlichkeit.

  • Die Aufstellung: Zum System gab es zu dieser Zeit noch keine Kritik, zu seinen personellen Entscheidungen aber immer häufiger. Patocka als Linksverteidiger sowie die die Dreierkette in Mattersburg sind hier nur zwei Beispiele.
  • Fehlende Rotation: Bis auf wenige Ausnahmen hatte Pacult seinen Stamm gefunden, und der spielte ohne wenn und aber. Ersatzspieler bekamen nur selten die Möglichkeit, sich zu beweisen und Spielpraxis zu sammeln. Dies wurde dann vor allem im Herbst zum Verhängnis, da Rapid einige Verletzte zu verkraften hatte und die Reservespieler diese nicht ersetzen konnten, weil ihnen Spielpraxis und Selbstvertrauen fehlten.
  • Die Ein/Auswechslungen: Pacult wechselte oft zu spät und dann auch nicht immer nachvollziehbar, zudem ging er bei Rückständen kaum Risiko ein. Beispiele hierzu sind das Auswärtsspiel in Innsbruck, wo Pacult trotz 0:0 und einer schwachen Leistung erst in Minute 71 einen Wechsel vornahm oder die Heimniederlage gegen Red Bull, als beim Stand von 1:3 Hiden für Thonhofer ins Spiel kam.

Diese Kritik ist nach dem Gewinn der Meisterschaft zwar nicht völlig verstummt, aber der Erfolg hat doch einiges relativiert. So wurde Pacult innerhalb weniger Monate vom Buhmann zum strahlenden und gefeierten Meistertrainer am Rathausplatz.

Im dritten Teil lest ihr alles zum Champions-League-Aus gegen Anorthosis Famagusta und über die Torfabrik Rapid rund um Maierhofer und Hoffer.

Kristof Kovacs, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen