Mit dem 1:0-Heimsieg gegen die SV Ried gelang dem SK Rapid Wien ein kleiner Befreiungsschlag. Überbewerten darf man den ersten Sieg nach vier erfolglosen... Taktisch verbessert, aber zu ineffizient: Welche Lehren kann Rapid aus dem 1:0 gegen Ried ziehen?

Marcel Sabitzer (SK Rapid Wien)Mit dem 1:0-Heimsieg gegen die SV Ried gelang dem SK Rapid Wien ein kleiner Befreiungsschlag. Überbewerten darf man den ersten Sieg nach vier erfolglosen Spielen dennoch nicht, zumal er trotz seiner Souveränität bis zum Ende gefährdet war. Zu viele vergebene Torchancen machten eine gute Partie Rapids bis zum Schluss spannend – aber die Qualität der Torchancen macht Hoffnung für die grün-weiße Zukunft.

Zoran Barisic überraschte mit seiner Aufstellung, ließ etwa Steffen Hofmann und Louis Schaub nur auf der Bank, brachte dafür Deni Alar auf der Zehnerposition im klassischen, defensiven 4-3-3 Rapids. Die SV Ried pfiff gleichzeitig aus dem letzten Loch und musste mit Riegler, Reiter, Wieser, Walch, Burghuber, Möschl, Perstaller und Zwischenbrugger gleich acht Spieler vorgeben.

Rieder Probleme in der Zentrale

Das Resultat dieser angespannten Personalsituation: Ried fehlte es nicht nur an Kreativität und Ballsicherheit in der Zentrale, sondern auch an Durchschlagskraft an den Flügeln. Dass der passable Gernot Trauner schon nach 26 Minuten verletzt runter musste, war ein Knackpunkt im Spiel der Rieder. Danach kam Rapid besser ins Spiel, schaffte es Torchancen zu erspielen und nicht nur zu erzwingen, wie es in anderen Frühjahrsspielen der Fall war. Auch Marcel Ziegl verletzte sich, spielte aber zuvor maximal durchschnittlich. Der 19-jährige Julian Baumgartner war als defensiver Mittelfeldspieler überfordert und auch das Einrücken von Oliver Kragl brachte keinen Spielwitz oder geordneten Spielaufbau ins Spiel der Rieder.

Rapid allgemein mit höherer Feldposition

Weil das Rieder Aufbauspiel kaum funktionierte, kamen auch die Offensivspieler nur bedingt ins Spiel. Und wenn dann waren Oliva, Gartler und in sehr seltenen Fällen der schwache Vastic beinahe allein auf weiter Flur. Dass die Rieder sich nicht entfalten konnten, lag aber auch an der Spielanlage Rapids. Auch wenn das Umschaltspiel von Defensive auf Offensive nur selten wirklich gut funktionierte, stand Rapid in Ballbesitz höher als in den letzten Spielen und zwang Ried damit in tiefere Regionen des Platzes.

Gegenpressing besser, Steigerungspotential bei „herrenlosen zweiten Bällen“

Der zentrale taktische Grund, warum gegen Ried spielerisch viel besser war als in Innsbruck, war das gute Gegenpressing der Hütteldorfer, die es verstanden die Bälle im Mittelfeld zu sichern und etwaige Rieder Konterchancen schon im Keim erstickten. Rapid war dabei nicht sonderlich kreativ, aber viel zielstrebiger und ballhungriger als in den letzten Spielen. Natürlich passte im Spiel der Hütteldorfer nicht alles; so zum Beispiel die vielen zweiten Bälle, die man wegen Abstimmungsschwierigkeiten verschenkte und den Riedern so immer wieder ein wenig Luft gab.

Wydra verbessert

Gerade die Rapid-Spieler, die in den letzten Monaten Kritik einstecken mussten, präsentierten sich im Heimspiel gegen Ried klar verbessert. Dominik Wydra legte seine leichtfüßige Spielweise in entscheidenden Situationen ab und traute sich selbst einiges zu. Bisher war Wydras größtes Problem ein mentales, man roch förmlich seine Angst vor Fehlern, speziell im Spiel nach vorne bzw. in der direkten Gefahrenzone. Gegen Ried wirkte er frischer, leitete einige Torchancen mit guten Pässen (die er ja zweifelsfrei spielen kann, aber es viel zu selten tut/versucht) ein und wurde mit einem sehenswerten Weitschuss in der Anfangsphase selbst torgefährlich.

Sabitzer immer präsenter

Auch Marcel Sabitzer zeigte sich wieder verbessert. Zwar war Sabitzer auch in Innsbruck schon einer der besten Rapidler, allerdings ist das riesige Talent, das heute seinen 20.Geburtstag feiert, noch lange nicht am Gipfel seines Leistungspotentials angekommen und spielt als Linksaußen weiterhin nicht fordernd genug. Von Sabitzer geht allgemein zu wenig Gefahr aus und auch wenn er mit seinen Tempodribblings immer wieder für Wirbel sorgt, ist seine Spielweise aktuell ein Sinnbild für die Ineffizienz in Grün-Weiß. Gegen Ried sah man einen veränderten Sabitzer, der auch mit feiner Technik, und klarem Fokus aufs Tor auffiel. Vor seinem Goldtor zum 1:0 ließ er noch einen Sitzer aus, blieb jedoch konzentriert, ließ sich nicht beirren und avancierte so zum Matchwinner für die Hütteldorfer.

Trotz des Sieges: Effizienz muss höher werden

Rapid kann mit dem 1:0-Sieg gegen Ried zufrieden sein und braucht sich aufgrund der zahlreichen Chancen keine Fragen nach dem „wie“ gefallen lassen. In den nächsten Wochen muss Rapid dennoch die Effizienz hinaufschrauben, denn stärkere Gegner werden die Abschlussschwäche des Tabellenvierten ausnützen. Natürlich sind die vielen vergebenen Chancen Rapids im Spiel gegen Ried auch ein wenig auf den Druck von außen zurückzuführen. Nicht nur einmal hatte man den Eindruck, dass Rapid zu großen Respekt vor Großchancen hatte, zu lange überlegte, dann wieder „zu genau“ abschließen wollte.

Chancen qualitativ besser als zuletzt

Der positivste Aspekt des Spiels aus Rapid-Sicht ist, dass die Qualität der Torchancen deutlich höher war als in den vorangegangenen Spielen (mit Ausnahme des Spiels gegen Salzburg, bei dem Rapid aber nicht das Spiel machen musste). Rapid verkrampfte nicht mehr im Aufbauspiel und zeigte in der offensiven Dreierreihe besseres Laufspiel ohne Ball. Die Chancen wurden größtenteils herausgespielt, die Schnittstellen der gegnerischen Viererkette gut bespielt und dieses Konzept behielt Rapid über die volle Spieldauer bei, auch wenn die Zeit gegen sie lief. Erst in der 75.Minute erlöste Sabitzer den Rekordmeister und belohnte sich und seine Mannschaft für eine geduldige Leistung, die es zwar in den Aspekten Gegenpressing, Initiative im Mittelfeld und phasenweise auch offensive Bewegung ohne Ball zu wiederholen gilt, die aber aufgrund der vergebenen Chancen weiterer mentaler Aufbauarbeit durch den Trainer bedarf. Denn auch in Hütteldorf weiß man, dass der Erfolg gegen die SV Ried – natürlich unter Anführungszeichen – „nichts“ wert ist, wenn am kommenden Wochenende gegen den WAC wieder keiner reingehen sollte…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Calafati

    17.März.2014 #1 Author

    Wir haben niemanden, der die Kugel reinmacht, das ist das Problem.

    Unter Schöttel wurde hundsmiserabler Grottenkick abgeliefert.
    Beim Barisic spielt Rapid (meistens) zu viel fürs Auge. Zu wenig richtig
    torgefährliche Spieler vorhanden.

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