Rapid besiegte am Sonntag die Wiener Austria mit 1:0 und ist damit seit fünf Derbies unbesiegt. Die Hütteldorfer setzten sich als etwas hungrigere Mannschaft... Taktisch guter SK Rapid gewinnt spielerisch durchschnittliches, aber spannendes Derby

Marcel Sabitzer (Admira Wacker Mödling)Rapid besiegte am Sonntag die Wiener Austria mit 1:0 und ist damit seit fünf Derbies unbesiegt. Die Hütteldorfer setzten sich als etwas hungrigere Mannschaft durch, die jedoch taktisch klar besser eingestellt war, als der Erzrivale aus Wien-Favoriten. Der Europacup sollte jedoch trotz der Niederlage auch für die Austria ein machbares Unterfangen sein, zumal Grödig „wegzubrechen“ scheint.

Rapid trat wie immer in einem defensiven 4-3-3 auf, das eher einem 4-2-3-1 ähnelt und zeigte dabei bekannte spielerische und gruppendynamische Muster. Austria-Trainer Herbert Gager schickte sein Team zum dritten Mal in einem flachen 5-4-1 bzw. einem 3-4-2-1 auf den Platz. Dies griff gegen Rapid aber aus mehreren Gründen nicht.

Was gegen Salzburg funktioniert, kann gegen Rapid nach hinten losgehen

Meister Salzburg biss sich am in Österreich ungewöhnlichen System Gagers die Zähne aus, weil sie ihre Angriffe sehr zentral vortragen, mit flachen Pässen den Weg zur Mitte suchen. Aufgrund der großen Qualität der Salzburger gelingt es dem Team oft mit diesem Konzept zum Torabschluss zu kommen – 101 erzielte Treffer in der bisherigen Saison 2013/14 sprechen eine deutliche Sprache. Rapid spielt jedoch anders und so gab die Austria aufgrund ihrer formativen Ausrichtung einen wichtigen Verbindungsspieler im Mittelfeld auf.

Robuste Innenverteidigung – ein Hemmschuh?

Der große Vorteil des „neuen Austria-Systems“ ist sicher die zusätzliche Robustheit und physische Präsenz in der zentralen Defensive. Mit Ortlechner, Ramsebner und Rotpuller sichern gleich drei körperlich starke Spieler die Mitte ab. Gegen Salzburg zogen sie sich tief zusammen und wurden durch die Außenverteidiger unterstützt, wodurch es für die Bullen sehr schwer wurde, Torchancen zu kreieren und Lücken zu finden.

Rapid flügellastiger als Salzburg

Rapid zog das Spiel jedoch stärker in die Breite und war nicht auf so viel Ballbesitz ausgerichtet wie die Salzburger. Die Aktionen sollten schnell zu Ende gespielt werden, der Schwerpunkt der gruppentaktischen Dynamiken lag an den Flügeln. Kurzum: Es wäre für die Austria nicht notwendig gewesen, gegen den Tabellenzweiten eine so massive Innenverteidigung aufzubauen.

Art und Weise der Rapid-Konter machte Austria Probleme

Die Austria konnte im Mittelfeld durchaus häufig ein Übergewicht erzeugen, weil die Außenverteidiger dem System entsprechend etwas höher spielten und für die Mittelfeldspieler gute Anspielstationen darstellten. Wenn die Veilchen jedoch Bälle verloren und schnell von Offensive auf Defensive umschalten mussten, bekamen sie ein Problem damit, dass Rapid nur selten direkt durch die Zentrale kontert. Dadurch, dass Rapid praktisch ohne echten Stürmer spielte und immer wieder zwischen den offensivsten Positionen rochiert wurde, waren die vorgetragenen Konter fast immer flügellastig.

Zunächst kein Durchkommen in offenen Lücken durch gutes „Spiel lesen“

Rapid übernahm in der zweiten Halbzeit deshalb das Kommando, weil die innere Dreierkette der Austria mit der Spielweise der Grün-Weißen ihre Probleme hatte. Mehrmals – auch schon in der ersten Halbzeit – taten sich zwischen den Positionen große Freiräume auf, die Rapid recht entspannt bespielen konnte, weil die Außenverteidiger der Austria ohnehin langsam umschalteten bzw. zu weite Wege gehen mussten. Längere Zeit schafften es die Violetten aber, durch cleveres Vorausahnen der nächsten Aktion diese Lücken zu schließen.

Probleme im Raum übertragen sich aufs Mittelfeld

In der zweiten Halbzeit wurden diese Lücken aber noch mehr vernachlässigt und das Problem übertrug sich auch noch aufs Mittelfeld. Weil auch die Staffellung der Abwehrspieler in Relation zu ihren Mittelfeldspielern nicht gut funktionierte, hatte Rapid keine Problem durch einfache Einrückbewegungen und ebenso einfache Pässe den Zwischenlinienraum zu bespielen. Fast zwangsläufig wurde Rapid gefährlicher und ging schließlich auch deshalb in Führung, weil Sabitzers Tor offensichtliche Fehlkommunikation zwischen Fabian Koch und seinem nächsten Mitspieler voranging. Auch weil mit Ortlechner ein Innenverteidiger bereits von Gager ausgewechselt wurde und die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen auf der Zentralachse nicht griff. Der Schnittstellenpass Hofmanns und Ballglück Sabitzers taten ihr Übriges.

Alar und die entscheidenden Meter in der Tiefe

Rapid nahm das Spiel wenig überraschend nach der Einwechslung Deni Alars in die Hand. Der Boden wurde für technisch limitierte Kicker immer unangenehmer und einige Spieler, so etwa Burgstaller, hatten ihre Probleme mit dem feuchten Geläuf. Alar brachte nicht nur mehr Ballsicherheit mit auf den Platz, sondern auch die Möglichkeit die Austria durch etwas konkreteres Spiel in der direkten Gefahrenzone einige Meter weiter hinten zu binden. Bis zu diesem Zeitpunkt festigte sich Rapid, weil die Probleme der Austria erkannt wurden und das Abtasten aus der ersten Halbzeit längst vergessen war – die kleine Umstellung, die Alars Einwechslung dann mit sich brachte, machte Rapid endgültig dominant.

Gegenpressingduell geht an Rapid

Hinzu kam, dass Rapid im Gegenpressing solider wirkte als die Austria und eroberte Bälle schneller weiterverarbeiten bzw. speziell auf der rechten Offensivseite konsequenter nachrückten konnte. Bei der Austria hatte man phasenweise den Eindruck, dass Diagonalbälle auf die Außenverteidiger nicht gut funktionierten und zu unpräzise kamen – möglicherweise aufgrund der kleinen Positionsänderung für Suttner und Koch durch die defensivere Spielanlage in der defensiven Zentrale. Dies erschwerte den Veilchen wiederum ihr Umschaltspiel.

Rapid nur durch Schlampigkeit in Bedrängnis

Wenn Rapid in der Schlussphase in Bedrängnis kam, dann nach Standardsituationen oder Kommunikationsschwierigkeiten in der Abwehr (Novota-Dibon). Mit spielerischen Mitteln konnte die Austria dem Rekordmeister nichts anhaben, was aber nicht der totalen Kompaktheit Rapids in der Defensive, sondern vielmehr der Ideenlosigkeit der Austria geschuldet war. Die Veilchen warten nun seit Februar 2013 auf einen Derbysieg und Trainer Herbert Gager muss sich nach einem spannenden, aber spielerisch nicht hochwertigen Derby eingestehen, dass das 3-4-2-1-System kein Patentrezept für jeden Gegner ist.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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