8700 Zuschauer verfolgten heute Abend die Rapid-Generalprobe vor dem Saisonstart. Gegen die TSG 1899 Hoffenheim gab es im Rahmen eines eher lauen Sommerkicks ein... Rapid dynamischer – trotzdem Nullnummer im Test gegen Hoffenheim

8700 Zuschauer verfolgten heute Abend die Rapid-Generalprobe vor dem Saisonstart. Gegen die TSG 1899 Hoffenheim gab es im Rahmen eines eher lauen Sommerkicks ein 0:0, doch Peter Schöttel kann mit der Leistung seiner Jungs durchaus zufrieden sein.

Schöttel schickte sein Team mit einem 4-2-3-1 und vorerst zwei Neuen (Pichler und Schrammel) aufs Feld. Neben den verletzten Burgstaller und Prager fehlten auch Gartler, Thonhofer und Soma, was in der Abwehr zu interessanten Veränderungen führte: Hatte Rapid in der Vorsaison noch damit zu kämpfen, dass die Defensivspieler zu langsam waren, konnte der Vorjahresfünfte gegen Hoffenheim eine Abwehr mit vier schnellen Spielern aufbieten. Die beiden Außenverteidiger Schrammel und Schimpelsberger zeigten sich auch offensiv sehr engagiert, boten starke Leistungen. In der Innenverteidigung kam es gelegentlich zu Abstimmungsproblemen, wodurch Hoffenheim zu Chancen kam – vorallem Harry Pichler sah zweimal nicht gut aus. Dafür spielte der Neuzugang besser hinten raus als Kollege Sonnleitner. In der zweiten Halbzeit stellte Rapid schließlich auf ein 4-4-2 um, was offensiv für mehr Energie sorgte.

DYNAMISCHER, SCHNELLER, BISSIGER

Rapid präsentierte sich als läuferisch stärkere, fittere Mannschaft, was angesichts dessen, dass Hoffenheim noch eine lange Vorbereitung vor sich hat, nicht verwunderlich war. Speziell in Duellen Mann gegen Mann zeigten die Rapid-Akteure starke Aktionen – die Hoffenheimer kamen etwa mit den explosiven Antritten von Drazan und Trimmel nur sehr selten zurecht. Ebenso ansprechend waren die Leistungen der Spitzen, wobei Salihi in der ersten Halbzeit oft allein auf weiter Flur war, eine schwierige Partie abzuspulen hatte. Mit Deni Alar, der in der zweiten Hälfte eingewechselt wurde, wurde Rapid flexibler. Der Neuzugang aus Kapfenberg ließ sich weiter nach hinten fallen, behauptete schon im Mittelfeld zahlreiche Bälle, schaltete stets schnell um und suchte schnell den Abschluss. Mit vier Torschüssen in nur 45 Minuten war er der schussfreudigste Spieler auf dem Platz.

HOFFENHEIM FEHLTE DIE SPRITZIGKEIT

Schöttel kann auf die streckenweise starke Vorstellung seiner Mannschaft aufbauen, kurzzeitige Leerläufe sind durch die schwülen Temperaturen zu erklären. Zeitweise kam es zu Abstimmungsproblemen im Mittelfeld, das sich in seiner neuen Konstellation erst finden muss. Details dazu in der Spielerbewertung. Und Hoffenheim? Die Deutschen versuchten den Ball im Mittelfeld zu kontrollieren, was nicht leicht fiel, da Rapid schnell mit vielen Spielern hinter den Ball kam. Zwar sah man bei einigen Spielern ihr großes Potential, doch die Spritzigkeit fehlte der Elf von Neo-Trainer Holger Stanislawski noch. Übrigens kam bei der TSG mit Fabian Johnson (vormals VfL Wolfsburg und 1860 München) nur eine Neuverpflichtung zum Einsatz. Alle anderen Kicker kennen einander schon länger. Gefährlich wurde Hoffenheim in der ersten Halbzeit nur aus Distanzschüssen, in der zweiten Halbzeit nutzte das Team die spielerische Flexibilität der eingewechselten Ibisevic und Tagoe aus, um auch aus dem Spiel heraus gefährlich zu werden. Ex-Liverpool-Star und Kapitän Ryan Babel blieb unter den Erwartungen, spielte zu eigensinnig und umständlich.

SPIELERBEWERTUNG

0 = zu kurz eingesetzt ; 1 = sehr schwach bis 10 = sehr stark

Helge Payer … 7
Payer hielt was zu halten war, zeigte in zwei Eins-gegen-Eins-Situationen starke Reflexe und entschärfte neben den wenigen Flanken auch den einen oder anderen Weitschuss sicher.

Michael Schimpelsberger … 6
Defensiv abgebrüht, offensiv bemüht. Schimpelsberger wirkt nicht nur körperlich sehr weit, sondern besticht auch durch schnelle erste Meter und den Versuch überlegt aus der Abwehr herauszuspielen. Die Nervosität seiner ersten Spiele für Rapid hat der 20jährige vorerst abgelegt.

Mario Sonnleitner … 5
Unauffällige Leistung, aber gewohnt schnell und in Kopfballduellen stark. Im Spielaufbau zeigte er sich jedoch mangelhaft, versuchte zu oft lange Bälle zu spielen, die im Nirgendwo landeten.

Harald Pichler … 5
Aufgrund von Abstimmungsproblemen mit Sonnleitner machte Pichler als Innenverteidiger Fehler. Als ihm Firmino entwischte konnte er sich nur noch mit einem taktischen Foul helfen und sah dafür Gelb. Dafür spielte der Neuzugang von Wacker Innsbruck besser hinten raus, schlug etwa einen Traumpass über 40 Meter auf den aufgerückten Schrammel. Die letzte halbe Stunde spielte Pichler im defensiven Mittelfeld, wo er eine bessere Figur machte, als in der Viererabwehrkette und vor allem durch gute Technik und Ballbehandlung glänzte.

Thomas Schrammel … 7
Defensiv der stärkste Rapidler – paradoxerweise, weil er seine Position sehr offensiv auslegte. Schrammel war immer bemüht die gesamte linke Seite abzugrasen, seine Vorstöße sorgten stets für Unruhe bei der TSG Hoffenheim. Auch defensiv überzeugte er mit einigen Balleroberungen und großer Dynamik. Schrammel, der eine Stunde auf dem Platz war, machte defensiv nur einen Fehler, der jedoch eine große Hoffenheimer Torchance zur Folge hatte.

Markus Katzer … 4
Katzer versuchte dort anzuknüpfen, wo Schrammel zuvor aufhörte, versuchte offensiv zu spielen. Defensiv blieb Katzer relativ solide, offensiv konnte er kaum Aktionen fertigspielen, weil er oft an seinen eigenen Mängeln (Schnelligkeit, Dynamik) scheiterte. Zudem hatte Katzer offensiv mit Andreas Beck einen kompakten Gegenspieler zu überwinden.

Jürgen Patocka … 3
Spielte eine halbe Stunde, wurde kaum in Zweikämpfe verwickelt, fiel aber hauptsächlich durch Fehlpässe und unpräzise Bälle in die Spitze auf.

Markus Heikkinen … 3
Noch läuft der Finne nicht zu seiner Hochform auf. Heikkinen kam nicht selten einen Schritt zu spät, machte das Spiel langsam, spielte zu viel in die Breite.

Stefan Kulovits … 6
Wie gewohnt zeigte „Kulo“ im Rahmen seiner Möglichkeiten eine läuferisch und kämpferisch starke Partie. Zwar fehlte ihm offensiv wie so oft die letzte Konsequenz und zündende Ideen, wodurch er in aussichtsreichen Positionen zumeist einen einfachen, nicht immer idealen Pass spielte, doch defensiv überzeugte der 28jährige mit zahlreichen Balleroberungen und gewonnenen Zweikämpfen.

Steffen Hofmann … 0
Spielte nur 26 Minuten, die Partie lief aber völlig am Rapid-Kapitän vorbei. Keine erwähnenswerten Szenen.

Boris Prokopic … 6
Technisch stark und immer für eine gefährliche Szene gut. Der 23jährige hatte zwar seine Leerläufe, hatte jedoch eine der größten Rapid-Chancen, die er sich selbst gut erarbeitete. Zudem machte Prokopics Körpersprache Lust auf mehr: War er in der Vorsaison noch ein Spieler, der sich gerne versteckte, sich schöpferische Pausen gönnte, forderte er heute die Bälle, wollte etwas bewegen.

Christopher Drazan … 8
Der stärkste Mann am Platz. Seine Sprints am linken Flügel bereiteten Hoffenheim Kopfzerbrechen, mit der Schnelligkeit des Linksfußes kam keiner mit. Leider schaute nichts Zählbares heraus, aber Drazan wird in dieser Form eine tragende Rolle in der Rapid-Elf des Saisonstarts 2011/12 spielen.

Christoph Saurer … 4
Hie und da ein guter Pass, technisch solide, aber dennoch unternahm der Ex-LASKler zu wenig, versuchte gar nicht erst das Spiel richtig in die Hand zu nehmen. Er kann mehr!

Christopher Trimmel … 7
Als Gegenstück zu Drazan spielte Trimmel auf der rechten Seite eine starke Partie, war vor allem in den direkten Duellen mit seinem Gegenspieler nicht zu bremsen. Zwar hatte er manchmal Ballglück, allerdings kam er so gut wie immer an Jukka Raitala oder Fabian Johnson vorbei. Leitete durch sein energisches und technisch solides Laufspiel so manche Rapid-Chance ein, auch wenn er zeitweise noch nicht schnörkellos genug spielt.

Hamdi Salihi … 4
Hatte es als Solospitze nicht leicht, bemühte sich jedoch um intensives Laufspiel in der Offensive. Im Mittelfeld konnte Salihi nicht viele Bälle behaupten, doch offensiv bewegte er sich gut, zog immer wieder ein bis zwei Gegenspieler auf sich. Torchancen erarbeitete er sich jedoch nicht.

Deni Alar … 5
Alar bot eine technisch starke und präsente Leistung. Alars Aktionsradius ist viel größer als der von Salihi, wodurch man den 20jährigen auch des Öfteren im Mittelfeld bewundern kann. Die größte Auffälligkeit: Alar sucht extrem schnell den Abschluss, schießt aus allen Lagen – und das meistens gut. Nur bei seiner größten Chance ließ er sich zu viel Zeit: Als er alleine auf Torhüter Haas zulief, versuchte er diesen zu umspielen, anstatt sofort abzuschließen, was misslang. Den zweiten Ball, den er aus spitzem Winkel vor seinen schwächeren Fuß bekam, schoss er drüber.

Atdhe Nuhiu … 4
Hatte ähnliche Probleme wie Salihi, zeigte sich jedoch im Aufbauspiel engagierter. Der baumlange Angreifer forderte die Bälle bereits im Mittelfeld, verarbeitete sie zeitweise gut weiter, fiel aber auch mit gewohnt „patscherten“ Aktionen auf, etwa zwei blind gespielte Querpässe in den freien Raum, wo niemand stand, der die Bälle abnehmen könnte…

SK Rapid spielte mit: Payer – Schimpelsberger, Sonnleiter, Pichler, Schrammel (58. Katzer) – Heikkinen (46. Alar), Kulovits – Prokopic (58. Patocka), Hofmann (26. Trimmel), Drazan (58. Saurer) – Salihi (58. Nuhiu).

Fotos vom Spiel findest du hier: http://www.austriansoccerboard.at/index.php/gallery/album/1/165-sk-rapid-tsg-1899-hoffenheim-00-10juli-2011/

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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