René Maric ist gerademal 25 Jahre alt, gewann aber als Co-Trainer unter Marco Rose bereits die UEFA Youth League und ist nun der jüngste... René Marić im Interview: „Es wirkt wohl auch heute noch unrealistisch“

René Maric ist gerademal 25 Jahre alt, gewann aber als Co-Trainer unter Marco Rose bereits die UEFA Youth League und ist nun der jüngste Co-Trainer in der tipico Bundesliga. Bevor er in diese Gefilde vorstieß war der Salzburger Chef-Analytiker auf abseits.at. Wir haben uns mit unserem einstigen Taktikfuchs zum Interview getroffen.

abseits.at: Die meisten unserer Leser kennen dich als abseits.at- bzw. spielverlagerung.de-Autor – jetzt bist du Co-Trainer bei RB Salzburg. Kannst du uns kurz deinen Weg dahin bzw. deinen steilen Aufstieg skizzieren?

René Maric: Mit 17 Jahren wurde ich Nachwuchstrainer bei meinem Heimatverein TSU Handenberg, habe mich viel mit Fußball beschäftigt und auf unterschiedlichen Internetforen ausgetauscht, um Erfahrungen, Meinungen, etc. zu diskutieren. Dazu habe ich viele Fußballspiele angeschaut und auch diese diskutiert, wodurch ich mit den Jungs von Spielverlagerung in Kontakt kam. Wir gründeten einen Blog, erhielten dann mit der Zeit Aufträge unterschiedlicher Art und Weise – mal Gegneranalyse, mal die Leitung von Seminaren, mal Spielerscouting, mal einfach nur Austausch zu unterschiedlichsten Inhalten mit Vereinen, Trainern oder auch Spielern. Dazu kam die journalistische Arbeit, u.a. ja auch hier bei abseits.at.

abseits.at: Wir haben nachgezählt – du hast für abseits.at stolze 523 Artikel verfasst! Der erste Artikel von dir wurde am 13.02.2012 veröffentlicht. Hättest du es damals für möglich gehalten, dass du rund fünf Jahre später auf der Betreuerbank eines Profivereins sitzen wirst?

René Maric: Nein. Das hätte ich damals als sehr unrealistisch empfunden. Tue ich heute wohl noch.

abseits.at: Nicht nur du hattest einen steilen Aufstieg als Co-Trainer, auch Marco Rose machte einen ganz großen Schritt nach vorne. Welche Eigenschaften zeichnen den Chefcoach von RB Salzburg aus?

René Maric: Menschlichkeit in allem, was er macht. Er ist ein toller Leader, ob für Staff oder Spieler, weil er integer und ehrlich ist. Das kann manchmal wehtun, weil er einem auch unverhohlen negative Aspekte ins Gesicht sagt, aber diese Direktheit im Verbund mit möglichst viel Objektivität, Mitgefühl und einem großen Gerechtigkeitssinn zeichnen ihn puncto Menschenführung aus. Dadurch merkt man, dass er es trotz manchmal harter Worte nur gut für die gemeinsame Sache meint – und das ist sehr viel wert. Außerdem ist er auch fachlich auf sehr hohem Niveau. Mit ihm arbeiten zu dürfen ist schon ein Privileg für mich.

abseits.at: In der Youth League habt ihr auf dem Weg zum Titelgewinn Teams wie den FC Barcelona, Manchester City, Paris Saint-Germain und Benfica besiegt. Was verändert sich durch diesen gewaltigen Erfolg? Ist es nun einfacher Talente nach Salzburg zu lotsen, beziehungsweise klopfen mehr Top-Adressen bei euch an, die junge Talente abwerben wollen?

René Maric: Hierbei tue ich mir schwer das zu beantworten, da ich ja nicht jener bin, der die Talente nach Salzburg lotst. Ich gehe aber davon aus, dass wir durch diesen Erfolg natürlich ein gewisses Standing erhalten haben, welches uns dabei helfen sollte. Ein wesentlicher  Grund, wieso Spieler zu Red Bull Salzburg wechseln wollen sollten, ist aber der Grund, wieso wir den Erfolg haben – weil im Rahmen einer einheitlichen Spielphilosophie und Trainingsmethodik mit viel Kompetenz in unterschiedlichsten Bereichen jahrgangsübergreifend in unserer Akademie konstant gut gearbeitet wird. In der Youth League haben wir von der Qualität und auch von den Persönlichkeiten unserer Spieler profitiert, welche wiederum von vielen unterschiedlichen Trainern in den Jahren davor ausgebildet wurden.

abseits.at: Hattest du als Co-Trainer des Youth Teams bereits Kontakt zu den Spielern der Kampfmannschaft? Wie haben euch die Spieler nach eurer Beförderung „aufgenommen/empfangen“.

René Maric: Mit einzelnen hat man vielleicht mal nach dem Spiel geredet, aber ansonsten gab es wenig Kontakt. Wie die Spieler zu unserer Beförderung standen, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich kann nur sagen, dass die Mannschaft mit enorm viel Qualität und Professionalität seit Tag 1 arbeitet und dafür darf man als junger Co-Trainer bzw. als neuer Trainerstab dankbar sein. Das ist ein Zeichen von Mentalität.

abseits.at: Welche Spieler aus dem Youth Team werden in dieser Saison einen ganz großen Schritt nach vorne machen?

René Maric: Schwierig zu sagen, weil bei solchen Prognosen viele Faktoren miteinfließen, die nicht alle vom Trainer abhängen und, manchmal zumindest, auch nicht vom Spieler. Eine schlechte Phase zum falschen Zeitpunkt oder eine ungünstige Verletzung kann einen nach hinten werfen. Andere profitieren vielleicht dann davon oder machen einen Sprung in ihrer Entwicklung, auf den sie lange Zeit warten mussten. Einige Spieler finde ich hierbei akut schon sehr interessant, traue es aber vielen zu.

abseits.at: Wie beurteilst du die Nachwuchsarbeit in Österreich abseits von Red Bull Salzburg?

René Maric: Mit außerordentlich viel Respekt. Viele arbeiten häufig mit nur geringen Mitteln und schaffen es trotzdem immer wieder Spieler und Jugendmannschaften mit Qualität herauszubringen. Dementsprechend hatten wir letztes Jahr in der U18 zahlreiche Gegner, die sich gegen uns richtig viel überlegt, uns große Probleme bereitet hatten. Josef Gehmaiers SV Ried hatte beispielweise einen super Plan, der eine richtige Herausforderung darstellte.

abseits.at: Du bist Jahrgang 92. Hast du manchmal das Gefühl, dass dein junges Alter für Spieler und Medien ein Problem ist, oder haben junge Trainer wie Julian Nagelsmann schon genügend Vorarbeit geleistet?

René Maric: Bei den Spielern wäre es mir bisher gar nicht aufgefallen. Ein paar haben mich unlängst noch gesiezt, bevor ihnen auffiel, wie alt ich eigentlich bin. Intern haben wir es am ersten Tag thematisiert, seitdem fiel mir nichts auf. Man muss ja sagen, dass die meisten Spieler ohnehin in meinem Alter oder jünger sind. Meist kommt es von den Medien.

abseits.at: Gibt es praktische Aspekte im Profifußball, die du als Taktik-Autor komplett anders eingeschätzt hast?

René Maric: Rein inhaltlich? Nun ja, mit allem, was außerhalb des Platzes so passiert, haben wir uns eigentlich bewusst nie auseinandergesetzt. Fachlich sind es dann viele Details und natürlich auch Umstände, die anders sind, als sie von außen wirken. Eine komplette Veränderung der Perspektive gab es diesbezüglich aber nicht: Auf dem Platz ist auf dem Platz.

abseits.at: Deine „In Depth“-Analysen auf spielverlagerung.de bzw. auch bei uns waren legendär. Allerdings hat man sich selbst als Taktik-Liebhaber bei langen Analysen oftmals wirklich konzentrieren müssen, um den Faden nicht zu verlieren und deinen Gedankengängen zu folgen. Musst du dich bei Taktik-Besprechungen gegenüber den Spielern ein wenig zurücknehmen?

René Maric: Ich glaube, ich habe im Trainerleben bisher nicht einmal ansatzweise so viel geredet wie ich da geschrieben habe. Das würde auch am Sinn der Sache vorbeigehen. Diese langen Betrachtungen waren eine Reflektion für mich – ich sah mich eigentlich nie als Journalist, es war eine Übung, die durch die Öffentlichkeit viel Feedback erhielt. Aus dem die relevanten Inhalte für die Spieler herauszuziehen und einfachst möglich vermitteln zu lernen, ist dann der nächste Schritt.

abseits.at: Óscar García ließ einen sehr erfolgreichen Fußball in Salzburg spielen. Wo seht ihr aber noch Verbesserungspotential? In welchen Aspekten habt ihr andere Philosophien/Ideen als der Spanier?

René Maric: Ich denke, es wäre vermessen von „Verbesserungspotenzial“ zu reden, wenn man sich die Erfolge unserer Vorgänger in den letzten Jahren ansieht. Es war die erfolgreichste Zeit im österreichischen Vereinsfußball, die wir je hatten. Das muss man erstmal hinkriegen. Dass sich Sachen verändern, ist aber normal – das hat wenig von „besser“ oder „schlechter“, sondern eher von „anders“. Anderer Trainerstab, andere Ideen und natürlich auch andere Spieler, an denen man sich in allererster Instanz orientiert.

abseits.at: Mit Konrad Laimer ist der unserer Meinung nach beste Bundesliga-Spieler der Vorjahressaison nach Leipzig gewechselt. Mit Wanderson, Wisdom und Oberlin verließen drei weitere Top-Leute den Verein. Ist der Kader deiner Meinung nach schwächer als in der vergangenen Saison?

René Maric: Undankbare Frage, nicht wahr? Aber ganz ehrlich: Ich würde auch hier nicht von besser oder schlechter sprechen, sondern von anders. Persönlich bin ich richtig zufrieden mit unserem Kader, trotz der Abgänge. Die Spieler haben sich im letzten Jahr entwickelt und steigern sich weiterhin, neue Spieler sind dazu gekommen, junge Spieler drängen nach oben. Ich glaube, wir sind sehr gut aufgestellt.

abseits.at: Wenn sich nicht sämtliche Wettanbieter täuschen, dann wird RB Salzburg heuer zum fünften Mal in Folge Meister. Unglaublich ist zudem, dass Salzburg die letzten vier Jahre auch stets den Cup gewann, sich also in keinem einzigen Pokal-Spiel einen Aussetzer leistete. Hat RB Salzburg zu wenig Konkurrenz in Österreich? Arbeitet Salzburg so gut, oder die anderen Vereine so schlecht – oder beides?

René Maric: In den letzten Jahren wurde bei uns sehr gut gearbeitet und ich hoffe, wir können diesem Anspruch ebenfalls entsprechen. Aber nur weil eine Mannschaft in einem Land viel Erfolg hatte, sollte man die anderen nicht klein reden. Ich glaube, dass auch jeder einzelne Spieler und Mitarbeiter  in Salzburg in den letzten Jahren darüber sprechen würde, wie hart man sich diese Erfolge gegenüber der Konkurrenz konstant erarbeiten musste. Das spüren wir hier regelmäßig. Bei Ausrutschern oder Stagnation schläft die Konkurrenz aber nicht.

abseits.at: Wie siehst du deine langfristige Zukunft im Profifußball? Kannst du dir vorstellen Marco Rose als Co-Trainer überall hinzufolgen – etwa wie Manfred Schmid bei Peter Stöger – oder reizt dich auf lange Sicht ein Posten als Cheftrainer?

René Maric: Natürlich hat man als Cheftrainer andere Möglichkeiten inhaltliche Ideen umzusetzen, aber dafür muss ich mich in allen Bereichen noch entwickeln. Zurzeit fühle ich mich in meiner Rolle sehr wohl und ich habe keinerlei Pläne dies in den nächsten Jahren zu verändern. Grundsätzlich bin ich aktuell sehr zufrieden, sowohl bei Red Bull Salzburg im Verein als auch unter Marco als Co-Trainer. Das ist für mich wichtig.

abseits.at Redaktion

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